socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Laura-Maria Altendorfer: Neue Formate der digitalen Gesundheits­kommunikation

Cover Laura-Maria Altendorfer: Neue Formate der digitalen Gesundheitskommunikation. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. 133 Seiten. ISBN 978-3-8487-3831-1. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR.

Reihe: Gesundheitskommunikation - Band 15.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Der Band untersucht Möglichkeiten wie jüngere Zielgruppen, das heisst Personen im Alter zwischen 20 bis 30 Jahren, mit Themen rund um die «Gesundheitskommunikation» erreicht werden können. Die Studie prüft den Einsatz digitaler Formate als Ergänzung zu einem vorhandenen Printmedium. Dabei geht sie von einem speziellen Geschäftsmodell aus, nämlich dem der «Apotheken Umschau». Dieses Printmedium wird vom Verlag «Wort&Bild»herausgegeben. Es richtet sich an die (meist) ältere Kundschaft von Apotheken, die es für die Eigenwerbung nutzen und im Abonnement beziehen.

Entstehungshintergrund

Das Interesse an Gesundheitsinformationen nimmt stetig zu und das Internet wird immer mehr zur Quelle die bei der Suche dazu genutzt wird. Es gibt derzeit mehr als 100000 mobile Health-Care-Apps. Für einen Verlag wie «Wort&Bild» der 1955 als «Werbe- und Verlagsgesellschaft (siehe Seite 57) gegründet wurde und unter dem Motto «Lesen, was gesund macht» Marktführer ist, stellen sich auf der Grundlage von Forschungsergebnissen folgende Problemstellungen und Hypothesen:

  • Wie wird die jüngere Zielgruppe erreicht, die weniger Apotheken aufsucht, da sie weniger krank ist?
  • Diese Zielgruppe nutzt kaum Printmedien zur Information über Gesundheitsthemen, nimmt also die «Apotheken Umschau» nicht wahr.
  • Die «Apotheken Umschau» spricht ein breites Publikum an und ist für diese Zielgruppe nicht spezifisch genug.

Herausgebende, Autorinnen und Autoren

Die Studie erscheint als Band 15 in der von Frau Prof. Dr. Constanze Rossmann herausgegebenen Reihe «Gesundheitskommunikation, Health Communication». Über die Autorin Laura-Maria Altendorfer finde ich keine Angaben.

Aufbau

Die Arbeit besteht aus einem theoretischen Teil (Kapitel 2-4) der Literaturrecherche und einem empirischen Teil (Kapitel 5-8). Dieser setzt sich aus einer Fallstudie über den «Wort&Bild Verlag» und qualitativen Untersuchungen zusammen.

Der theoretische Teil

Ausgehend von der Darstellung der Unterschiede zwischen analoger und digitaler Kommunikation beschreibt die Autorin auch Trends wie AR (Augmented Reality) und VR (Virtual Realitiy) die eine zunehmende Rolle im Rahmen mobiler, orts- und zeitunabhängiger Kommunikation und Informationsbeschaffung spielen. Die feststellbare zunehmende Ablehnung gegenüber langen Texten steht dem Zugang zu Printmedien entgegen. «Wearables», also elektronische Technologien oder Computer, die in Kleidungsstücke, Accessoires oder medizinische Hilfsmittel eingearbeitet sind und im oder am Körper getragen werden können» (Ballhaus,/Song/Meyer/Ohrtmann/Dressel 2015:5) und mit dem Internet verbunden sind, gelten als «The Next Big Thing» (bvdw.org 2015 b).

Es folgt die Definition von «Gesundheitskommunikation» und die Darstellung von Suchverhalten im Internet. In diesem Zusammenhang ist einer Liste der am häufigsten gesuchten Krankheiten im Netz von Interesse. An oberster Stelle steht die Suche nach «Schilddrüsenvergrösserung (Struma)» (siehe Seite 41, Abbildung 7).

Es folgt eine Beschreibung des Medienkonsums der «Generation Y», deren erwarteten Eigenschaften auch kurz skizziert wird und später als «Digital Natives» (wie es heute üblich zu sein scheint, Anmerkung Reinhardt) bezeichnet wird. Auch vergleicht die Autorin die Altersgruppen 14–19 Jahre mit den 20–29 Jährigen und stellt fest: «Für beide Altersgruppen spielen Communities, Foren und soziale Netzwerke im Internet die grösste Rolle bei der Gesundheitsinformationsbeschaffung» (siehe Seite 55). Auf die Nutzung von (Gesundheits-) Apps und E-Learning Plattformen wird im folgenden Abschnitt eingegangen.

Der empirische Teil

Das «einzigartige» (Siehe Seite 56) Geschäftsmodell des Marktführers im Bereich Gesundheitsmagazinen und -medien «Wort&Bild Verlag» und dessen Produkte wird vorgestellt. Frau Altendorfer nutzt dazu qualitative Analysen von Dokumenten sowie qualitative Leitfadeninterviews und persönliche Gespräche im Rahmen ihrer Studie. Sie beschreibt ihre Methodik und unterlegt sie mit den dazugehörenden Quellen.

