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Peter K. Warndorf (Hrsg.): Kommunale Kriminalprävention

Cover Peter K. Warndorf (Hrsg.): Kommunale Kriminalprävention. Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit in und für die Kommune. readbox unipress (Münster) 2017. 287 Seiten. ISBN 978-3-96163-026-4. D: 12,80 EUR, A: 13,20 EUR.
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Thema

Im Rahmen der kommunale Kriminalprävention werden aktuelle Probleme des Jugendschutzes betrachtet. Ziel ist, eine Verbindung zwischen Forschung und Praxis sowie zwischen Sozial- und Polizeiarbeit herzustellen.

Herausgeber und Autoren

Peter K. Warndorf ist Professor an der Dualen Hochschule in Heidenheim/Baden-Württemberg und Studienleiter im Bereich Kinder- und Jugendhilfe.

Autoren und Autorin sind Sozialpädagogen sowie Polizisten, einige sind Lehrbeauftragte an der Hochschule.

Aufbau

Das Buch setzt sich aus neun unabhängigen Kapiteln zusammen, dazu einem Vorwort und einem Kapitel übergreifenden Literaturverzeichnis. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalte

Im Vorwort stellt der Herausgeber die Intention des Buches vor: die Kooperation von Polizei und Hochschule als einem konstituierendes Merkmal einer Dualen Hochschule. Zugleich fördert eine solche Zusammenarbeit die Einbettung der Hochschule in das regionale Umfeld.

In seinem kurzen Beitrag über Kommunale Kriminalprävention nennt Volker Lück die Punkte, die für den Erfolg und die Akzeptanz der kommunalen Kriminalprävention relevant sind: der örtliche Bezug der Aktionen, die Nutzung der Kenntnisse vieler Akteure, keine Standard-Lösungswege, sondern offene situationsorientierte Herangehensweisen.

Günter Braun geht der Frage nach, was Polizei und Soziale Arbeit verbindet. Beide Berufsfelder sind mit gesellschaftlichen Defiziten befasst, ein Schwerpunkt der präventiven Arbeit ist in beiden Fällen die Jugendarbeit. Bis in die 1980er Jahre war Prävention geografisch ausgerichtet. Ein neuerer Ansatz ist die kriminalpräventive Netzwerkarbeit und die Suchtprävention.

In seinem Beitrag weist Peter K. Warndorf darauf hin, dass Polizei und Sozialarbeit nicht zuletzt wegen einer ganz unterschiedlichen Weltsicht jahrzehntelang nicht mit einander kooperiert haben. Mehrere von ihm referierte Studien unter anderem zum Alkoholkonsum von Jugendlichen zeigen, wie unverzichtbar die Kooperation zum Beispiel bei der Kontrolle des Jugendschutzgesetzes ist.

Barbara Egner schildert eine empirische Untersuchung zum Thema Alkoholkonsum von Mädchen mit dem Ziel, ein geeignetes Präventionsangebot zu entwickeln. Die Autorin macht deutlich, dass der Umgang mit dem anderen Geschlecht für Mädchen mit besonderen Problemen behaftet ist. Jungen konsumieren Alkohol, weil die anderen es auch tun. Mädchen trinken, weil sie sich unsicher fühlen. Die Strategie muss sein, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken.

Um neuere sozialräumliche Ansätze der kommunalen Kriminalprävention geht es in dem Beitrag von Johannes Ruetz und Peter K. Warndorf. Kriminalität wird definiert, auf das Dunkelfeld in der Kriminalstatistik wird hingewiesen, und es wird konstatiert, dass immer mehr Jugendliche delinquent werden. Die gängigen soziologischen Theorien abweichenden Verhaltens werden Bezug nehmend auf Lamnek vorgestellt, die Unterscheidung zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Prävention und das Konzept der Sozialraumorientierung sowie das Programm „Soziale Stadt“ werden erläutert.

Florian Kurch untersucht die Kontrolle des Jugendschutzes als einer präventiven Maßnahme. Dem illegalen Alkoholkonsum bei Jugendlichen gilt es entgegenzuwirken. Mit Testverkäufen in Gaststätten, Discountmärkten und an Tankstellen lässt sich ermitteln, inwieweit das Jugendschutzgesetz greift. Das Ergebnis ist, dass das oftmals nicht der Fall ist, d.h. Alkohol an unter 16-Jährige verkauft wird.

