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Katja Richter: Gesundheits-Roboter für Senior/innen

Cover Katja Richter: Gesundheits-Roboter für Senior/innen. Universitätsverlag Ilmenau 2017. 166 Seiten. ISBN 978-3-86360-150-8. D: 34,70 EUR, A: 35,70 EUR.

Reihe: Kommunikationswissenschaft interdisziplinär - Band 6.
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Thema und Autoren

Die vorliegende Publikation, eine Dissertationsschrift der Universität Ilmenau, nimmt die Vision einer mobilen roboterunterstützten Gesundheits-Assistenz älterer Menschen in den Blick. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie zeigen, dass Gesundheits- Roboter Chancen für eine bessere Gesundheit, gesellschaftliche Partizipation und interpersonale Kommunikation leisten können.

Über die Autorin gibt es im Buch keine Angaben. Aus den Ausführungen ist zu entnehmen, dass Katja Richter Doktorandin an der Technischen Universität Ilmenau auf dem Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitiven Robotik war.

Aufbau und Inhalt

Neben einer Einleitung ist das Buch in zwölf Kapitel mit Unterkapiteln unterschiedlicher Länge gegliedert.

In der „Einleitung“ werden assistierende Service-Roboter als Potenzial beschrieben, um den Herausforderungen im Gesundheitssystem infolge des demografischen Wandels zu begegnen.

Im zweiten Kapitel erfolgt eine „Begriffsbestimmung“, in der ein Service-Roboter, der in der vorliegenden Publikation verwandt werden soll, näher charakterisiert. Es handelt sich hier um eine frei programmierbare Bewegungseinrichtung, die teil- oder vollautomatisch Dienstleistungen verrichtet, die in privaten Haushalten Anwendung finden sollen.

Mit „Theoretische Grundlagen der Technikakzeptanz“ ist das folgende Kapitel überschrieben. Ziel der Arbeit sei es zu erforschen, wie ein Service-Roboter für die Gesundheits-Assistenz älterer Menschen beschaffen sein muss, damit dieser von den potentiellen Nutzer_innen akzeptiert wird. Es werden Kriterien heraus gearbeitet, die der Roboter erfüllen sollte.

In Kapitel vier „Forschungsstand“ wird davon ausgegangen, dass es bisher ca. 147 Service-Roboter zur Unterstützung von Alltagsaufgaben gäbe, die allerdings auf Einzelfunktionen beschränkt seien. Multifunktionale, humanoide, assistive Service-Roboter befänden sich aktuell noch in der Entwicklung oder im Prototypenstatus. Studien zufolge würden sich zwei Drittel der Senior_innen lieber einen Roboter anschaffen als in ein Altenheim zu gehen (Sigrist et al, 2012). Ältere Menschen bevorzugten eher kleinere Roboter, die weniger menschenähnlich sind, die aber tendenziell aktiv, gesprächig, interessiert und freundlich sowie kooperativ und verlässlich sind.

Ein „Nutzerzentrierter Entwurf“ wird im sechsten Kapitel vorgestellt. Dieser Begriff meint ein Design, dass sich Systeme an die Bedürfnisse und Wünsche der potentiellen Nutzer_innen anpassen müssten (S. 27).

„Integration eines verfügbaren Roboters in den Alltag: Eine Fallstudie“ ist die Überschrift des folgenden Kapitels. Es wird ein Roboter namens „Tweety“ vorgestellt, der möglichst flexibel interagieren und sich an nicht standardisierte Situationen und Umgebungen anpassen sollte, der zur Unterstützung funktionell-instrumenteller und sozial-emotionaler gesundheitsspezifische Alltagsaufgaben beitragen soll. Dieser Roboter wurde in neun Haushalten zwei bis drei Tage erprobt. Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf die Datenerhebungsmethode und die -auswertung.

Kapitel acht widmet sich der „Alltagsgestaltung älterer Menschen im Tagesverlauf: Eine Interviewstudie“ (S. 64 ff). Die Studie hatte zum Ziel, belastbare Informationen darüber zu gewinnen, wie ein Service-Roboter für die Gesundheits-Assistenz effizient eingesetzt werden kann. Es werden anhand von Fallvignetten erste Hinweise gegeben, welche Funktionen für eine Alltagsunterstützung relevant sind und wie diese umgesetzt werden müssen, damit der Roboter nicht stört und sich an den Alltag anpassen kann.

Kapitel neun „Zukünftige Einsatz- Szenarien: Roboter zur Alltagsunterstützung von Senior/innen“ setzt sich damit auseinander, wie Service-Roboter für die Gesundheits- Assistenz sinnvoll eingesetzt werden können (S. 97 ff). Es wird die „Szenario-Methode“ beschrieben, die immer dann angebracht sei, wenn hohe Unsicherheit besteht, ein Problem komplex bewältigen zu können.

Im Kapitel zehn „Erwartungen an einen tragfähigen, zukünftigen Robotereinsatz: Die Szenario- Evaluation“ werden denkbare Szenarien entwickelt, wie und wann ein solcher Roboter eingesetzt werden kann.

Die Ausführungen des folgenden Kapitels „Implikationen für die Roboterentwicklung“ beziehen sich auf die Anforderungen, die ein Service-Roboter erfüllen sollte. Ältere Menschen müssten intuitiv mit dem Roboter umgehen können, er muss sich ohne Aufwand in den Alltag integrieren lassen und der Mehrwert müsse eindeutig und klar erkennbar sein.

Im zwölften und damit letzten Kapitel „Diskussion und Ausblick“ werden die Ergebnisse der vier Teilstudien der Dissertationsschrift erörtert. Das Resümee: „Die Ergebnisse können keine finale Antwort auf die Frage, ob und wie Service-Roboter für die Gesundheits- Assistenz zukünftig eingesetzt werden, liefern“ (S. 154).

Fazit

Eine Dissertationsschrift setzt sich mit dem bisherigen Stand der Forschung und Entwicklung auseinander und kann dazu beitragen, neuere Entwicklungen – hier auf dem Gebiet des Einsatzes von Service-Roboter zur Nutzung durch ältere Menschen – aufzuspüren und Anforderungen daran nachzuzeichnen. Sie vermag in der Regel allerdings nicht, abschließende Entwicklungen zu generieren. So ist auch diese Arbeit eine, die sich diverser Methoden bedient, um Forschungen voran zu treiben.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 04.07.2018 zu: Katja Richter: Gesundheits-Roboter für Senior/innen. Universitätsverlag Ilmenau 2017. ISBN 978-3-86360-150-8. Reihe: Kommunikationswissenschaft interdisziplinär - Band 6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24327.php, Datum des Zugriffs 19.09.2018.


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