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Toni Faltermaier (Hrsg.): Gesundheits­psychologie

Cover Toni Faltermaier (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 427 Seiten. ISBN 978-3-17-026149-5. 28,00 EUR.

Reihe: Grundriss der Psychologie - Band 21. Kohlhammer Kenntnis und Können.
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Autor

Prof. Dr. Faltermaier forscht und lehrt an der Abteilung Gesundheitspsychologie und bildung der Europa Universität Flensburg.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses Werkes umfasst neben Studierenden, Dozenten und Berufstätigen im Rahmen der Gesundheitspsychologie, -förderung und -wissenschaften auch Forscher und Wissenschaftler. Nachdem sich jedes Band der Reihe „Grundriss der Psychologie“ auch ohne Vorkenntnisse gut lesen und verstehen lässt, bietet es auch allen Interessierten in diesem Bereich fundiertes und verständliches Wissen.

Aufbau

Die Struktur des Lehrbuches „Gesundheitspsychologie“ ist in folgende acht Kapitel gegliedert:

  1. Einleitung: Warum Gesundheitspsychologie?
  2. Die Gesundheitspsychologie als wissenschaftliche Disziplin
  3. Theoretische Modelle der Gesundheitspsychologie und Gesundheitswissenschaften
  4. Psychosoziale Bedingungen bei der Entstehung von Krankheiten: Risiken und Risikoverhalten
  5. Psychosoziale Bedingungen von Gesundheit: Salutogenese, Resilienz, Gesundheitsressourcen und Gesundheitsverhalten
  6. Krankheitserleben und der Umgang mit Krankheiten
  7. Gesundheit und Krankheit im Lebenslauf: Jugend, Erwachsenenalter, Geschlecht
  8. Prävention und Gesundheitsförderung: Konzepte und Praxisansätze

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Nachdem in der Einleitung kurz auf die Bedeutung und Position der Gesundheitspsychologie eingegangen wird, konzentriert sich das zweite Kapitel auf die Gesundheitspsychologie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin.

Im dritten Kapitel stehen die am häufigsten genutzten wissenschaftliche Modelle und Konzepte, wie das biomedizinische und biopsychosoziale Krankheitsmodell oder das Risikofaktorenmodell von Krankheiten, im Vordergrund.

Das vierte Kapitel fokussiert sich auf die Erklärung von Krankheiten, wohingegen im anschließenden Kapitel ein Paradigmenwechsel mit dem Schwerpunkt auf der Entstehung und Förderung von Gesundheit stattfindet.

Kapitel 6 bietet Informationen über das Krankheitserleben und den Umgang mit Krankheiten in Bezug auf soziale und psychische Aspekte von Krankheiten, Bewältigungsmethoden und chronischen Krankheiten.

Das vorletzte Kapitel befasst sich mit der Gesundheit, die sich je nach Alter und Geschlecht unterscheiden kann und speziellen Risiken ausgesetzt ist.

Das Fachbuch endet mit konkreten Anwendungsbeispielen der Prävention und Gesundheitsförderung in den Settings Betrieb, Schule und Gemeinde sowie in der Gesundheitsberatung.

Inhalt

In Kapitel 1 wird zunächst auf die wachsende Bedeutung der Gesundheitspsychologie in den letzten Jahren als eigenständige wissenschaftliche Disziplin eingegangen. Dabei wird ersichtlich, dass sie zudem interdisziplinär ausgerichtet ist.

Im Anschluss widmet sich Kapitel 2 der Gesundheitspsychologie als eigenständige Disziplin in Bezug auf deren Gegenstand und Stellenwert. Weiterhin werden Grundbegriffe wie Gesundheit und Krankheit im Rahmen der Psychologie und Gesundheitswissenschaften sowohl als Laien- wie auch als Expertenbegriff geklärt und damit verbundene Forschungsmethoden, zum Beispiel Interview- oder Beobachtungsstudien, aufgezeigt.

Das dritte Kapitel fokussiert sich auf die am häufigsten genutzten wissenschaftlichen Modelle. Das biomedizinische Krankheitsmodell wird hierbei als traditionelles Denkmodell der naturwissenschaftlichen Disziplin gesehen, wohingegen sich das biopsychosoziale Modell aus der Kritik am biomedizinischen Modell entwickelt hat. Die Salutogenese stellt wiederum einen Paradigmenwechsel dar, da in diesem Konzept nicht die Krankheit, sondern die Gesundheit im Vordergrund steht. Aus diesen theoretischen Modellen leiten sich praktische Modelle, wie das Risikofaktorenmodell oder die psychosoziale Ätiologie von Krankheit, ab.

Danach untersucht das vierte Kapitel auf Grundlage der psychosozialen Ätiologie von Krankheit die Krankheitsperspektive und damit verbunden psychosoziale Risikofaktoren. Hierbei spielen neben dem Stresskonzept mit soziologischen, psychologischen und physiologischen Stresstheorien, auch psychosomatische Persönlichkeitstheorien und das Risikoverhalten mit Veränderungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.

Demgegenüber rückt Kapitel 5 den Gesundheitsbegriff in den Fokus. In diesem Zusammenhang werden Informationen über psychische und soziale Bedingungen und das Paradigma Salutogenese mit dessen konzeptionellen Grenzen geliefert. Salutogenese wird hier als Grundlage für psychische und soziale Bedingungen von Gesundheit gesehen. Stressbewältigung und Kohärenzgefühl sowie Salutogenese sind somit entscheidende Faktoren für Gesundheitsverhalten und -vorstellungen. Zudem wird der Begriff Gesundheitsressourcen definiert und anschließend inhaltlich dargestellt.

Des Weiteren werden im sechsten Kapitel der Umgang mit Krankheiten bzw. Krankheitserleben mit Hilfe eines Fallbeispiels geschildert. Insgesamt lassen sich der Verlauf und das Erleben einer Krankheit in fünf Phasen unterteilen und chronische Krankheiten werden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den sozialen und biographischen Kontext besonders hervorgehoben. In diesem Bereich existieren verschiedene Konzepte, wie die subjektive Krankheitstheorie oder die krankheitsbezogene Coping-Forschung, die Hinweise auf gezielte Maßnahmen zur psychosozialen Unterstützung kranker Menschen geben können.

Kapitel 7 untersucht Gesundheit und Krankheit, jeweils abhängig von Alter und Geschlecht. In Hinblick auf Risiken und Ressourcen unterscheidet sich die Gesundheit im Jugendalter von der im Erwachsenenalter, ebenso wie die Gesundheit zwischen Frauen und Männern. Somit müssen je nach Zielgruppe unterschiedliche Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung bestimmt und Ursachen für diese Unterschiede erforscht werden. Gerade in der Jugend ist dies wichtig um die Verhaltensweisen und Einstellungen zu Gesundheit zu verstehen und langfristig eine gesundheitliche Gefährdung für diese Zielgruppe vermeiden zu können. Auch das Geschlecht wird in der Forschung ein zunehmend wichtiges Forschungsgebiet einnehmen, da sich bereits Unterschiede im Umgang mit Gesundheit, in der Mortalität und Morbidität feststellen lassen und bisweilen nur wenig Erkenntnisse über die gesundheitliche Situation von Männer vorhanden sind.

Im letzten Kapitel wird der Fokus auf die Praxis gelegt. So werden zunächst noch Grundbegriffe und der gesellschaftliche Bedarf mit Ansätzen und Strategien vorgestellt, bevor konkrete Beispiele in den Settings Betrieb, Schule, Gemeinde sowie die Gesundheitsberatung vorgestellt werden. Der Setting-Ansatz ist dabei für die Gesundheitsförderung ein zentraler Bestandteil. Im Rahmen des gesundheitspsychologischen Ansatzes ist die Gesundheitsberatung mit psychosozialen und sozialen Veränderungsmethoden von großer Bedeutung. Sie versucht Gesundheit zu fördern und infolgedessen Krankheiten zu verhindern oder zumindest bei der Bewältigung Unterstützung anzubieten und bedient sich dabei der Methoden der Salutogenese und der psychologischen Beratung. So können Veränderungen gesundheitsbezogener Einstellungen, Lebens- und Verhaltensweisen und Bewältigungsstilen erfolgen.

Diskussion

In den letzten Jahren hat sich die Gesundheitspsychologie zunehmend erfolgreich als eigenständiger Bereich etabliert, da unter anderem auch die Spezialisierung der Gesundheitsberufe neue Berufsbilder und -richtungen erfordert. Auch in Bezug auf den demografischen Wandel und der steigenden Anzahl an chronisch-degenerativen Erkrankungen nimmt der Wissensbedarf nach Verhütung von Krankheiten und Förderung der Gesundheit immer mehr zu. Es ist wichtig zu wissen, welche Zusammenhänge zwischen dem individuellen Verhalten oder dem sozialen Umfeld und der Entstehung von Krankheit und Gesundheit existieren.

Durch dieses Fachbuch wird dem Leser ein vertieftes Wissen sowohl im Rahmen der Gesundheitspsychologie, der -förderung und -wissenschaften vermittelt. Zudem bietet das letzte Kapitel konkrete Anwendungsmöglichkeiten und vermittelt zugleich zukünftige Forschungsfelder. Damit erlangt der Leser am Ende dieses Buch sowohl tiefergehendes theoretisches, als auch praktisches Wissen.

Fazit

Das Fachbuch bietet dem Leser ein umfangreiches Wissen über die theoretischen Aspekte der Gesundheitspsychologie und -förderung. Durch einen kurzen Überblick am Anfang jedes Kapitels über das bereits Gelernte sowie eine Zusammenfassung am Ende jedes Kapitels wird die Verständlichkeit für den Leser erleichtert. Zudem finden sich weiterhin je Kapitel Fragen zur Selbstüberprüfung, die das Verstehen der Kernaussagen erleichtern und zugleich auch als Vorbereitung für Prüfungen dienen können. Für ein weitergehendes Interesse stehen weiterhin Literaturempfehlungen zur Verfügung und Abbildungen fassen das Gelesene kompakt und übersichtlich zusammen. Infolgedessen ist der Preis für dieses Werk angemessen, da der Leser fundierte Einblicke in den theoretischen Bereich der Gesundheitspsychologie erhält, die zudem durch konkrete Anwendungsbeispiele auch in die Praxis überführt werden.


Rezensentin
Alisa Hemberger
Studentin
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger. Rezension vom 02.08.2018 zu: Toni Faltermaier (Hrsg.): Gesundheitspsychologie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-17-026149-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24493.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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