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Anika Blau: Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit

Cover Anika Blau: Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit. Überlegungen zum Selbstverständnis der Profession und dessen Auswirkungen auf die Praxis. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. 83 Seiten. ISBN 978-3-8474-2180-1. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR.

Reihe: Thesispreis des Fachbereichs Sozialwesen der KatHO NRW, Abteilung Köln - Band 3.
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Thema

Wenn es um die Frage der Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit geht, so ist dem Fachdiskurs eher zu entnehmen, dass Soziale Arbeit in Abhängigkeiten zu anderen Professionen, politischen und fiskalischen Zielen und Institutionen zu denken wäre. Gleichzeitig wird auch diskutiert, ob wir hier von einer Profession oder einer Semiprofession, gerade wegen einer eingeschränkten Autonomie, sprechen. Die Diskussion wirkt sich auf die Ausbildung bzw. das Studium, die Praxis der Sozialen Arbeit und ihre Anerkennung in der Gesellschaft aus. Insofern wird es spannend, wie die vorliegende Publikation diesen Diskurs diskutiert und wahrnimmt.

Autorin

Anika Blau hat an der Katholischen Hochschule in Nordrhein-Westfalen Soziale Arbeit studiert und wurde mit der vorliegenden Veröffentlichung ihrer Bachelor-Thesis, 2017 die Preisgewinnerin des 'Thesispreises.'

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung entstand im Kontext der Erarbeitung einer BA-Arbeit in der Sozialen Arbeit. Die Autorin wollte mit ihrer damit verbundenen Erkundung der Frage nachgehen, inwiefern die Soziale Arbeit über Professionsautonomie verfügt und wie sich das Verständnis jener Professionsautonomie auf ihre Praxis auswirkt.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation untergliedert sich in eine Einleitung, drei Hauptkapitel und ein Fazit. Jedes der drei Hauptkapitel ist dann noch einmal in drei bis vier Unterkapitel unterteilt.

1. Einleitung

2. Soziale Arbeit als Profession

  • Soziologische Bestimmung des Professionsbegriffes mit: Professionskriterienansatz, Funktionalistischer Ansatz, Systemtheoretischer Ansatz, Machttheoretischer Ansatz, Interaktionistischer Ansatz, Krisentheoretischer Ansatz
  • Professionalisierung der Sozialen Arbeit mit: Das Verhältnis von Bürokratie und Profession, Unterschiedliche Positionen zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit
  • Abschließende Betrachtung zur Sozialen Arbeit als Profession

3. Die Professionsautonomie der Sozialen Arbeit

  • Der Begriff Professionsautonomie
  • Verschiedene Professionstypen und ihre Autonomie
  • Die Professionsautonomie der Sozialen Arbeit aus systemtheoretischer Sicht mit: Das Funktionssystem soziale Hilfe nach Dirk Baecker, Unterschiedliche theoretische Positionen zu einem Funktionssystem Sozialer Arbeit und dessen Autonomie
  • Abschließende Betrachtung zu Professionsautonomie der Sozialen Arbeit

4. Auswirkungen des Verständnisses von Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit auf ihre Praxis

  • Der Begriff Praxis
  • Professionsautonomie in der Praxis der Sozialen Arbeit am Beispiel der öffentlichen Jugendhilfe
  • Abschließende Betrachtung zur Professionsautonomie in der Praxis der Sozialen Arbeit

5. Resümee

In der Einleitung formuliert die Autorin ihren Ausgangspunkt, die Fragestellungen und Anliegen der Veröffentlichung.

Im ersten Kapitel „Soziale Arbeit als Profession“ möchte die Autorin klären, ob Soziale Arbeit den Status einer Profession erreicht hat. Dabei zeigt sie die Möglichkeiten und Grenzen einer Professionalisierung auf. Am Anfang steht hierfür eine soziologische Bestimmung des Professionsbegriffes als Mischung aus angloamerikanischen und deutschsprachigen Positionen. Diese von ihr beschriebenen und diskutierten Ansätze sind; der Professionskriterienansatz, der funktionalistische Ansatz, der systemtheoretische Ansatz, der machttheoretische Ansatz, der interaktionistische Ansatz und der krisentheoretische Ansatz. Im zweiten Teil des ersten Kapitels geht Anika Blau auf die Professionalisierung der Sozialen Arbeit ein. Bevor sie hier die zuvor diskutierten Ansätze wieder einbindet, klärt sie zunächst den Begriff der Professionalisierung und begibt sich auf einen Exkurs der Entwicklung der Professions- und Professionalisierungsdiskussion. Das Verhältnis von Bürokratie und Profession wird dabei als besonderer Fokus der Debatte betrachtet, bevor die Autorin unterschiedliche Positionen zur Professionalisierung aus den zuvor diskutierten Perspektiven der Ansätze betrachtet. Dabei verortet sie Soziale Arbeit als lebensweltorientierte Profession, als stellvertretende Deutung nach Oevermann und als 'bescheidene' Profession, bevor sie in einer abschließenden Betrachtung ihre Erkenntnisse zusammenfasst.

