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Ursula Hess: Motivation und Emotion

Cover Ursula Hess: Allgemeine Psychologie Teil 2: Motivation und Emotion. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 231 Seiten. ISBN 978-3-17-021991-5. 22,99 EUR.

Reihe: Grundriss der Psychologie - Band 4. Kohlhammer Urban Taschenbücher.
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Autorin

Prof. Dr. Ursula Hess ist Professorin für Sozial- und Organisationspsychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Entstehungshintergrund

In ihrem Geleitwort schreiben Maria von Salisch und Bernd Leplow, dass neue Studiengänge neue Bücher benötigen. Die Bände der Reihe Grundriss der Psychologie wurde für das Bachelorstudium entwickelt. Dabei orientieren sich die Bände jeweils an einem der Module, welche die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) im Jahr 2005 für die Neugestaltung der Psychologieausbildung vorgeschlagen hat. Das Buch ist jedoch auch für andere Zielgruppen geeignet, vom Fachjournalismus über die Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Führungspositionen bei Polizei und Militär.

Aufbau

Das Lehr- und Lernbuch ist kurz gefasst und mit Abbildungen, Beispielen und Exkursen versehen, um die Theorie zu veranschaulichen. Illustrierende Beispiele, Fragen zur Selbstüberprüfung und Zusammenfassungen sollen den Studenten helfen, die Materie in klarer Form zu verstehen. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, welche zwei zentrale Konzepte der Allgemeinen Psychologie, Motivation und Emotion, schildern. Hinsichtlich der menschlichen Motivation beschäftigt sich die Psychologie mit der Frage, warum Menschen tun, was sie tun. Die Emotionstheorien gehen dagegen der Frage nach, wie Emotionen ausgelöst werden und wie sie unser Handeln beeinflussen. Der gesellschaftliche Kontext der Emotionen wird im abschließenden Kapitel über kulturelle Unterschiede und Ähnlichkeiten hergestellt. Angefügt sind ein Literatur- und Stichwortverzeichnis.

Inhalte

Das Lehrbuch besteht aus zwei Teilen, die wiederum in einzelne Kapitel unterteilt sind.

Teil I Motivation (Kapitel 1-5)

Kapitel 1. Grundlagen gibt zunächst eine Definition und Gegenstandsbestimmungen, denen ein historischer Abriss folgt. Dort finden sich auch Triebtheorien nach Sigmund Freud und Clark L. Hull.

Kapitel 2 widmet sich den Bedürfnistheorien, wonach Bedürfnisse die motivationale Kraft sind, die einen Organismus dazu bringen zu handeln, bevor ein Schaden eintritt. Die Bedürfnisse werden unterteilt in physiologische, psychologische und soziale Bedürfnisse, wozu auch die Leistungsmotivation zählt.

Kapitel 3 umfasst die Kognitiven Theorien: Pläne und Ziele. Hierbei geht es vor allem um die Ziele, die sich ein Individuum setzt. Nach der Darstellung der Kontrolltheorie werden ausführlich die Ziele beschrieben. Anhand unterschiedlicher Theorien wird versucht, das menschliche Zielsetzungs-Verhalten zu erklären.

Kapitel 4 handelt wieder von den Kognitiven Theorien, jetzt aber in Zusammenhang mit dem Selbst. Es geht um das Selbstkonzept, das ein Individuum von sich hat. Ausführlicher wird die Selbstregulation dargestellt, dann folgen Regulationsfokustheorie, Selbstwert, wieder ausführlicher die kognitive Dissonanztheorie von Leon Festinger und abschließend erlernte Hilflosigkeit und Reaktanz. Das abschließende

Kapitel 5 beschäftigt sich mit der extrinsischen und intrinsischen Motivation. Mit einem Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen werden diese beiden Motivationsarten dargestellt. Positive Verstärkung kann auch versteckte Kosten der Belohnung generieren. Abschließend werden verschiedene Theorien hierzu vorgestellt.

