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Alisha M. B. Heinemann, Michaela Stoffels u.a.: Erwachsenenbildung für die Migrations­gesellschaft

Cover Alisha M. B. Heinemann, Michaela Stoffels, Steffen Wachter: Erwachsenenbildung für die Migrationsgesellschaft. Institutionelle Öffnung als diskriminierungskritische Organisationsentwicklung. wbv Media (Bielefeld) 2018. 151 Seiten. ISBN 978-3-7639-1209-4. 34,90 EUR.
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Thema

Migration und ihre Folgen wirken sich auf die Arbeit und die Rahmenbedingungen der Bildungsinstitutionen aus. Die Neupositionierung der Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft erfordert einen komplexen institutionellen Öffnungsprozess unter diskriminierungskritischer Perspektive. Wie die Autor/inn/en des vorliegenden Bandes anmerken, hat dieser in den meisten Einrichtungen gerade erst begonnen (vgl.S. 136).Im Fokus der institutionellen Reformen stehen dabei das Erkennen und der Abbau institutioneller, gruppenbezogener und individueller Diskriminierung, welche zur Bildungsbenachteiligung von Migrantinnen und Migranten beitragen.

Der vorliegende Praxisband erörtert anhand fünf zentraler Organisationsbereiche Handlungsbedarfe und Lösungsansätze für die institutionelle Öffnung von Bildungseinrichtungen.

Autorinnen und Autor

  • Dr. Alisha M.B. Heinemann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) am Institut für Germanistik der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die „kritische Migrations- und Fluchtforschung im Kontext der Erziehungswissenschaft“ sowie „Deutsch als Zweitsprache in Schule und Erwachsenenbildung“.
  • Dr. Michaela Stoffels ist Grundsatzreferentin (Schwerpunkte Integration und Sprache) im Deutschen Volkshochschul-Verband Bonn (DVV). Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Integration und Sprachen sowie an der Schnittstelle zu den Fachbereichen Kultur und Beruf.
  • Steffen Wachter, Dipl.-Päd., ist Fachreferent im Hessischen Volkshochschulverband (hvv) und Sprecher des Bundesarbeitskreises Politik, Gesellschaft und Umwelt beim Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV). 

Aufbau

Der vorliegende Band greift zentrale Aspekte auf, die für eine qualifizierte Betrachtung der Handlungsbedarfe und Lösungsansätze für die institutionelle Öffnung von Bildungseinrichtungen von Bedeutung sind. Das Buch gliedert sich in die folgenden sechs Teile:

  1. „Institutionelle Öffnung und Migrationsgesellschaft – einige rahmende Anmerkungen“

  2. „Institutionelle Öffnungs- und Leitbildprozesse in Volkshochschulen – Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft neu positionieren“;

  3. „Menschen in Einrichtungen der Erwachsenenbildung – ‚ohne Angst verschieden sein‘“;

  4. „Lernräume und -formate für die Migrationsgesellschaft – die dritte Dimension als unsichtbarer Pädagoge“.

  5. „Öffentlichkeitsarbeit in einer Migrationsgesellschaft – bleibt alles beim Alten?“.

  6. „Kooperation und Vernetzung – Erwachsenenbildung im Netzwerk der Migrationsgesellschaft“.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

In der Einleitung gibt die Autorengruppe eine Einführung in die Thematik und einen Ausblick auf Inhalte und Aufbau ihrer Arbeit. Hier werden Zielsetzungen des Projekts detailliert und forschungstheoretisch erörtert.

Das theoretische Kapitel I „Institutionelle Öffnung und Migrationsgesellschaft – einige rahmende Anmerkungen“ führt in die leitenden Theoriekonzepte ein. Hier werden die theoretischen Ausgangs- und Anknüpfungspunkte erläutert. Der diskriminierungskritische Blick legt im Eingangskapitel eingeprägte Wahrnehmungs- und Verhaltensschemata offen. Die Autor/inn/en skizzieren anschließend aus der Praxis der Volkshochschulen Lösungsansätze für die institutionelle Öffnung von Bildungsinstitutionen. Es handelt sich dabei um die fünf strategisch zentralen Felder:

  1. Leitbild- und Organisationsentwicklung,
  2. Personalgewinnung und -entwicklung,
  3. Öffentlichkeitsarbeit,
  4. Lernorte und -formate sowie
  5. Kooperation und Netzwerke in der Migrationsgesellschaft.

Weitere Kapitel widmen sich der Praxis. Es handelt sich um konkrete Beispiele aus der Weiterbildungspraxis, wie institutionelle Öffnungsprozesse gestaltet werden können.

