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Robert Bachert, Sandra Eischer: Finanzierung von Sozialunternehmen

Cover Robert Bachert, Sandra Eischer: Finanzierung von Sozialunternehmen. Theorie, Praxis, Anwendung der Stiftung Liebenau 1968 – 1996 - Biografische Begegnungen. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2018. 2. Auflage. 250 Seiten. ISBN 978-3-7841-2976-1. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

Dieses übersichtliche Grundlagen-Buch (in seiner 2. Auflage mit ca. 230 Seiten) behandelt das wichtige Thema der Finanzierung von Sozialunternehmen.

Aufbau

Das Werk erklärt die jeweiligen Fachbegriffe in zwei großen Abschnitten:

  1. Grundlagen der Finanzierung und

  2. Finanzgeber und Finanzformen.

Die Finanzierungs-Grundlagen teilen sich nochmals auf in die Aufgaben des Finanzmanagements und in die allgemeinen Kategorien der Finanzierungstheorie.

Der Abschnitt über Finanzgeber beleuchtet die Spezifika öffentlicher und privater Finanzgeber (mit einem kleinen Exkurs zu den sogenannten „Eigenen Mitteln“ und den Soziallotterien). Die als ‚Interaktives Gespräch‘ konzipierten kleineren Kapitel haben nur einen geringen Informationswert.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Die Inhalte der einzelnen Kapitel sind insbesondere:

  1. Definition und Verständnis: In diesem einführenden Abschnitt geht es darum, das Thema der Finanzierung anhand von betriebswirtschaftlichen Begriffen zu verstehen. Die Aufgaben der Finanzierung und die Zusammenhänge mit Investition(en) werden beleuchtet. Hierzu führen die Autor_innen die sachlichen Einordnungen nach Kapitalarten, Kapitalherkunft, Verwendungszweck, Fristigkeit und Anlass ein.
  2. Aufgaben des Finanzmanagements: Themen in diesem Kapitel sind die theoretischen Grundlagen der Finanzplanung, der Liquiditätsplanung und der Investitionsrechnung bzw. -planung. In diesem Zusammenhang positiv zu konstatieren ist die Einführung und die Behandlung des Begriffs des Cash-Flows im Rahmen der Investitionsplanung, welcher für sozialwirtschaftliche Unternehmen noch nicht überall Usus ist. Allerdings tauchen in diesem Abschnitt stellenweise unpräzise Formulierungen oder fehlerhafte Berechnungen – insbesondere in den Investitionsrechnungen – auf, die besser auf der Grundlage eines speziellen Fachbuchs hätten geschrieben werden sollen, um Irritationen zu vermeiden. Z.B. beinhaltet die auf Seite 43 angegebene Formel für Rentabilität einen mathematischen Fehler. Auch in anderen Abbildungen dort tauchen leichtere sachliche Fehler auf. Besser wäre es gewesen, die Investitionsrechnungen nur auf die für die Sozialwirtschaft praktikablen Rechnungen zu reduzieren (d.h. keine Vorstellung gewinnorientierter Rechnungen, da gemeinnützige Sozialunternehmen entsprechend dem Schreiben des BMF vom 26.01.2016 ein Gewinnverbot haben; siehe unten im Fazit). Dafür hätten die für die Sozialwirtschaft angepassten Investitionsrechnungen mit einem guten Rechenbeispiel belegt dargestellt werden sollen.
  3. Finanzierung von Sozialunternehmen in der Praxis: In diesem Abschnitt wird neben den allgemeinen Besonderheiten der Finanzierung im Sozialwesen auf die Außenfinanzierung und Innenfinanzierung eingegangen. Die Rahmenbedingungen und die sonstigen Finanzierungsbegriffe sind in diesem Kapitel gut und anschaulich erklärt worden – auch mit einem Beispiel für eine mögliche Finanzplanung.
  4. Öffentliche Finanzgeber: Im nächsten Abschnitt werden die für die Sozialwirtschaft maßgeblichen Charakteristika spezifischer Entgeltfinanzierungen unterschiedlicher Sozialversicherungsträger und Träger sonstiger sozialrechtlicher Leistungen, die im engeren Sinn keine Leistungsentgelte sind, dargestellt. Dazu gibt es gleichfalls eine kleine und anschauliche Finanzierungs-Einführung in die Förderkriterien der Europäischen Union. Das Kapitelende schließt mit einem Beispiel über die Möglichkeit, die Kalkulation von Entgeltsätzen durchzuführen.
  5. Private Finanzgeber: Hier werden in einem ersten Schritt diejenigen Grundlagen und Instrumente dargestellt, die man gemeinhin zu den Aktivitäten des Marketings zählt. Im zweiten Schritt gehen die Autor_innen dann auf eine im Gesamtkontext der Finanzierung von Sozialunternehmen zwar nicht ganz so bedeutsame Finanzierungsart ein, eine Kenntnisnahme aber dennoch für das Sozialmanagement bzw. für die Sozialwirtschaft wichtig ist, um ein grundlegendes Verständnis dieser Finanzierungsart zu bekommen: Kredit-Finanzierung über Banken. Im Anschluss werden ebenfalls die möglichen Finanzierungsgrundlagen über Lieferanten und über Investoren kurz aufgezeigt. Zum Schluss gibt es im Praxisbeispiel noch die Darstellung einer möglichen Umsetzung eines Sponsorings für ein Sozialunternehmen. In diesem Kapitel wird sehr ausführlich auf zwei Beurteilungssysteme von (Sozial-)Unternehmensrisiken eingegangen. Für dieses „Überblicks“-Buch sind diese Ausführungen allerdings viel zu umfangreich und zu detailliert. Dieses spezifische Thema hätte man auf ein paar Seiten zusammenfassen können. Das wäre für ein Verständnis von Risikomanagementsystemen ausreichend gewesen.
  6. Eigene Mittel und Soziallotterien: Zu guter Letzt wird noch auf die Themen der sogenannten ‚Eigenen Mittel‘ (durch Mitglieder von Vereinen und Stiftungen) und auf Soziallotterien eingegangen. Die hierbei gegebenen Informationen ergänzen das gesamte Finanzierungsrepertoire von Sozialunternehmen.

