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Hans Hermann Wickel: Musik in der sozialen Arbeit

Cover Hans Hermann Wickel: Musik in der sozialen Arbeit. Eine Einführung. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. 2. Auflage. 208 Seiten. ISBN 978-3-8252-4944-1. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.

Reihe: UTB - 4944.
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Thema

Die Publikation richtet sich primär an Studierende der Sozialen Arbeit, ist darüber hinaus aber auch für Angehörige verwandter Berufsgruppen geeignet. Im Sinne einer Einführung beschreibt der Autor die Möglichkeiten des Einsatzes von Musik im Kontext Sozialer Arbeit und schildert die entsprechenden Bedingungen und Voraussetzungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Zielgruppen und entsprechender Methoden. Ausgehend von dem Grundlagenwissen innerhalb dieses weit gefächerten Arbeitsfeldes werden Perspektiven für musikalische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Autor

Prof. Dr. Hans Hermann Wickel lehrt seit 1995 an der Fachhochschule Münster und zählt zu den profilierten Hochschullehrenden und Publizierenden für den von ihm vertretenen Lehrbereich „Musik in der Sozialen Arbeit“, insbesondere durch Schwerpunktsetzungen in Musikpädagogik, Musikgeragogik und Kulturgeragogik.

Entstehungshintergrund

„Musik in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung“ ist eine stark überarbeitete Neufassung der 1998 erschienenen Publikation „Musikpädagogik in der sozialen Arbeit. Eine Einführung“, mit der Hans Hermann Wickel eine gravierende Lücke der Fachliteratur geschlossen hatte, da zu dieser Zeit kaum aktuelle Fachliteratur zur Theorie-Praxis-Verknüpfung zwischen der Musikpädagogik und dem Einsatz von Musik in sozialen Arbeitsfeldern verfügbar gewesen ist. Der große Nutzen dieses Buches für die Community – insbesondere beim Einsatz als Fachbuch in entsprechenden Studiengängen – gab den Ausschlag für die vorliegende Publikation.

Aufbau

„Musik in der Sozialen Arbeit“ ist in fünf Kapitel und einen Abschluss gegliedert, wobei der Autor ausgehend von den Herausforderungen des Arbeitsalltags sich zunächst den angrenzenden Bereichen und Akteuren widmet, dann den aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskurs beleuchtet, um anschließend zunächst die Arbeitsfelder darzustellen und danach auf die Methoden eingeht. Konkret ist das Buch wie folgt gegliedert:

Kapitel 1, „Musik im Kontext Sozialer Arbeit“ enthält die Abschnitte

  • „Soziale Arbeit und Musik“,
  • „Medien, Ästhetik und Kommunikation“,
  • „Musik im Studium der Sozialen Arbeit“ und
  • „Berufliche Kompetenzen“

Kapitel 2 „Bezugsdisziplinen und -institutionen“ widmet sich den Themen

  • „Kulturelle Bildung und soziale Kulturarbeit“,
  • „Musikpädagogik“,
  • „Elementare Musikpädagogik“,
  • „Rhythmik (rhythmisch-musikalische Erziehung)“,
  • „Community Music“,
  • „Musiktherapie“,
  • „Musikschulen“,
  • „Musikverbände“ sowie
  • „Kirchengemeinden“.

Kapitel 3 „Musikpsychologische und musiksoziologische Aspekte“ befasst sich mit

  • „Musik und Musikalität“,
  • „Wahrnehmen und Erleben von Musik“ sowie
  • „Wirkungen, Bedeutungen und Funktionen von Musik“.

Im Kapitel 4 werden folgende zehn „Beispiele für Arbeitsfelder und Zielgruppen“ aufgezeigt:

  • „Musik in der frühkindlichen Bildung“,
  • „Musik in der Jugendarbeit und Jugendhilfe“,
  • „Musik in der Altenarbeit und Altenhilfe“,
  • „Musik in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen“,
  • „Musik in der Schulsozialarbeit“,
  • „Musik in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe (Heimerziehung)“,
  • „Musik in der Migrationssozialarbeit“,
  • „Musik in der Drogenhilfe“,
  • „Musik im Strafvollzug“ und
  • „Musik in der stadtteilorientierten Sozial- und Kulturarbeit“.

Kapitel 5 enthält zwölf „Beispiele für Methoden“, im Einzelnen handelt es sich dabei um

  • „Singen“,
  • „Liedbegleitung“,
  • „Liedwerkstatt/Liedermachen/Songwriting“,
  • „Improvisation“,
  • „Musicalarbeit und Verklanglichungen“,
  • „Bandworkshop“,
  • „HipHop-Workshop“,
  • „Percussionworkshop“,
  • „Mobile Musikarbeit (Musikmobile)“,
  • „Auflegen“ (DJing),
  • „Musikproduktion“ und
  • „Musikhören“.

Eine kurze Schlussbemerkung beendet die Ausführungen, das darauffolgende Literaturverzeichnis ist sehr umfangreich, ein Sachregister erleichtert zusätzlich die Orientierung in dem Buch.

Ausgewählte Inhalte

Eine detaillierte Darstellung des Inhaltes über die vorstehende Gliederung hinaus erscheint angesichts der Vielfalt der Themen als wenig sinnvolles Unterfangen. Kennzeichnend für alle Abschnitte ist die dichte Unterfütterung der Inhalte durch Literaturverweise, insbesondere in den ersten drei Kapiteln. Es wird deutlich, dass in dieser Publikation eine größtmögliche Menge an weiterführenden Informationen zusammengetragen worden ist, um Einzelaspekte verfolgen zu können, sie aber gleichzeitig im Gesamtkontext der Sozialen Arbeit verortet zu wissen.

