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Anissa Norman: Eltern mit Migrations­hintergrund

Cover Anissa Norman: Eltern mit Migrationshintergrund in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. „Migrationshintergrund ist halt auch irgendwie Thema“. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. 249 Seiten. ISBN 978-3-658-20956-8. D: 29,99 EUR, A: 30,83 EUR, CH: 31,00 sFr.
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Thematischer Hintergrund

Das vorliegende Buch ist eine überarbeitete Masterthesis von Anissa Norman. Es handelt sich dabei um die zweite Auflage. Die Autorin legt dar, wie die Situation von Eltern mit Migrationshintergrund im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe aussieht, welche speziellen Bedingungen, Ressourcen und Erwartungen alle Parteien mitbringen. Anhand von Interviews werden Sichtweisen und Einstellungen aufgedeckt und analysiert, um herauszuarbeiten, wie eine interkulturelle Elternarbeit sinnvoll gestaltet werden kann. Hierbei werden deutliche Diskrepanzen zwischen dem Wunsch nach interkultureller Sozialer Arbeit und Wirklichkeit aufgezeigt. In dieser zweiten Auflage wird die Aktualität auf Basis der neuesten Zahlen zu Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland und in der Jugendhilfe verdeutlicht.

Die Autorin geht davon aus, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zur Klientel der stationären Kinder- und Jugendhilfe zählen. Ihrer Meinung nach sind SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen entsprechend gezwungen, diese gesellschaftliche Realität nicht nur zu akzeptieren, sondern auch konstruktive und adaptierte Ansätze für die tägliche Arbeit zu finden. Aber tun sie das auch? Neben dieser Frage stellt Norman auch weitere Fragen:

  • Müssen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund bzw. deren Familien wirklich anders behandelt werden als Deutsche?
  • Welche Faktoren sind es, die einer Gleich- oder Ungleichbehandlung zugrunde liegen?
  • Welche Sichtweisen und Ansätze bringen SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen mit?
  • Und wie sehen diese Angehörigen selbst die Kinder- und Jugendhilfe.
  • Wo ist ihr Platz darin?

Norman geht in ihrer Forschungsarbeit auf diese und andere Fragen ein. Sie stellt dar, wie die Situation von Menschen mit Migrationshintergrund aussieht und welche speziellen Bedingungen, Ressourcen und Erwartungen sie mitbringen. Auf der Grundlage von Interviews werden entsprechende Sichtweisen und Einstellungen, auf Seiten der Angehörigen und Mitarbeiter stationärer Einrichtungen, aufgedeckt und analysiert. Das Ziel ist dabei herauszuarbeiten, wie eine interkulturelle und den aktuellen Gegebenheiten angepasste Elternarbeit am Sinnvollsten gestaltet werden kann.

Autorin

Anissa Norman arbeitete im In- und Ausland in stationären Kinder- und Jugendhilfe-Settings und Sozialen Diensten. Aktuell ist sie im Allgemeinen Sozialen Dienst für unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) tätig. 

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch greift zentrale Aspekte auf, die für eine qualifizierte Betrachtung der Situation von Eltern mit Migrationshintergrund im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe genauer zu beleuchten. Das Buch gliedert sich in die folgenden zwölf Teile:

  1. Hinführung
  2. Einführung in die Thematik
  3. Eltern-, Angehörigen-, und Familienarbeit
  4. Migrationsfamilien in der stationären Kinder- und Jugendhilfe
  5. Migrationsfamilien aus Sicht der Pädagogen
  6. Elternarbeit mit Migrationsfamilien
  7. Forschungsdesign und Ablauf
  8. Einrichtungsinterne Statistiken
  9. Inhaltsanalyse
  10. Zusammenfassende Betrachtung und Kommentierung
  11. Fazit und inhaltliche Konsequenzen
  12. Schlussbetrachtung

Die Untersuchung zu Eltern mit Migrationshintergrund ist vor allem qualitativ angelegt und in Literaturanalysen eingebettet. In der Hinführung merkt die Autorin an, dass es sich im Falle ihrer Forschungsarbeit nicht um eine repräsentative Studie handelt. Trotzdem sei die Forschungsarbeit wichtig, weil „die Realität der Sozialen Arbeit jeden Beitrag befürworten muss, der eine interkulturelle Öffnung und rassismuskritische Arbeit unterstützen kann“ (S. 10).

Die Autorin widmet sich zu Beginn des Buches den ihre Publikation tragenden Themen, wie Migrationshintergrund, Heimerziehung, Elternarbeit, Hilfen zur Erziehung, migrationsspezifischen Faktoren in der Heimerziehung und kulturspezifischen Ansätzen des Umgangs mit Menschen und deren Migrationshintergründen.

