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Mechthild Seel, Elke Hurling: Die Pflege des Menschen im Alter

Cover Mechthild Seel, Elke Hurling: Die Pflege des Menschen im Alter. Ressourcenorientierte Unterstützung nach den AEDL. Brigitte Kunz Verlag (Hagen) 2005. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. 1112 Seiten. ISBN 978-3-89993-419-9.
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Entstehungshintergrund

Mit diesem umfangreichen Buch handelt es bereits um die dritte Auflage des Lehrbuches "Die Pflege des Menschen im Alter". Nachdem 1997 die 1. Auflage erschien, wurde 2001 bereits eine vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage von den Autorinnen Mechthild Seel und Elke Hurling herausgegeben. Diese 3., aus dem Jahre 2005 stammende überarbeitete und erweiterte Auflage, hält grundsätzlich mit seiner Struktur und Ausrichtung an dem AEDL-Strukturmodell fest, das den Bedürfnistheorien der Pflege zuzuordnen ist. Mit diesem soll der alte Mensch in seiner Einzigartigkeit und mit seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen, Gefühlen und Problemen in den Mittelpunkt gestellt werden. Vor dem Hintergrund des Ausbildungszieles des ersten bundeseinheitlichen Altenpflegegesetzes vom August 2003, wurde das Lehrbuch inhaltlich überarbeitet und erweitert. So wurde es um Themen wie Qualitätsmanagement, Pflegediagnosen, Praxisanleitung, Angehörigenarbeit, Hausgemeinschaften, Wundmanagement und Umgang mit einem Tracheostoma ergänzt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert, denen wiederum unterschiedlich zahlreiche Schwerpunkte und Unterpunkte zugeordnet sind.

  1. Im ersten Kapitel des Buches werden grundlegende Begriffe und Methoden der altenpflegerischen Arbeit vorgestellt: Begriffe und Konzepte zur Betrachtung des Menschen als ganzheitliches Wesen; das Alter; Wohlbefinden; Gesundheit und Krankheit; der Pflegeprozess, Pflegetheorien und Pflegemodelle; Pflegeleitbild; Qualitätsmanagement. Dabei werden Inhalte der Soziologie, Psychologie und Pflege sowohl im Fließtext als auch stichwortartig erläutert.
  2. Entwicklungen im Altenpflegeberuf, zu erwerbende Qualifikationen einschließlich gesetzlicher Vorgaben und grundsätzliches zum Berufsbild werden im zweiten Kapitel überblickartig dargestellt.
  3. Mit dem dritten Kapitel werden Ausführungen zum Pflegeverständnis und zu pflegerischen Handlungsfeldern in der Altenpflege ebenfalls nur überblickartig vorgenommen.
  4. Strukturiert nach den 13 Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens (AEDL) nach Monika Krohwinkel werden mit dem vierten Kapitel auf über 450 Seiten die einzelnen AEDL-Bereiche, ihre Bedeutung, anatomisch-physiologische Grundlagen und verschiedene Phänomene und Handlungsweisen der Altenpflegepraxis, die im nahen Zusammenhang mit der jeweiligen AEDL stehen, ausführlich behandelt.
  5. Das fünfte Kapitel ist ausgewählten Lebens- und Pflegesituationen gewidmet, die im Zusammenhang mit bestimmten, im Alter häufig auftretenden Erkrankungen stehen. In einem ersten Schritt werden die Krankheitsbilder dargestellt, um im weiteren Aussagen zur Situation der Betroffenen und anschließend der aus dem Ganzen resultierenden notwendigen pflegerischen Maßnahmen zu treffen. Dabei wird sowohl die notwendige medizinisch-pflegerische Versorgung als auch die notwendige psychosoziale Unterstützung und Begleitung der erkrankten alten Menschen im Sinne der fördernden Prozesspflege herausgestellt.
  6. Völlig neu wurde das sechste Kapitel in diese Auflage aufgenommen. Schwerpunkt dieses Kapitels sind naturkundliche Verfahren. Dazu werden zuerst Begriffe und Verfahren der natürlichen Heilmethoden grundsätzlich erläutert, um dann entsprechende Pflegemaßnahmen und -techniken wie Wickel und Auflagen oder die Nutzung der Aromatologie in der Pflege zu beschreiben.
  7. Der Mitwirkung bei der Therapie ist das Kapitel sieben mit seinen Schwerpunkten Wundmanagement und Arzneimittel - einschließlich der Erläuterungen zu Injektionen und zur Infusionstherapie - gewidmet. Enthalten sind hier sowohl Übersichten zu verschiedensten Arzneiformen als auch zahlreiche graphische Darstellungen zu Injektionstechniken, welche die Erläuterungen zur Handhabung deutlich unterstützen.

Hilfreich für die Arbeit mit dem Buch ist neben dem gut gegliederten Inhaltesverzeichnis das ausführliche Stichwortverzeichnis am Ende des Werkes. Hier kann der oder die gezielt Suchende unabhängig davon, wie gut die Systematik des Buches bekannt ist, schnelle Informationen dazu bekommen, an welcher Stelle im Buch Erläuterungen und Ausführungen zu einem bestimmten Thema vorgenommen werden. Auch die umfangreichen Literaturhinweise am Ende eines jeden Kapitels stellen für die gezielte Arbeit zu ausgewählten Themen eine große Hilfe dar.