Die in Kapitel 4 behandelten Beispiele für Arbeitsfelder und Zielgruppen bilden von der Seitenzahl her einen der beiden großen Abschnitte des Buches. Die sehr abwechslungsreiche Auswahl der Beispiele verdeutlicht die Diversität des Arbeitsfeldes. Musik in der Sozialen Arbeit kann vielfältige Bedeutung haben. Wie sich die Anforderungen je nach Zielgruppe und Arbeitsfeld verändern, lässt sich unmittelbar aus diesem Einblick in die Berufspraxis herauslesen. Das im Umfang vergleichbare folgende Kapitel 5 stellt exemplarisch zum Einsatz gelangende Methoden vor. Hier erfolgen ebenfalls möglichst praxisnahe Schilderungen, die bis hin zu konkreten Verfahrensweisen und Ratschlägen für einzelne Settings reichen.

Die einzelnen Kapitel spannen somit einen Bogen von aktuellen Theoriediskursen hin zum Handeln in berufspraktischen Situationen, ohne dabei den konkreten Kompetenzerwerb in einer musikalischen Praxis ersetzen zu wollen.

Diskussion

Die vorliegende Publikation ist ein beeindruckendes Kondensat an aktuellem Fachwissen zum Thema Musik in der sozialen Arbeit. Diese Stärke des Buches erfordert gleichzeitig einen bestimmten Umgang damit. Obwohl es sprachlich gut geschrieben und entsprechend verständlich ist, stellt ein Lesen am Stück angesichts der Informationsdichte eine Herausforderung dar. Der Ausgleich zwischen dem Anspruch, eine möglichst umfassende Darstellung des Themenbereiches zu erreichen und gleichzeitig eine handhabbare Einführung zu liefern, also konkret die Gratwanderung zwischen einer Entscheidung für Informationen, die aufgenommen werden und gegen jene, mit denen sich das Buch angesichts der Fülle an Einzelaspekten in diesem sehr ausdifferenzierten Arbeitsfeld nicht befasst, ist dem Autor absolut gelungen.

In Detailfragen ließen sich weitergehende Diskurse führen, beispielsweise zu der ungewöhnlich anmutenden gleichzeitigen Abhandlung von „Musicalarbeit und Verklanglichungen“ in einem Abschnitt. Dieser Zuordnung liegen bestimmte Begriffsdefinitionen und Kategorisierungen zu Grunde, die vom Autor gesetzt worden sind. Nur im Rahmen eines solch normativen Vorgehens können die jeweiligen methodischen Ansätze schlüssig geordnet und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Andere Sichtweisen sind durchaus denkbar, nur können diese nicht in dem begrenzten Rahmen eines Buchs dargestellt und gegeneinander abgewogen werden. Auch hier behalten die Ausführungen den Charakter eines Beispiels, weiterführende Überlegungen, eigene Handlungsweisen und Arbeitsansätze werden in den sehr weit gefassten Themenfeldern der Musik in der sozialen Arbeit immer eine Rolle spielen.

Das vorliegende Buch bildet einen hervorragenden Einstieg in diese Thematik, es gibt einen weiten Überblick, ermöglicht den Transfer theoretischer Überlegungen in die musikalische Praxis sozialer Arbeitsfelder und unterstützt die individuelle Vorstellungskraft, wie musikbezogene Methoden konkret angewandt werden können. Insbesondere für Leserinnen und Leser, die musikalische Vorkenntnisse mitbringen, sind die Beispiel sehr plastisch, andere Personen gewinnen einen Eindruck, was möglich wäre, wenn sie sich entsprechenden Praxiskompetenzen auf anderen Wegen aneignen – worauf der Autor auch explizit hinweist. Insofern ist „Musik in der sozialen Arbeit. Eine Einführung“ für Studierende der sozialen Arbeit und verwandter Arbeitsfelder ein bestens geeigneter Einstieg in die Materie.

Fazit

„Musik in der sozialen Arbeit. Eine Einführung“ richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit und Angehörige verwandter Berufsgruppen. Das Buch stellt Möglichkeiten des Einsatzes von Musik im Kontext Sozialer Arbeit vor. Aufbauend auf kurze historische, bildungstheoretische, berufspolitische und sozialwissenschaftliche Ausführungen legt der Autor in plastischen Beispielen dar, an welche Zielgruppen Musik in der Sozialen Arbeit adressiert wird und welche methodischen Ansätze dabei zum Einsatz gelangen. Das weit ausdifferenzierte Arbeitsfeld kann im Rahmen der Publikation nur sehr komprimiert erfasst werden, entsprechend hoch ist die inhaltliche Dichte der Ausführungen. Durch die sorgfältige und umfangreiche Verknüpfung zu aktueller Fachliteratur werden stets Wege für weiterführende Beschäftigung mit den einzelnen Aspekten aufgezeigt. Das Buch wird seinem Anspruch vollkommen gerecht und ist als Einführungsliteratur und darüber hinaus für einen schnellen Einstieg in ausgewählte Themenfelder uneingeschränkt zu empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Thomas Grosse
Homepage www.hfm-detmold.de
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Zitiervorschlag
Thomas Grosse. Rezension vom 28.08.2018 zu: Hans Hermann Wickel: Musik in der sozialen Arbeit. Eine Einführung. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. 2. Auflage. ISBN 978-3-8252-4944-1. Reihe: UTB - 4944. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24481.php, Datum des Zugriffs 19.10.2018.


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