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Manuela Ahmann, Hermann-Josef Ahmann u.a.: Das Strukturmodell im pflegerischen Alltag

Cover Manuela Ahmann, Hermann-Josef Ahmann, Anette Pelzer: Das Strukturmodell im pflegerischen Alltag. Schnellere Dokumentation - bessere Risikoeinschätzung - kompetente Begutachtung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2018. 150 Seiten. ISBN 978-3-89993-959-0. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 37,90 sFr.
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Thema

Seit der erfolgreichen Implementierung der SIS® durch das Projektbüro Ein-Step im Nov. 2017 haben etwas mehr als die Hälfte aller Pflegedienste und -einrichtungen das neue Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation eingeführt. Viele Pflegefachkräfte sind von dem verschlankten Strukturmodell begeistert, denn der Dokumentationsaufwand ist deutlich geringer. Dennoch tauchen in der täglichen Praxis immer wieder Fragen auf. Der Anspruch des vorliegenden Buches ist es, das aktuelle Wissen zur SIS® und zum neuen Begutachtungsinstrument (BI) des MDK praxisnah zu vermitteln.

Autor*innen

Die Autor*innen sind Praktiker und Dozenten im Bereich der Pflege und offizielle Multiplikatoren für die strukturierte Informationssammlung (SIS®).

Entstehungshintergrund

Die zunehmende Kritik an der zeitaufwendigen Dokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege führten dazu, dass im Juli 2013 die damalige Ombudsfrau zur Entbürokratisierung der Pflege im Bundesgesundheitsministerium, Elisabeth Beikirch die dringend notwendigen Empfehlungen für ein neues Dokumentationsmodell vorlegte, die „Strukturierte Informationssammlung“ (SIS®), die die bislang verwendete Dokumentationsmodelle, vor allem die Strukturierungshilfe „Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens“ (AEDL), ablösen sollte.

Nachdem im April 2014 der Abschlussbericht des ersten großen Praxistext der SIS® vorgelegt wurde, beauftragte der damalige Staatssekretär Karl-Josef Laumann die IGES-Institut GmbH gemeinsam mit Elisabeth Beikirch ein Projektbüro einzurichten, um eine flächendeckende Umsetzung des Projektes „Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation“ begleitend zu erreichen. Das Projektbüro Ein-STEP nahm im Jan. 2015 die Arbeit auf und übergab nach der erfolgreichen Implementierung der SIS® deren Fortführung in die Verantwortung der beteiligten Leistungserbringer. Vor diesen Hintergrund entstand das vorliegende zweite Buch der Autoren*innen, die darin die neueren Entwicklungen und Änderungen der SIS® berücksichtigen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist einschließlich der Einführung in acht Kapitel gegliedert. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

In der Einführung, dem ersten Kapitel, werden die Hintergründe und die Chancen der SIS® kurz dargestellt.

Im zweiten Kapitel mit dem Titel: Die Entbürokratisierte Pflegedokumentation und die SIS® – Eine Erfolgsgeschichte? – werden die wichtigsten Implementierungsschritte skizziert. Dargestellt wird die Neuausrichtung der Pflegedokumentation anhand des Strukturmodell mit der Person-orientierten Ausrichtung und den 4 Kernelementen: der strukturierten Informationssammlung (SIS®), den Maßnahmenplan, dem Berichteblatt und der Evaluation.

Im dritten Kapitel „Das Strukturmodell – Anwendung und aktualisierte Hinweise für den Umgang“ werden die wesentlichen Elemente des Strukturmodells und vor allem die auf der Internetseite von www.ein-step.de aktualisierten Dokumente zur Anwendung des Strukturmodells in einer Übersicht vorgestellt und mit praxisnahen Hinweisen und Anregungen ergänzt. Desweiteren wird die praktische Anwendung des Maßnahmenplans sowie mögliche Varianten in den vier Versorgungsbereichen der ambulanten, teilstationären, stationären und der Kurzzeit-Pflege beschrieben. Die Bedeutung des Berichteblattes und ihre Nutzung von allen an der Pflege Beteiligten werden im nächsten Abschnitt erläutert. Zum Schluss des Kapitels werden mögliche Evaluationsanlässe des Pflege- und Betreuungsverlaufs sowie deren Stellenwert als Instrument der individuellen Ergebnissicherung und des Risikomanagements mit entsprechenden praktischen Hinweisen diskutiert.

Im vierten Kapitel „Das Strukturmodell für Tagespflege und Kurzzeitpflege“ werden die Besonderheiten, die in diesen Versorgungsbereichen für die SIS relevant sind, beschrieben und kommentiert. Vom Grundsatz gelten zwar auch hier die Prinzipien und Kernelemente der SIS® einschließlich der gängigen Instrumente. Doch aufgrund ihrer Unterschiede zum stationären und ambulanten Bereich treten in diesen Versorgungsbereichen bei der Anwendung des Strukturmodells punktuell andere Anforderungen an die Pflegedokumentation auf. In einer Übersicht werden zum Ende des Kapitels die Unterschiede der ambulanten, stationären, teilstationären SIS® anschaulich dargestellt.

Das fünfte Kapitel „Effizientes Risikomanagement und die Expertenstandards“ erörtert zum einen die Hintergründe und Kernelemente eines effizienten Risikomanagement im Rahmen einer professionellen Qualitätssicherung. Zum anderen werden die unterschiedlichen Arten von Risiken, ihre Erfassung und Einschätzung mit Hilfe der Risikomatrix in der Praxis vorgestellt und erörtert. Desweiteren wird diskutiert, warum und wie die nationalen Expertenstandards im Rahmen der SIS® einrichtungsspezifisch umgesetzt werden können. Im letzten Abschnitt werden anhand von Fallkonstellationen denkbare Risikoeinschätzungen praxisnah erklärt.

Das sechste Kapitel „Das Strukturmodell und das Begutachtungsinstrument(BI)“ beschreibt detailliert die Unterschiede sowie Verbindungen zwischen den beiden Ansätzen, die beide vor dem Hintergrund des zweiten Pflegestärkungsgesetzes 2015 und der damit beabsichtigten Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes ab 2017 in der Pflegepraxis relevant sind. Dieses Kapitel ergab sich auch aus der Erfahrungen bei der Implementierung des Strukturmodells, da häufig festgestellt wurde, dass Pflegefachkräfte dazu neigten, teilweise unreflektiert Formulierung aus den Begutachtungs-Richtlinien in die SIS® zu übertragen. Sie sahen die Ähnlichkeiten und Zusammenhänge, aber weniger die unterschiedliche Funktionen und Perspektiven. Welchen synergetischen Effekt das BI in der Pflegeplanung und Pflegedokumentation der SIS® haben kann, wird an einem Fallbeispiel nachgezeichnet.

Im siebten Kapitel „Zusammenhänge und Synergieeffekte zwischen BI und SIS® – Fallbeispiele“ wird dann, orientiert an den Themenfeldern der SIS®, in konkreten Fallbeispielen ausführlicher beschrieben, wie eine fachliche Einschätzung mit dem BI praktikabel gestaltet werden kann.

Im abschließenden achten Kapitel „Versorgungsbereiche und Fallbeispiele“ werden anhand von Fallkonstellationen aus den ambulanten, stationären und teilstationären (Tages- und Kurzzeitpflege) dann die Gestaltungsmöglichkeiten der SIS mit ihren 4 Elementen beschrieben, wobei jeweils auch die denkbaren Maßnahmenpläne vorgestellt werden.

Fazit

Das vorliegende Buch ist ein nützlicher Leitfaden besonders für die Pflegefachkräfte, die erstmals die SIS anwenden und die trotz vorausgehender Schulung in der Praxis in der täglichen Anwendung sicherer werden wollen bzw. genauer den aktuellen Wissenstand berücksichtigen wollen. Die übersichtliche Gliederung des Buches und die vielen Fallbeispiele ermöglichen den Leser*innen auch gezielt nur einzelne Kapitel zu lesen bzw. nachzulesen, wenn bei der täglichen Anwendung der SIS in den verschiedenen Bereichen spezielle Fragen auftauchen oder Unsicherheiten bestehen.


Rezensentin
Dipl. Soziologin Angela M. Laußer
Dipl. Soziologin, Beraterin, Trainerin und Coach
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Zitiervorschlag
Angela M. Laußer. Rezension vom 01.02.2019 zu: Manuela Ahmann, Hermann-Josef Ahmann, Anette Pelzer: Das Strukturmodell im pflegerischen Alltag. Schnellere Dokumentation - bessere Risikoeinschätzung - kompetente Begutachtung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2018. ISBN 978-3-89993-959-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24540.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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