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Carola Frank, Margarete Jooß-Weinbach u.a. (Hrsg.): Der Weg zum Gegenstand (Jugendhilfeforschung)

Cover Carola Frank, Margarete Jooß-Weinbach, Steffen Loick Molina, Gabriel Schoyerer (Hrsg.): Der Weg zum Gegenstand in der Kinder- und Jugendhilfeforschung. Methodologische Herausforderungen für qualitative Zugänge. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. 268 Seiten. ISBN 978-3-7799-3978-8. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Die Forschungsgruppe des Projekts „Profile der Kindertagesbetreuung“ nimmt im vorliegenden Band unterschiedliche Forschungszugänge bezogen auf Kinder- und Jugendhilfe in den Blick. Klammer der unterschiedlichen Schwerpunkte und Beiträge ist das Verhältnis von Forschungsgegenstand und Methodologie. Dabei beziehen sich die Autor*innen auf fünf vorgegebene Fragestellungen: (1) welche methodologischen Perspektiven welche Gegenstände erzeugen, (2) welche Möglichkeiten und Begrenzungen daraus für den Forschungsgegenstand erwachsen, (3) welche methodologischen Herausforderungen sich bei dessen empirischer Analyse stellen, (4) wie der Gegenstand heuristisch erschlossen wird, (5) welcher Erkenntnisgewinn und welche Begrenzungen sich aus der jeweiligen Methodologie ergeben (S. 9).

Herausgeber*innen

Die Herausgeber*innen sind überwiegend als qualitativ-rekonstruktiv Forschende ausgewiesen.

Frank, Dr. Jooß-Weinbach und Loick Molina sind wissenschaftliche Referent*innen am Deutschen Jugendinstitut, Franks und Jooß-Weinbachs Forschungsschwerpunkte sind Kindheitsforschung, Frühpädagogik, Erziehung und Bildung in der Kindertagesbetreuung sowie Ethnografie, während Loick Molina neben diesen Schwerpunkten zu Soziologie des Körpers und der Kindheit, Gender-/Queertheorien mit praxis- und diskurstheoretischen Zugängen forscht.

Dr. Schoyerer ist Professor für Pädagogik, Fakultät für Soziale Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München und hat dieselben Schwerpunkte wie Frank und Jooß-Weinbach

Entstehungshintergrund

Die Forschungsgruppe „Profile der Kindertagesbetreuung“ hat diesen Band auf der Grundlage eines call for papers erstellt (S. 7). Die Gruppe verbindet ein besonderes Interesse mit den „Selbstvergewisserungen über gegenstandskonstituierende Prozesse in Forschungsprozessen“ S. 8) im Zusammenhang mit den jeweiligen methodologischen und methodischen Zugängen.

Inhalt

Das Buch ist in vier Teile mit jeweils drei Beiträgen gegliedert: Dabei geht es um Professionsforschung (Fischer, Frank et al.), Organisationsforschung (Dudek, Karcher et al.), Adressat*innenforschung (Dimbath, Ernst-Heidenreich), Didaktik (Flämig) und Disziplinforschung (Bischoff et al.) Bindeglied ist jeweils die Frage, wie das Verhältnis von Forschungsgegenstand und Methodologie bestimmt wird (S. 8).

