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Al Weckert, Monika Oboth: Der Tanz auf dem Vulkan (Gewaltfreie Kommunikation)

Cover Al Weckert, Monika Oboth: Der Tanz auf dem Vulkan. Gewaltfreie Kommunikation und Neurobiologie in Konfliktsituationen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2017. 2. Auflage. 148 Seiten. ISBN 978-3-95571-714-8. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Kommunikation: gewaltfreie Kommunikation.
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Thema

Im Mittelpunkt dieses Übungsbuches zum Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) stehen die Umgangsmöglichkeiten mit starken Gefühlen und Emotionen. Auf dem Hintergrund der Erkenntnisse der Neurobiologie werden Lernprozesse erläutert, wie Menschen in privaten und beruflichen Kontexten und Gesprächssituationen angstfrei vor allem mit negativen Gefühlen umgehen zu können. „Der Tanz auf dem Vulkan“ ist für diesen Prozess ein einladendes Bild, das auf die psychodynamischen Herausforderungen hinweist.

Autor und Autorin

Al Weckert ist Diplom-Volkswirt, Trainer für Gewaltfreie Kommunikation (GFK), Mediator und Mediationsausbildner sowie Organisationsberater und -entwickler in Berlin. Zudem bietet er Schulungen und Trainerausbildungen in diesen Bereichen an und ist Entwickler der ersten GFK-iPhone-App, dem „Empathienavigator“.

Das vorliegende Buch hat er zusammen mit seiner Schwester Monika Obath verfasst, die das Business Mediation Center in Bad Honnef gegründet hat und als Wirtschaftsmediatorin, Coach und GFK-Trainerin tätig ist.

Entstehungshintergrund

Die Arbeit in Schulungen zur Gewaltfreien Kommunikation bildet den Hintergrund der Entstehung des Übungsbuches. Die Erfahrungen aus diesen Trainings werden fachlich aufgearbeitet und reflektiert und bieten so umfangreiches Übungsmaterial.

Aufbau und Inhalt

Der Aufbau gliedert sich in sechs Teile. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das https://d-nb.info/1130411664/04 vollständige Inhaltsverzeichnis.

Das erste Kapitel (S. 13-30) widmet sich dem „Tanz auf dem Vulkan“ als „Allzweck-Tool“ (S. 15) für die Übersetzung starker Gefühle wie Wut, Aggression, Enttäuschung und Ärger, um in Konfliktsituationen die hinter den Emotionen stehenden eigentlichen Bedürfnisse zu erkennen und zu verstehen. So kann deeskalierend eine „unkontrollierte Explosion mit vernichtender Wirkung“ (S. 15) vermieden werden. Dazu dienen die Übungen mit dem „Roten Tuch“, das als Hilfsmittel auf dem Boden ausgebreitet wird und von dem aus Einzelne konkrete Erlebnisse mit eskalierenden Konfliktsituationen in einer Übungsgruppe schildern können. Ein jeweiliger Partner übt dann über aktives Zuhören, sich mit den Emotionen des Erzählers zu verbinden und „übersetzt alle Aussagen, die Schuldzuweisungen oder Urteile enthalten, in die dahinter liegenden Gefühle und Bedürfnisse“ (S. 16). Die jeweilige Übung ist beendet, wenn der Erzähler spürt, dass sein Gegenüber ihn versteht und in einer einfühlsamen Verbindung zu ihm steht. Die anderen in der Gruppe geben als Beobachter entsprechende Feedbacks. Die jeweiligen Trainingssequenzen werden ausführlich mit praktischen Anleitungen, Beispielen und Reflexionen beschrieben.

Das zweite Kapitel (S. 31-58) erläutert die klassischen Grundlagen der GFK im Hinblick auf die Empathie in der Gesprächsführung, das aktive Zuhören und die nonverbale Kommunikation.

Damit ist die Basis gelegt, um im dritten Kapitel (S. 59-94) die bekannten Phasen der GFK zu beschreiben. Die Unterscheidungen von Beobachtungen und Interpretationen sowie von Gefühlen und Gedanken führen zur Wahrnehmung der eigentlichen Bedürfnisse. Ziel ist es, Strategien zur Bedürfnisbefriedigung zu finden, die nicht auf Kosten anderer gehen (S. 62). Dies drückt sich vor allem darin aus, dass statt Forderungen Bitten formuliert werden, die der andere in seiner Freiheit ablehnen oder annehmen kann. Die zentralen Begriffe „Gefühle“, „Bedürfnisse“ „Strategien“ werden umfassend und differenziert erläutert sowie in übersichtlichen Tabellen dargestellt. Die Reflexion, Macht nicht als destruktive Strategie sondern in ihrer beschützenden Funktion zu nutzen, leitet zum nächsten Kapitel über.

Im vierten Kapitel (S. 95–111) wird die bereits im Untertitel des Buches erwähnte Neurobiologie aufgegriffen. Es werden zentrale Erkenntnisse wie die Bedeutung der Spiegelneuronen und der Theory of Mind für die Gestaltung menschlicher Beziehungen dargestellt. Die Funktionsweise der körpereigenen Motivationssysteme, die über die Botenstoffe wie Dopamin, Oxytocin und die körpereigenen Opioide gesteuert werden, wird in ihrer Bedeutung für das Konfliktverhalten und eine mögliche gewaltfreie Kooperation praxisnah beschrieben. In diesem Kapitel werden auch strukturelle Konflikte, Möglichkeiten kooperativer Verhandlungsführung und eine Organisationsentwicklung mit empathischer Kommunikation angesprochen.

Weitere Einzelübungen mit dem „Roten Tuch“ bilden den Inhalt des fünften Kapitel (S. 113- 137) und münden im sechsten Kapitel (S. 139-141) in eine praktische Reflexion über den Umgang mit Grenzverletzungen.

Ein ausführliches Literaturverzeichnis lädt ein, je nach Interesse vertiefende Literatur zu lesen.

Diskussion und Fazit

Das Trainingsbuch ist in einer sehr lebendigen und allgemeinverständlichen Sprache geschrieben. Die Einbeziehung der Erkenntnisse der Neurobiologie fundiert die Wirkung der GFK auf einer wissenschaftlichen Basis. Alle Kapitel stellen jeweils eine sich gegenseitig bereichernde Mischung von Erfahrungen, Informationen, Übungen und Reflexionen dar. So führt die Anwendung der Methoden der GFK zu einer grundsätzlichen Haltung „die zu einem (absichtslosen) gegenseitigen Verstehen führt“ (S. 12). Diese Form der Kommunikation hat eine gesellschaftliche Bedeutung vor allem im Hinblick auf den Umgang mit Macht (S. 90ff) und macht das Buch für eine breite Zielgruppe lesenswert. Das zentrale vierte Kapitel, das den zweiten Teil des Untertitels des Buches aufgreift, ist sehr kurz gehalten und könnte differenzierter ausfallen.

Führungskräfte und Mitarbeiter in Unternehmen und Organisationen, Supervisoren, Mediatoren und Konflikttrainer sowie Fachkräfte medizinischer, pflegerischer und pädagogischer Berufe werden in diesem Buch viele Anregungen für den beruflichen Alltag entdecken. Nicht zuletzt können auch Paare und Familien in ihren Beziehungen gestärkt werden, den Weg gegenseitigen Verständnisses und der Empathie zu gehen. Dabei ist klar, dass das Lesen des Buches nie die praktischen Lernprozesse in Trainings, Workshops, Schulungen und Übungsgruppen ersetzen kann. Dazu laden Monika Oboth und Al Weckert ein.


Rezensent
Dr. Georg Singe
Dipl.-Sozialarbeiter, Dipl.-Theologe Systemischer Familientherapeut, Supervisor und Lehrtherapeut (DGSF)
Dozent an der Fakultät I für Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Vechta
Homepage www.uni-vechta.de/soziale-arbeit/mitglieder/georg-s ...
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Zitiervorschlag
Georg Singe. Rezension vom 13.07.2018 zu: Al Weckert, Monika Oboth: Der Tanz auf dem Vulkan. Gewaltfreie Kommunikation und Neurobiologie in Konfliktsituationen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2017. 2. Auflage. ISBN 978-3-95571-714-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24507.php, Datum des Zugriffs 17.10.2019.


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