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Christian Bleck, Anne van Rießen u.a. (Hrsg.): Alter und Pflege im Sozialraum

Cover Christian Bleck, Anne van Rießen, Reinhold Knopp (Hrsg.): Alter und Pflege im Sozialraum. Theoretische Erwartungen und empirische Bewertungen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2018. 200 Seiten. ISBN 978-3-658-18013-3. 54,99 EUR.
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Thematischer Hintergrund

Der vorliegende Herausgeberband vereint theoretische und empirische Beiträge, „die sich speziell auf Pflege- und Hilfebedarfe im Alter mit Bezug auf den Sozialraum konzentrieren“ (S. 7) und erweitert damit das Spektrum an Publikationen, die den Autor/-innen zufolge bisher nur die eine oder die andere Perspektive eingenommen (ebd.).

Herausgeber/-in

Der Band „Alter und Pflege im Sozialraum. Theoretische Erwartungen und empirische Bewertungen“ ist von Christian Bleck, Anne van Rießen und Reinhold Knopp herausgegeben worden. Alle drei Herausgebenden haben aktuell eine Professur an der Hochschule Düsseldorf.

Aufbau und Inhalt

Dem Anspruch der Verbindung von theoretischen und empirischen Perspektiven entsprechend ist das Buch in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil „Theoretische Erwartungen“ enthält acht, der zweite „Empirische Bewertungen“ weitere neun Unterkapitel. Beiden Teilen vorangestellt ist eine Einführung in den thematischen Schwerpunkt des Bandes der Herausgeber/-innen.

Einführung

Die Herausgebenden führen die Leser/-innen zunächst in den thematischen Schwerpunkt des Sammelbandes ein. Unter Bezugnahme auf aktuelle Zahlen und Forschungsergebnisse zeigen sie auf, dass „gelingendes Alter(n) […] auch von gesellschaftlichen und sozialräumlichen Bedingungen […] im Quartier“ (S. 7) abhängig ist. Damit begründet sich das Anliegen des Sammelbandes, theoretische und empirische Beiträge zu eben diesen Rahmenbedingungen zusammenzustellen. Im Anschluss skizzieren die Herausgeber/-innen kurz die enthaltenen Beiträge beider Teile und schließen, dem Anliegen ihres Buches entsprechend, mit der Anregung, das Alter nicht nur mit Blick auf individuelle Ressourcen und mögliche Schwierigkeiten zu betrachten, sondern den Fokus auf gesellschaftliche Strukturen zu erweitern, die es ermöglichen, „selbstbestimmt altern zu können“ (S. 13).

Teil I: Theoretische Erwartungen

Der erste Teil enthält acht Beiträge, die unterschiedliche theoretische Bezüge zum Themenfeld „Alter und Pflege im Sozialraum“ herstellen. Daniela Brüker und Sigrid Leitner stellen im ersten Beitrag die Diversität der alternden Bevölkerung heraus und kommen zu dem Schluss, dass „sozialarbeiterische Begleitung und Unterstützung bei der Bewältigung des Alters […] individuelle Bedarfe und Ressourcen in den Blick nehmen“ (S. 30) müsse, um dessen Vielfalt gerecht werden zu können. Thomas Klie erläutert in seinem Beitrag seine Forderungen an eine Reform der sozialen Sicherung. Diese solle zur Stärkung der Kommune als zentralem Akteur für die zukünftig zu bewältigenden Herausforderungen des demografischen und sozialen Wandels führen. Auch Susanne Kümpers und Monika Alisch kommen im Anschluss an die Analyse vertikaler und horizontaler Ungleichheiten im Alter zu dem Schluss, dass es für den Versuch eines (zumindest partiellen) Ausgleichs von sozialen Ungleichheiten einer kommunalen Steuerung bedürfe (S. 65).

Im folgenden Text fragt Michael Zander aus einer sozialpsychologischen Perspektive, wie der Begriff der Selbstbestimmung im Kontext von Sozialraumorientierung zu verstehen ist und wie sich sozialräumliche Bedingungen auf die Gewährleistung von Selbstbestimmung auswirken. Ebenfalls auf der Ebene sozialräumlicher Bedingungen fragt Kathrin Hahn danach, wie die Teilhabe älterer Migrant/-innen als spezielle Adressat/-innengruppe gestaltet wird. Die beiden folgenden Beiträge betrachten die aktuellen demografischen Herausforderungen mit Blick auf das Alter(n) aus zwei verschiedenen professionellen Perspektiven: Rosa Mazzola und Martina Hasseler arbeiten heraus, welchen Anforderungen sich die Pflege gegenübersieht, und, dass diese eigentlich nur durch die Kooperation mit den anderen beteiligten Disziplinen zu bewältigen seien (S. 110). Anschließend stellt Cornelia Kricheldorff heraus, welche besonderen Herausforderungen sich für die Soziale Arbeit ergeben. Auch sie plädiert für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, in der die Soziale Arbeit „zunehmend die Rolle der Fachberatung“ (S. 121) übernehmen könne. Den ersten Teil abschließend führt Reinhold Knopp die Beteiligung und Mitwirkung der Älteren selbst als Faktor für das gelingende Alter(n) im Sozialraum ein.