  1. Visuelle Zugänge. Montagen als Foto-Collage und als Assemblage (Matthias Eutener/Nicole Kirchhoff, S. 16-39), Fotografien als Erzählstimuli, fotoelizitative Interviews (Oliver Dimbath/Michael Ernst-Heidenreich, S. 38-55), reflexive Fotografie (Stephanie Karcher, S. 56-79) sind durchaus als innovativ zu bezeichnende Methoden, mit denen der zunehmenden Bedeutung des Ikonischen Rechnung getragen werden kann und Forschungsgegenstände unmittelbarer als mit ausschließlich verbalen Verfahren exploriert werden können.
  2. Ethnografische und ethnomethodologische Zugänge. Eine praxistheoretisch angelegte Forschungsarbeit zu pädagogischen Angeboten in der Kindertageseinrichtung (Katja Flämig, S. 82-100), Professionalität in der Kindertagesbetreuung ethnografisch untersucht (Carola Frank et al., S. 101-123), eine ethnomethodologische Aktenanalyse (Daniela Molnar/Anna Renker, S. 124-144) sind in diesem Teil versammelt.
  3. Zugänge zum Verbal-Sprachlichen. Die hier subsummierten Beiträge befassen sich mit der Praxis Sozialer Arbeit in Jugendämtern (Christine Dudek, S. 146–166 ), mit Biografieforschung zur Rekonstruktion von Quereinstiegsmotivationen in die Kindertagesbetreuung (Nina Weimann-Sandig, S. 167-181) sowie einer alternativen Wissensheuristik im Bereich von Professionalisierungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe (Carina Fischer, S. 182-199).
  4. Perspektivierung von Forschung unterschiedlicher Zugänge. Im letzten Teil befassen sich die Autor*innen mit einem intersektionalen Forschungsverständnis im Zusammenhang mit dem Gegenstand Kindheit und Wohlergehen im Rahmen des Forschungsprojekts „Childrens Understanding of Well Being“, wobei die Perspektive der Kinder unter Berücksichtigung struktureller Ungleichheit (Christine Hunner-Kreisel, Stella März, S. 202-221) erfasst wird, ferner mit der partizipativen Forschungsmethode der Peer Research, um schließlich mit Jugendlichen zu forschen (Madeleine Sauer et al., S. 222-244) und mit der Rekonstruktion unterschiedlicher Evaluationsansätze im Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ (Ursula Bischoff et al. S. 245-265)

Ausgewählte Inhalte

Im Folgenden wird aus jedem Kapitel je ein Beitrag vorgestellt.

