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Uwe Sielert, Helga Marburger u.a. (Hrsg.): Sexualität und Gender im Einwanderungsland

Cover Uwe Sielert, Helga Marburger, Christiane Griese (Hrsg.): Sexualität und Gender im Einwanderungsland. öffentliche und zivilgesellschaftliche Aufgaben - ein Lehr- und Praxishandbuch. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2017. 371 Seiten. ISBN 978-3-11-051834-4. D: 34,95 EUR, A: 34,95 EUR.
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Thema

Das Buch bearbeitet Bedingungen und Prämissen zum Verhältnis von Sexualität, Gender und Einwanderung und deren Zusammenhänge.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Die Herausgeberinnen Marburger und Griese sind Professorinnen für interkulturelle Erziehung und Bildung an der TU Berlin, der Herausgeber Sielert ist Professor für Sozialpädagogik an der Universität Kiel.

Autor*innen

Die übrigen Autor*innen sind von verschiedenen Hochschulen oder Institutionen in unterschiedlichen Bereichen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in vier große Abschnitte.

  1. Im ersten Teil werden die theoretischen Fundierungen zu den Bedingungen und Prämissen zum Zusammenhang von Sexualität, Gender und Einwanderungsgesellschaft beschrieben.
  2. Der zweite Abschnitt – „Diskursive Annäherungen an den Zusammenhang von Sexualität, Gender und Einwanderungsgesellschaft“ – behandelt verschiedene Prozesse von Ab- und Ausgrenzungen.
  3. Im dritten Abschnitt werden aktuelle empirische Befunde zu dem Thema Sexualität und Geschlechterverhältnisse im Kontext von Flucht und Zuwanderung vorgestellt.
  4. Der vierte Abschnitt beinhaltet sehr unterschiedliche Projekte aus der Praxis zu den übergreifenden Themen Migration und Sexualität.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Die drei grundlegenden Aufsätze im ersten Abschnitt bearbeiten die Themenbereiche interkulturelle Öffnung und gesellschaftliche Transformation, Sexualität und Diversifizierung sexueller Lebenswelten und Identitäten sowie intersektionale Perspektiven auf Sexualität und Gender. Damit legen sie die Basis für die genauere Betrachtung verschiedener Konzepte im Migrationskontext, u.a. werden hier Aspekte von Homophobie und Rassismus, fremdenfeindliche Stereotype oder Männlichkeits- und Weiblichkeitskonzepte aufgegriffen.

Der dritte Abschnitt fokussiert auf das Thema Sexualität durch den Blick auf aktuelle empirische Befunde, beispielsweise durch die Themen sexualisierte Gewalt im Kontext von Flucht, Erzählungen queerer Migranten aus dem Iran und einem Blick auf schulischen Sexualerziehungsunterricht.

Der letzte Abschnitt ist thematisch heterogen und stellt Bezüge zu unterschiedlichen Praxisfeldern der Bildungs- und Sozialarbeit her, konkretisiert also die vorangestellten Ausführungen. Bildungsprojekte aus Kindertagesstätten, museumspädagogische Zugänge zur Thematik, sexualpädagogische Arbeit mit minderjährigen, unbegleiteten Jungen oder sexuelle Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe werden kurz vorgestellt, ein Beispiel für eine Coming-out Beratung oder ein Angebot für LSBTI-Geflüchtete werden beschrieben. Am Ende von jedem Aufsatz in allen Abschnitten werden Vertiefungsaufgaben und -fragen aufgeführt, die sich für die pädagogische Nutzung eignen.

Diskussion

Zu Recht betonen die Herausgeber*innen im Vorwort, dass in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation in Deutschland überwunden geglaubte Diskussionen um Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterverhältnissen vermischt mit Debatten zur Migration zunehmend zu fremdenfeindlichen Vorurteilen und Stereotypen führen. Insofern setzt dieses Buch zum jetzigen Zeitpunkt auch ein wichtiges politisches Signal, um Geschlechterverhältnisse und Sexualität in einer Einwanderungsgesellschaft „neu auszuhandeln“. Bisher – wie die Autor*innen zu Recht hervorheben – sind die Zusammenhänge von Zuwanderung, Sexualität und Gender und die Wissensbestände dazu kaum im Bereich Sozialer Arbeit und Bildungsarbeit berücksichtigt worden. Das Buch leistet hier durchaus Pionierarbeit, indem es zusätzlich auch verschiedene Praxisansätze zu dieser Thematik aufnimmt.

Fazit

Als Zielgruppe des Buches werden Studierende und Lehrende aus bildungs- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen von Hochschulen, Lehrende in der Erwachsenen und Weiterbildung genannt, auch Praktiker aus Schulen, aus der Kinder- und Jugendhilfe, Begegnungszentren, Fachverbänden oder Beratungsstellen sollten sich angesprochen fühlen.


Rezensent
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 13.07.2018 zu: Uwe Sielert, Helga Marburger, Christiane Griese (Hrsg.): Sexualität und Gender im Einwanderungsland. öffentliche und zivilgesellschaftliche Aufgaben - ein Lehr- und Praxishandbuch. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2017. ISBN 978-3-11-051834-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24317.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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