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Astrid Müller, Klaus Wölfling u.a.: Verhaltenssüchte

Cover Astrid Müller, Klaus Wölfling, Kai W. Müller: Verhaltenssüchte - Pathologisches Kaufen, Spielsucht und Internetsucht. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. 93 Seiten. ISBN 978-3-8017-2427-6. 19,95 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Der Titel „Verhaltenssüchte – Pathologisches Kaufen, Spielsucht und Internetsucht“ ist als 70. Band in der Reihe Fortschritte der Psychotherapie erschienen und setzt somit die lange Tradition dieser Reihe fort. Mit dem Einfügen des Buches in die o.g. Reihe ist der Inhalt bereits entsprechend gerahmt und widmet sich einem hoch aktuellen und bislang in der Psychotherapie wenig etablierten Thema. Ziel ist es, den Leser über Verlauf, Differentialdiagnostik sowie Therapie der drei o.g. nicht-substanzgebundenen Abhängigkeitsformen zu informieren.

Herausgeber/in bzw. Autor/en:

Die Herausgeber der Serie „Fortschritte der Psychotherapie“ sind keine geringeren als Prof. Dr. K. Hahlweg, Prof. Dr. M. Hauzinger, Prof. Dr. J. Margraf und Prof. Dr. W. Rief. Sie haben mittlerweile Dutzende Ausgaben der o.g. Reihe herausgegeben. Das Autorentrio des aktuellen Bandes besteht aus Prof. Dr. Dr. Astrid Müller aus Hannover, Dr. Klaus Wölfling und Dr. Kai W. Müller aus Mainz. Frau Prof. Müller ist leitende Psychologin und außerplanmäßige Professorin an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Adipositas, Esssüchte und generell Verhaltenssüchten. Dr. Wölfling ist Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Psychosomatischen Klinik in Mainz, Dr. Kai W. Müller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der o.g. Spielsuchtambulanz in Mainz. Somit haben alle Autoren eine ausgewiesene Expertise auf den Felder der Verhaltenssüchte bzw. der Spielsucht und haben zahlreiche Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.

Entstehungshintergrund/Vorgeschichte

Ausgangspunkt für das Buch des o.g. Autorentrios ist die Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ des Hogrefe-Verlags. Nach anderen wichtigen Themen aus der Welt der psychotherapeutischen Störungen bzw. Arbeit mit psychisch belasteten Menschen ist der aktuelle Band das mittlerweile 70. Exemplar der Reihe. Die Autoren selbst beschäftigen sich seit vielen Jahren mit nicht-substanzgebundenen Abhängigkeiten insbesondere mit (Glücks-) Spielsucht.

Aufbau und Inhalt

Das Buch der drei Autoren ist untergliedert in neun Kapitel, wobei die eigentlichen Inhalte über Spielsucht- und Internetsucht sowie pathologisches Kaufen in drei Kapitel aufgeteilt sind. Vorangestellt sind ein Vorwort und zwei Kapitel mit der Beschreibung des Störungskomplexes sowie den dahinter liegenden Modellen. Ergänzt werden die o.g. Kapitel durch ein Fallbeispiel, Literatur und einen Anhang mit verschiedenen diagnostisch und therapeutisch einzusetzenden Instrumenten.

Bereits im Vorwort wird deutlich, dass Verhaltenssüchte bereits 2013 als „Gambling Disorders“ Eingang in das Kapitel „Substance.Related and Addictive Disorder“ ins DMS gefunden haben, was leider nicht für das ICD gilt. Darüber hinaus wird auch klargestellt, dass die Einordnung in das o.g. Kapitel Gegenstand einer lebhaften Debatte ist.