  • Kapitel 1: Visuelle Zugänge. Stephanie Karcher, Zugang zu pädagogischer Praxis durch dokumentarische Fotointerpretation pädagogischer Räume (S. 56-79):
    Kärcher bezieht sich in ihrem Beitrag auf die Studie „Erfahrungsraum Kindertagespflege“. Sie ist Teil des Forschungsprojekts „Profile der Kindertagesbetreuung (Proki)“ (S. 59). Die pädagogische Ausgestaltung der Praxis der Kindertagespflege wird aus Sicht der Tagespflegepersonen rekonstruiert. Fotografien von den Betreuungsräumen, die die Pflegeperson zur Verfügung stellt, werden in wissenssoziologischer Perspektive als Dokumente pädagogischer Orientierungen analysiert. Zunächst wird der state of the art hinsichtlich qualitativer Forschung im Bereich frühpädagogischer Praxis und die Aufgaben der Kindertagespflege beschrieben. Das Untersuchungsziel der Studie besteht in der Klärung, „wie die Begriffe Betreuung, Bildung und Erziehung von pädagogisch Handelnden (…) inhaltlich gefüllt und praktisch ausgestaltet werden.“ (ebda.) Erkenntnisleitend ist dabei die Forschungsfrage, inwiefern „Fotografien pädagogischer Räume Zugang zu den Orientierungen der Akteure pädagogischer Praxis und dem konjunktiven Erfahrungsraum der Kindertagespflege“ bieten (S. 60). Einblicke in den Prozess der theoretischen und methodologischen Verortung sowie der methodischen Anlage werden sodann gegeben. Zwei Analyseauszüge machen exemplarisch den Vorgang der reflektierenden Fotointerpretation nachvollziehbar. Mittels einer komparativen Analyse der Fotografien werden zwei Typen unterschiedlicher Beziehungsgestaltung ermittelt: eine symmetrische und eine asymmetrische (S. 73-74). Im Fazit werden erste Ergebnisse zu pädagogischen Orientierungen von Tagespflegepersonen benannt. Sie dokumentieren sich „in der materiellen Gestaltung und medialen Darstellung des Betreuungsangebots … aus der Perspektive der Akteurinnen“ (S. 77). Abschließend wird perspektivisch eine Triangulation als notwendig erachtet, um Leistungen und Begrenzungen der Kindertagespflege greifbarer werden zu lassen.
  • Kapitel 2: Ethnografische und ethnomethodologische Zugänge. Katja Flämig, Der Blick auf die soziale Seite pädagogischer Praxis. Erträge und Implikationen der praxistheoretischen Perspektivierung eines Forschungsgegenstandes in der Kindertageseinrichtung (S. 82-100):
    Flämig legt eine praxistheoretisch ausgerichtete Arbeit zu pädagogischen Angeboten vor und erörtert die Art der so gewonnenen Erkenntnisse und deren Reichweite. Methodisch wird nachvollziehbar gemacht, wie der Forschungsgegenstand entsteht. Mit Auszügen aus ethnografischen Beobachtungsprotokollen werden beispielhaft sowohl Erkenntnisgewinne als auch nichtintendierte Nebeneffekte verdeutlicht. „Angebote“ oder zweckfreies Lernen junger Kinder? Mit dieser Differenz wird die Fachdiskussion aufgeblättert. Sie wird praxistheoretisch in Abgrenzung zu handlungstheoretischen Ansätzen entschieden, indem nach „der situativen Ausformulierung, Herstellung und Aufrechterhaltung des ‚Angebotes‘ in der alltäglichen Praxis der Kita“ (S. 86) gefragt wird. Sozialtheoretisch formuliert, wird das „Angebot“ als von Logik und Funktionalität geprägt gesehen. Ausführungen dazu, wie es beobachtbar wird, schließen sich an (S. 87-89). Mit zwei Ausschnitten aus ethnografischen Beobachtungsprotokollen wird der Gegenstand praxistheoretisch „perspektiviert“, das theoretical sampling bei stetiger Auseinandersetzung mit sozialwissenschaftlichen Theorien veranschaulicht. Beschrieben werden Verfahrensweisen und Strukturmerkmale eines Angebots als bestimmbare Abfolge von Schritten. Konstitutive Prinzipien und Mechanismen werden angegeben, mit der ethnografischen Gesprächsanalyse wird eine formalisierende Betrachtungsweise erzeugt. Nicht Absichten und Zielvorstellungen oder die Bewertung einer Handlung, sondern deren Funktionalität, Ablauf- und Vollzugslogik, die Strukturierungsleistungen der Beteiligten stehen damit im Mittelpunkt (S. 89.94).
    Als Erkenntnisgewinn wird damit ein „neuartiger Blick“ (S. 94) auf das soziale Geschehen, auf die soziale Seite pädagogischer Handlungen, weg vom Subjekt hin zur Materialität ermöglicht. In den erziehungswissenschaftlichen Diskursen wird dies vermisst. Neben den Leistungen der Studie (S. 95) werden auch nichtintendierte Nebeneffekte und Begrenzungen erwähnt. Ist das „Angebot“ – wie in dieser Studie – auf Reproduzierbarkeit oder Dynamik hin angelegt? In Praxistheorien gibt es unterschiedliche Antworten darauf. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht trifft der hier dargelegte sozialwissenschaftliche Zugang nicht den Gegenstand als pädagogischen. Diese Grenze wird von Flämig auch als Stärke gesehen und richtet sich gegen die normative Überformung. Vielmehr ermögliche das praxistheoretische und methodische Instrumentarium die für empirische Untersuchungen nötige Distanz und Befremdung (S. 96)
  • Kapitel 3: Zugänge zum Verbal-Sprachlichen. Christine Dukek, Empirische Zugänge zu den Strukturen Sozialer Arbeit in Organisationen (S. 146-166):
