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Astrid Krus: Qualifikations­profil Bewegung für Lehrkräfte

Cover Astrid Krus: Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrkräfte. Bewegung lehren und in Bewegung lernen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2018. 169 Seiten. ISBN 978-3-658-21352-7. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Thema

In diesem Buch wird ein auf der Grundlage des Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmens erstelltes „Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrkräfte“ vorgestellt. Es soll eine Orientierung geben über die Qualifikation von Lehrkräften, welche in Fachschulen und Hochschulen im Handlungsfeld Bewegung unterrichten.

Autorin

Prof. Dr. Astrid Krus ist Diplom-Motologin, war 17 Jahre im Kinderneurologischen Zentrum Düsseldorf tätig, wo ihre Aufgabe in der Diagnostik und Therapie entwicklungsbeeinträchtigter Kinder im Vorschul- und Schulalter bestand. Im Anschluss daran war sie 5 Jahre Leiterin der Deutschen Akademie für Psychomotorik. Jetzt ist sie Professorin an der Hochschule Niederrhein mit dem Schwerpunkt Bewegung und Bildung in der Kindheit.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch ist der dritte und abschließende Bericht über das Verbundforschungsprojekt „Bewegung in der frühen Kindheit – Fachanalyse und Konzeptionalisierung der Aus- und Weiterbildungsprofile“. Unter der Leitung der Universität zu Köln (Klaus Fischer), der Hochschulen Dortmund (Stefanie Kuhlenkamp), Koblenz (Wolfgang Beudels) und Niederrhein (Astrid Krus und Christina Jasmund) wurde herausgearbeitet, welches Wissen, welche Fertigkeiten, Sozial- und Selbstkompetenzen frühpädagogische Fachkräfte im Anwendungs- und Bildungsbereich Bewegung für professionales Handeln benötigen.

Ausgehend von der Bedeutung der Bewegung als Fundament kindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse lag das Forschungsinteresse darin, herauszuarbeiten, inwieweit sich dieser Stellenwert auch in der Bildungsdebatte um die Professionalisierung der Kindheitspädagogik, d.h. in den Bildungsplänen der Bundesländer und in den Ausbildungen der Fach- und Hochschulen niederschlägt. Nach den Berichten zur „Bewegung in der frühen Kindheit“ Fachanalyse und Ergebnisse zur Aus- und Weiterbildung von Fach- und Lehrkräften (Fischer u.a. 2016) und dem Qualifikationsprofil „Bewegung in der frühen Kindheit“. Was frühpädagogische Fachkräfte wissen, können und tun sollten (Schneider u.a. 2015), legt Astrid Krus ein „Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrkräfte“ vor und schafft damit eine kompetenzorientierte Basis um Bewegung in der Aus-, Fort- und Weiterbildung zu verorten.

Aufbau

Nach der Verortung des Buches im Verbundforschungsprojekt „Bewegung in der frühen Kindheit“ (BiK) wird die Notwendigkeit der Professionalisierung in den Handlungsfeldern der Kindheitspädagogik diskutiert. Auf dieser Folie wird der Begriff Bewegung analysiert und daraus die Implikationen für eine bewegungsorientierte Aus- Fort- und Weiterbildung abgeleitet. Im Hauptteil des Buches werden die dafür erforderlichen Kompetenzen der Lehrkräfte ausführlich dargestellt.

Inhalt

Auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Bedeutung von Bewegung als Träger von Bildungs- und Entwicklungsprozessen sowie zur Relevanz eigener (bewegungs-)biografischer Lernerfahrungen für den Lehr-/Lernprozess formuliert Astrid Krus bewegungsspezifisches Wissen, Fertigkeiten, Sozial- und Selbstkompetenzen für die unterschiedlichen Handlungsfelder im Rahmen der Weiterbildung.

Dass diese Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich sind zeigen Untersuchungen zur Qualifikation von Fachkräften, die zwar die Bewegung als zentrales Medium der kindlichen Entwicklung anerkennen, sich für die Förderung über das Medium Bewegung nur unzureichend ausgebildet fühlen. Es gibt Weiterbildungen für pädagogische Fachkräfte, diese erweisen sich jedoch als sehr heterogen bezüglich der inhaltlichen Gestaltung und entsprechen damit nicht den Forderungen der Bildungspolitik nach einer Qualitätssicherung berufsbegleitender Weiterbildungen.

Das Anliegen dieses Buches, ein Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrende darzustellen ist deshalb sehr zu begrüßen, zumal es sich an der Struktur des Deutschen Qualifikationsrahmens orientiert und damit einen wesentlichen Beitrag zur kompetenzorientierten Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte leistet.

Nach einer fundierten Einführung in das Thema in Kapitel 1 und 2 werden im 3. Kapitel Forschungsergebnisse zur Bewegung in der frühen Kindheit referiert, wobei dargestellt wird, welches Bewegungsverständnis in den Bildungs- und Orientierungsplänen der Bundesländer sowie in den Rahmenlehrplänen vorherrscht. Es zeigt sich, dass der Ausbildungsstand der frühpädagogischen Fachkräfte in der Regel nicht immer genügend gut ist um die daraus abzuleitenden Ansprüche umzusetzen. Aus dieser Diskrepanz werden im 4. Kapitel die Implikationen für eine bewegungsorientierte Aus-, Fort- und Weiterbildung abgeleitet.

