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Birgit Herz: Zur historischen Proximetrie einer Wissenschafts­disziplin

Cover Birgit Herz: Zur historischen Proximetrie einer Wissenschaftsdisziplin. Sonderpädagogik und die Dialektik von Inklusion und Exklusion. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. 116 Seiten. ISBN 978-3-7815-2157-5. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR.

Reihe: Perspektiven sonderpädagogischer Forschung.
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Thema

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine historiographische Studie, mit der die zentralen fachlichen Entwicklungen innerhalb der Sektion Sonderpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) anlässlich des 50jährigen Bestehens ihrer Fachtagung – der DozentInnentagung – verdeutlicht werden sollen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht jedoch keine ausschließliche Skizzierung der Theorieentwicklungen. Vielmehr sollen spezifische Ereignisse, personelle Verflechtungen, Institutionen und Traditionen zur Darstellung kommen, die in enger Verbindung mit der fachlichen Entwicklung der Sektion Sonderpädagogik in der DGfE stehen. Bei dieser Vorgehensweise ist jedoch nicht die Skizzierung eines harmonischen Entwicklungsweges das Ergebnis der Betrachtung, sondern es werden insbesondere auch in den zurückliegenden Jahren aufgetretene Widersprüche, Ambivalenzen und Brüche wie auch unterschiedliche Differenzlinien verdeutlicht.

Autorin

Die Autorin Frau Prof. Dr. Birgit Herz ist seit dem Wintersemester 2009 Inhaberin des Lehrstuhles Pädagogik bei Verhaltensstörungen am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover. Sie studierte Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule des Saarlandes in Saarbrücken und an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Nach den beiden Staatsexamen für das Lehramt an Sonderschulen arbeitete sie von 1984 bis 1991 als Sonderschullehrerin an einer Sonderschule für Verhaltensgestörte in Frankfurt am Main. Eine Promotion erfolgte 1990. In den folgenden Jahren war die Autorin in Forschung und Lehre an verschiedenen Hochschulen aktiv. Von 2001 bis 2009 war sie Vorsitzende der Sektion Sonderpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE).

Aufbau

Das vorliegende Buch wird eingeleitet mit einem Vorwort des Vorstandes der Sektion Sonderpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE). Diesem vorangestellten Vorwort folgt mit dem Kapitel 1 eine Einleitung der Autorin.

Es folgen dann sechs fachlich-inhaltliche Kapitel.

  • Im Kapitel 2 werden sozio-ökonomische und kulturelle Dynamisierungsprozesse seit der Gründung der Sektion Sonderpädagogik in der DGfE aufgezeigt. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt hier auf den ersten drei Jahrzehnten.
  • Es folgt mit dem Kapitel 3 eine Skizzierung der Profilierung einer Wissenschaftsdisziplin – hier der Sonderpädagogik – wobei mit den Aspekten Kontroversen, Kritik und Koexistenz spezifische Akzente gesetzt werden.
  • Das Kapitel 4 setzt sich mit den Entwicklungen in der DDR auseinander. Der Akzent liegt hier bei der Entwicklung der Rehabilitationspädagogik in der DDR und nach der deutschen Wiedervereinigung.
  • In dem Kapitel 5 steht die Sonderschulzentrierung der Sektion im Mittelpunkt der Betrachtung, wobei es konkret um diesbezügliche Differenzierungen und ein Aufbrechen dieser Zentrierung geht.
  • Das Kapitel 6 widmet sich dann der historischen Kontinuität von Inklusion und Exklusion.
  • Mit dem Kapitel 7 als Ausblick schließt das Buch ab.

Ein recht umfängliches Literaturverzeichnis und zwei Anhänge ergänzen die inhaltlichen Ausführungen.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Das vorliegende Buch wird eingeleitet mit einem Vorwort des Vorstandes der DGfE-Sektion Sonderpädagogik. Als bedeutsam wird die spannende Historiographie mit ausgewählten Schwerpunktsetzungen herausgestellt, wodurch bedeutsame und teilweise kontroverse Entwicklungen rekonstruiert werden. So sei ein interessanter, kaleidoskopartiger Blick auf die Entwicklung der Sektion Sonderpädagogik entstanden. Betont wird, dass es sich um keine abgestimmte historische Positionierung der Sektion handelt, sondern vielmehr um eine interessante, spezifische Leitlinien verfolgende Einschätzung der Autorin.

