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Susanne Bauer: Musiktherapie

Cover Susanne Bauer: Musiktherapie. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2018. 178 Seiten. ISBN 978-3-497-02740-8. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.

Reihe: Wege der Psychotherapie.
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Thema

In der neuen Reihe Wege der Psychotherapie will der Verlag richtungsweisende Einführungen und einen Überblick über bewährte und neue Ansätze in der Psychotherapie bereitstellen und damit eine Orientierung in der ständig expandierenden psychotherapeutischen Landschaft geben. Dieser Band informiert über Musiktherapie, die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Musik vor dem Hintergrund medizinischer und psychotherapeutischer Erklärungsmodelle und gesellschaftlicher Bedingungen.

Autorin

Prof. Dr. Susanne Bauer leitet den Masterstudiengang Musiktherapie an der Universität der Künste UdK in Berlin. Sie arbeitet außerdem in der Gruppen- und Einzelmusiktherapie der DRK Kliniken Berlin, der Wiegmann Klinik für Psychogene Störungen, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Aufbau und Inhalt

  1. Einleitung: zu Beginn führt Bauer in den Begriff und die Bedeutung von Musiktherapie ein, in einer klaren sehr komprimierten Art, die dem Leser sofort ein umfassendes Verständnis und gleichzeitig Aufbau und Sinn dieses Buches vermittelt.
  2. Geschichte: hier wird über ein umfassendes Krankheitsverständnis berichtet, über seelische Störungen und deren Behandlung mit Musik. Der Krankheitsbegriff wird anhand verschiedener kultur- und epochenspezifischen und religiösen Verstehens-und Behandlungsmodellen sowie der dazugehörigen Musikbegriffe und deren Kräfte beleuchtet. Im Einzelnen sind dies: Krankheit als Ausdruck von Besessenheit: die magische Kraft der Musik. Krankheit als Ausdruck seelisch-körperlichen Ungleichgewichts: die ordnende Kraft der Musik. Krankheit als Strafe Gottes: die spirituelle Kraft der Musik. Krankheit auf der Grundlage des biopsychosozialen Erklärungsmodells: die beziehungsstiftende Kraft der Musik. Es folgt ein Überblick über die Entstehungsgeschichte der Musiktherapie in Deutschland, die Entwicklung der instrumentalen Ausrüstung und den aktuellen beruflichen Entwicklungsstand.
  3. Theorie: wissenschaftliche Grundlagen zum Zusammenspiel von Musik und Mensch. Musik bewegt und beeinflusst den Menschen, sie bewirkt Veränderung auf physiologischer, sozio-emotionaler und mental-kognitiven Ebenen. Unter den Theorien von Anthropologie, Physik und Physiologie, Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie, Tiefenpsychologie, Musik- und Kunstpsychologie wird der Bezug von Mensch und Musik in einen umfassenden Zusammenhang gestellt.
  4. Der therapeutische Prozess. Hier geht es um Beziehung: der Mensch ist als soziales Wesen überlebensnotwendig auf Beziehung angewiesen. Der Bogen reicht von der Entwicklung von Beziehung über die therapeutische Beziehung zur musiktherapeutischen Beziehung. Es folgt das Setting: wie und wo und unter welchen Bedingungen findet Musiktherapie statt? Das institutionelle Setting, das Setting im ambulanten Kontext – aktive und rezeptive Musiktherapie als Methoden, der Raum, das Instrumentarium, Ko-Therapie und Behandlungsformate (letzteres mit Fallbeispielen). Es folgt eine Auflistung der in Deutschland vertretenen Musiktherapieverfahren: die aktive Musiktherapie (psychoanalytische, morphologische, Gestalt- und Integrative-, Sozial-, Schöpferische- und anthroposophische Musiktherapie), sowie die Regulative Musiktherapie und GIM als rezeptive Verfahren. Und funktionale Verfahren, die störungsspezifisch entwickelt und eingesetzt werden: die Neurologische Musiktherapie und Musiktherapie bei Tinnitus.
  5. Evaluation: Wirkung und Wirksamkeit eines musiktherapeutischen prozesshaften Miteinander. Die Entwicklung von Forschung quantitativ, qualitativ u/o mixed method, im nationalen Hochschulkontext, eingebunden in internationale Forschungsgemeinschaften – immer unter dem Gesichtspunkt: welche Methoden sind sinnvoll? Welche stehen zur Verfügung? Näher beschrieben werden zwei Forschungsmethoden – qualitativ und quantitativ – die die Autorin selber durchgeführt hat.
  6. Zukünftige Entwicklung: dieses letzte Kapitel beschreibt neue zukunftsträchtige musiktherapeutische Strömungen, die auf aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse antworten: Musiktherapie an und in Musikschulen, an und in Schulen, mit Menschen mit Traumafolgestörungen, in der Palliativmedizin mit Kindern und Erwachsenen und in der Gerontopsychiatrie. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der beruflichen Situation: Aus- und Weiterbildungen, berufliche Anerkennung und Möglichkeiten, klinisch und selbstständig zu arbeiten.
  7. Abschließend Zusammenfassung, Glossar und Literatur

Diskussion

Dies ist ein Buch, das die Rezensentin von Anfang an mit Interesse und Gewinn beeindruckt hat. Leider hat Bauer nur fünf Fachbereiche ausführlich erwähnt: Musiktherapie an und in Musikschulen, an und in Schulen, mit Menschen mit Traumafolgeströrungen, in der Palliativmedizin und der Gerontopsychiatrie. Andere Bereiche, die im deutschprachigen Raum entwickelt, klinisch etabliert und international vernetzt sind, werden nicht erwähnt. Ein kurzes Kapitel hierzu hätte das Gesamtbild und vor allem die Literatur abgerundet.

Fazit

Insgesamt aber ist es ein höchst informatives Buch, das sehr gut zu lesen ist. Susanne Bauers Stil ist in hohem Maße flüssig, anschaulich, komprimiert und wissenschaftlich fundiert, ohne in der Diktion und in fachlichen Ausdrücken zu überfordern. Das bedeutet, dass dieses Buch für alle lesbar und verstehbar ist, für Menschen, die sich für Musiktherapie interessieren, die sich darin ausbilden lassen wollen und für Fachleute aller Couleur. Das Maß an umfassenden Informationen übertrifft vieles, was man von einem so überschaubaren Buch erwarten kann. Sehr empfehlenswert.


Rezensentin
Dr. sc. mus. Monika Nöcker-Ribaupierre
Dipl. Musiktherapeutin DMtG, Vorstand Freies Musikzentrum München, Vice President der International Society for Music in Medicine ISMM.
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Zitiervorschlag
Monika Nöcker-Ribaupierre. Rezension vom 26.03.2019 zu: Susanne Bauer: Musiktherapie. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2018. ISBN 978-3-497-02740-8. Reihe: Wege der Psychotherapie. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24458.php, Datum des Zugriffs 19.06.2019.


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