Teil II Emotionen (Kapitel 6-13)

Auch der zweite Teil beginnt in Kapitel 6 mit den Grundlagen und der Gegenstandbestimmung, wobei verdeutlicht wird, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens darüber gibt, was eine Emotion ist. Daher wird hier eine Übersicht über Definitionsansätze gegeben, dem sich wieder ein historischer Abriss anschließt.

Kapitel 7 Emotionsausdruck geht es um Blue-ribbon-Emotionen, also solche, die grundlegender und prototypischer sind als andere. Basisemotionen und emotionaler Gesichtsausdruck werden dargestellt und diskutiert.

In Kapitel 8 werden die klassischen Emotionstheorien von Darwin und Jones referiert. Erklärt werden hierzu die Ansätze in der Evolutionstheorie von Charles Darwin und die physiologischen Emotionstheorien von William James.

Die kognitiven Emotionstheorien oder Appraisaltheorien in Kapitel 9 befassen sich mit den unbewussten und bewussten Informationsverarbeitungsprozessen, die Emotionen hervorrufen.

Mit einem Zeitsprung geht es in Kapitel 10 zu den affektiven Neurowissenschaften, die zu den biologischen Verhaltenswissenschaften gehören. Hier geht es um die neuronalen Grundlagen von Stimmungen und Emotionen.

Die sozialkonstruktivistischen Theorien, die in Kapitel 11 vorgestellt werden, verstehen Emotionen als variable und sozial determinierte Konstrukte.

Dieses leitet über zu Kapitel 12 Emotion im sozialen Kontext mit Themen wie der Sozialisation und sozialer Interaktion. Der Überlegung, ob Emotionen sozial determiniert sind, folgt der Gedanke, ob hier kulturelle Unterschiede oder Ähnlichkeiten bestehen.

Kapitel 13 geht dieser Frage nach, wobei unterschiedliche Komponenten wie Emotionsempfinden, -ausdruck, – ursache und Appraisal sowie -normen und Regulation untersucht werden.

Diskussion

Vor allem in der sogenannten Managementweiterbildung hat, spätestens seitdem Reinhard K. Sprenger sein Buch Mythos Motivation – Wege aus der Sackgasse publiziert hat, das Thema Motivation einen erheblichen Stellenwert erhalten. Er selbst spricht von einem »Sprachnebel der Motivation« – und genau dagegen hilft dieses Buch mit einer klaren, fundierten und verständlichen wissenschaftlichen Beschreibung, was Motivation ist. Es wird Basiswissen über zentrale Theorien vermittelt, zum Beispiel über Bedürfnis- und Kognitive Theorien der Motivation. Ebenso ist es mit dem Thema Emotion, dass im Zuge der neueren Hirnforschung auch langsam in die Managementweiterbildung eingeht. Wichtige Forschungsergebnisse und neuere Entwicklungen werden über die Emotionstheorien sowie die Appraisaltheorien dargestellt. Hier gibt es ein unterschiedliches Verständnis von Emotionen, die entweder als neuronal verortet oder als soziales und damit auch variables Konstrukt verstanden werden. Durch die Kürze und Prägnanz können auch Studenten, die sich das erste Mal mit diesem Thema beschäftigen, ein wissenschaftliches Gerüst erhalten, in das sie die vielen Veröffentlichungen zu diesen Themen einordnen und diese auch bewerten können.

Fazit

Dieses Buch eignet sich sehr gut für Studenten der Psychologie und verwandter Fachrichtungen, um einen systematischen und vollständigen Überblick über zwei oft zitierte Phänomene, nämlich Motivation und Emotion, zu erhalten. Aber auch für Führungskräfte, die sich jenseits eines rezeptologischen Wissens mit der Thematik beschäftigen wollen, sei dieses kurze Buch empfohlen. Es ist leicht verständlich und mit vielen Beispielen geschrieben, erfreulich kurz und prägnant, ohne dabei flach oder unwissenschaftlich zu sein.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 15.04.2019 zu: Ursula Hess: Allgemeine Psychologie Teil 2: Motivation und Emotion. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-021991-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24440.php, Datum des Zugriffs 24.08.2019.


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