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Johannes Kloha: Die fallorientierte Praxis in der Schulsozialarbeit

Cover Johannes Kloha: Die fallorientierte Praxis in der Schulsozialarbeit. Rekonstruktionen zentraler Prozesse und Problemstellungen. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2018. 415 Seiten. ISBN 978-3-658-21339-8. D: 59,99 EUR, A: 61,67 EUR, CH: 62,00 sFr.

Beiträge zur sozialen Arbeit an Schulen, Band 8.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die vorgelegte Veröffentlichung von Johannes Kloha entspricht seiner Dissertation an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Zur Zeit ist Kloha Professor für Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Prozesse der Fallarbeit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern mit Schülerinnen und Schülern und deren Familien. Hervorgehoben wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die einen Migrationshintergrund besitzen. Das Erkenntnisinteresse an den aufgeworfenen Fragestellungen verdankt sich auch beruflichen Erfahrungen des Autors in der Praxis der Schulsozialarbeit. Methodisch wird in dieser empirischen Studie mit narrativen Interviews bezogen auf das Fachpersonal und autobiographischen Interviews bezogen auf die Jugendlichen gearbeitet.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel:

  1. Einleitung

  2. Professionstheoretischer Rahmen

  3. Methodische Ausrichtung und Darstellung des Forschungsprozesses

  4. Fallstudien der Arbeit von Schulsozialarbeiterinnen mit Schülerinnen

  5. Die Einbindung der Fallarbeit in institutionelle Strukturen und professionelle Beziehungsnetze

  6. Die Bedeutung der eigenen Lebensgeschichte für die Arbeit

  7. Der Arbeitsbogen der Fallarbeit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern

  8. Zentrale Kernprobleme der Fallarbeit

  9. Spuren der Arbeit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern in der Lebensgeschichte von Jugendlichen

  10. Die Ergebnisse im Licht sozialwissenschaftlicher Diskurslinien.

  11. Fazit und Ausblicke

Inhalt

1. (Einleitung). Zunächst wird die Fallperspektive in der Schulsozialarbeit erläutert und der Forschungsstand sowie das Forschungsinteresse präzisiert. Dazu gehört z.B. eine Bilanz ethnographischer Beobachtungen bezüglich fallbezogener Handlungsformen in der Schulsozialarbeit. Kloha macht dabei darauf aufmerksam, dass längerfristige Fallverläufe kaum thematisiert werden. In solchen Fallverläufen spielen auch die Beziehungen zu den Lehrkräften eine entscheidende Rolle zumal wenn es sich um Kontroversen bezüglich der professionellen Autonomie handelt. Kontinuität und die Qualität der sozialen Beziehungen zwischen den Professionen sind ausschlaggebend.

2. (Professionstheoretischer Rahmen). Der Autor erläutert sein Professionsverständnis und bezieht sich dabei auf konkrete Handlungslogiken und Interaktionsbeziehungen. Hervorgehoben werden u.a. die Einbettung in organisatorische Strukturen und das Auftreten antinomischer Handlungsherausforderungen. Einen weiteren Schwerpunkt in diesen Ausführungen ist das Konzept des Arbeitsbogens (Strauss/Schütze). Damit ergibt sich die Perspektive einer sequenziellen Analyse von konkreten Arbeitsprozessen. Empirisch fassbar werden somit auch Fehler im Handeln von Professionellen. Letztlich kennzeichnet die Analyse die Interaktionsbeziehungen als “social drama of work“ (S. 34). Dazu gehören auch unlösbare Widersprüche und Spannungen.

3. (Methodische Ausrichtung und Darstellung des Forschungsprozesses). Bei den methodologischen Überlegungen entscheidet sich Kloha für Formen narrativer Interviews (Stegreiferzählungen), um die subjektive Sicht, z.B. autobiographische Prozesse, zu erfassen und zu rekonstruieren. Sodann wird die Kontaktherstellung und der Zugang zum Forschungsfeld erörtert einschließlich der strukturellen Bedingungen und dem Verlauf der Interviews. Der Datenerhebungsprozess wird sodann reflektiert. In dem dreijährigen Erhebungsverfahren wurden 26 interaktionsgeschichtlich-narrative Interviews mit Fachkräften geführt und sieben Interviews mit Jugendlichen. Zumeist befanden sich die interviewten Personen auf Hauptschulen aber auch einige Gesamt- und Grundschulen sowie gymnasiale Stufen werden eingebunden. Der Autor legt Wert darauf, dass bei Schülerinnen und Schülern eine breite Altersspanne erfasst wird. In der folgenden Datenauswertung werden unterschiedliche Migrationsbezüge der interviewten Gruppen erfasst. In dieser Phase kristallisieren sich drei Fallgeschichten heraus, die im Folgekapitel dargestellt werden.

