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Tanja Sappok (Hrsg.): Psychische Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung

Cover Tanja Sappok (Hrsg.): Psychische Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung. Ein Lehrbuch für die Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 330 Seiten. ISBN 978-3-17-033431-1. 49,00 EUR.
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Thema

In dem vorliegenden Werk steht, wie dem Titel zu entnehmen, die psychische Gesundheit von Menschen mit intellektueller Entwicklungsstörung im Fokus. Diese Personengruppe ist häufig neben ihrer anerkannten Behinderung von psychischen oder weiteren körperlichen Beeinträchtigungen betroffen. Dazu zählen Erkrankungen wie ADHS, Depressionen, Demenz, Autismus oder auch Adipositas. Das Buch betrachtet in diesem Zusammenhang persönliche, diagnostische sowie therapeutische Sichtweisen.

Herausgeberin

Tanja Sappok ist Fachärztin für Neurologie, für Nervenheilkunde sowie für Psychiatrie und Psychotherapie. Seit 2017 ist sie Leitende Ärztin des Behandlungszentrums für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung am Krankenhaus Königin-Elisabeth-Herzberge in Berlin. Ihre Habilitation schrieb sie im Fachbereich „Experimentelle Psychiatrie“ der Charité zum Thema „Autismusdiagnostik bei Erwachsenen mit Intelligenzminderung“. An der Charité lehrt sie darüber hinaus an der medizinischen Fakultät im Fach Psychiatrie.

Entstehungshintergrund

Dieses Herausgeberwerk wurde mithilfe des Ansatzes der Co-Production entwickelt. Dahinter verbirgt sich, dass sich u.a. alle beteiligten Personen auf Augenhöhe begegnen und in einem wechselseitigen Austausch stehen. In Kapitel 12 „Der Mensch als Kontext: Zusammenfassende Gedanken“ von Sappok wird dieser Ansatz, der als „wertebasierte Haltung in der Begegnung und Zusammenarbeit“ (S. 74) aufgefasst wird, näher ausgeführt. Das Herausgeberwerk versteht sich selbst als Lehrbuch. Zentrales Anliegen ist dabei die „Verbesserung der medizinischen und pädagogischen Behandlung und Begleitung“ (S. 11) von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Aufbau

Das vorliegende Werk ist in vier große Abschnitte unterteilt. In insgesamt 69 Kapiteln haben auf 536 Seiten 50 Autorinnen und Autoren ihr Fachwissen zu den unten beschriebenen Themen vermittelt. Hier konzentrieren wir uns auf eine Darlegung dieser vier Abschnitte, eine Übersicht über die einzelnen Inhalte findet sich bei der Deutschen Nationalbibliothek.

Der Abschnitt 1 „Einführung“ liefert Überlegungen zu dem Begriff intellektuelle Entwicklungsstörung, der in diesem Werk einheitlich verwendet wird, sowie eine Einführung in die psychische Gesundheit und intellektuelle Entwicklung bei dieser Personengruppe.

Im Abschnitt 2 „Der Mensch liefert den Kontext: Gespräche über das Leben und Behinderung“ kommen anhand von neun Interviews Eindrücke und Erfahrungen von Familienangehörigen sowie einem Betroffenen zum Ausdruck. In diesen Gesprächen berichten die Befragten von ihrem persönlichen Umgang mit der intellektuellen Entwicklungsstörung ihrer Kinder oder über sich selbst. Sie wurden zu Themen wie Behinderung und psychische Gesundheit im Allgemeinen gefragt. Sie berichten aber auch, welche Unterstützungen und Einschränkungen daraus für sie entstanden sind. Andere Fragen nehmen Bezug auf die Kinder konkret, z.B. ihre Stärken oder was sie glücklich macht. In den letzten beiden Fragen geben die Familienangehörigen Empfehlungen an Familien und Betroffene sowie für Fachleute.

Der dritte Abschnitt „Fachteil: Psychiatrische und relevante körperliche Störungen“ befasst sich mit unterschiedlichsten Diagnosen, die bei Menschen mit intellektuellen Entwicklungsstörungen auftreten können. Hierzu zählen unter anderem: Demenz, Abhängigkeitserkrankungen, schizophrene, affektive und dissoziative Störungen, Adipositas, Epilepsie. Weitere Bestandteile dieses Abschnittes sind einige Kapitel, die sich konkret mit dem Thema Diagnostik sowie Therapie befassen.

