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Wolfgang Jütte, Markus Walber u.a.: Das Neue in der Hochschullehre

Cover Wolfgang Jütte, Markus Walber, Claudia Lobe: Das Neue in der Hochschullehre. Lehrinnovationen aus der Perspektive der hochschulbezogenen Lehr-Lern-Forschung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. 278 Seiten. ISBN 978-3-658-13776-2. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

Anhand einer Studie sind die Perspektiven von Lehrenden und Studierenden in Bezug auf Gestaltungsformen und Wirkungen innovativer Lehre an Hochschulen umfassend dargestellt.

AutorInnen

  • Wolfgang Jütte arbeitet als Professor für Weiterbildung an der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld.
  • Markus Walber ist akademischer Direktor an der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld.
  • Claudia Lobe arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld.

Entstehungshintergrund

Mit dem Programm Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre fördern der Stifterverband und andere Stiftungspartner seit 2011 neue Lehrkonzepte für Hochschulen. Zur Evaluierung des Programms gab die Baden-Württemberg Stiftung eine wissenschaftliche Begleitforschung in Auftrag, deren Ergebnisse Basis des vorliegenden Buchs sind.

Aufbau

Das Buch enthält ein Vorwort, fünf Kapitel und einen ausführlichen Anhang zu den Methoden der Studie.

  1. Innovativer Lehre auf der Spur: Beobachtungsperspektiven und Forschungszugriffe,
  2. Innovative Lehre aus Perspektive der Lehrenden: Beweggründe und Kontexte
  3. Innovative Lehre aus Perspektive der Studierenden: Bewertungen und Effekte
  4. Triangulative Verschränkung der Perspektiven
  5. Das Neue in der Hochschullehre: Erweiterung des Blickes

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Im Vorwort sind Zielsetzungen des Förderprogramms beschrieben sowie seine Umsetzung und die Fragen für die Begleitforschung.

Das erste Kapitel Innovativer Lehre auf der Spur: Beobachtungsperspektiven und Forschungszugriffe enthält das Forschungsdesign der wissenschaftlichen Begleitforschung. In drei Teilstudien werden die Projektanträge einer Dokumentenanalyse unterzogen, qualitative Interviews mit den Lehrenden sowie eine quantitative Studierendenbefragung durchgeführt. Abschließend werden die Lehrenden- und die Studierendenpersepktive wechselseitig aufeinander bezogen im Sinne einer Ergebnistriangulation. Ziel ist es, Lehrinnovationen multiperspektivisch und multimethodisch zu beobachten.

Forschungsfragen zum Innovationsverständnis der Fellows, zu ihrer Motivation zu innovativer Lehre sowie um institutionelle Implementierung und Verstetigung der Innovation sind der Ausgangspunkt für das zweite Kapitel Innovative Lehre aus Perspektive der Lehrenden: Beweggründe und Kontexte. Aus der Dokumentenanalyse wurden mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring acht Handlungsprobleme als Innovationsanlässe abgeleitet, sowie neun konkrete Maßnahmen, um den Handlungsproblemen entgegen zu wirken.

Die qualitative Interviewstudie war als Verlaufsstudie über drei Jahre angelegt und wurde während dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. 13 Lehrende mit heterogenem Hintergrund wurden interviewt, drei weitere nach Projektende befragt. Aus den Transkriptionen wurden induktiv Kategorien gebildet, während der Interviews wurde auch mit interaktiven Netzwerkkarten gearbeitet.

In der Auswertung stellte sich heraus, dass innovative Lehre kontextgebunden ist, sich am Bedarf ausrichtet und die Qualität der Lehre verbessern soll und dass sie in Abhängigkeit zu Fachdisziplin, Hochschultypus und Studienganggröße steht.

Die Fellows möchten ihre Studierenden besser motivieren, ihr Verstehen fördern, sie individuell betreuen, sie bei wissenschaftlichem Arbeiten und bei der Vorbereitung auf den Beruf unterstützen. Zudem streben sie teilweise auch die Veränderung organisationaler und fachdisziplinärer Strukturen an. Befristete Drittmittelförderung kann Innovation fördern, jedoch nicht die Verstetigung innovativer Lehrprojekte. Innovationsprozesse sind auch soziale Prozesse; intermediäre Einrichtungen, Servicestellen und ein unterstützender informeller Austausch mit den KollegInnen beeinflusst die Arbeit der Fellows.