Benjamin Hahn und Peter K. Warndorf greifen das Problem des Rechtsextremismus und damit einher gehender Straftaten bei Jugendlichen auf, wobei sie die Subkultur der Skinheads in den Fokus rücken. Zu den Ursachen und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus gibt es viele Forschungsergebnisse, wie der Beitrag von Hahn und Warndorf erneut belegt. Das gilt indessen weitaus weniger für Interventionsstrategien. Die akzeptierende Jugendarbeit wird als möglicher Ansatz dargestellt, um der Entwicklung einer rechtsextremistischen Haltung vorzubeugen.

Daniel Rezanik und Peter K. Warndorf befassen sich mit der Frage der Prävention von Ausschreitungen und Krawallen rund um das Fußballspiel. Eine Extremgruppe sind die Hooligans. Prävention heißt hier zu verhindern, dass aus jugendlichen Fußballfans gewaltbereite Hooligans werden.

Im letzten Kapitel des Buches geht Tobias Meyer der Frage nach, wie sich durch Social Marketing das Verhalten von Gruppen beeinflussen lässt. Er definiert Social Marketing als Versuch, Zielgruppen durch Marketing Strategien zu erreichen, um auf diese Weise gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Dies geschieht im wesentlichen durch eine Veränderung gesellschaftlicher Normen und durch Kampagnen in den Medien. Der Autor betont, dass Social Marketing nicht lediglich eine Marketingstrategie, sondern zugleich auch eine Managementtechnik ist.

Diskussion

Der Titel des Buches „Kommunale Kriminalprävention“ ist nicht ganz treffend, denn bei einer solchen Überschrift erwartet der Leser Informationen über das weite Feld diverser Präventionsmaßnahmen, die von der täter- über die situations- bis hin zur opferbezogenen Vorbeugung von Straftaten reichen. Behandelt werden jedoch nur drei Sachverhalte:

  • Alkoholkonsum bei Jugendlichen,
  • Rechtsextremismus bei Jugendlichen sowie
  • die Gewaltbereitschaft erlebnisorientierter Fußballfans.

Die Reihenfolge, in der die einzelnen Kapitel aufeinander folgen, ist nicht überzeugend. Die Aufeinanderfolge unabhängiger Beiträge ist in einem Herausgeberbuch zwar üblich, doch bei dem eingegrenzten Themenbereich hätte eine wechselseitige Bezugnahme und auch eine andere Reihenfolge Sinn gemacht. So hätten die allgemeinen theoriehaltigen Kapitel von Warndorf sowie Ruetz und Warndorf an den Anfang gehört. Hilfreich für die Praxis der Sozialen Arbeit wäre darüber hinaus ein Schlusskapitel gewesen, in dem die bei einem speziellen Problem am besten geeigneten erscheinenden Präventionsmaßnahmen, wie z.B. die akzeptierende Jugendarbeit bei Rechtextremismus, aufgeführt sind.

Auch einige Fallbeispiele wären mit Blick auf die Praxis von Nutzen gewesen. So leuchtet das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit nach dem Grundsatz: „Man muss die Klienten dort abholen, wo sie stehen“ (S. 186), zwar ein, weil die Jugendlichen sonst nicht erreicht werden können, doch wie die Akzeptanz konkret aussieht, hätte man gern gewusst.

Fazit

Das Buch beschäftigt sich mit aktuellen Themen zum Jugendschutz. Präventive Maßnahmen sind erforderlich, um Alkohol- und Rechtsextremismus bei Jugendlichen sowie Gewalt und Aggression bei Fußballspielen zu verhindern. Die Präventionsansätze haben sich verändert, was zu einer Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialarbeit geführt hat. Das Buch macht auf aktuelle Probleme und Lösungsansätze aufmerksam. In diesem Sinne empfiehlt es sich für all diejenigen, die mit Fragen der sozialen Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen befasst sind.

Summary

The book deals with current topics concerning the protection of minors. Preventive measures are needed to prevent adolescent alcoholism and right-wing extremism, as well as violence and aggression at football matches. Prevention approaches are changing, leading to cooperation between police and social work. The book draws attention to current problems and the effort to find solutions. In this sense, it is recommended for those who deal with issues of social work with at-risk youth.


Rezensentin
Dr. Antje Flade
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Zitiervorschlag
Antje Flade. Rezension vom 18.07.2018 zu: Peter K. Warndorf (Hrsg.): Kommunale Kriminalprävention. Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit in und für die Kommune. readbox unipress (Münster) 2017. ISBN 978-3-96163-026-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24374.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


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