4. (Fallstudien der Arbeit von Schulsozialarbeiterinnen mit Schülerinnen). Dieses umfangreiche Kapitel enthält drei ausgewählte Fallstudien. Auf den ersten Fall mit einer türkischstämmigen Schulsozialarbeiterin an einer Gesamtschule und einer ebenfalls türkischstämmigen Schülerin aus der 11. Klasse sei in gegebener Kürze eingegangen: Im Laufe langer Kontaktzeiten, auch mit dem konstruktiv agierenden Vater, magert die Schülerin stark ab. Und es beginnt ein dramatischer Fallverlauf mit der Einbindung weiterer Geschwister sowie einem Klinikaufenthalt/stationäre Therapie. Erschwert wird die Situation durch den Bruder der Schülerin, der seine Schwester schlägt. Mit Zustimmung der Beteiligten kommt es deshalb zu einer Meldung beim Jugendamt. Die Schulsozialarbeiterin hat eine vertrauensvolle Beziehung zur Familie, was ihr Einfluss verschafft sowohl auf die Magersucht als auch auf den schlagenden Bruder. Der gesamte Fallverlauf ist unterlegt mit Interviewsequenzen in denen das Handeln und Argumentieren der Schulsozialarbeiterin deutlich wird. Ähnlich wird auch bei der Erstellung der biographischen Perspektive der Schülerin verfahren. Dort wird u.a. eine Konfrontation mit der Schulsozialarbeiterin deutlich, die sich auf die Familie der Schülerin bezieht. So stellt sich heraus, dass die Meldung des Bruders beim Jugendamt der Schülerin überzogen erscheint. Hier stellen sich dementsprechend Widersprüche ein. Nach den Falldarstellungen arbeitet Kloha zentrale Themenbereiche heraus: Aufbau einer Vertrauensbasis, Bedeutung ethnischer und geschlechtlicher Zugehörigkeit, Ambivalenzen in der Fallarbeit, Beziehungen der Schulsozialarbeiterin zu Lehrkräften, Bedeutung der Schule für die Schülerin und Zeichen für den Erfolg der Arbeit. Zusammenfassend wird u.a. festgestellt, dass in den Fallstudien die Wirkung der Lehrkräfte eine weitreichende Bedeutung hat: „Die Kooperation von Lehrkräften ist also eine fundamentale Grundlage und Voraussetzung für die Fallarbeit der Schulsozialarbeiterinnen“ (S. 174). Hingewiesen wird auf die Komplexität des Fallarbeitsbogens, in dem Widersprüche und Fehlertendenzen eingelagert sind. Die Ergebnisse der Fallstudien bilden den Ausgangspunkt der folgenden kontrastiv-vergleichenden Kapitel.

5. (Die Einbindung der Fallarbeit in institutionelle Strukturen und professionelle Beziehungsnetze). Zunächst wird auf Interaktionsorte in der Schule aufmerksam gemacht, zumeist die Arbeitsräume der Professionellen. Dort lässt sich häufig ein persönlicher Stil feststellen wie z.B. ein Wohnzimmercharakter. Sodann werden die Beziehungen zu den Lehrkräften thematisiert in denen die sozialpädagogischen Fachkräfte einerseits oft einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sind, andererseits aber auch Allianzen entstehen. Fachkolleginnen und Fachkollegen an Schulen fördern die Kontinuität der Fallarbeit und stellen eine wichtige Reflexions- und Beratungsressource dar. Professionelle aus anderen Institutionen, wie z.B. dem Jugendamt, werden bedeutsam bei „Überweisungen“ an eben solche Einrichtungen. Die Bedeutsamkeit dieser Fachpersonen steigert sich, wenn es zur gemeinsamen Fallarbeit kommt.

