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Konstanze Zinnecker-Mallmann: »Zuneigung ohne Ambivalenz« (Hund in der Psychoanalyse)

Cover Konstanze Zinnecker-Mallmann: »Zuneigung ohne Ambivalenz«. Zur Bedeutung des Hundes in der psychoanalytischen Therapie und andere Fallgeschichten. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2018. 136 Seiten. ISBN 978-3-95558-205-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Seit Sigmund Freud, der vergleichsweise spät „auf den Hund kam“, haben die zweitliebsten Haustiere der Deutschen mehr und mehr Bedeutung für die psychotherapeutische Arbeit gewonnen. Die berühmt gewordenen ersten Schritte in Richtung moderner hundegestützter Therapie im Besonderen und tiergestützter Therapie im Allgemeinen lassen sich konkret in das Jahr 1962 zurückverfolgen, als der amerikanische Kinderpsychotherapeut Boris Levinson den Artikel „The Dog as a Co-Therapist“ veröffentlichte. Levinsons Hund Jingles wurde weltweit bekannt, weil er zufällig anwesend war, als ein Junge mit seinen Eltern zu früh zum eigentlichen Termin erschien. Der Junge, der als schwierig galt, durfte fortan immer mit Jingles spielen, und schnell fungierte Jingles auch für andere junge Patienten als Eisbrecher.

Baut die hundegestützte Therapie von ihrem Prinzip her weitestgehend auf die Anwesenheit und Partizipation des Tieres während der therapeutischen Interaktion und ordnet sich auch Konstanze Zinnecker-Mallmann in diesen Kontext ein, so zeigt sie gleichzeitig, dass der Hund eine Art lebendiges „Add-on“ der Therapie sein kann, oftmals aber noch sehr viel mehr: ein wenn zwar nicht vollwertiger, so doch aber hinreichender Ersatz für den Kontakt zu Menschen. Und darüber hinaus: „Zuneigung ohne Ambivalenz“ bedeutet, dass ein Hund keine Hintergedanken hat, nicht berechnend ist, sich nicht verstellen kann, weil er eben nicht oder nur sehr bedingt menschlich ist und gerade deshalb den Menschen so nahesteht.

Konstanze Zinnecker-Mallmann konzentriert ihre Darstellungen auf diese Nähe des Hundes zum Menschen und präsentiert sie zum größten Teil als psychotherapeutische Fallgeschichten.

Autorin

Konstanze Zinnecker-Mallmann ist Diplom-Psychologin, die seit über 30 Jahren in eigener Praxis in Frankfurt tätig ist. Gleichzeitig publiziert sie in psychoanalytischen Fachzeitschriften und hat einen Teil der Werke von Kurt R. Eissler ediert. Unter dem Titel »…und ihr Verbrechen war ein guter Wahn.«veröffentlichte sie 2014 „psychoanalytische Überlegungen zu Liebe, Schuld und Trennung“.

Aufbau und Entstehungshintergrund

Von den 17 locker zusammengehaltenen Kapiteln weisen die ersten fünf eine stärkere Kohäsion auf und liefern wertvolle Bemerkungen zur Genese des Buches: Am Anfang steht, sieht man von „Danksagung und Vorbemerkung“ ab, die Frage, ob Freud „ein unabsichtlich zauberhaftes oder vermutlich absichtlich verborgenes Dokument“ (S. 9) zur Liebe zu seinen Chow-Hündinnen verfasst habe. „Eine Freud’sche Fehlleistung“, so ist der kleine Abschnitt überschrieben, ist eine Art Motto. Freud schreibt, dass ihm manchmal, beim Kontakt zu seinen Hündinnen, eine Arie aus dem Don Juan durch den Kopf gehe, eine Arie indessen, die sie – Zinnecker-Mallmann – nicht habe finden können. Freud habe wohl „Reich mir die Hand mein Leben“ aus Mozarts Don Giovanni gemeint.

Der Ursprung des Buches liege aber vor allem in ihrer Autobiographie begründet, denn der Hund ihrer Mutter habe ihr geholfen, die Trauer um die Mutter zu bewältigen. Der Hund sei „ein Ersatz“ gewesen, ein „Replacement-Hund“ (S. 18) und quasi „ein lebendiges Kuscheltier“ (S. 13). Auch Analysanden in einer ähnlichen Situation ermutige sie zu einem Hund.

Den autobiographischen Zugang habe sie zum einen durch einen Blick auf die Mensch-Hund-Beziehung in literarischen Texten, zum anderen durch weitere Fallgeschichten, nicht immer um Patienten mit Hund kreisend, ergänzt.

Vorab stellt die Autorin „Die Fallgeschichten zur Bedeutung des Hundes“ in der knappen Form eines Überblicks vor.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Goethes Pudel im Faust“ – das erste Hauptkapitel bezieht sich auf das berühmte Gespräch des Doktor Faustus mit seinem Famulus, in dem die beiden sich über einen schwarzen Pudel unterhalten. Als „des Pudels Kern“ erweist sich bekanntermaßen Mephisto, der einen Pakt mit Faust schließt. Dieser Pakt könne mit dem Arbeitsbündnis zwischen Therapeut und Patient in Analogie gesetzt werden – Mephisto als Analytiker, Faust als Analysand. Auch in der analytischen Beziehung dominiere das Deuten, Verwerfen von Deutungen, Diskussionen um Pro und Kontra mit dem Ziel, den Analysanden zu einem zufriedenstellenden Leben zu befähigen.

Thomas Mann, Sigmund Freud, Anna Freud und Marie Bonaparte: Ihre Beziehung zum Hund“ – eine Reihe von Zitaten aus Thomas Manns „Herr und Hund. Ein Idyll“ beweise, dass Thomas Mann, so wie Freud, dem Hund „Zuneigung ohne Ambivalenz“ zuspreche. Es überrasche, dass sowohl Mann als auch Freud, „beide sechsfache Väter und glücklich verheiratet mit der Frau ihres Herzens“ (S. 31), die Liebe ihres Hundes so intensiv gespürt und wertgeschätzt hätten.

In „Der Liebeswahn des Käthchens von Heilbronn, ein Kleist’sches Märchen“ steht „das Hündische als Gegenteil der Ambivalenzfreiheit“ (S. 33), zum ersten Mal also eine Metapher aus dem Tierreich, im Mittelpunkt. Das „Hündische“ indiziere Abhängigkeit, bei Käthchen von Heilbronn insofern, als sie dem Grafen Wetter von Strahl solange folge und dafür gedemütigt werde, bis dieser sie allen äußeren Widerständen zum Trotz zur Frau nehme. Kleist formuliere damit eine Wunschvorstellung, denn er habe seiner Ex-Freundin zeigen wollen, wie man wirklich liebe. Während Käthchens Wünsche in Erfüllung gegangen seien, habe Kleist sich und „eine kranke Frau“ (vgl. S. 43) umgebracht. Im Vergleich dazu habe sich Goethe mit seinem Werther von seinem Liebeswahn befreien können. Das Verhalten des Käthchens von Heilbronn setzt Zinnecker-Mallmann zudem mit einem Beispiel aus der Praxis eines befreundeten Analytikers in Beziehung.

Das Eselchen als Metapher für das überlastete Kind“ – die Autorin erzählt nun die Geschichte einer sehr großen, anorektischen und depressiven Patientin, für die sie die erwähnte Metapher geprägt habe. Die Patientin habe, so wie die Analytikerin selbst, eine alternde Hündin besessen, die sie beim Sterben stellvertretend für die Mutter, von ihr habe sie nicht Abschied nehmen können, begleitet habe. Über zwei neue Hunde (einen von der Therapeutin, einen von der Patientin) sei eine Annäherung möglich geworden und die geringe Selbstachtung habe sich allmählich gebessert. Ein authentischerer Umgang mit ihren Gefühlen habe die Patientin sogar zur Kündigung ihres Arbeitsplatzes befähigt, an dem sie dauerhaft überfordert war.

Im Anschluss an diese Fallgeschichte zitiert Zinnecker-Mallmann integral, quasi als Bindeglied zwischen zwei Praxisbeispielen, „Die Bremer Stadtmusikanten“ von den Brüdern Grimm.

»Etwas Besseres als den Tod findest du überall…« Aus der Analyse eines Panikpatienten“ – so lautet die Überschrift des nächsten Kapitels. Der betreffende Patient leide einerseits unter massiven Angstattacken, begebe sich andererseits aber immer wieder in unkalkulierbare Gefahren. In dieses stete Hin und Her ordne sich auch die Angst ein, sich einer Frau zu nähern, wenngleich der Wunsch bestehe, eine Familie zu gründen. Einige Zeit nachdem er von seinem ersten Hund habe Abschied nehmen müssen, habe sie, Zinnecker-Mallmann, ihm erneut einen Hund „gegen seine Einsamkeit verordnet“ (S. 60). Und allmählich sei es dem Patienten gelungen, in stärkerem Maße die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

Die folgende Fallgeschichte („Lady Gaga. »Es geht mir gut, ich komme zurecht“) kreist um eine Frau Ende 40, die sich zeitlebens als überflüssig empfunden habe. Ihr Vater erhängte sich, als sie dreizehn Jahre alt war, ihre suizidale Mutter brachte sich Jahre später auf dieselbe Weise um. Der Druck wegen bevorstehender Prüfungen habe das kumulative Trauma der Patientin ausbrechen lassen, sodass sie sich mit großer Motivation in die analytische Arbeit gestürzt habe. Zu der psychischen Belastung sei der Brustkrebs ihrer Schwester getreten und ihr eigener Bandscheibenvorfall. Nach dem Tod der Schwester habe sich die Frau für einen Hund entschieden und sich dabei auch an eine Stabilität ihrer Kindheit, die Hunde des Vaters, erinnert.

Der Revuepassierer. Fokaltherapie eines 35-jährigen ledigen Patienten“ betont nun erneut „das Hündische“. Nach dem Ende einer Gruppenanalyse habe der sehr affektlos wirkende Mann alles noch einmal Revue passieren lassen wollen. Alle Frauen habe er mit seiner dominanten Mutter verglichen, die Therapeutin fühlte sich nach dem ersten Gespräch mit ihm sehr indifferent. Seine Jugend, so gibt er an, habe er „unter einer Käseglocke“ verbracht, außerdem leide er unter feuchten, rissigen Händen, deren Haut schnell aufplatze. Ein geringes Maß an Emotionalität kaschiere die „hündische Entwertung seiner selbst“ (S. 87), was auf die Übermacht der Mutter zurückzuführen sei. Erst in einem Nachgespräch ein Jahr nach der Fokaltherapie scheint der Patient auf einem guten Weg zu sein.

»Geh weg!« Aus der Analyse eines muslimischen 29-jährigen Patienten“ ist die überarbeitete Version eines Vortrags auf der DPV-Herbsttagung 2006. Der zu Beginn der Therapie 24-Jährige sei ein „verwahrloster Spätadoleszent“ (S. 89) gewesen, der seit vier Jahren unter Phobien und hypochondrischen Ängsten gelitten habe. Zu Beginn habe die Therapeutin lediglich als „Container“ für den sprudelnden, kaum zu stoppenden Redefluss gedient, in dem sich der Schutz, den der Patient in der Religion sehe, manifestiert habe. Erst nach und nach sei der Schutz zerbröckelt und habe den Blick auf eine Kindheit freigegeben, die von den Misshandlungen, die der Vater der Mutter zugefügt habe, geprägt gewesen sei. Der Patient habe sich mit der Mutter identifiziert. Da diese ihn aber grausam physisch verletzt habe, sei ein „böses, malignes mütterliches Introjekt“ (S. 101) entstanden, das alle Beziehungen zu Frauen unterwandere. Seine Freundin leide – so formuliert es der Analysand – unter einem „Eifersuchtswahn“, sie habe ihn gebissen und geschlagen. Trotz dieser Identifikation der Freundin mit der Mutter habe die Therapie, so resümiert Zinnecker-Mallmann, gemeinsam mit der Freundin einen guten Abschluss gefunden.

Die letzte Fallgeschichte („»…vor allem bin ich Jüdin!« Bericht über die Psychotherapie einer 80-jährigen Lagerüberlebenden“) beweist, dass auch gerontologische Psychotherapie sehr hilfreich sein kann. Von Anfang an habe sich eine positive Übertragungsbeziehung zu der alten Dame ergeben, deren Kernproblem in der „Überlebensschuld“ bestanden habe. Die Krankheit ihres Enkels, 21 Jahre alt, der mit der Familie ihrer Tochter in den USA lebe, habe sie geschwächt und retraumatisiert. Nach dem Tod des Enkels seien erneut die Schuldgefühle der Überlebenden ausgebrochen, die sich auch in einer Identifikation mit der Enkelin (warum habe sie und nicht der Bruder überlebt?) konkretisierten. Nach einer sechsjährigen, teils nieder-, teils höherfrequenten Therapie, immer wieder von Reisen unterbrochen, habe sich das Leben der Frau allmählich normalisiert. Sie habe sich dabei auch aus der „hündischen Abhängigkeit“ von ihrer Tochter befreien können.

Mit sehr persönlichen Abschlussbemerkungen (Nachwort. Der Hund und der Tod) rundet Konstanze Zinnecker-Mallmann ihre Falldarstellungen ab. Von einer Bewegungslähmung, die ihren Hund exakt an ihrem Geburtstag ereilt habe, sei er nun wieder genesen. Sie wünsche sich für ihren Hund einen natürlichen Tod.

Diskussion

„Mein Buch ist kein rein wissenschaftliches Werk“ – so läutet Konstanze Zinnecker-Mallmann ihre Darstellungen der Mensch-Hunde Beziehung ein. Diese Etikettierung ist aber, so lässt sich mit Fug und Recht sagen, eine Litotes, denn wissenschaftlich ist keines der Kapitel aus dem schmalen Bändchen. Warum sollte dieser Anspruch auch erhoben werden, geht es doch vielmehr um die emotionale Würdigung und Wertschätzung des Hundes in der psychoanalytischen Therapie und darüber hinaus. Entstanden sind charmante, mitunter sehr persönlich akzentuierte und nachdenklich stimmende Variationen zum Mega-Thema Mensch und Hund.

„Zuneigung ohne Ambivalenz“ – das Zitat, unter dessen Schirm die Texte subsumiert sind, ist selbst indessen alles andere als ambivalenzfrei. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass der hier insinuierte und unhinterfragte „will to please“ des vierbeinigen Gefährten zur Instrumentalisierung einlädt. In diese Richtung weisen Bemerkungen wie „Replacement-Hund“ (S. 18) und vor allem „Ersatz für die tote Mutter“ oder „lebendiges Kuscheltier“ (S. 13), was sich wie „starker Tobak“ anhört. Sicher ist alles einigermaßen nachzuvollziehen, wenn man die Affektwelt der Autorin zu begreifen versucht, aber dennoch: selbst vor diesem Hintergrund und zudem gänzlich wissenschaftsbefreit hört sich doch einiges erstaunlich spontan und nahezu naiv an, fast ein bisschen so, als ob Zinnecker-Mallmann ihre eigene frei assoziierende Analysandin wäre. Autotherapie der Therapeutin qua Hund wäre an sich eine gute Sache – hätte man sie zumindest ansatzweise problematisiert und nicht als bloßes Phänomen hingenommen.

Ähnliches gilt auch für die Erläuterung des Titels („Eine Freud’sche Fehlleistung?“). Beim ersten Lesen fragt man sich, wo die Fehlleistung denn liegen könnte. Dann zeigt sich, dass es sich um die Vertauschung von „Don Juan“ und „Don Giovanni“ handeln könnte und darum, dass Freud eigentlich nicht die – nirgendwo aufzufindende – Arie „Ein Band der Freundschaft bindet uns beide…“ meinen könnte, sondern vielmehr „Reich mir die Hand mein Leben“ aus Mozarts Oper Don Giovanni. Also nicht Freundschaft, sondern Liebe.