Teil II: Empirische Bewertungen

Der zweite Teil des Sammelbandes enthält neun Beiträge, die auf „aktuellen Ergebnissen sozialraumbezogener Studien“ (S. 10) basieren. Im ersten Beitrag erläutern Katrin Falk und Birgit Wolter die Ergebnisse zweier anwendungsorientierter Forschungsprojekte zum Zusammenspiel individueller und sozialräumlicher Ressourcen als Voraussetzung für Selbstbestimmung und Teilhabe. Es schließt sich der Beitrag von Anke Strube an, die diskutiert, „inwieweit die Konzepte eines sozialraumbezogenen Welfaremix dazu beitragen [können], die Teilhabe älterer pflegebedürftiger [und sozial] benachteiligter Menschen zu sichern“ (S. 162). Michael May widmet sich in seinem Beitrag den Ergebnissen von Zukunftswerkstätten, die mit zugewanderten Älteren durchgeführt wurden. Dabei kann er besondere Orientierungsmuster hinsichtlich der Ansprache zu Fragen rund um Gesundheit und Pflege dieser Nutzendengruppe aufzeigen. Angela Nikelski und Annette Nauerth widmen sich in ihrem Beitrag den besonderen Bedarfen von pflegebedürftigen Frauen. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass die befragten Frauen besonders zurückhaltend in der Formulierung eigener Probleme seien, was es für Fachkräfte in der Altenhilfe umso bedeutender erscheinen lasse, ihre Perspektive zu kennen und zu vertreten (S. 206). Es folgt ein Beitrag von Janina Kutzner und Thomas Gerlinger, die für zwei ländliche Regionen herausarbeiten, welchen spezifischen Herausforderungen sich dort aktive professionelle Akteure gegenübersehen. Sie kommen zu dem Schluss, dass diese aber nicht unbedingt „auf die Besonderheiten ländlicher Strukturen zurückzuführen“ (S. 222) seien. Im nachfolgenden Beitrag zeigen Christian Bleck, Anne van Rießen und Thorsten Schlee auf welche Potenziale die Öffnung der stationären Altenhilfeeinrichtungen für und in den Sozialraum haben kann. Anschließend richtet Tanja Segmüller ihren Blick auf pflegende Angehörige und stellt dar, inwiefern diese im Quartier und unter kommunaler Regie besser unterstützt werden könnten. Verena Rothe widmet sich in ihrem Beitrag wieder den Pflegebedürftigen selbst, speziell den Menschen mit Demenz. Im Fokus steht die Gestaltung einer Kommune, die ein gemeinschaftliches Leben für Menschen mit und ohne Demenz ermöglicht. Der zweite Teil des Herausgeberbandes schließt mit dem Beitrag von Petra Kaiser, die ihren Blick auf Möglichkeiten und Grenzen technischer Lösungen zur Vernetzung und Einbindung von Älteren im Sozialraum richtet.

Diskussion

Resümierend kann festgehalten werden, dass es den Autor/-innen gelungen ist, gemäß dem eigenen Anspruch sowohl theoretische als auch empirische Beiträge zu Fragen des gelingenden Alter(n)s im Sozialraum in einer Publikation zu vereinen.

Es ist ein Band entstanden, der sowohl den Zugang zu theoretischen Perspektiven ermöglicht als auch Ansätze für praxisorientierte Überlegungen liefert. Sowohl das Gesamtwerk als auch die einzelnen Beiträge stellen eine beträchtliche Menge Material zur Wissenserweiterung und Diskussion zur Verfügung. Für Studierende der Sozialen Arbeit und Pflege eignet sich dieses Werk als Einführung in die Herausforderungen, die eine zunehmend alternde Gesellschaft für die professionelle Dienstleistungserbringung mit sich bringt. In der Lehre ermöglicht die Arbeit mit diesem Herausgeberband darüber hinaus, durch die Kombination von theoretischen und empirischen Beiträgen, Studierenden unterschiedliche Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens an beispielhaften Themen näherzubringen.

Gerade deshalb ist es schade, dass es den Beiträgen an einer einheitlichen Verwendung zentraler Begriffe fehlt; so spricht bspw. Reinhold Knopp in seinem Beitrag von Sozialarbeit im Sozialraum während sonst vorwiegend der übergreifende Begriff Soziale Arbeit verwendet wird. Auch in der für diesen Band zentralen Frage, was als Sozialraum und Quartier bezeichnet wird, wäre mehr begriffliche Klarheit wünschenswert gewesen.

Fazit

Dem Band sind viele Leser/-innen zu wünschen, denen es gelingt, in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, die gesammelten Beiträge konstruktiv aufeinander zu beziehen.


Rezensentin
Eva Maria Löffler
M.A. Soziale Arbeit
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fachgebiet Lebenslagen und Altern
Institut für Sozialwesen
Universität Kassel
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Zitiervorschlag
Eva Maria Löffler. Rezension vom 02.09.2019 zu: Christian Bleck, Anne van Rießen, Reinhold Knopp (Hrsg.): Alter und Pflege im Sozialraum. Theoretische Erwartungen und empirische Bewertungen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-18013-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24605.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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