6. (Die Bedeutung der eigenen Lebensgeschichte für die Arbeit). Die Wege ins Arbeitsfeld können unterschiedliche Beweggründe besitzen, wie z.B. eine vorherige ehrenamtliche Tätigkeit, studienbegleitende Praktika oder einschlägige vorausgehende berufliche Erfahrungen. Auch können in der Biographie auftretende Krisen dazu führen, sich das Handlungsfeld Schulsozialarbeit auszuwählen. Ebenso können positive wie negative eigene Schulerfahrungen Impulse auslösen, die in die Berufswahl einfließen. Letztlich stellen lebensgeschichtliche Erfahrungen „Sinnquellen“ für die Berufswahl dar. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter mit Migrationshintergrund halten sich teilweise für kompetent im entsprechenden Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die ebenfalls Migrationsbezüge aufweisen. Wird dies Kompetenz aber von Dritten an sie herangetragen können Spannungen entstehen, die auf eine Überforderung zurück zuführen sind. Generell werden aber die sprachlichen Fähigkeiten der Professionellen mit Migrationshintergrund von ihnen selbst als wichtig eingeschätzt. Biographische Situationen und Bedingungen wirken auf jeden Fall auf das professionelle Selbstbild ein: „Die professionelle Identität […] ist letztlich das Ergebnis eines engen Wechselverhältnisses zwischen biographischen Erfahrungen und den spezifischen Gegebenheiten eines Handlungsfeldes, insbesondere den darin angelegten, konkreten sozialen Interaktionen“ (S. 203).

7. (Der Arbeitsbogen der Fallarbeit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern). Bezugnehmend auf die bisherigen Ausführungen zum Arbeitsbogen (vergl. Kap. 2) geht es in diesem Kapitel um die Rekonstruktion von Handlungsprozessen mit ihren sequentiellen und simultanen Verknüpfungen. Gefolgt wird dabei der Perspektive der Erzählenden bzw. Interviewten, die allerdings nicht widerspruchsfrei sein muss und auch Blindstellen aufweisen kann. Sehr differenziert werden von Kloha einzelne Elemente aus dem Fallgeschehen herausgearbeitet und analysiert: Die Vorgeschichte zur Fallarbeit, Kontaktanlässe, die Entwicklung einer Beziehungs- und Vertrauensgrundlage, die Herausbildung zentraler Themen in der Arbeit, die Schaffung einer ausreichenden Informationsgrundlage, ganzheitliche Anlaufstelle oder Vermittlungsfunktion?, die Gestaltung der Beziehung zu anderen Professionellen, die Einbeziehung von Familienangehörigen, Krisen im Verlauf der Fallarbeit, Evaluationsaktivitäten, die Arbeit kommt (nicht) zu Ende. Am Beispiel „Krisen im Verlauf der Fallarbeit“ seien auf diese hingewiesen. Dazu gehört die Erfahrung von Hilflosigkeit, Vertrauensbrüche, dramatische Entwicklungen und letztlich der Umgang mit der Krise, die auch zu einer Beendigung der Arbeit führen kann. In diesen Kapitel entsteht ein umfangreicher Faktorenkomplex, der sich aus den Fallanalysen ergibt. Im Grunde genommen stellt das siebte Kapitel eine erste Auswertung der erhobenen Daten bzw. Interviews dar. Aus dieser Daten- und Analysebasis werden dann in den folgenden Kapiteln wiederkehrende Herausforderungen und Problemstellungen als Elemente des Arbeitsbogens weiter verfolgt.

8. (Zentrale Kernprobleme der Fallarbeit). Zu den Kernproblemen in der Fallarbeit gehört Vertraulichkeit, weil bei Nichteinhaltung z.B. die Stigmatisierung einzelner Schülerinnen und Schüler erfolgen kann. Gleichwohl benötigt die Fallarbeit Informationen über die jeweils gegebene Lebenssituation (z.B. Krankheit). Vertrauen entsteht auch dadurch, dass die sozialpädagogischen Fachkräfte sich nicht an schulischen Sanktionspraktiken beteiligen müssen. Gleichwohl entstehen diesbezüglich Ambivalenzen, weil sich nicht immer eine scharfe Trennung durchhalten lässt; u.a. weil Lehrkräfte die Schulsozialarbeit in sanktionierende Prozesse einbinden. Die Beziehungen zu anderen Professionen sind einerseits eine Ressource, da es zu Entlastungen kommen kann. Ebenso kann aber diese Beziehung zur Problemquelle werden, wenn unterschiedliche Interpretationsmuster auftreten. Eine gute Vernetzungsarbeit ist deshalb erforderlich. Ähnlich ambivalent ist die Bedeutung von Familienangehörigen. So zeigt das oben angedeutete Fallbeispiel (vergl. Kap. 4), dass Familienangehörige „Verbündete“ der Schulsozialarbeiterin geworden sind. Ist aber die Familie durch Gewalt oder Vernachlässigung gekennzeichnet ergibt sich ein Risiko. Als ein tiefgreifendes Problem stellt Kloha die Kategorisierungspraxen dar. D.h. es gibt Spannungen zwischen Wissensdomänen (z.B. Psychologie) und dem realen Fall. Es kommt auf „die Verknüpfung zwischen Allgemeinem und Fallspezifischen“ (S. 300) an. Diese Spannungsthematik wird immer wieder im Text mit Interviewsequenzen unterlegt. So z.B. widerspricht eine Schulsozialarbeiterin der Kategorisierung einer Lehrkraft, die einen Schüler als auffällig bezeichnet, die Schulsozialarbeiterin hingegen feststellt, der Schüler sei doch cool.

