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Barbara Bräutigam: Grundkurs Psychologie

Cover Barbara Bräutigam: Grundkurs Psychologie für die Soziale Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2018. 228 Seiten. ISBN 978-3-8252-4947-2. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.

Reihe: UTB - Band-Nr. 4947. Soziale Arbeit studieren.
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Thema

Das Buchs Grundkurs Psychologie für die Soziale Arbeit von Barbara Bräutigam ist in der Reihe „Soziale Arbeit studieren“ erschienen. Es führt in eine der wichtigsten Referenzdisziplinen der Sozialen Arbeit, die Psychologie, ein. Unter insgesamt acht Kapiteln werden ausgewählte Aspekte der Psychologie dargestellt, die der Autorin für ein Grundlagenwissen in der Sozialen Arbeit relevant erscheinen.

Zu den ausgewählt dargestellten Inhalten im Buch gehören die Geschichte der Psychologie, die Entwicklungspsychologie, Allgemeinen Psychologie, Sozialpsychologie, Familien- und Erziehungspsychologie, Klinische Psychologie, Methodische Kompetenzen und Interventionsformen sowie Schulpsychologie mit Blick auf Psychotherapie, Sozialpädagogische Familienhilfe und Hilfebedarf in verschiedenen Lebenslagen. Diese Inhalte umfassen gut 190 Seiten im Taschenbuchformat.

Autorin

Die Autorin, Frau Prof. Dr. Barbara Bräutigam, lehrt nach Angaben im Buch an der Hochschule Neubrandenburg Psychologie, Beratung und Psychotherapie im Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung. Die Autorin gibt an, dass die bearbeiteten Inhalte unter der Prämisse entstanden sind, „inwiefern die psychologische Perspektive für die Soziale Arbeit nützlich und hilfreich ist“ (S. 11). Dabei wird die Wechselbeziehung zwischen Psychologie und Sozialer Arbeit als Kriterium angegeben.

Aufbau und Inhalt

Den oben bereits genannten 8 inhaltlichen Kapiteln ist noch ein Literaturverzeichnis und ein Sachregister beigefügt. Außerdem steht noch ein Online-Zusatzmaterial zur Verfügung, das jedoch für die vorliegende Rezension nicht bereit gestellt war. Die Kapitel sind unterschiedlich hinsichtlich ihres Umfangs. Den größten Teil nehmen die Kapitel über die Entwicklungs-, Sozialpsychologie und die Klinisch-psychologischen Grundlagen ein (jeweils ca. um die 30 Seiten). Alle weiteren Kapitel sind mit mindestens 10 Seiten angelegt.

Die zu den einzelnen Kapiteln verwendete Literatur wird jeweils am Ende eines Kapitels genannt. Zu Beginn eines jeden Kapitel wird abstractartig eine Übersicht über die Genese des jeweiligen Grundlagen- oder Anwendungsfaches der Psychologie gegeben. Zudem werden an jedem Kapitelende Reflexionsfragen und Aufgaben gestellt, die sich auf den beschriebenen Inhalt des jeweiligen Kapitels beziehen. Diese Inhalte sind wiederum – dem Anliegen bzw. Entstehungshintergrund des Buches entsprechend – auf die Nützlichkeit für bzw. Bezug auf die Soziale Arbeit ausgerichtet. Hiermit verbunden sind praktische Fragestellungen aus der Sozialen Arbeit: Um diesen mit dem dargestellten Psychologiewissen näher zu kommen, ist das Buch in jedem Kapitel mit (Fall-)Beispielen gestaltet, welche den psychologischen Inhalt anschaulich, verständlich und für die Soziale Arbeit im Alltag verstehbar machen. Auch werden innerhalb der Kapitel Querverbindungen zu anderen Disziplinen oder psychologischen Teildisziplinen gezogen (z.B. zur Psychotherapie innerhalb des Kapitels über die Schulpsychologie).

Im Buch werden in den acht Kapiteln ausgewählte Grundlagenfächer neben Anwendungsfächern der Psychologie vorgestellt, ohne dass diese Unterscheidung jedoch genannt wird. Auch fehlt die Nennung aller Grundlagenfächer bzw. Anwendungsfächer der Psychologie oder eine Begründung oder Erläuterung der fehlenden Fächerbereiche.

Diskussion

Die Konzentration im Buch liegt auf ausgewählten Inhalten des psychologischen Fachwissens zum Bezug auf Aspekte der Sozialen Arbeit. Nicht immer wird dabei der theoretische Hintergrund bzw. werden die wichtigsten Theorien bei der Vorstellung der psychologischen Inhalte genannt. Auf die Entstehungsgeschichte der Psychologie, besonders über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg, wird leider nur sehr kurz und in Teilen sogar mit falschen Aussagen hingewiesen, z.B. zur NS-Zeit und DDR-Zeit als besonders auch zur Diplomprüfungsordnung, die 1941 mit so genanntem Arierparagraphen in Kraft trat: Im Buch wird fälschlicherweise auf Seite 21 behauptet „Die seit 1941 bestehende und bis in das neue Jahrtausend fast unveränderte Diplomprüfungsordnung ist ein Ausdruck dieser Kontinuität“ (S. 21). Dies ist eine wenig seriöse Darstellung eines Berufsstandes bzw. eines wissenschaftlich fundierten Faches – hier der Psychologie und zum Teil auch der Psychotherapie – und bedarf einer Richtigstellung durch Hinzuziehung geeigneter Quellen (zur Diplomprüfungsordnung siehe z.B. Gundlach, H. 2013).