Das zweite Kapitel „Institutionelle Öffnungs- und Leitbildprozesse in Volkshochschulen – Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft neu positionieren“ befasst sich mit der Entwicklung neuer Leitbildung und neuen Zielen der strategischen Organisationsentwicklung für Erwachsenenbildungseinrichtungen, die sich neu positionieren wollen, und mit den Auswirkungen auf die Programmplanung.

Das dritte Kapitel „Menschen in Einrichtungen der Erwachsenenbildung – ‚ohne Angst verschieden sein‘“ fokussiert die Personalgewinnung und -entwicklung des leitenden und lehrenden Personals in Bildungseinrichtungen. Hier wird die Frage gestellt: Wie kann konkret ein Diversity-Management und eine Öffnung für Vielfalt umgesetzt werden? Eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung über Erwartungen an Mitarbeitende mit Migrationshintergrund soll eintreten, wie auch Zugangsbarrieren bei Neueinstellungen analysiert und abgebaut werden.

Im vierten Kapitel „Lernräume und -formate für die Migrationsgesellschaft – die dritte Dimension als unsichtbarer Pädagoge“ wird davon ausgegangen, dass Lernorte seit Langem als „dritte Pädagogen“ gelten. In diesem Teil werden die Bedeutung von Lernräumen und Lernformaten für institutionelle Öffnungsprozesse dargestellt. Die Autorin erörtert, wie durch die Weiterentwicklung von Lernräumen und -formaten neue Formen des gemeinsamen und Voneinander-Lernens möglich werden.

Im fünften Kapitel „Öffentlichkeitsarbeit in einer Migrationsgesellschaft – bleibt alles beim Alten?“ stehen zentrale Konzepte der Öffentlichkeitsarbeit bzw. Public Relations für eine vielfältige Gesellschaft im Mittelpunkt. Als „Türöffner“ kann die Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen, Barrieren der Weiterbildungsteilnahme abzubauen. Die Autorin widmet sich insbesondere der Frage, wie ein diversitätsbewusster Außenauftritt gestaltet werden kann.

Im sechsten Kapitel „Kooperation und Vernetzung – Erwachsenenbildung im Netzwerk der Migrationsgesellschaft“ wird die Herausforderung einer heterogenen Gesellschaft an die Bildung von Kooperationen und Vernetzungen von Weiterbildungseinrichtungen vorgestellt. Neben der Berücksichtigung der Diversität in der Angebotsplanung und -durchführung sehen hier die Autorin eine Chance verschiedene Zielgruppen der Migrationsgesellschaft in Kooperationen und Netzwerkarbeit mit Vereinen, Institutionen und Bildungsträgern zu erreichen. Die Autorin stellt mögliche Stolpersteine bei Kooperationen und Netzwerkarbeit und gibt anschließend einen Ausblick auf das Thema „Weiterbildung in der Migrationsgesellschaft“.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Leitungskräfte und Programmplanende in der Erwachsenenbildung. Es bietet Praktikerinnen und Praktikern Anregungen und nützliche Tipps, die institutionelle Öffnung ihrer Einrichtungen (weiter) zu entwickeln.

Fazit

Der vorliegende Band betrachtet die aktuellen Diskussionen rund um die Institutionelle Öffnung der Erwachsenenbildung an der Schnittstelle von Theorie, strategischen Handlungsfeldern und Praxis. Die Autor/inn/en zeigen auf, warum es notwendig ist, sich den jüngsten migrationspolitischen Herausforderungen durch umfassende institutionelle Reformen zu stellen. Sie verbinden damit einen fundierten theoretischen Begründungszusammenhang mit konkreten Handlungsempfehlungen in Form von praktischen Methoden und Konzepten. Sie erweitern mit dem vorliegenden Band den konzeptionellen Ansatz einer Interkulturellen Öffnung hin zu einer Institutionellen Öffnung von Weiterbildungseinrichtungen.

Der Aufbau des Buches ist gut gegliedert und strukturiert, was einen angenehmen Eindruck beim Lesen vermittelt. Die Autor/inn/en stellen konkrete Beispiele aus der Weiterbildungspraxis dar und erläutern die verwendeten Fachbegriffe. Im Text gibt es Fragen zur Reflexion und Checklisten. Zweifelsfrei ist es ihnen gelungen, das Thema praxisnah und praxisrelevant darzulegen. Es handelt sich im Falles des vorliegenden Bandes um eine gelungene Kombination aus Theorie und Praxis von Erwachsenen- und Weiterbildung in der Migrationsgesellschaft.


Rezensentin
Dr. Olga Frik
Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 29.01.2019 zu: Alisha M. B. Heinemann, Michaela Stoffels, Steffen Wachter: Erwachsenenbildung für die Migrationsgesellschaft. Institutionelle Öffnung als diskriminierungskritische Organisationsentwicklung. wbv Media (Bielefeld) 2018. ISBN 978-3-7639-1209-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24597.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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