Im vierten Abschnitt steht „Die Gesellschaft als Kontext“ im Mittelpunkt. Auch hier werden unterschiedliche Themen näher beleuchtet, u.a. neue Anforderungen an das Bundesteilhabegesetz, der Zugang zum Gesundheitswesen für Menschen mit Autismus, Netzwerke für Angehörige oder auch Selbsthilfeverbände.

Über einen passwortgeschützten Link wird Zusatzmaterial angeboten. Dieses bezieht sich auf Kapitel 59 „Ernährungsberatung“ von Melanie Adam. Dort finden Sie zum einen ein „Gewichtskontrollblatt Ernährungsberatung“ und zum anderen ein „Basisassessment“ als PDF-Dateien, ausschließlich für den privaten und nichtgewerblichen Gebrauch.

Inhalt

Bevor die einzelnen Kapitel der vier Abschnitte inhaltlich ins Thema einsteigen, wird in jedem Kapitel ein Blick auf eine subjektive Perspektive zum entsprechenden Thema geworfen. Hierbei handelt es sich um Interviewausschnitte bzw. Fallbeschreibungen, die in das jeweilige Themen einführen. Zudem ist eine wiederkehrende Grafik (u.a. S. 22) in den ersten drei Abschnitten der meisten Kapitel abgebildet. Die Grafik ist so aufgebaut, dass an erster Stelle der Vorstellungsgrund, an zweiter Stelle der kognitive und emotionale Entwicklungsstand steht und anschließend eine Unterteilung zwischen einer körperlichen Krankheit, einer psychischen Störung nach ICD sowie Verhaltensstörungen erfolgt. Je nach Thema der folgenden Kapitel, sind die einzelnen Teilgebiete farblich voneinander abgehoben.

Am Ende (fast) jeden Kapitels wird unter der Überschrift „auf den Punkt gebracht“ eine kompakte Zusammenfassung geliefert.

Diskussion und Fazit

Dieses Herausgeberwerk ist, wie Eingangs erwähnt, als Lehrbuch konzipiert. Die Grafik sowie die Zusammenfassung der wichtigsten Punkte zum Ende der Kapitel tragen zum Lernprozess bei. So unterstützt die Grafik den Einstieg in die unterschiedlichen Krankheitsbilder. Insbesondere durch die farbliche Absetzung in den einzelnen Kapiteln kann eine schnelle erste Einordnung der Erkrankung bzw. Störung ermöglicht werden. Da die einzelnen großen Erkrankungen und Störungen nur auf wenigen Seiten behandelt werden, ist bei Bedarf weitere Literatur hinzuzuziehen.

Die Zielgruppe des Herausgeberwerks ist laut Sappok behandelnde Ärztinnen und Ärzte, das Betreuungspersonal der Eingliederungshilfe sowie Angehörige. Es eignet sich Dank der breiten Spannweite der behandelten Themen darüber hinaus für alle Interessentinnen und Interessenten. Insbesondere die Mischung zwischen der subjektiven Perspektive der Betroffenen selbst und ihrer Angehörigen mit dem Fachwissen der Expertinnen und Experten und des Ansatzes der Co-Production macht dieses Werk insgesamt sehr lesenswert.


Rezensentin
Jasmin Aust
Sozialarbeiterin B.A., seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Müller zum Thema Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung.
Projekthomepage http://www.projekt-demenz.de.
Neben ihrer Arbeit studiert sie an der Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel im Masterstudiengang Präventive Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Rehabilitation und Prävention.
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/s/not_in_menu/Aust/personena ...
E-Mail Mailformular

Rezensentin
Marie Gentz
Sozialarbeiterin B.A., seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. S. V. Müller zum Thema Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung
Homepage www.projekt-demenz.de
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Zitiervorschlag
Jasmin Aust/Marie Gentz. Rezension vom 05.04.2019 zu: Tanja Sappok (Hrsg.): Psychische Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung. Ein Lehrbuch für die Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-033431-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24585.php, Datum des Zugriffs 21.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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