Dieser vorangestellten Einleitung folgt mit dem Kapitel 1 eine Einleitung der Autorin. Sie betont, einige historiografische Linien verdeutlichen, zugleich das Spannungsverhältnis zwischen Inklusion und Exklusion in der Fachdisziplin aufzeigen zu wollen. Dies soll insbesondere mit Verweis auf aktuelle bildungsökonomische Entwicklungen erfolgen. Diese Studie ist vor allem entstanden im Rückgriff auf sonder-, integrations- und inklusionspädagogische, sozialwissenschaftliche und erziehungswissenschaftliche Veröffentlichungen der letzten 50 Jahre. Eine besondere Bedeutung kam dabei den Tagungsdokumentationen der Sektion Sonderpädagogik in der DGfE zu. Zudem gingen bedeutende Impulse, weiterführende Informationen und Materialien wie auch persönliche Stellungnahmen und Kritiken an der Vorstudie von Kolleginnen und Kollegen in diese Studie ein.

In dem Kapitel 2 werden sodann sozio-ökonomische und kulturelle Dynamisierungsprozesse seit der Gründung der Sektion Sonderpädagogik in der DGfE skizziert. Zentral sind hierbei die ersten drei Jahrzehnte. Besonders wird darauf verwiesen, dass bei der Entfaltung und Profilierung innerhalb der Sektion Sonderpädagogik enge Wechselbeziehungen und enge personale Verflechtungen mit dem Verband Sonderpädagogik als berufsständischer Organisation bestanden haben. Zunächst einmal setzt die Autorin sich in einem Exkurs mit der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus auseinander. Sie verweist dabei auf die bis in die Gegenwart hineinwirkenden Verleugnungs- und Verdrängungskomplexe. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit diesem „Erbe“ wurde bisher verbandsintern nicht geleistet und auch innerhalb der Sektion Sonderpädagogik fehlen diesbezügliche Analysen, Bestandsaufnahmen und öffentliche Diskurse. In einem weiteren Teil dieses Kapitels skizziert die Autorin kurz und knapp die gesellschafts- und bildungspolitischen Entwicklungen zwischen den 1960er und 1990er Jahren (Kapitel 2.1). Wichtig hierbei ist ihr die Verdeutlichung der Annäherung an das kulturell-epochale Geschehen. In einem weiteren Teil verdeutlicht sie die bildungspolitischen Szenarien in dieser Zeit (Kapitel 2.2).

Das Kapitel 3 ist dann der Profilierung einer Wissenschaftsdisziplin – konkret der Sonderpädagogik – gewidmet.

  • Die Autorin verdeutlicht zunächst einmal in der Entwicklung der Sektion deutlich gewordene zentrale inhaltliche Kontroversen (Kapitel 3.1) und verweist dabei auf vorhandene erbitterte Auseinandersetzungen und Lagermentalitäten. Weiterhin geht sie auf die Etablierung der Sonderpädagogik als eigenständige Disziplin innerhalb der Erziehungswissenschaft ein. Bedeutsam ist ihr auch die Skizzierung des Ausbaus der Sonderschulen wie auch der akademischen Qualifizierung von Sonderschullehrkräften.
  • Diese Entwicklungen standen jedoch immer auch in der Kritik. In ihrem Kapitel Außeruniversitäre Entwicklungen – jenseits der Sonderschule (Kapitel 3.2) verweist sie auf die in den 1970er Jahre erstarkenden Krüppel- und Behinderteninitiativen, wie auch Eltern- und Integrationsbewegungen. Diese Bewegungen richteten ihren Blick nicht mehr auf die Verbesserung und den Ausbau einer sonderpädagogischen Sonderbehandlung, sondern ihre Forderungen gipfelten in der Integration in allen relevanten Lern-, Wohn- und Lebenszusammenhängen.
  • Nachfolgend werden beispielhaft einige Fachtagungen der Sektion in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext dargestellt (Kapitel 3.3). Verdeutlicht werden dabei noch einmal die fachlichen Differenzlinien innerhalb der Sektion Sonderpädagogik.
  • Ein weiteres Kapitel wendet sich dann den Fragen der Qualifizierung und Professionalisierung zu (Kapitel 3.4), die ab Anfang der 1980er Jahre stärker in den Mittelpunkt der Sektionstagungen rückten.
  • Sodann wird noch einmal auf Differenzierungen und Pluralisierungen der Fachdisziplin eingegangen (Kapitel 3.5). Eine besondere Bedeutung hat für die Autorin hier die systemtheoretische Erweiterung der sonderpädagogischen Theoriebildung und die Etablierung eines Arbeitskreises IntegrationsforscherInnen. Beide Entwicklungen tragen innovative Modell- und Entwicklungsprojekte in den fachlichen Diskurs der Sektion. Sodann geht die Autorin in einem Exkurs noch einmal auf Polarisierungen und Kontroversen in der Grundschulpädagogik und der allgemeinen Erziehungswissenschaft ein. In beiden Bereichen sind für die Autorin Polarisierungen und Kontroversen über bildungspolitische Positionen und/oder Forschungsmethoden anzutreffen.

