socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Thomas Klie, Stefan Arend: Arbeitsplatz Langzeitpflege

Cover Thomas Klie, Stefan Arend: Arbeitsplatz Langzeitpflege. Schlüsselfaktor Personalarbeit. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2018. 209 Seiten. ISBN 978-3-86216-415-8. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Autoren

Herausgeber sind Prof. Dr. Thomas Klie, Professor für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg und Dr. Stefan Arend, seit 2008 zusammen mit Horst Schmieder Vorstand von KWA Kuratorium Wohnen im Alter. Die Artikel wurden neben den Herausgebern von insgesamt zehn weiteren Autoren geschrieben.

Entstehungshintergrund

Die Autoren und Herausgeber sehen in guter Personalarbeit einen Schlüsselfaktor für die Zukunft der Langzeitpflege. Auslöser für das Buch war die Frage eines Pflegeschülers an Bundeskanzlerin Merkel im September 2017, warum es keine Quote für die Anzahl von Patienten pro Pflegekraft gäbe. Hierdurch wurde das Thema Pflege zu einem politischen Topthema. In der Koalitionsvereinbarung wurden 8.000 neu Stellen für die Langzeitpflege versprochen, was bei 20.000 offenen Stellen, die nicht besetzt werden können, eher wie ein symbolisches Versprechen wirkt. Bei einem Symposium des KWA Kuratorium Wohnen im Alter im Frühjahr 2017 in München tauschten sich Fachleute über den relevanten Personalmarkt aus; diese Vorträge wurden für das Buch aktualisiert und ergänzt.

Aufbau

Das Buch ist ein klassischer Tagungsband, der wissenschaftlich aufbereitet wurde. In sieben Aufsätzen setzen sich die Autoren mit der Thematik auseinander. Hinzu kommen der Anhang „Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Personalarbeit in der Langzeitpflege“, ein Vorwort der Herausgeber sowie das Herausgeber- und Autorenverzeichnis.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalte

Stefan Arend „Die Neuvermessung der deutschen Langzeitpflege“. In 13 Kapiteln schildert der Autor den derzeitigen Stand und die Entwicklung der Langzeitpflege. Hierbei weist er darauf hin, dass es trotz steigender Zahl an Pflegebedürftigen bisher gelungen ist, auch die Beschäftigtenzahlen entsprechend zu erhöhen. Er kommt zu dem positiven Schluss, dass trotz der Babyboomer die Langzeitpflege sichergestellt werden kann, wenn Träger und Politik zusammenarbeiten und es zu einer entsprechenden politischen Weichenstellung kommt.

Rudolf Kast, Personalmanager, illustriert, was gute Personalarbeit im demografischen Wandel heißt. Er geht dabei insbesondere auf das Modell der gewerblichen Wirtschaft, das Employer Branding, also den Arbeitgeber als Marke zu verstehen, ein. Dann setzt er sich mit dem Führen in der Mehrgenerationengesellschaft auseinander, wobei er auch die doch eher fragwürdigen „Modelle“ der Generation X, Y und Z referiert. Kurz wird auch noch auf die von der Fußballnationalmannschaft bekannte „transformationale Führung“ eingegangen.

Michael Isfort, Professor an der Katholischen Hochschule in Köln, schildert „Versorgungsallianzen als Antwort auf die regionale pflegerische Versorgungssicherung in Bayern“. Eher angloamerikanisch beginnt er mit der Zusammenfassung, der dann sieben Kapitel folgen. Wie nicht anders zu erwarten, entwickeln sich mit der steigenden Zahl an Pflegebedürftigen auch die Zahl der Versorgungseinrichtungen sowie der Pflegenden. Generell konstatiert er eine Unterdeckung, wobei es deutliche regionale Unterschiede gibt.

Ulrike Höhmann, Professorin an der Universität Witten/Herdecke und Laura Schwarz, wissenschaftliche Mitarbeitern daselbst, beschäftigen sich mit „Innovationen für die Praxis: Kompetenzaktivierung von Führungskräften durch gelebte reflective practice“. Der etwas umfängliche zweisprachige Titel des Aufsatzes geht darauf zurück, dass hiermit die Erkenntnisse eines vom BMBF geförderten Projekts wiedergegeben werden. Es werden vier Strategien miteinander verbunden, um die Gestaltungskompetenz von Führungskräften zu stärken.