  • Dem ersten Kapitel über die „Beschreibung der Störungen“ sind drei Fallbeispiele vorangestellt. Im Anschluss daran erfolgen zunächst Definitionen inklusive der Beschreibung diagnostischer Kriterien. Im Anschluss wird im Unterkapitel über die Epidemiologie dargestellt, wie häufig Verhaltensstörungen in Deutschland und Europa sind. Danach
  • widmen sich die Autoren der Beschreibung des Verlaufs der Störungen sowie der Prognose. Auch eine differentialdiagnostische Betrachtung sowie Angaben über häufige Komorbiditäten wie beispielsweise Angststörungen und Depressionen fehlen nicht. Schließlich wird das Kapitel abgeschlossen durch ein Unterkapitel über „Diagnostische Verfahren und Dokumentationshilfen“, die dem Leser eine gute Stütze bei der praktischen Arbeit mit betroffenen Patienten sind. Hier werden standardisierte Instrumente genauso angeführt wie Beispielfragen für die Exploration bei einem Verdacht auf eine der drei o.g. Störungen.
  • Das zweite Kapitel, „Störungstheorien und -modelle“ untergliedert sich in drei Unterkapitel, die die jeweiligen Risikofaktoren von pathologischem Kaufen, Spielsucht und Internetsucht aufzeigen. Hier wird auf die hohe Bedeutung lerntheoretischer Modelle bis hin zur klassischen und operanten Konditionierung verwiesen.
  • Das dritte Kapitel über „Pathologisches Kaufen“ wurde von Astrid Müller verfasst und erlaubt dem Leser tiefe Einblicke in pathologisches Kaufverhalten bzw. in das Erleben und Verhalten betroffener Patienten. Sie beginnt mit (Beispiel-) Fragen für die Exploration und geht dann rasch über zur Darstellung psychotherapeutischer Methoden in der Behandlung des pathologischen Kaufens und nennt hier Rahmenbedingungen sowie Therapieziele. Die Verhaltensanalyse wird hier besonders herausgestellt, aber auch Expositionsübungen haben ihren Stellenwert, wobei sich die Autorin aber auch über Limitationen im Klaren ist und diese darstellt.
  • Kapitel vier über „Spielsucht“ ist von Klaus Wölfling verfasst worden und enthält analog zum voran gegangenen Kapitel zahlreiche Unterkapitel über Spielsucht. Nach einem sehr kurzen diagnostischen Teil geht der Autor über zur Behandlung. Die verschiedenen erwähnten Therapiemethoden unterzieht er einer kritischen Würdigung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit.
  • Das fünfte Kapitel über „Internetsucht“ stammt von Kai W. Müller, der hier entsprechend der beiden Kapitel von Klaus Wölfling und Astrid Müller die Internetsucht in all ihren Facetten beschreibt. Er widmet sich ausführlicher als seine beiden Vorgänger der Diagnostik, stellt dann recht kurz Therapiemethoden dar und unterzieht diese einer kritischen Würdigung.
  • Schließlich folgt auf die Hauptteile des Buches ein Kapitel mit einem ausführlichen Fallbeispiel über Internetsucht, das das bisher Gesagte illustriert.

Dann stellen die Autoren dem Leser noch ein „Kapitelchen“ über „Weiterführende Literatur“ zur Verfügung und überlassen dem Leser im Anschluss ausführlich ihre Referenzen. Beides führt dazu, dass dem Leser ermöglicht wird, anhand der angegebenen Literatur noch tiefer in das Thema der Verhaltenssüchte einzudringen.

Auch der Anhang kann sich sehen lassen: Er enthält u.a. ein Kaufprotokoll sowie ein Verhaltensanalyse des Glücksspielverhaltens und weitere für Diagnostik und Therapie nützliche Instrumente. Zudem werden zwei Taschen für die „Kitteltasche“ mitgeliefert, die „Beispielfragen zur Exploration von pathologischem Glücksspiel“ und „Einstiegsfragen zur Exploration von pathologischen Kaufen“ beinhalten.

Zielgruppe

Die Zielgruppe erschließt sich bereits durch die eng umgrenzte Thematik des Buches und findet sich im Kreis der Psychotherapie. Der Hogrefe-Verlag benennt explizit ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinische Psychologen sowie Psychologische Berater, Sozialarbeiter, Studierende und Lehrende in der psychotherapeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung als Zielgruppe. Für sie alle dürfte das Buch eine Bereicherung darstellen.

Diskussion und Fazit

Das Buch des Autorentrios bestehend aus Frau Prof. Dr. Dr. Astrid Müller, Dr. Klaus Wölfling und Kai W. Müller bietet anhand des pathologischen Kaufens, der Spielsucht und Internetsucht einen kurzen und prägnanten Einblick in die Welt der Verhaltenssüchte. Dabei werden die Ausführungen der drei Autoren mit Hilfe von Fallbeispielen veranschaulicht und auf das Wesentliche theoretische und praktische Rüstzeug beschränkt. Das ist aber keineswegs ein Makel dieses Buches, das sich exzellent in die Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ einreiht, sondern vielmehr seine Stärke. Das Thema gerät so nie aus dem Fokus und bietet Therapeuten und allen anderen, die mehr über diese spannenden Verhaltenssüchte wissen wollen, einen exzellenten Überblick über Diagnostik, Therapie und angrenzende wesentliche Aspekte.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 10.12.2018 zu: Astrid Müller, Klaus Wölfling, Kai W. Müller: Verhaltenssüchte - Pathologisches Kaufen, Spielsucht und Internetsucht. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-8017-2427-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24604.php, Datum des Zugriffs 26.03.2019.


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ISSN 2190-9245

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