Die beispielhafte Vorstellung diverser Formblätter für die Informationssammlung und Informationsweitergabe in der Altenpflege machen die vorerst abstrakten Ausführungen und Darstellungen sehr anschaulich. Auch Beispiele für Pflegestandards und für Standardpflegepläne sind zur Verdeutlichung entsprechender pflegerischer Planungen zu verschiedenen Handlungen und zur Versorgung alter Menschen mit speziellen Krankheitsbildern aufgeführt, allerdings werden beide Kategorien unter "Pflegestandards" zusammengefasst und damit nicht sauber voneinander getrennt.

Zielgruppen

Das Werk richtet sich sowohl an Auszubildende und an Pflegende, die an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen, als auch an Pflegende, die insbesondere in der Altenpflegepraxis tätig sind und überwiegend im Rahmen der fördernden Prozesspflege tätig werden bzw. mit dem AEDL-Strukturmodell arbeiten.

Diskussion

Dieses Buch soll als Lehrbuch zum einen grundsätzliche Aussagen zum altenpflegerischen Handeln treffen. Zum anderen wird ganz deutlich, dass das altenpflegerische Handeln im Rahmen der fördernden Prozesspflege mit dem AEDL-Strukturmodell nach Monika Krohwinkel im Mittelpunkt steht. So entspricht das Buch insbesondere mit den ersten drei Kapiteln lediglich einem Übersichtswerk, das Anregungen bietet und ausdrücklich auf weiterführende spezielle Fachliteratur verweist - wie z.B. zu Pflegetheorien oder zum Qualitätsmanagement. Die Kapitel 4 und 5 tragen durch ihre AEDL - Struktur und die an die fördernde Prozesspflege angelehnte Systematisierung hingegen dem Konzeptionsprinzip der Wissenschaftsorientierung Rechnung und stellen äußerst ausführlich Bereiche der zugrundeliegenden Theorie heraus. Parallelen zu den Lehrbüchern, die sich an anderen Bedürfnistheorien der Pflege orientieren, können ohne weiteres gezogen werden. Aufgrund der stark voneinander abweichenden Ausführlichkeit der Kapitel, erscheinen die Kapitel mit den grundsätzlichen Ausführungen eher als Beigabe zu den wissenschafts- bzw. theorieorientierten vierten und fünften Kapiteln. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des Buchumfanges von 1112 Seiten erscheint die Frage gerechtfertigt, ob alle allgemeinen und speziellen Grundlagen und Handlungsbereiche in einem Lehrbuch angesprochen werden müssen oder ob an der gegebenen Stelle der Hinweis auf entsprechende Literatur nicht nur ausreichend, sondern angesichts der inzwischen zahlreichen und differenzierten Veröffentlichungen an Pflegeliteratur nicht auch angemessener ist. Auszubildenden wären damit ausdrücklich angehalten, mit unterschiedlicher Fachliteratur zu arbeiten, was insbesondere ein Gewinn für die Methodenkompetenz der Auszubildenden darstellen kann. Das Buch selbst wäre konsequent auf die Darstellung und Beschreibung altenpflegerischen Handelns im Rahmen des AEDL-Strukturmodells in unterschiedlichen Kontexten ausgerichtet und würde damit einem spezifischen Fachbuch entsprechen, das mit Sicherheit in unterschiedlichen Bildungskontexten und Qualifizierungsmaßnahmen der Pflege Verwendung findet.

Fazit

Aufgrund der beibehaltenen grundsätzlichen Struktur des Buches bzw. der vorliegenden Wissenschaftsorientierung kann auch die Neuauflage des Buches nicht zur Strukturierung des Unterrichtes in der Altenpflegeausbildung herangezogen werden, weil mit dem 2003 verabschiedeten bundeseinheitlichen Altenpflegegesetz und der dazugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung die Handlungsorientierung bzw. die Unterrichtsgestaltung nach Lernfeldern im Vordergrund steht. Mit seinen umfangreichen Ausführungen zu konkreten altenpflegerischen Tätigkeiten und Handlungen bietet das Buch aber für die inhaltliche Ausgestaltung der verschiedenen vorgegebenen Lernfelder nicht nur Lernenden, sondern auch Lehrenden wichtige Anhaltspunkte und umfassende Informationen.


Rezension von
Dipl.-Berufspädagogin Cornelia Kühn-Hempe
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsschwerpunkt Pflegebildungsforschung
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Zitiervorschlag
Cornelia Kühn-Hempe. Rezension vom 21.07.2007 zu: Mechthild Seel, Elke Hurling: Die Pflege des Menschen im Alter. Ressourcenorientierte Unterstützung nach den AEDL. Brigitte Kunz Verlag (Hagen) 2005. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-89993-419-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2443.php, Datum des Zugriffs 22.02.2020.


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