Diskussion

Kritisch kann man zu diesem Buch anmerken, dass die so genannte Gewinnorientierung für gemeinnützige Unternehmen rechtlich nicht erlaubt ist. Diese dürfen in Abhängigkeit zur gewählten Unternehmensform keinen Gewinn machen bzw. unter den besonderen finanzamtsrechtlichen Bedingungen (Abgabenordnung) eines Wirtschaftsbetriebs im Verhältnis zur Gesamtorganisation ggf. nur einen minimalen Überschuss erwirtschaften, der schnellstmöglich wieder in max. drei Jahren abgebaut werden muss. [1] Das steuerrechtlich notwendige Gewinnverbot ist das Kennzeichen schlechthin für sozialwirtschaftliche Unternehmen. [2] Das wurde auch im Anwendungserlass zur Abgabenordnung vom Bundesministerium für Finanzen in 2016 nochmals eindeutig bestimmt. [3] Auf diesen Sachverhalt wird in diesem Buch in keinster Weise eingegangen oder bezogen auf das Thema der Finanzierung differenziert dargestellt.

Ferner gibt es in der Formulierung einige sprachliche Unschärfen, die bezogen auf die Theorie der Rechnungslegung hätten präziser formuliert werden sollen. Es haben sich außerdem stellenweise einige fachliche Fehler eingeschlichen, die ein aufmerksamer Lektor hätte ausmerzen können.

Ein anderes Manko des Buches ist u.E. die abschnittsweise zu starke Fokussierung auf Sozialunternehmen der Diakonie. Diese von den Autor_innen gewählte Fokussierung ist im Titel und im Einführungskapitel nicht offensichtlich.

Fazit

Der Anspruch, ein Buch für alle Sozialunternehmen der freien Wohlfahrtspflege zu schreiben, wird manchmal nicht eingelöst. Aber dennoch ist dieses Buch für Studierende, die sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigen, geeignet.


[1] Vgl. das Schreiben des BMF vom 26. Januar 2016; AZ: IV A3-S0062/15/10006; auf der Grundlage des sogenannten „Rettungsdiensturteils“ (BFH-Urteil vom 27.11.2013; AZ.: I R17/12).

[2] Ebda.

[3] Ebda.


Rezensent
Prof. Dr. phil Alexander Th. Carey
M.A., Professor für Sozialwirtschaft Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen
Homepage www.dhbw-vs.de/hochschule/mitarbeitende/alexander-c ...
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Zitiervorschlag
Alexander Th. Carey. Rezension vom 31.10.2018 zu: Robert Bachert, Sandra Eischer: Finanzierung von Sozialunternehmen. Theorie, Praxis, Anwendung der Stiftung Liebenau 1968 – 1996 - Biografische Begegnungen. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2018. 2. Auflage. ISBN 978-3-7841-2976-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24536.php, Datum des Zugriffs 13.12.2018.


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