Der «Wort&Bild Verlag» will «die Vermittlung gesicherter aktueller Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung sowie die seriöse und sachkundige Beratung in allen Gesundheitsfragen». (siehe Seite 58) Dies will er mit einer unabhängigen Fachredaktion und einem fachwissenschaftlichen Beirat sicherstellen. Der Verlag beschäftigt 250 Mitarbeitende. Ausführlich wird das Geschäftsmodell der «Apotheken Umschau» dargestellt, wie eingangs erwähnt. Mittels einer SWOT-Analyse wurden die Stärken und Schwächen der verlagseigenen digitalen Produkte untersucht und eine genau definierte Zielgruppe von 20- bis 30-jährigen wurden qualitativ befragt. Insgesamt wurden 10 qualitativ teilstandardisierte Leitfadeninterviews geführt und ausgewertet.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse wurden neue digitale Formate in einem Workshop mit der «Design-Thinking Methode» (Plattner et al 2009) für den Verlag angedacht und mittels einer «Business Modell Canvas» nach Osterwaldner und Piqnuer (20111) weiterentwickelt. Dabei werden verschiedene für ein Geschäftsmodell entscheidende Faktoren, wie beispielsweise Kundensegmente, Schlüsselressourcen oder Kostenstruktur abgearbeitet.

Als Ergebnis entstanden zwei digitale Formate: eine App «Gesundheit.Aktiv» und ein «Apotheken Umschau» Web-TV. Diese beiden Formate wurden wiederum mittels qualitativer Untersuchung evaluiert. Methodisch wurde mit einer Fokusgruppe gearbeitet und es wurden schliesslich alle 10 Personen eingeladen, die bereits empirisch befragt wurden und sieben nahmen schliesslich teil. Das App-Portal «go.active» fand grossen Anklang und das Web-TV Angebot wurde als unattraktiv von dieser Fokusgruppe bewertet. Deshalb soll es zukünftig lediglich in die «go.active» App eingebunden werden und kein eigenständiges Dasein fristen.

Diskussion und Fazit

Frau Altendorfer zieht im Kapitel 9 zusammenfassend ein Fazit und streicht auch problematische Aspekte der digitalen Gesundheitskommunikation heraus, wie z.B. das Auftreten von «Cyberchondrie», also «eine unbegründete Angst oder erhöhte Aufmerksamkeit auf ernste Krankheiten, die auf Zurkenntnisnahme von Webinhalten basiert» (Eichenberg/Wolters 2015) und die Wichtigkeit des Datenschutzes.

Die Bedeutung dieser Studie, die im Band 15 der Reihe «Gesundheitskommunikation» vorgestellt wird, beschreibt Frau Altendorfer wie folgt: «Letztendlich wurde mit dem in dieser Arbeit entwickelten Portal ein Format geschaffen, das in allen Bereichen der digitalen Gesundheitskommunikation eingesetzt werden kann.» (Seite 123)

Diesem Schlusswort ist hinzuzufügen, dass diese überschaubare Studie zu einem heute noch weit verbreiteten Medium, «Apotheken Umschau», versucht, Wege zu finden dieses in eine Zukunft zu überführen. Eine saubere Darstellung der Fragestellung führt zu einer Analyse vorhandener Dokumente und zu einer zwar kleinen aber, so weit ich das beurteilen kann, gut zusammengesetzten Gruppe für die Interviews. Die Auswertung der dadurch entwickelten Formate mit schliesslich sieben Vertretern dieser Interviewpartner erlaubt es, Aussagen treffen zu können, in welche Richtung die zukünftige digitale Entwicklung gehen könnte. Für den Verlag selber wird es darauf ankommen, die Apotheker und Apothekerinnen vom neu eingeschlagenen Kurs zu überzeugen.


Rezensent
Thomas Reinhardt
Dipl. Berater für Organisationsentwicklung. Arbeitet als interner Berater im Universitätsspital Basel und freiberuflich in den Bereichen Organisationsentwicklung, Gesundheitsmanagement, Konfliktmoderation, Coaching für Führungsverantwortliche, Teamentwicklung und Supervision Schwerpunkte: Gesundheit und Führung, Change Management, Leadership, Kommunikation, Psychohygiene und Glück.
Homepage www.corvus-opera.ch
E-Mail Mailformular


Alle 14 Rezensionen von Thomas Reinhardt anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Thomas Reinhardt. Rezension vom 14.03.2019 zu: Laura-Maria Altendorfer: Neue Formate der digitalen Gesundheitskommunikation. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. ISBN 978-3-8487-3831-1. Reihe: Gesundheitskommunikation - Band 15.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24334.php, Datum des Zugriffs 20.03.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung