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Elmar Philipp: Leitbildentwicklung auf den Punkt gebracht

Cover Elmar Philipp: Leitbildentwicklung auf den Punkt gebracht. Debus Pädagogik Verlag (Schwalbach/Ts.) 2017. 54 Seiten. ISBN 978-3-95414-096-1. D: 9,80 EUR, A: 10,10 EUR.
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Thema

Leitbilder sollen knapp aber verständlich das Selbstverständnis, die Anliegen und Ziele sowie die Werte und Normen einer Organisation darlegen. Sie haben das Potenzial, auch Schulen nach außen und nach innen Orientierung und Sicherheit geben. In diesem pädagogischen Bereich sind Leitbilder indes noch nicht flächendeckend entwickelt oder gar implementiert worden. Spezielle Literatur zur Leitbildentwicklung für Schulen gibt es bislang nur in einem geringen Umfang.

Entstehungshintergrund

In der Reihe „Auf den Punkt gebracht“ des Debus Pädagogik Verlags hat Elmar Philipp nun einen Band zur Leitbildentwicklung publiziert, welche praxisorientiert zeigen will, wie Leitbilder im Kollegium einer Schule erarbeitet werden können. Besonderes Gewicht soll auf die Beteiligung der Betroffenen gelegt werden.

Autor

Der Autor ist freiberuflicher Berater, Autor von Fachbüchern und in der Fortbildung tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Teamentwicklung, Change Management und Leitbild.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält 15 Abschnitte. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Nach der Einleitung, in welcher Elmar Philipp Bedeutung von Leitbildern im Schulbereich hervorhebt, umreißt er unter dem Motto „Warum Schulen Leitbilder brauchen“ die Funktionen im Sinne von Orientierung, Kohäsion, Koordination, Reflexion, Entlastung, Legitimation und Information genauer.

Im Abschnitt „Kritik an Leitbildern“ weist der Autor auf mögliche Schwachstellen der Leitbildentwicklung hin und betont die hohe Relevanz von Partizipation im Entstehungsprozess. Korrespondierend hierzu wird im Anschluss unter „Betroffene beteiligen“ die erfolgreiche Leitbildarbeit als gemeinsames Werk der in einer Organisation tätigen Menschen dargelegt.

Die Frage „Wie Leitbilder wirken“ beantwortet Elmar Philipp mit Schaffung eines „energieerzeugenden Spannungsbogens“. Hervorgehoben wird dabei die Funktion einer Leitbildentwicklung, deren Motivation „sich aus der kreativen Spannung zwischen dem gegenwärtigen IST- Zustand und dem visionierten SOLL-Zustand speist“. Dieser Abschnitt enthält auch einen Exkurs zur Bedeutung und Aktivierung der persönlichen Vision in vier Schritten.

Die für die Leitbildentwicklung relevanten Begriffe sind Thema des nächsten Abschnitts. Elmar Philipp stellt neben dem Leitbild vor allem das Schulprogramm und das Schulprofil in den Mittelpunkt seiner Darlegungen. Nach seiner Einschätzung werden mit dem Leitbild und einem entsprechenden Schulprogramm die Fragen nach der Existenzberechtigung einer Schule beantwortet. „Was“, „warum“ und „wie“ sind gleichsam die drei Bestandteile eines Leitbildes. Dass keine voreiligen Festlegungen erfolgen sollten, wird dann kurz unter der Überschrift „Leitbilder sind wichtig, haben aber Zeit“ hervorgehoben.

Die „Merkmale von Leitbildern“ sind Gegenstand des folgenden Abschnitts. Knapp und treffend werden sie vom Autor als die drei Anforderungskriterien „werteorientiert“, „professionsbildend“ und „praxisstark“ vorgestellt. Es geht ihm dabei auch darum, im Leitbild keine „unehrliche Fassadentheorie“ zu vertreten, sondern Aussagen zu treffen, die wahr und authentisch sind. „Was nicht in ein Leitbild gehört“ wird dann Zuge der Frage „Leitbild oder Schulprogramm?“ diskutiert. Neben bildungspolitischen Forderungen sind dies nach Ansicht von Elmar Philipp sehr spezielle Interessen und Schwerpunkte sowie Klassen- und Schulregeln für Schülerinnen und Schüler.

Dass man Change-Management-Wissen für die Leitbildarbeit nutzen kann, zeigt der nächste Abschnitt. Im Zentrum stehen die Wahrnehmung von Sinn und Notwendigkeit, die Wahrnehmung des persönlichen Nutzens sowie Vertrauen und Wertschätzung. Eng damit verbunden ist die Frage nach der Wirksamkeit eines Leitbildes als Teil der Schulkultur. Hervorgehoben werden die Möglichkeiten, rund um das Leitbild eine Informations- und Marketingkampagne zu betreiben, einen Leitbildsatz als Halbjahresmotto zu verwenden, eine Konkretisierung in den Fachschaften vorzunehmen, das Leitbild mit den Schülerinnen und Schülern zu besprechen, wichtige Entscheidungen am Leitbild zu orientieren, das Schulprogramm im Lichte des Leitbilds überprüfen sowie das Leitbild auch regelmäßig zu evaluieren.

Die Frage „Bereichs- und Führungsleitbilder: ja oder nein?“ entsteht nicht selten in größeren Bildungsorganisationen. Die Ausformulierung von bereichsspezifischen Leitbildern hält Elmar Philipp für nicht angezeigt, wohingegen er ein spezifisches Führungsleitbild befürwortet. Er gibt dazu auch Beispiele an.

Den Themenkomplex „Methodisches Vorgehen“ differenziert der Autor in Leitbildarbeit in kleinen und großen Systemen aus. Hierzu wird für kleinere Schulen eine methodische Übung aufgezeigt, für größere Systeme wird beispielhaft der Ablauf einer Steuergruppenklausur, ein pädagogischer Tag zur Leitbildentwicklung sowie ein „World Cafe“ als Variante der Großgruppenmoderation vorgestellt.

Unter der Überschrift „Zur ‚Textsorte‘ von Leitbildern: Zwischen Ikea-Bauanleitung und wissenschaftlichem Duktus“ widmet sich ein Abschnitt auch dem Schreiben von Leitbildern, wobei Elmar Philipp die Maßgabe vertritt, „das Leitbild von vornherein sprachlich so anzulegen, dass es allgemein verständlich, aber auch anspruchsvoll formuliert ist“.

Zum Abschluss präsentiert der Autor noch kurz drei „Beispiele für Leitbilder“, die im Kontext seiner Beratungstätigkeit entstanden sind.

Diskussion und Fazit

Elmar Philipp gelingt es in guter Weise, auf wenigen Seiten die Quintessenz von Leitbildentwicklung im schulischen Kontext zu vermitteln. Er pflegt eine durchweg leicht verständliche Sprache, seine Schrift ist gut gegliedert. Zentrale Thesen werden auch mit Verweis auf führende Organisationstheoretiker dargebracht, die Publikation ist mithin um ein wissenschaftliches Fundament wesentlicher Inhalte bemüht.

Als roter Faden zieht sich durch die einzelnen Abschnitte die Partizipation der Betroffenen sowie die quasi „doppelte Nutzenorientierung“ von Leitbild als Prozess und Produkt: Soll die Entwicklung eines Leitbildes Früchte für die Menschen und die Organisation tragen, müssen seine Inhalte mit großer Beteiligung entstehen sowie möglichst von allen Personen in der Organisation dauerhaft getragen werden, die externen „Stakeholder“ sind hierbei nicht zu vergessen. Es ist Elmar Philipp zuzustimmen, wenn er schreibt, dass eine inspirierende Vision als Motor für Veränderung „mitnichten ein Ausdruck abgehobener Schulentwicklungsprosa“ ist, sondern ein auch empirisch durchaus belegtes „Gebot“. Zum Einstieg in die Materie ist diese Handreichung durchaus zu empfehlen.

Fazit: Empfehlenswerte Einstiegslektüre zum Thema Leitbildentwicklung.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 11.09.2018 zu: Elmar Philipp: Leitbildentwicklung auf den Punkt gebracht. Debus Pädagogik Verlag (Schwalbach/Ts.) 2017. ISBN 978-3-95414-096-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24357.php, Datum des Zugriffs 14.11.2018.


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