    Mit dem Beitrag zur Organisationsforschung werden Entscheidungsprämissen in drei Jugendämtern rekonstruiert, geleitet von zwei Hypothesen: 1. Organisationsstrukturen sind abhängig von der Art und Größe der Organisation und ihrer personellen Ausstattung. 2. Unterschiede in der Hilfegewährung weisen auf unterschiedliche Entscheidungsmuster hin (S. 154). Vor dem Hintergrund der wissenssoziologischen Theorie sozialer Deutungsmuster wird die Organisationskultur systemtheoretisch nach Luhmann interpretiert und untersucht (S. 147). Die konstruktivistisch fundierte Systemtheorie eröffnet einen verstehenden Zugang zur sozialen Wirklichkeit der Organisation. Unter Rekurs auf Oevermann wird im Folgenden der Forschungsgegenstand organisationale und professionelle Deutungsmuster dargelegt (S. 149-152), die Forschungsfragen werden formuliert: Es geht 1. um die Entscheidungskriterien und -prozesse, die in Jugendämtern bei der Bearbeitung von Anträgen auf Hilfe zur Erziehung angewandt werden, und 2. wie die Entscheidungskriterien und -prozesse von den verschiedenen Mitarbeitenden im Arbeitsgebiet gedeutet und legitimiert werden (S. 153). Da der Untersuchung ein sozialkonstruktivistisches Verständnis zu Grunde liegt, wird davon ausgegangen, dass nur über die Analyse der Sprache Wissen und konstruierte Wirklichkeit erschlossen werden kann. Insofern kommen als Erhebungsmethode reine Interviewverfahren in Frage oder teilnehmende Beobachtung verbunden mit Interviewelementen. Auswertungsmethodisch wurde eine „hypthesentestende“ (S. 155) qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, kombiniert mit der Analyse sozialer Deutungsmuster. Letztere wurden komparativ identifiziert in Abgrenzung zur Objektiven Hermeneutik Oevermanns (S. 156). Abschließend werden Erkenntnisgewinn und ausgewählte Ergebnisse dargestellt. Zwei soziale Deutungsmuster der Klient*innen-Professionellen-Beziehung wurden erschlossen: das der „einseitigen Beeinflussung“ und das der „wechselseitigen Beeinflussung“ (159). Diese werden jeweils in ihrer kognitiven und normativen Struktur beschrieben. Als dominant erscheint das Deutungsmuster der „einseitigen Beeinflussung“. Erklärt wird dies u.a. damit, dass Jugendämter in die Institution der Bürokratie eingebettet sind, idealtypisch können so Bürger*innen vor Willkür geschützt werden (S. 161). Für das Deutungsmuster „wechselseitige Beeinflussung“ wird als möglicher Hintergrund Konzepte der Sozialen Arbeit, wie die soziale Einzelfallhilfe, gesehen.
    Im Resümee wird der besondere Beitrag qualitativer Sozialforschung zur Untersuchung organisationaler Strukturen markiert. Er besteht in ihrer ganzheitlichen Betrachtung, „die auch kulturelle, unentscheidbare Entscheidungsprämissen umfasst“ (S. 163). Die Theorie sozialer Deutungsmuster leiste einen wichtigen Beitrag zur Fachdiskussion „über das Verhältnis von Handlung und Struktur, Mikro und Makro, subjektiver Intentionalität und objektivem Sinngehalt“ (S. 164). Für die Organisationsforschung eröffneten sich damit neue Perspektiven.
  • Kapitel 4: Perspektivierung von Forschung unterschiedlicher Zugänge. Christine Hunner-Kreisel, Stella März, Wohlergehen als Gegenstand einer ungleichheitstheoretischen Kindheitsforschung. Methodologische Möglichkeiten einer praxeologisch-intersektionalen Mehrebenenanalyse (S. 202-221):
    Hunner-Kreisel/ März stellen in ihrem Beitrag dar, wie sich im Rahmen des Forschungsprojekts „Childrens Understanding of Well Being“ ihr spezifisches intersektionales Forschungsverständnis entwickelt hat. Sie beschreiben ein Teilforschungsprojekt an der Universität Vechta, mit dem die quantitative Wohlergehensforschung um eine qualitative Perspektive ergänzt werden soll. Wie wird Wohlergehen bestimmt? Der mit dieser Frage befasste state of the art wird ausführlich dargelegt. In Anknüpfung an eine poststrukuralistische Denktradition und in Anlehnung an Butlers Versuch, Foucalts Analytik der Macht mit einer Theorie der Psyche zu verbinden (S. 206), wird das sich mit einer qualitativen Untersuchung verbindende Interesse formuliert: „Wie Wohlergehen durch Kinder im Zusammenhang mit den lokalen Kontexten … je spezifisch konzeptionalisiert wird“ (210). Ihr spezifischer Ansatz der Intersektionalitätsforschung schließt einen praxeologischen Mehrebenenansatz zur empirischen Analyse von sozialer Ungleichheit ein. Soziale Ungleichheit blieb bisher in der Kindheitsforschung unberücksichtigt und soll hier nicht nur als subjektives Empfinden, sondern auf der Mikro-, Meso- und Makroebene untersucht werden, also „im Zusammenhang mit dem Positioniert-Sein der Akteur*innen im sozialen Raum“ (ebd.). Positionierungen beziehen sich auf die Kategorien Klasse, Rasse, Heteronormativität sowie Sexismus, und sie stehen in einem interdependenten Verhältnis zueinander (S. 211). Ungleichheitsverhältnisse können sich verstärken, abschwächen und verändern. Bodyismus, Adultismus werden als weitere relevante Macht- und Herrschaftsverhältnisse für eine intersektionale Analyse mit dem Gegenstand Kindheit verbunden.
    Die mit acht- bis zwölfjährigen Kindern erhobenen 25 qualitativen Interviews werden hinsichtlich Identitätskonstruktionen analysiert, Repräsentationen identifiziert und Bezüge zu den sozialen Strukturen und Strukturkategorien hergestellt sowie in ihrer Wechselwirkung aufgezeigt (S. 212). Methodisch nachvollziehbar werden zwei kontrastierende Subjektkonstruktionen herausgearbeitet: Das „Fernsehkind“ (ebd.) und das „Draußenkind“. Deutlich wird, dass von den Kindern dezidiert auf symbolische Repräsentationen und traditionelle Genderdiskurse zurückgegriffen wird. Die traditionelle Genderordnung wird damit aufrechterhalten (214). Deutlich wird auch, dass Strukturkategorien wie Klasse und Generation beteiligt sind und dazu beitragen, bestimmte Normen und Konventionen zu bedienen. Die Kinder entwickeln speifische „machtvolle“ (216) Strategien, um sich „zu den gegebenen sozialen Ordnungen und Verhältnissen zu verhalten, um der Welt als soziale Wesen gegenübertreten zu können“ (216).
    Als Fazit wird festgehalten, dass die intersektionale Mehrebenenanalyse das interdependente Wechselverhältnis zwischen den Strukturkategorien Geschlecht, Rasse, Klasse, Generation und Body untersuchen kann. Die Dichotomie zwischen rein objektiven und subjektiven Bewertungsmaßstäben wird damit aufgehoben. Symbolische Repräsentationen, gegebene Strukturen und das eigene Positioniert-Sein können das subjektive Wohlergehen sowohl befördern als auch beschränken.