Im Kapitel 4 befasst sich die Autorin mit den Entwicklungen in der DDR – hier speziell mit der Rehabilitationspädagogik – und der deutschen Wiedervereinigung.

  • In einer Einleitung (Kapitel 4.1) weist sie auf die Probleme hin, über Entwicklungen in der DDR und der Rehabilitationspädagogik zu schreiben, die nicht auf der Basis westdeutscher Deutungshoheit basieren.
  • Beispielhaft will die Autorin auf die Entwicklung der Rehabilitationspädagogik an der Humboldt Universität zu Berlin eingehen (Kapitel 4.2). Sie skizziert in aller Kürze die Entwicklung dieses Studienganges und seine inhaltliche Ausrichtung. Im Mittelpunkt stand hier ein Verständnis des Menschen als bio-psycho-soziale Einheit, doch es erfolgte zudem eine starke Orientierung an der sowjetischen Defektologie.
  • Sodann geht die Autorin beispielhaft auf den Zusammenhang von der Theorie der Defektologie und Menschen mit vermeintlichen Verhaltensschädigungen ein (Kapitel 4.3). So problematisiert sie hier die vorherrschende Meinung über hirnorganisch bedingte Beeinträchtigungen bei Verhaltensstörungen und psychischen Krankheitsbildern. Diesbezügliche gesellschaftliche Erklärungen für Verhaltensstörungen fanden vor diesem Hintergrund keine Anerkennung. Entsprechende Diagnosen führten entweder zu einer Überweisung zu Ausgleichsklassen in den allgemeinen Schulen oder zu einer Einweisung in Sonderheime mit angeschlossenen eigenen Heimschulen.
  • Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten (Kapitel 4.4) erfolgte die Abwicklung des Instituts Rehabilitationspädagogik an der Humboldt Universität und eine Neugestaltung des sonderpädagogischen Studiums nach westdeutschem Modell. Eine fundierte fachliche Auseinandersetzung mit der rehabilitationspädagogischen Theoriebildung unterblieb ebenso wie auch eine fachliche Würdigung der Rehabilitationspädagogik. Gerade aber die DGfE hatte die Abwicklung der DDR-Pädagogik auf der Basis der westdeutschen Wissenschaftsideologie mitgetragen. Die aus dieser Zeit herrührenden Dialogbarrieren veränderten sich in den nachfolgenden Jahren nur schwer.

Das Kapitel 5 befasst sich mit der Differenzierung und dem Aufbruch der Sonderschulzentrierung. Die Autorin versucht, herauszuarbeiten, welche für die Theoriebildung der Sonderpädagogik wegweisend waren und über die engeren fachlichen Gegebenheiten hinausführten. Vier thematische Forschungsschwerpunkte sind ihr in diesem Zusammenhang bedeutsam.

  • Zunächst ist dies die Frauen- und Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik (Kapitel 5.1), die die Forschungsfelder in der Sonderpädagogik maßgeblich erweitert hat.
  • Zweitens sind dies ethische Reflexionen in der Sonderpädagogik (Kapitel 5.2). Hier hat insbesondere die Auseinandersetzung mit einer utilitaristischen Ethik zu einer hohen Sensibilisierung für ethische Fragestellungen geführt.
  • Drittens sind dies die Disability Studies (Kapitel 5.3), denen es um die Sichtbarmachung von Behinderung als soziale Konstruktion geht und deren Forschungsergebnisse zu einer radikalen Kritik am individualisierenden Behinderungsmodell geführt haben.
  • Viertens sind dies Prozesse der Internationalisierung und der vergleichenden Sonderpädagogik (Kap. 5.4). Entsprechende Orientierungen führten zur Gründung eines Arbeitskreises Sonderpädagogik und Dritte Welt und zu einem Arbeitskreis International vergleichende Sonderpädagogik. Beide Orientierungen trugen zu einer Weiterentwicklung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in der Wissenschaftsdisziplin Sonderpädagogik bei.