Die „Psychologie heute“, mit nur einer Dreiviertelseite stark reduziert dargestellt (S. 22), wird den vielfältigen (im Buch nicht genannten) Forschungs- und Fächerinhalten) nicht gerecht. Inhaltlich wird in anderen Kapiteln pragmatisch auf anwendbare Aspekte und das dahinter stehende Fachwissen fokussiert. Innerhalb dieser Auswahl wird das Dargestellte jedoch fachlich fassbar, jedoch vereinfacht unter gleichzeitiger Verwendung von Fachbegriffen dargestellt. Damit werden komplexe Sachverhalte komprimiert.

Fazit

Das Buch „Grundkurs Psychologie für die Soziale Arbeit“ von Barbara Bräutigam lässt unter seinem Titel ein umfassendes Grundwissen aus der Psychologie erwarten. Tatsächlich jedoch enthält es ein Arbeits- bzw. Ausschnittswissen jener psychologischen Wissensbereiche, die unter dem Fokus der Nützlichkeit für die Soziale Arbeit ausgewählt worden sind. Dabei werden die zu Grunde gelegten Nützlichkeitskriterien jedoch leider nicht genannt. Auch Begründungen, warum bestimmte Aspekte, die ebenfalls die Soziale Arbeit in der Praxis betreffen bzw. unterstützen könnten (wie die Rechtspsychologie), fehlen. Auf die tatsächlichen Wechselbeziehungen, wie sie von dem Hamburger Psychologen Curt Bondy bereits seit den 1920er Jahren und später in den 1950er und 1960er Jahren zwischen Psychologie und Sozialpädagogik bzw. Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit vorangetrieben wurden, wird in dem Buch leider nicht eingegangen (vgl. Guski-Leinwand, 2018).

Eine repräsentative Übersicht über alle Teilbereiche der Psychologie – wie es ein Grundkurs in Psychologie erwarten lässt – wird in dem Buch leider nicht gegeben, auch fehlt leider ein Hinweis auf die (kostenfrei) beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen als Download erhältlichen weiterführenden Informationsmaterialien zur Berufsordnung von Psychologinnen und Psychologen (BDP, 2016) als auch zum Berufsbild Psychologie (dort mit allen Anwendungs- und Grundlagenfächern der Psychologie; BDP, 2018). Für einige Kapitel sind nur wenige Publikationen herangezogen worden, sodass hier u.U. subjektive Sichtweisen oder Sichtweisen aus Sekundärliteratur auf bestimmte Aspekte der Psychologie wiedergegeben sind.

Die Auswahl des präsentierten Materials ist jedoch sprachlich und in der Darstellung leicht erfassbar aufbereitet. Für eine erste Orientierung zu bestimmten Teilaspekten der (angewandten) Psychologie hat das Buch den Charakter einer Einführung. Für Praktiker*innen kann das Buch eine Art kleines Nachschlagewerk für interessierende Einzelthemen oder zur Auffrischung von Fachinhalten darstellen. Als „Grundkurs Psychologie“ bedürfte das Buch aber noch zahlreicher weiterer inhaltlicher Aspekte zur Psychologie und psychologischen Forschung (z.B. Neuropsychologie), als auch bessere Abgrenzung oder Zuordnung fachverwandter Teilbereiche (z.B. der Psychotherapie zur Klinischen Psychologie).

Literatur

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) und Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) (2016). Berufsethische Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zugleich Berufsordnung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. Online-Ressource: https://www.bdp-verband.de/binaries/content/assets/beruf/ber-foederation-2016.pdf

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) (2018). Berufsbild Psychologie. Online-Ressource: https://www.bdp-verband.de/binaries/content/assets/beruf/berufsbild/bdp-berufsbild2018.pdf

Gundlach, H. (2013). Das Diplom und die Psychologie. Eine Rückschau. Report Psychologie, 38(6), 248–252.

Guski-Leinwand, S. (Hrsg.) (2018). Curt Werner Bondy. Psychologe und Strafgefangenenfürsorger. Berlin: Hentrich & Hentrich.


Rezensentin
PD Dr. Susanne Guski-Leinwand
Prof. a. D, Dipl.-Psych., FH Dortmund/Friedrich-Schiller-Universität Jena
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Zitiervorschlag
Susanne Guski-Leinwand. Rezension vom 17.09.2019 zu: Barbara Bräutigam: Grundkurs Psychologie für die Soziale Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2018. ISBN 978-3-8252-4947-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24451.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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