Ein ausführliches 5. Kapitel widmet sich der inhaltlichen Bestimmung des Gegenstandbereiches Bewegung, wobei im Fachdiskurs der Forschungsgruppe Bewegung fünf unterscheidbare Kategorien ausdifferenziert wurden: die instrumentelle oder produktive Bedeutung, die explorative Bedeutung, die sozial-kommunikative Bedeutung, die personale/psychisch-emotionale und kognitive Bedeutung, die expressiv/impressive Bedeutung. Daraus folgend wurden für den Anwendungsbezug vier Bedeutungsdimensionen der Bewegung generiert: Bewegung als Medium der motorischen Entwicklung und als Lerngegenstand, Bewegung als Medium der psychisch-emotionalen Entwicklung, Bewegung als Medium der sozialen Entwicklung, Bewegung als Medium der kognitiven Entwicklung.

Widmet sich der 1. Teil des Buches in erster Linie dem Forschungsprojekt und dem Begriff der Bewegung, so stellt das 6. Kapitel zwei Modelle vor, welche die Komplexität des Lehr-Lernprozesses in Teilaspekte aufgliedern um somit die unterschiedlichen Aufgabenbereiche von WeiterbildnerInnen anhand spezifischer Handlungsschritte, welche für die Planung, Gestaltung und Durchführung erforderlich sind aufzuzeigen. Im BiK-Projekt wurden daraus für das Themengebiet Bewegung acht Handlungsfelder generiert:

  1. Organisation im Handlungsfeld Erwachsenen-/Weiterbildung,
  2. Selbstkompetenzorientierte Grundhaltung (weiter) entwickeln,
  3. Kompetenzen erfassen und Ziele absprechen,
  4. Rahmenbedingungen berücksichtigen und gestalten,
  5. Lehr-Lernformate bewegungs- und selbstkompetenzorientiert gestalten,
  6. Begleitung des Lernprozesses, Beratung und Kompetenzzuwachs,
  7. Transfer in die Praxis vorbereiten und begleiten,
  8. die eigene berufspraktische Entwicklung verfolgen und reflektieren.

Damit sind die Grundlagen gelegt um im 7.Kapitel das Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrende vorzustellen. Dieses Kompetenzmodell orientiert sich mit seinen Niveaustufen und Begriffen am Deutschen Qualifikationsrahmen und sichert somit die Anschlussfähigkeit an berufliche und hochschulische Ausbildungen sowie die langfristig intendierte Anerkennung unterschiedlicher Bildungswege. Mit den vier Dimensionen Wissen, Fertigkeiten, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz werden im Folgenden die erforderlichen Kompetenzen für Lehrende in den Handlungsfeldern Organisation, Grundhaltung, Kompetenzen erfassen und Ziele absprechen, Rahmenbedingungen berücksichtigen und gestalten, Lehr-Lernformate bewegungs- und selbstkompetenzorientiert gestalten, Begleitung des Lernprozesses, Beratung und Kompetenzzuwachs, sowie den Transfer in die Praxis vorbereiten und begleiten und die eigene berufspraktische Entwicklung verfolgen und reflektieren.

In Kapitel 8 wird als „best practice model“ die Lehrqualifikation Psychomotorikdakp vorgestellt. Sie umfasst einen Gesamtumfang von 200 Unterrichtseinheiten und richtet sich an Personen mit psychomotorischer Praxiserfahrung in Lehre und Forschung sowie einer ausgewiesenen psychomotorischen Qualifikation.

Das Buch wird abgerundet durch ein Kapitel mit einigen Beispielen aus der Weiterbildungspraxis (Einsatz metaphorischer Bewegungssituationen, Arbeit mit der eigenen Bewegungsbiographie) sowie einem ausführlichen Literaturverzeichnis.

Diskussion und Fazit

Das von Astrid Krus vorgelegte Buch schließt die Darstellung der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Bewegung in der frühen Kindheit“ ab. Ein notwendiger Abschluss, da die Gestaltung von Entwicklungsprozessen für Kinder im Vorschulalter mit dem Schwerpunkt Bewegung fachliche Qualität erfordert und diese nur über eine gute Ausbildung erworben werden kann – und die Lehrenden müssen dafür besonders qualifiziert sein, da sie zum einen die Inhalte beherrschen und zum andern auch die Kompetenzen besitzen müssen, diese Inhalte auch kompetent zu vermitteln. Dass dies an den Fachschulen und Hochschulen nicht immer gewährleistet ist und immer wieder auch fachfremd unterrichtet wird, zeigt die Praxis. Ein guter Prüfstein ist das „Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrkräfte“ an dem sich die Fachschulen und Hochschulen orientieren sollten, wenn sie ihre Curricula entwickeln und die Lehrkräfte für ihren Unterricht mit der Realisierung des Lehrplans beauftragen. Dieses Profil deckt fundiert den Bereich des Wissens ab und formuliert die erforderlichen Fertigkeiten und Kompetenzen, welche für die Lehre im Bereich Bewegung notwendig sind.

Schade dass der Begriff Spiel zwar immer erwähnt, aber nicht wirklich im Focus des Forschungsprojektes war, wo doch das Spiel die „dominierende Tätigkeit“ des Vorschulkindes darstellt. Aber dafür bräuchte es vermutlich ein weiteres Qualifikationsprofil für Lehrende.


Rezensent
Dr. Richard Hammer
Dipl. Motologe
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Zitiervorschlag
Richard Hammer. Rezension vom 05.07.2018 zu: Astrid Krus: Qualifikationsprofil Bewegung für Lehrkräfte. Bewegung lehren und in Bewegung lernen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-21352-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24490.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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