Im Kapitel 6 geht es um die historische Kontinuität von Inklusion und Exklusion in der Sonderpädagogik, die die Autorin zu den zentralen Kategorien dieser Disziplin zählt.

  • Lebenslange Armut zieht die Bildungsbenachteiligung im Bildungsbereich nach sich (Kapitel 6.1). Bestimmend für Bildungsbenachteiligungen sind Verhältnisse sozialer Ungleich und soziale Ausgrenzungsprozesse, aber auch eine frühzeitig einsetzende Ausgrenzungsdynamik und die soziale Selektion im deutschen Schulsystem.
  • Sodann verweist die Autorin auf Exklusionsrisiken im Übergang von der Schule in die selbstständige Berufsausbildung/Erwerbsarbeit (Kapitel 6.2). Zwar gibt es in diesem Übergangsbereich inzwischen eine Vielfalt an Integrationsangeboten, die jedoch der Komplexität von Ausgrenzungsprozessen vielfach nicht immer gerecht werden. Ein Dilemma der beruflichen Rehabilitation resultiert aus dem gesellschaftlichen Strukturwandel. Als Folge dieses Wandels haben behinderte Jugendliche aktuell nur geringe Integrationschancen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
  • Sodann skizziert die Autorin aktuelle bildungspolitische Entwicklungen (Kapitel 6.3). Problematisch ist, dass sich aktuelle Reformen im Bildungswesen vorrangig an den Effizienz- und Effektivitätssteigerungen von Schulen orientieren. Derartige Reformen verweisen wiederum auf ein reduktionistisches und funktionalistisches Bildungsverständnis. Im Zentrum der Betrachtung stehen Leistungssteigerungen, um im internationalen Wirtschafts- und Finanzwettbewerb weiterhin mitspielen zu können. Auf der Grundlage dieses Leistungssystems kommt es aber immer auch zu Prozessen der Segregation. Erklärungen zum Auf- und Ausbau eines inklusiven Schulsystems stehen geradezu im Widerspruch zu diesen realen Exklusionsprozessen.
  • Im nachfolgenden Kapitel wird dann noch einmal auf Prozesse der Exklusion und Inklusion im Wissenschaftsbetrieb eingegangen (Kapitel 6.4). Im Rahmen der Verbetriebswirtschaftlichung ist es an den Hochschulen zu einem grundlegenden Mentalitätswandel gekommen. Es haben sich fachbezogene Wettbewerbsdomänen und drittmittelgeförderte Marktsegmente in Forschung und Lehre herauskristallisiert. Dominat erweisen sich inzwischen Projekte, die auf der Basis einer empirisch-quantitativen Methodik beruhen.
  • Auf die Rolle und Funktion von Diagnostik wird noch einmal im nachfolgenden Kapitel eingegangen (Kapitel 6.5). Mit der Tendenz, ein inklusives Schulsystem etablieren zu wollen, muss sich auch die inhaltliche Ausrichtung in der Diagnostik verändern. Bislang wurden in der Sonderpädagogik durch die Klassifizierung von Entwicklungsstandards Normierungen geschaffen, die gleichzeitig der Legitimation von Aussonderungsprozessen dienten. Gefordert wird nun eine Dekategorisierung und eine nonkategoriale Förderung. Damit verbunden ist jedoch die Gefahr, dass derartige Entwicklungen zu Sparmaßnahmen instrumentalisiert werden. Hinzu kommt die zunehmend propagierte Evidenzbasierung und die Durchsetzung evaluierbarer Effektivitätskriterien, was neue Etikettierungs- und Segregationsprozesse nach sich zieht.