9. (Spuren der Arbeit von Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern in der Lebensgeschichte von Jugendlichen). Die subjektiven Verarbeitungsweisen von professioneller Intervention sind nunmehr das zu bearbeitende Thema. Dazu werden zunächst unterschiedliche Facetten von Leidensprozessen bei Schülerinnen und Schülern analysiert (z.B. schulische Versagensangst). Als wichtige Rahmenbedingungen der Intervention gelten Vorerfahrungen mit anderen Professionellen, z.B. aus der Kinder- und Jugendhilfe, wie auch der Prozess der Vertrauensentwicklung zwischen den Interaktionspartnern. Ebenso hat die Präsentation der Schulsozialarbeit in der jeweiligen Schule eine Bedeutung für Schülerinnen und Schüler als „sicherer Ort“ oder auch nicht. Zu den Interventionswirkungen nennt der Autor Gesprächssituationen, die den jugendlichen Klienten eine „Leitschnur“ geben. Damit wird eine Orientierung erstellt und aus der Kontrolle geratene Alltagssituationen werden stabilisiert. Die Intervention kann dabei durchaus einen Appellcharakter bekommen. Tiefer reichende Auswirkungen stellen sich ein, wenn die Bedeutung der Interaktion mit den Professionellen biographische Veränderungsprozesse anstoßen und begleiten; sozusagen eine biographische Erstarrung aufgelöst wird. Dazu kann es nötig werden „die Fäden stellvertretend in der Hand zu halten“. Gegenüber den betroffenen Familien der Schülerinnen und Schüler kann eine Intervention Schutz bieten vor psychischen Übergriffen einzelner Familienmitglieder als auch Aufklärungsarbeit zu bestimmten Themen leisten, wenn diese Themen in den Familien Druck erzeugen (vergl. Kap. 4). Das Ende der Beziehung zur Schulsozialarbeit zum Ende der Schulzeit wird häufig als massiver Bruch erlebt. So sagt der Schüler Simon Heldt im Interview: „Ja, ich muss gestehen ich fand den Abschied von der Frau Schnäd (die Schulsozialarbeiterin, E.H.) schlimmer als den Abschied von den Freunden“ (S. 357).

10. (Die Ergebnisse im Licht sozialwissenschaftliche Diskurslinien). Dieses Kapitel stellt in gewisser Weise eine Bilanz der Forschungsaktivitäten und der erzielten Erkenntnisse dar. Vier Merkmalen widmet der Autor dabei besondere Aufmerksamkeit. Zunächst wird die Bedeutung interprofessioneller Kooperationsprozesse hervorgehoben. Die Ergebnisse zeigen, dass einerseits solche Kooperationsformen sichtbar werden, andererseits aber Abhängigkeiten und Hierachiegefälle die Bildung einer guten Beziehungsgrundlage zu den Lehrkräften beeinträchtigen. Des Weiteren ist Vertrauensarbeit, die in der Schulsozialarbeit bislang eher randständig bearbeitet wurde, für eine konstruktive Fallarbeit ausschlaggebend. Klientinnen und Klienten müssen u.a. Vertrauen zu den Professionellen entwickeln, da die Ergebnisse und Wirkungen der Unterstützungsarbeit nicht im Voraus antizipiert werden können. Das dritte Merkmal bezieht sich auf die biografische Arbeit von Kindern und Jugendlichen wobei darauf verwiesen wird, dass sich Jugendliche in der Phase der Identitätsbildung befinden. Abwertungserfahrungen stellen diesbezüglich eine schwere Beeinträchtigung dar, die, so zeigt die Studie, durch unterstützende Fallarbeit positiv bearbeitet werden kann. Das letzte Merkmal bezieht sich auf ethische und religiöse Unterscheidungspraxen von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern. Kloha verweist darauf, dass eine intersektionale Perspektive notwendig ist (Geschlecht, Ethnizität, Klasse). An Fallbeispielen aus der Studie wird gezeigt, welches Reflexionsarrangement gegeben sein muss, um Differenzlinien zuerkennen. Die genannten Merkmale werden auf dem Hintergrund der einschlägigen Fachdiskurse diskutiert.