  • Die Kapitel 1 bis 3 widmen sich der Erziehung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe und Elternarbeit im Allgemeinen. Im zweiten Kapitel „Einführung in die Thematik“ wird das Konzept der Heimerziehung vorgestellt. Das dritte Kapitel „Eltern-, Angehörigen-, und Familienarbeit“ widmet sich der Eltern-, Angehörigen-, und Familienarbeit, die eine bedeutende Rolle für die pädagogische Arbeit in Heimen/der stationären Kinder- und Jugendhilfe einnehmen. Hier gibt es eine Begriffsdefinition. Die Autorin zeigt, warum Elternarbeit wichtig und unabdingbar ist, gerade auch im Hinblick auf Migrationsfamilien.
  • Im Kapitel 4 „Migrationsfamilien in der stationären Kinder- und Jugendhilfe“ geht die Autorin auf Statistiken ein. Danach wird die Situation von Migrationsfamilien in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe im Hinblick auf besondere Faktoren analysiert. Die Autorin deutet darauf hin, dass migrationsspezifische Faktoren angesichts der wachsenden Anzahl an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund für die pädagogische Arbeit in Einrichtungen der Jugendhilfe von immer größerer Bedeutung sind.
  • Im Kapitel 5 „Migrationsfamilien aus Sicht der Pädagogen“ wird betrachtet, welche Sichtweisen Mitarbeiter in der stationären Jugendhilfe selbst mitbringen, die ihre Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund beeinflussen können.
  • Im Kapitel 6 „Elternarbeit mit Migrationsfamilien“ geht die Autorin konkret auf Elternarbeit mit den Migrationsfamilien ein. Hier gibt es einen Überblick über die momentane Situation und ihre Problematiken. Anschließend werden die von der Autorin herausgearbeiteten Punkte zu gelungener Eltern- und Angehörigenarbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund rekapituliert und um neuere Publikationen ergänzt. Es wird deutlich gemacht, dass die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund spezielle Anforderungen an die Pädagogen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe stellt.
  • Im Kapitel 7 „Forschungsdesign und Ablauf“ wird die Methodik und Vorgehensweise der vorliegenden Forschungsarbeit erörtert. Es wurden insgesamt sieben Personen interviewt, die in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten sowie eine Mutter eines stationär untergebrachten Kindes mit türkischem Migrationshintergrund.
  • Im Kapitel 8 „Einrichtungsinterne Statistiken“ stellt die Autorin einige Fakten bezüglich der Mitarbeiter und deren Zusammensetzung dar, um die Aussagen der Pädagogen besser im Kontext sehen und entsprechend verstehen und interpretieren zu können.
  • Im Kapitel 9 „Inhaltsanalyse“ gibt es eine detaillierte Inhaltsanalyse.
  • Im Kapitel 10 „Zusammenfassende Betrachtung“ und „Kommentierung“ gibt es eine kommentierte Zusammenfassung und Betrachtung, bei der ein Zusammenhang zu entsprechender Literatur hergestellt und eine Bewertung abgegeben wird.
  • In den Kapiteln 11 „Fazit und inhaltliche Konsequenzen“ und 12 „Schlussbetrachtung“ werden abschließende Schlussfolgerungen gezogen und Handlungsoptionen aufgezeigt.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich zum einen an Dozierende und Studierende der Bereiche Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und der interkulturellen Sozialen Arbeit sowie Soziologie und der Erziehungswissenschaften. Leitungskräfte und Programmplanende in der Erwachsenenbildung. Zum anderen eignet sich das Buch für Mitarbeiter in der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfe sowie von sozialen Diensten.

Fazit

Das vorliegende Buch betrachtet die Situation von Eltern mit Migrationshintergrund im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Der Aufbau des Buches ist gut gegliedert und strukturiert, was einen angenehmen Eindruck beim Lesen vermittelt. Es ist der Autorin gelungen, das Thema praxisnah und praxisrelevant darzulegen. Zweifelsfrei ist das Buch für die Praxis der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und der interkulturellen Sozialen Arbeit von großer Bedeutung, denn es geht darum, wie eine interkulturelle und den aktuellen Gegebenheiten angepasste Elternarbeit sinnvoll gestaltet werden kann. Es werden von der Autorin Vorschläge für die praktische Arbeit, aber auch Appelle an die teils politischen Rahmenbedingungen dargestellt und erläutert.


Rezensentin
Dr. Olga Frik
Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 06.06.2019 zu: Anissa Norman: Eltern mit Migrationshintergrund in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. „Migrationshintergrund ist halt auch irgendwie Thema“. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-658-20956-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24606.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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