Das Kapitel Innovative Lehre aus Perspektive der Studierenden: Bewertungen und Effekte widmet sich der Zielgruppe der Studierenden. Die multivariate Analyse der quantitativen Studierendenbefragung mit Antworten von 850 Studierenden ist der Ausgangspunkt für die Systematisierung innovativer Veranstaltungsmerkmale und angestrebter Lerneffekte. 30 Merkmale, die aus der Analyse der Anträge identifiziert wurden, bilden die Basis für die Ableitung von sechs Merkmalsdimensionen innovativer Lehrveranstaltungen: Interaktive Lernformen, Studierendenorientierung, Praxis/Forschungsbezug, Anwendungsbezogene Reflexion, Medieneinsatz und Neue Prüfungsformen. Es zeigte sich, dass diese sechs Dimensionen auch aus Studierendenperspektive mit der von ihnen wahrgenommenen Veranstaltungsinnovativität und ihrer Zufriedenheit mit der Veranstaltung in Zusammenhang stehen. Ebenso wurden die von den Lehrenden angestrebten Lerneffekte – überfachliche Lerneffekte, fachlich-wissenschaftliche Lerneffekte, inhaltliche Zufriedenheit, Berufsorientierung, Kontextualisierung – aus Sicht der Studierenden erzielt. Im Weiteren wurden mittels einer Clusteranalyse verschiedene Studierendengruppen identifiziert, nämlich die Effektschwachen, die zufriedenen überfachlich Qualifizierten, die Effektstarken, die fachlich Qualifizierten und die zufriedenen Berufsorientierten. Es gibt Zusammenhänge zwischen den innovierten Veranstaltungsmerkmalen und den Lerneffekten, allerdings spielen auch die hochschulischen Rahmenbedingungen und personenbezogene Merkmale eine Rolle.

Im Kapitel Triangulative Verschränkung der Perspektiven – also der Verschränkung der Lehrenden- und Studierendenperspektive – zeigt sich, dass die von den Lehrenden bezweckten Innovationsdimensionen eine gute Systematik für das Innovationserleben der Studierenden bieten.

Kapitel 5 mit dem Titel Das Neue in der Hochschullehre: Erweiterung des Blickes fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Der organisationale Handlungskontext zeigte sich in allen Teilstudien als wichtig für Lehrinnovationen. Wie verändern die eingeführten Lehrinnovationen jedoch die Organisation? In der triangulativen Verknüpfung der Lehrenden- und Studierendensicht wurden Lehrende, die einige Zeit außerhalb der Hochschule tätig waren, von den Studierenden als besonders innovativ wahrgenommen. Förderprojekte können Katalysatoren für Innovation sein, die Verstetigung innovativer Lehrprojekte bräuchte eine stärkere Einbindung der Hochschulen als Ganzes. Im Rahmen der Förderung wurden die Fellows an ihrer Hochschule sichtbar und vernetzten sich mit anderen innovationsbereiten Lehrenden.

Diskussion

Trotz der wissenschaftlichen Ausrichtung des Buches, die sich des öfteren in komplexen Sätzen und Formulierungen niederschlägt, kreieren die AutorInnen einen Spannungsbogen, der es schwermacht, auch nur kurz mit dem Lesen aufzuhören. Profund werden die gebildeten Hypothesen hinterfragt, wird die Herangehensweise aus den unterschiedlichsten Perspektiven kritisch beleuchtet.

Die Lehrendenperspektive auf Innovation im Unterricht gibt Anhaltspunkte zur Betrachtung der eigenen Lehre aus vielfältiger Perspektive und hat das Potenzial im kollegialen Austausch oder im Rahmen einer hochschuldidaktischen Weiterbildung als Material und Denkanstoß zu fungieren. Die unterschiedlichen Effekttypen der Studierenden regen zur Analyse der eigenen Studierenden an.

Die entwickelten Hypothesen zur Innovation in der Hochschullehre sowie Kategorien, Merkmale, Dimensionen und Items, die im Rahmen der Begleitforschung entwickelt und verdichtet wurden, sowie die Erhebungsinstrumente im Anhang haben ein hohes Potenzial in anderen Kontexten weiter verwendet zu werden.

Fazit

Dieses Buch bietet eine umfassende Analyse, wie Innovation in Hochschulen gebracht werden kann. Dabei werden die Seite der Lehrenden und die Seite der Studierenden genau beleuchtet und miteinander in Beziehung gebracht. Die genaue Auseinandersetzung mit dem Thema Innovation in der Hochschule hat mich inspiriert und ich bin mir sicher, dass mich dieses Buch im nächsten Studienjahr begleiten wird.


Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 29.08.2018 zu: Wolfgang Jütte, Markus Walber, Claudia Lobe: Das Neue in der Hochschullehre. Lehrinnovationen aus der Perspektive der hochschulbezogenen Lehr-Lern-Forschung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-13776-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24290.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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