11. (Fazit und Ausblicke). Abschließend wird auf die analytische Wirksamkeit des Arbeitsbogens in dem vorgelegten Forschungsprozess verwiesen wie auch auf die systematische Triangulation der Professionellenperspektive und der Schülerinnen- und Schülerperspektive. Damit stellen sich forschungsspezifische Innovationen im Rahmen der Theorieentwicklung innerhalb der Schulsozialarbeit dar. Insgesamt kann die Studie und ihre Ergebnisse als theoretisches Handlungsmodell für die Fallarbeit in der Schulsozialarbeit gewertet werden – so der Autor.

Das Kapitel schließt mit migrationspädagogischen Anregungen wobei insbesondere auf die Notwendigkeit ausreichender Reflexion hingewiesen wird. Das auch deshalb, weil allgemeine Kategorisierungen immer auf konkrete Lebenssituationen der Kinder und Jugendlichen mit einer Migrationsgeschichte bezogen werden müssen. Empfohlen wird für Ausbildung und Studiensituationen die Arbeitsform der Forschungswerkstatt und für die berufliche Praxis im Rahmen dieser Problematik auch die Anwendung Kollegialer Beratung.

Diskussion

Es ist ein Verdienst der vorgelegten Studie, die Fallarbeit (Einzelfallhilfe) als eine Kernaufgabe der Schulsozialarbeit umfangreich und empirisch fundiert aufgearbeitet zu haben. Damit werden auch Begriffe wie Förderung, Beratung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern präzisiert. Dies geschieht u.a. durch den Bezug zu bewährten Sozialisationskonzepten wie der biographischen Identitätsarbeit Jugendlicher. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich mit der Schulsozialarbeit um ein recht neues Handlungsfeld in der Kinder- und Jugendhilfe handelt. Das bedeutet auch, dass noch Professionalisierungsentwicklung notwendig ist und diesbezüglich markiert die Studie einen konstruktiven Professionalisierungsschritt. Ein solcher Fortschritt stellt sich z.B. durch die konsequente Einführung und analytische Nutzung des sogenannten Arbeitsbogens dar.

Eine hohe Komplexität des Handlungsfeldes, die auch in der Studie ihren Niederschlag findet, ist gegeben aufgrund der organisatorischen Einbindung sowohl in die Institution Schule als auch in die Organisation des jeweiligen Trägers. Kooperationserfordernisse mit anderen Berufsgruppen werden auch aus diesem Grund als wesentliches Gestaltungsmerkmal der Schulsozialarbeit benannt.

Komplexität zeigt ebenso die Darstellung des Forschungsprozesses selbst. Der Bezug zu den textlichen fixierten Interviewsequenzen und der systematische Bezug zu den leitenden Fragestellungen im Forschungsprozess stellen eine Spannweite dar, die der Autor meistert, wenn auch hier und da eine Wiederholung auftritt. Das Ergebnis ist jedenfalls ein gut nachvollziehbarer Forschungsgang, der sich auch durch eine sprachlich gute Verständlichkeit auszeichnet.

Diese Veröffentlichung wird sicherlich in das Studium, in die Lehre und in die einschlägigen Weiterbildungen innerhalb der Sozialpädagogik/Sozialarbeit eingehen auch wenn eine kürzere Fassung wünschenswert gewesen wäre.

Fazit

Die Fallarbeit in der Schulsozialarbeit wird systematisch aufgearbeitet durch eine Vielzahl von narrativen Interviews mit Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern sowie Schülerinnen und Schülern. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass Unterstützungs- und Beratungsprozesse und ihre Wirkungen nunmehr präzisiert und empirisch fundiert sind. Der dargestellt Forschungsprozess geht kleinschrittig auf die Rahmenbedingungen des Handlungsfeldes ein: z.B. Kooperation, professionelle Beziehungsnetze, Bedeutung der eigenen Lebensgeschichte der sozialpädagogischen Fachkräfte und der Stellenwert der Fallarbeit in der Lebenswelt der Jugendlichen. Insgesamt stellt sich ein wichtiger Professionalisierungsschritt dar, der auch für das Studium und die Lehre von nachhaltiger Bedeutung sein wird.


Rezensent
Prof. Dr. Erich Hollenstein
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Zitiervorschlag
Erich Hollenstein. Rezension vom 11.09.2018 zu: Johannes Kloha: Die fallorientierte Praxis in der Schulsozialarbeit. Rekonstruktionen zentraler Prozesse und Problemstellungen. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-21339-8. Beiträge zur sozialen Arbeit an Schulen, Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24582.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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