Mit dem Kapitel 7 wird die Betrachtung mit einem Ausblick abgeschlossen. Hier konstatiert die Autorin eine zunehmende Instrumentalisierung von Erziehung und Bildung sowie von erziehungswissenschaftlicher Forschung für ökonomische Interessen. Hingegen wäre es die Aufgabe einer kritischen Erziehungswissenschaft, in einem historischen Rückblick auf die derzeitige Reformagenda Inklusion die Wirkmächtigkeit der Inklusionssemantik zu untersuchen. Denn hier scheint das Problem auf, dass nicht nur die realen Exklusionsprozesse nicht zur Kenntnis genommen werden, sondern selbst wiederum zu Exklusionsprozessen beigetragen wird. In einem Exkurs werden in diesem Ausblick einige Anmerkungen zur Stellung der Sektion Sonderpädagogik innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) gegeben. Zum einen wird auf eine gewisse Fremdheit zwischen der DGfE als Gesamtorganisation und der Sektion Sonderpädagogik verwiesen. Die Sektion wurde in der Vergangenheit im Gesamtrahmen weniger sichtbar als andere Sektionen. Zudem konnte immer auch eine gewisse Distanz zwischen der Sektion Sonderpädagogik und der DGfE festgestellt werden. Die Sektion Sonderpädagogik wie auch andere Fachgesellschaften in der DGfE werden sich zum anderen künftig mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sich ihr Verhältnis hinsichtlich der Forderung nach einem inklusiven Schulsystem entwickeln wird.

Diskussion

Die vorliegende Studie gibt einen kleinen generationsübergreifenden Blick auf vergangene und gegenwärtige Themen und Fragestellungen in der Sektion Sonderpädagogik der DGfE. In der vorliegenden Studie werden einige historiografische Wegmarken der Geschichte der Sektion Sonderpädagogik aufgezeigt, eine Reihe von Ereignissen und Daten wie auch Personalia eher ausschnitthaft und damit komplexitätsreduzierend zusammengefasst. Die Autorin wünscht sich deshalb auch, dass ihre Ausführungen Kolleginnen und Kollegen zu kritisch-kontroversen Diskussionen einladen.

Fazit

Die vorgelegte Studie in der vorliegenden Form ist sehr zu begrüßen, bietet sie doch überhaupt eine Betrachtung zu der Entwicklung der Sektion Sonderpädagogik in der DGfE in vielfacher Hinsicht. Das Herausstellen von spezifischen Ereignissen, Personalia und Daten über die Entwicklung der Sektion, spiegelt die fachliche Entwicklung wie auch die fachlichen Auseinandersetzungen in der Sektion gut nachvollziehbar wider. Viele angesprochene Dinge sind für den Leser recht gut nachvollziehbar. Somit bietet die Autorin in ihrer Herangehens- und Vorgehensweise einen guten Ein- und Überblick über die Entwicklungen in der Sektion Sonderpädagogik. Ihre Ausführungen sind recht subjektiv fokussiert. Die Autorin folgt ihren eigenen Erfahrungen wie auch ihrer eigenen Bearbeitung unterschiedlicher Informationsquellen. Dies alles kann aus meiner Sicht als gelungen bezeichnet werden. Gern hätte man sich gewünscht, die eine oder andere Sache etwas detaillierter dargestellt zu bekommen. Bezogen auf den Umfang der Studie muss dies jedoch ein Wunsch bleiben. Gerade aufgrund des sehr eingegrenzten Umfanges der Studie erweisen sich viele Ausführungen als sehr komprimiert und damit als sehr komplex. Viele Ausführungen regen zu einem Weiterlesen bzw. Nachlesen gewisser Quellen an. Ein sehr umfängliches Literaturverzeichnis bietet hierfür eine gute Grundlage. Leider gibt es einige Ungenauigkeiten hinsichtlich des Auffindens bestimmter im Text angegebener Quellenbezeichnungen.

Ich möchte diese Studie all denjenigen empfehlen, die anlässlich des 50jährigen Bestehens der Fachtagung der Sektion Sonderpädagogik die Entwicklung der fachlichen Orientierungen dieser Sektion nachvollziehen und auch für die fachliche Weiterentwicklung der Sektion einstehen wollen.


Rezensent
Prof. Dr. Norbert Störmer
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Zitiervorschlag
Norbert Störmer. Rezension vom 05.10.2018 zu: Birgit Herz: Zur historischen Proximetrie einer Wissenschaftsdisziplin. Sonderpädagogik und die Dialektik von Inklusion und Exklusion. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2017. ISBN 978-3-7815-2157-5. Reihe: Perspektiven sonderpädagogischer Forschung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24302.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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