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Irmela Wiemann, Birgit Lattschar: Schwierige Lebensthemen für Kinder

Cover Irmela Wiemann, Birgit Lattschar: Schwierige Lebensthemen für Kinder in leicht verständliche Worte fassen. Schreibwerkstatt Biografiearbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 268 Seiten. ISBN 978-3-7799-3731-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Anlass des Buches

Das Buch ist der Vertiefungsband zu dem Buch „Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte“ (https://www.socialnet.de/rezensionen/6251.php).

Autorinnen

Irmela Wiemann ist bekannt als Expertin im Pflegekinderwesen und hat dazu auch schon viele Bücher verfasst.

Birgit Lattschar ist Heilpädagogin, Diplom-Pädagogin und systemische Beraterin und Supervisorin. Sie ist tätig als Beraterin und Fortbildnerin, vor allem für Pflege- und Adoptiveltern so wie Fachkräfte der Jugendhilfe.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 7 Kapitel gegliedert, die wiederum mit vielen Unterkapiteln noch einmal gegliedert sind.

  • Kapitel 1 stellt die Einführung in das Buch da und hat Biografiearbeit zum zentralen Inhalt. Insbesondere geht es auch um das Dilemma, das Kinder in Fremdplatzierungen haben, nämlich die schwierige Balance zwischen den jetzigen Bindungspersonen und ihrer Herkunftsfamilie.
  • Kapitel 2 führt zum Thema hin unter der Überschrift „Wahrheit und Klarheit in der Biografiearbeit“ und geht insbesondere darauf an, was es bedeutet, wenn Kindern Informationen vorenthalten werden.
  • In Kapitel 3 wird besonders für das Schreiben als Medium plädiert und erläutert, wie begonnen werden kann und wie dieser Prozess Schreiben stattfinden kann.
  • Mit Kapitel 4 beginnt die eigentliche Schreibwerkstatt, die ein Plädoyer für ein Lebensbilderbuch ist, oder wie es das in England schon länger verbindlich für Kinder in Fremdplatzierungen gibt: ein Life-Story-book.
  • In Kapitel 5 werden die verschiedenen Ebenen und Aufgaben der im Raum von Fremdplatzierung tätigen Institutionen und Personen geklärt: Jugendamt, Pflegeeltern, Wohngruppe, Kinderheim etc.
  • Kapitel 6 greift die schwierigen Lebensthemen auf. Da geht es um Kinder, die aus den Familien herausgenommen wurden, es geht um Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, es geht um Verwandte und Geschwister, es geht um Regenbogenfamilien, es geht um Kinder, die durch Samen- oder Eizellenspende entstanden sind und es geht um Kinder, die aus aller Welt in Pflege kommen sind.
  • Die sehr speziellen und komplexen Lebensthemen werden in Kapitel 7 aufgegriffen. Dabei geht es um Traumata, es geht um Kinder, deren Eltern Täter geworden sind, es geht um Suizid, um Suchterkrankungen, es geht um Kinder, die durch sexuelle Gewalt entstanden sind, Gewalt und Misshandlung in der Herkunftsfamilie ist ein Thema, sogar Tötungsdelikte und Eltern in Haft werden hier aufgegriffen.

Diskussion

Das Buch ist in erster Linie wie ein Lehrbuch für Menschen, die sich entschieden haben, Pflegekinder bei sich aufzunehmen und vor allen Dingen keine pädagogisch-berufliche Bildung haben. Es verdeutlicht den Interessenten, wie groß das Spektrum im Pflegekinderwesen sein kann, aus welchen unterschiedlichen Herkunftsbezügen diese Kinder kommen können und welche großen biografischen Pakete sie trotz ihres meistens jungen Lebensalters schon mit sich tragen. In jedem Kapitel gibt es verschiedene Beispiele, die das Beschriebene noch einmal mehr veranschaulichen. Außerdem sind am Ende jeweils Literaturangaben aufgeführt, die einmal unterteilt sind nach Erwachsenen (Pflegeeltern) und Literatur für Pflegekinder. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Online-Materialien, auf die verwiesen wird.

Das Buch ist ein einfacher Sprache geschrieben, erklärt Fachbegriffe und ist für Menschen, die sich bisher noch nicht mit Kindern in Fremdplatzierung befasst haben, gut verständlich und nachvollziehbar. Aus Sicht des Rezensenten ist die Ambivalenz, die Kinder in Fremdplatzierungen mit sich herumtragen, zu wenig angesprochen und thematisiert. Natürlich wollen Kinder ihre Eltern, auch wenn die sich nicht um sie kümmern konnten/ wollten, als wertvolle Eltern sehen. Das ist auch der Ansatz des Buches, dass die Eltern sehr wertgeschätzt werden – unabhängig von ihrem Verhalten und ihren Handlungen. Dabei tragen die Kinder aber auch eine große Portion Wut mit sich herum. Wut auf ihre Eltern, die sich eben nicht gekümmert haben, die vieles versprochen und nicht eingehalten haben, die häufig auch Dinge in Aussicht stellen, die völlig unrealistisch sind. Diese Wut sind massive Frustrationen für die Kinder und spielen in der Fremdunterbringung häufig eine große Rolle. Da wäre es sicherlich auch hilfreich, wenn ein Kind seinen Eltern auch mal einen wütenden Brief schreiben darf. Was dem Buch gut getan hätte, wäre ein Stichwortverzeichnis. Die differenzierte Gliederung leitet schon gut durch das Buch, dennoch wäre ein Stichwortverzeichnis mit dem Aufzeigen verschiedener Fundstellen hilfreich.

Fazit

Ein Buch, das sich für angehende Pflegeeltern gut eignet und auch erfahrenen Pflegeeltern durchaus noch viele Hinweise und Materialien an die Hand gibt, um die Balance zwischen Herkunftsfamilie und jetzigem Lebensort besser zu gestalten.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 16.08.2019 zu: Irmela Wiemann, Birgit Lattschar: Schwierige Lebensthemen für Kinder in leicht verständliche Worte fassen. Schreibwerkstatt Biografiearbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3731-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24619.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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