Im zweiten Kapitel geht es um die Klärung folgender Fragestellung; Inwieweit verfügt Soziale Arbeit über Professionsautonomie? Zu Beginn setzt sich die Autorin mit dem Begriff der Professionsautonomie auseinander bevor sie sich, unter Nutzung des Grid-Group-Modells, mit verschiedenen Professionstypen und ihrer Autonomie beschäftigt. Weil mit der Systemtheorie eine theoretische Umorientierung im Kontext professioneller Autonomie verbunden sei, widmet sich die Autorin im nächsten Abschnitt ihres Kapitels der Diskussion der Professionsautonomie der Sozialen Arbeit aus systemtheoretischer Sicht. Am Ende fasst sie wieder ihre gewonnenen Erkenntnisse zusammen.

Drittes Kapitel: Anliegen dieses Kapitels ist die Beantwortung folgender Fragestellung: Wie wirkt sich das Verständnis jener Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit auf ihre Praxis aus? Zur Diskussion dieser Fragestellung zieht die Autorin die empirische Studie von Dukek, 2016 heran, die sich mit dem Handlungsfeld der öffentlichen Jugendhilfe und insbesondere mit der Arbeit im Jugendamt befasst. Dukek hat hierin Entscheidungsprozesse und -kriterien in Jugendämtern, unter Berücksichtigung der jeweiligen Lösung des Spannungsverhältnisses von Bürokratie und Profession untersucht. Doch bevor die Autorin darauf ausführlich Bezug nimmt, klärt sie zunächst den Begriff; Praxis.

Im Resümee versucht die Autorin eine zusammenfassende Beantwortung ihrer Eingangsfragestellung: Inwieweit verfügt die Soziale Arbeit über Professionsautonomie und wie wirkt sich das Verständnis jener Professionsautonomie auf die Praxis aus? Zur Beantwortung zieht sie die Erkenntnisse jeweils für den ersten und den zweiten Teil der Frage heran, verweist dabei für die Beantwortung des ersten Teils auf den Diskurs, der sowohl von einem klaren 'Nein' ausgeht als auch von einem, durch Grenzen bestimmten 'Ja'. Für die Beantwortung der zweiten Teilfrage bezieht sich die Autorin zusammenfassend auf die Studie von Dukek.

Diskussion und Fazit

Die vorliegende Veröffentlichung der BA-Arbeit von Anika Blau liefert einen theoretischen Überblick über den aktuell geführten Diskurs zur Professionsautonomie. Die Beantwortung ihrer Fragestellung: Inwieweit verfügt die Soziale Arbeit über Professionsautonomie und wie wirkt sich das Verständnis jener Professionsautonomie auf die Praxis aus? wird auf hohem Niveau theoretisch und komplex diskutiert. Im Diskurs und auch von der Autorin wird bisher eher danach gefragt, ob es eine Professionsautonomie der Sozialen Arbeit gibt oder eher nicht. Wer eine Beantwortung dieser Frage benötigt und wozu ihre Beantwortung dienen bzw. mit welchem Interesse die Beantwortung verknüpft sein könnte, bleibt jedoch die Angelegenheit der geneigten Leser*in. So werden sehr kurz und knapp am Ende die Konsequenzen des Verständnisses von Professionsautonomie dargestellt, aber wenig hinterfragt, zumal sie sich auf die allgemeine Beschreibung eines kleinen Spielraumes von Sozialer Arbeit in der Praxis beziehen und die bereits bekannten Einschränkungen durch bürokratische Rationalitäten, politische Einflussnahme etc. beschränken. Viel spannender könnte hier jedoch die Frage sein, welche Auswirkungen es auf die Praxis von Sozialer Arbeit haben könnte, wenn ein professionelles Autonomieverständnis zum Selbstbild bzw. zum Leitbild einer selbstbewussten Profession gehören würde und wer hier eigentlich die Deutungsmacht hat, ihr Autonomie oder das Fehlen derselben zuzuschreiben.

Mit dieser Veröffentlichung liegt eine komplexe Übersicht zum theoretischen Diskurs zur Professionsautonomie der Sozialen Arbeit vor, die eine erste Orientierung zum Thema ermöglicht.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 28.06.2019 zu: Anika Blau: Professionsautonomie in der Sozialen Arbeit. Überlegungen zum Selbstverständnis der Profession und dessen Auswirkungen auf die Praxis. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. ISBN 978-3-8474-2180-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24612.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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