Diskussion

Die Herausgeberinnen versammeln in diesem Band Beiträge mit methodologischen und gegenstandstheoretischen Reflexionen am Beispiel qualitativer Studien. Einen vergleichsweise elaborierten Anspruch verbinden sie damit: Nachvollziehbar soll gemacht werden, wie „unterschiedliche methodische Zugänge bzw. methodologische Verortungen auch je spezifische Gegenstände produzieren“ (S. 8). Es handelt sich um eine disziplinäre Selbstbeobachtung, um Reflexionen auf der Metaebene. danach gefragt, wie sich „jeweils gegenstandstheoretische Überlegungen und Methodologie bedingen“ (S. 9). Innovative Instrumentarien, insbesondere im Kapitel Visuelle Zugänge, werden dabei dargestellt und gut begründet. Kinder- und Jugendhilfeforschung, schwerpunktmäßig auf Kindertagespflege bezogen, wird komplex und in ihrer praktischen Bedeutung verdeutlicht.

Fazit

Das Buch kann wärmstens empfohlen werden. Es erscheint geradezu als ein Glücksfall von qualitative Forschung fundierender Reflexionen und kann für Master-Studierende, Promovend*innen und Lehrende der Sozialpädagogik/Sozialarbeit und verwandter Disziplinen anregend sein.


Rezensentin
Prof. Dr. Erika Steinert
Prof. i. R., Hochschule Zittau/Görlitz
Homepage www.erika-steinert.de
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Zitiervorschlag
Erika Steinert. Rezension vom 31.05.2019 zu: Carola Frank, Margarete Jooß-Weinbach, Steffen Loick Molina, Gabriel Schoyerer (Hrsg.): Der Weg zum Gegenstand in der Kinder- und Jugendhilfeforschung. Methodologische Herausforderungen für qualitative Zugänge. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3978-8.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24615.php, Datum des Zugriffs 23.07.2019.


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