Birgit Heyden, Franziska Salinger, Manfred Zwick und Adelheid Susanne Esslinger beschreiben „das Pflege-Magnethaus: Antwort auf den Fachkräftemangel in der Langzeitpflege“. Nach der Schilderung der Herausforderungen in der pflegerischen Praxis schildern sie ausführlich das Magnethaus-Konzept. Hierbei geht es darum, wie das Konzept des Magnet-Krankenhauses der American Nurses Credentialing Center in Deutschland auf die Langzeitpflege übertragbar ist.

Thomas Klie und Claus Heislbetz, Vorstand der Hans-Weinberger-Akademie München, setzen sich mit der „Herausforderung Pflege: Menschen für Berufe für Menschen gewinnen. Prognosen, Analysen und Perspektiven für die Langzeitpflege.“ Nicht nur der Personalbedarf wird aufgezeigt, sondern auch auf die Perspektiven eingegangen. Wichtigster Teil des Aufsatz ist jedoch Kapitel 3, in dem auf die Konzepte zu Personalgewinnung, -verbleib und -entwicklung eingegangen wird. Sicher, vieles kann hier nur angerissen werden, ist jedoch eine gute Basis, weitergehende Konzepte zu entwickeln. Denn gerade die Darstellung der Studien gibt einen guten Einstieg. Dieser umfängliche Aufsatz gibt einen sehr guten Überblick darüber, wie die Personalbedarfsdeckung in der Langzeitpflege möglich wird.

Sieglinde Hankele, Referentin des KWA, fasst im letzten Aufsatz ein Podiumsgespräch zusammen, an dem drei Praktiker teilgenommen haben und das von Thomas Klie moderiert wurde.

Der Anhang mit seinen 14 Schlüsselfaktoren basiert auf einer Publikation aus dem Jahr 2017 des „Demographie Netzwerk e.V.“

Diskussion

Es ist drei bis vier Jahrzehnte her, als auf den deutschen Arbeitsmärkten der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsarbeit virulent wurde. Auch vorher hatte es den Übergang von Fertigungs- zu Dienstleistungsberufen gegeben, aber die meisten Beschäftigten blieben in ihren Industrietarifen. Daher fielen die Veränderungen zunächst kaum auf. Mit der steigenden Massenarbeitslosigkeit seit den 1970er Jahren ging es der Politik vor allem um die quantitative Effekte: Arbeitslosenquoten senken, Langzeitarbeitslosigkeit vermeiden und mehr Menschen in Beschäftigung bringen. Dies gelang vor allem durch den Ausbau der personenbezogenen Dienstleistungen. Allerdings sind diese Arbeitsmärkte weit weniger robust als klassische Gewerbearbeitsmärkte und oft ist die Entlohnung kaum vergleichbar. Kommt dann auch noch eine belastende Arbeitssituation wie in der Langzeitpflege hinzu, dann fällt es oft schwer, Menschen für diese Tätigkeiten zu gewinnen. Dass dieses trotzdem möglich sein kann, wenn neue Wege beschritten werden, nicht nur auf kurzfristige politische Bedarfsdeckung geschielt wird und innovative Personal- und Führungskonzepte realisiert werden, dies zeigt dieses Buch.

Fazit

Dieses Buch ist geradezu notwendig, um der fassadenmäßigen Pflegepolitik Substanz zu geben. Was nutzt es, vollmundig 8.000 neue Pflegestellen wie eine Monstranz vor sich herzutragen, wenn bereits 20.000 Stellen nicht besetzt werden können? Hier wird endlich einmal nicht nur mathematisch, sondern sich inhaltlich und konzeptionell mit dem Problem auseinandergesetzt.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management, an der Hochschule Koblenz
E-Mail Mailformular


Alle 151 Rezensionen von Rüdiger Falk anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 05.07.2018 zu: Thomas Klie, Stefan Arend: Arbeitsplatz Langzeitpflege. Schlüsselfaktor Personalarbeit. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2018. ISBN 978-3-86216-415-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24393.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung