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Jasmin Mersits: Kindliche Mehrsprachigkeit in Bildungs­institutionen

Cover Jasmin Mersits: Kindliche Mehrsprachigkeit in Bildungsinstitutionen zwischen Wert und Abwertung -- Eine Fallstudie am Exempel einer burgenländischen Volksschule. Logos Verlag (Berlin) 2018. 263 Seiten. ISBN 978-3-8325-4693-9. D: 38,50 EUR, A: 39,60 EUR.

Reihe: Beiträge zu Bildungstheorie und Bildungsforschung - 7.
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Thema

Das Thema der Arbeit ist sprachliche Heterogenität im Kontext schulischer Bildung. Ein großes Gewicht wird hier der sozialen und gesellschaftlichen Bedeutung von Sprache beigemessen. Der Gegenstand dieses Werkes ist der Umgang mit kindlicher Sprachenvielfalt innerhalb des österreichischen Schulsystems. Mehrsprachigkeit ist längst kein wissenschaftliches Randthema mehr, vielmehr ist es zu einem zentralen gesellschaftspolitischen sowie wissenschaftlichen Gegenstand geworden. (Vgl. S. 21) Das vorliegende Buch soll einen Einblick in den Umgang mit Heterogenität innerhalb pädagogischer Praxis ermöglichen, vorhandene Machtstrukturen und Mechanismen beleuchten und die Eingebundenheit der einzelnen Akteur_innen reflektieren.

In ihrem Buch legt die Autorin den Fokus auf das Sichtbarmachen des Zugestehens von Wertschätzung bzw. das Aufzeigen von Geringschätzung im Hinblick auf eine multilinguale Schüler_innenschaft.

Entstehungshintergrund

Der Untersuchungsort der Autorin ist eine bilinguale burgenländische Volksschule (Deutsch/​Burgenlandkroatisch). Die Untersuchung der Volksschule bezieht sich zentral auf burgenländische Kroaten. Der Blick wird jedoch nicht nur auf diese Volksgruppe eingeschränkt, sondern es wird eine Schule mit einem besonderen Sprachprogramm zum Ausgangspunkt der Studie genommen. Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung wurden Daten erhoben, welche aus qualitativen Interviews, teilnehmenden Beobachtungen und von Schüler_innen angefertigten Sprachenportraits gewonnen wurden.

Die Autorin geht der Frage nach, „welche Bedeutung dem Bildungswesen selbst bei der (Re-)produktion bzw. beim Abbau von Bildungsbenachteiligung zukommt und wer in diesem Zusammenhang zentrale individuelle sowie kollektive Akteur_innen sind“. Die Forschungsfrage bezieht sich auf den Umgang mit kindlicher Mehrsprachigkeit innerhalb der österreichischen Primarschule. Im Konkreten wird die Fragestellung verfolgt, wie es innerhalb einer bilingual geführten Schule um Wertschätzung in Bezug auf die Sprachenvielfalt der Schüler_innenschaft steht (vgl.S. 15).

Die Grundlage des Forschungszugangs stellt eine ethnographische Herangehensweise dar.

Autorin

Jasmin Mersits, BA, MA, ist als Lehrbeauftrage am Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien tätig.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch greift zentrale Aspekte auf, die für eine qualifizierte Betrachtung des Umgangs mit kindlicher Sprachenvielfalt innerhalb des österreichischen Schulsystems von Bedeutung sind.

Das Buch gliedert sich in die folgenden drei Teile.

Der erste Teil „Theoretische Rahmung“ besteht aus folgenden vier Kapiteln:

Das erste Kapitel „Kinder und ihre Sprachen“ gibt einen Einblick in theoretische Grundlagen. Hier werden zunächst begriffliche Entscheidungen getroffen und Ergebnisse der Spracherwerbsforschung im Kontext Mehrsprachigkeit vorgestellt. Darauf basierend werden im Folgenden multilinguale Spracherwerbsformen erläutert und gelebte Mehrsprachigkeit im Kindesalter thematisiert.

Im zweiten Kapitel „Bildung unter der Bedingung kindlicher Mehrsprachigkeit: Mehrsprachigkeit als Risiko oder Ziel schulischer Bildung?“ geht die Autorin der Frage nach, ob sich Multilingualismus für Kinder als Chance oder als Benachteiligung im Kontext Bildung auswirkt.

Im dritten Kapitel „Minoritäten und ihre Sprachen in der österreichischen Primarstufe“ geht es um Minoritäten in Österreich und ihrer Stellung innerhalb der österreichischen Primarstufe.

Im vierten Kapitel „Minderheitenzugehörige“ setzt sich die Autorin mit den gesellschaftskritischen Perspektiven und der Diskussion des Themenfeldes Sprache und Bildung auseinander und abschließend thematisiert sie die Bildungssprache Deutsch als einen Ausdruck für gesellschaftliche Macht- und Dominanzverhältnisse.

Durch die ausführliche Beschäftigung mit dem theoretischen Rahmen wird ein breites Hintergrundwissen gesichert.

Im zweiten Teil „Empirische Arbeit: Der Umgang mit sprachlicher Vielfalt am Untersuchungsort“ stellt die Autorin die empirische Forschung sowie die ihr zugrunde liegende Methodik im Detail vor und klärt die kontextuellen Rahmenbedingungen der Forschungssituation. Hier gibt es einen Überblick zur Analyse des empirischen Materials. Ferner werden die Ergebnisse dargestellt.

Im dritten Teil „Conclusio“ fasst die Autorin die Ergebnisse mithilfe der theoretischen Grundlagen zusammen und gibt einen Ausblick für weitere mögliche Forschungsbestrebungen.

Zielgruppe

Das Buch eignet sich für Vertreter der Bildungspolitik, Bildungswissenschaft und pädagogischer Praxis.

Diskussion

Das vorliegende Buch betrachtet sprachliche Heterogenität im Kontext schulischer Bildung. Im Gedankengang des Buchs werden breite Wissensbestände verarbeitet und diskutiert. Der Aufbau des Buches ist gut gegliedert und strukturiert, was einen angenehmen Eindruck beim Lesen vermittelt. Es ist der Autorin gelungen, das Thema sprachlicher Heterogenität im schulischen Kontext praxisnah und praxisrelevant darzulegen.

Da die Mehrsprachigkeit der autochthonen Bevölkerung in der Forschung bislang wenig berücksichtigt wurde, handelt es sich hier um eine Forschungsarbeit, die gerade dieses Thema herausarbeitet. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit zeigt die Autorin auf, dass die faktische Mehrsprachigkeit der österreichischen Schule vom Schulsystem immer noch zu wenig bzw. nicht ernsthaft zur Kenntnis genommen wird (vgl. S. 253). Aus den Ergebnissen der Arbeit werden Konsequenzen sowohl für die Praxis des Bildungswesens, als auch für die einzelne Schule festgehalten.

Fazit

Das Buch leistet einen inhaltlich interessanten Beitrag zur gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Diskussion über Mehrsprachigkeit im Bildungswesen.



Rezension von
Dr. Olga Frik
Sibirisches Institut für Business und Informationstechnologien / Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 11.02.2020 zu: Jasmin Mersits: Kindliche Mehrsprachigkeit in Bildungsinstitutionen zwischen Wert und Abwertung -- Eine Fallstudie am Exempel einer burgenländischen Volksschule. Logos Verlag (Berlin) 2018. ISBN 978-3-8325-4693-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24563.php, Datum des Zugriffs 06.04.2020.


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ISSN 2190-9245

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