Alle Ausflüge, die Zinnecker-Mallmann in die Literatur unternimmt, halten durchaus gewinnbringende Impulse bereit. Ob jeder Psychoanalytiker sich mit Mephisto, „des Pudels Kern“, vergleichen lassen möchte, sei einmal dahingestellt. Die Analogie ist zwar nicht von der Hand zu weisen, hätte aber unbedingt vertieft werden müssen. So auch der Sprung von den Hunden Sigmund Freuds und Thomas Manns (bei letzterem muss aufgrund seiner homosexuellen Veranlagung bezweifelt werden, ob er mit „der Frau seines Herzens“ glücklich war) zum „Hündischen“, das im „Liebeswahn des Käthchens von Heilbronn“ zu voller Entfaltung gelange. In dem Kapitel über die nicht nur hündische, sondern zielführende Beharrlichkeit des Käthchens von Heilbronn wäre es besser gewesen, entweder bei Kleists Theaterstück zu bleiben oder die Verbindungslinien zu Goethe und dem Praxisbeispiel deutlicher aufzuzeigen. Die Bemerkung, dass Kleist sich „mit einer Frau“ umgebracht habe, ist irreführend, denn Henriette Vogel, um die es hier geht, hätte zumindest namentlich genannt werden müssen.

Wie dem auch sei – mit den knappen psychoanalytischen Deutungen literarischer Texte steht Zinnecker-Mallmann in guter Freudscher Tradition. Dasselbe trifft auf die Fallgeschichten zu, authentische Berichte aus der Praxis der Autorin, in denen formal das Narrative überwiegt, womit das rein Faktische in Richtung Fiktion bzw. realistisches Schreiben transzendiert wird. Zinnecker-Mallmann verfasst gute Beispiele für die hybride Gattung zwischen bloßem Sachtext und Erzählung, und dennoch: vor allem dort, wo ein ganz realer Hund und nicht das Hündische eine Rolle spielt, hätte man sich ein weiteres Ausholen wünschen dürfen. Obgleich die beiden letzten Fallgeschichten („Aus der Analyse eines 29-jährigen muslimischen Patienten“ und „Bericht über die Psychotherapie einer 80-jährigen Lagerüberlebenden“) die mit Abstand besten und elaboriertesten der Publikation sind, wirkt das Element des „Hündischen“, wenngleich deutlich auf die beiden PatientInnen zu beziehen, etwas aufgesetzt, als im Nachhinein eingepasst.

Wenn man das Nachwort liest, kommt man nicht umhin sich zu fragen, weshalb noch einmal eine ganz andere Richtung eingeschlagen wird. Die kritisch-satirischen Zitate von Tucholsky haben etwas von „das muss aber auch noch schnell hinein“. Sie setzen zwar einen humorvollen Schlussakkord, aber man hätte sie sich für das nächste Buchprojekt aufsparen können.

Als Gesamteindruck resultiert aus der Lektüre eine gewisse Sprunghaftigkeit, ein leicht fragmentarisches Potpourri, aus dem der Hund als relativ einfaches „Lösungsangebot“ hervorsticht. Es irritiert, dass recht unsystematisch einmal „Therapiehunde“ aus Fleisch und Blut im Zentrum stehen, dann wiederum die Metaphorik des „Hündischen“. Und nicht zuletzt hätte ein sorgfältigeres Korrekturlesen dem Buch gutgetan, denn, um ein Beispiel zu nennen, zweimal „wiederspiegeln“ (S. 51 u. 105) anstatt „widerspiegeln“ ist schlichtweg zu viel.

Fazit

Trotz der Problempunkte hat Konstanze Zinnecker-Mallmann einen wertvollen Beitrag zu Hund und Psychotherapie im Besonderen und tiergestützter Therapie im Allgemeinen vorgelegt. Ihre Texte vermitteln, „veratmen“ die Liebe zu Hunden, selbst wenn diese Liebe etwas „naiv“ und nicht reflektiert anthropozentrisch daherkommt. Das liebevoll gestaltete Bändchen strahlt Herzens-(Hunde-)Wärme aus und dürfte damit HundeliebhaberInnen auch dann erfreuen, wenn sie psychoanalytischen Themen eher fernstehen.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Anne Amend-Söchting
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Zitiervorschlag
Anne Amend-Söchting. Rezension vom 10.10.2018 zu: Konstanze Zinnecker-Mallmann: »Zuneigung ohne Ambivalenz«. Zur Bedeutung des Hundes in der psychoanalytischen Therapie und andere Fallgeschichten. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2018. ISBN 978-3-95558-205-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24550.php, Datum des Zugriffs 19.10.2018.


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ISSN 2190-9245

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