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Alexander Lohmeier: Humor in der Beratung

Cover Alexander Lohmeier: Humor in der Beratung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. 174 Seiten. ISBN 978-3-7799-3873-6. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.

Reihe: Basiswissen Beratung.
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Thema

Der Autor beleuchtet die Bedeutung von Humor im Kontext von Beratung, insbesondere der Erziehungs- und Familienberatung.

Autor

Alexander Lohmeier ist promovierter Pädagoge und leitet die Erziehungsberatungsstellen im Landkreis Traunstein. Er ist Mitglied im Vorstand der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Entstehungskontext

Die Reihe „Basiswissen Beratung“ richtet sich an Fachkräfte der Erziehungs- und Familienberatung und angrenzender Arbeitsfelder sowie an Studierende der Human-, Sozial- und Erziehungswissenschaften.

Aufbau und Inhalt

Der Autor möchte dazu beitragen, dass Humor zu einem festen Bestandteil in der Beratung von Familien und Paaren wird. Humor fördere eine heitere Gemütsverfassung und Gelassenheit auch in schwierigen und komplexen Beratungsfällen. Humor könne dazu beitragen Klienten „aus ihrer Problemtrance“ (10) zu lösen. Neben der Vermittlung von Theorie werden vor allem unterschiedliche Methoden vorgestellt.

Im ersten Kapitel beschreibt er, was er unter Humor versteht und gibt einen Überblick zum gegenwärtigen Forschungsstand über die Wirkungen des Humors. Im zweiten Kapitel schildert er zunächst die kontroverse Geschichte um die Anwendung humoristischer Interventionen in Beratung und Psychotherapie, um sich dann im dritten Kapitel den räumlichen und anderen Kontextfaktoren zu widmen, die sich förderlich bzw. hinderlich auf die Atmosphäre in der Beratung auswirken können. Er möchte damit zeigen, wie ein Beratungssetting so gestaltet werden kann, „dass das Problem etwas zurücksteht und dafür Elemente der Ablenkung oder einer möglichen anderen Sichtweise in den Vordergrund treten“ (12).

Im vierten Kapitel setzt er sich mit unterschiedlichsten Humorarten und Humorstilen auseinander. Seine Ausgangsthese ist, dass Berater und Beraterinnen für sich herausfinden sollten, zu welchem Humortyp sie zählen und welcher Humorstil zu ihnen passt. Im fünften Kapitel geht er insbesondere auf das Konzept der provokativen Therapie nach Farelly (Farelly/ Brandsma, 2009) ein und thematisiert, welche Vorzüge und auch Herausforderungen mit diesem Beratungsstil verbunden sind. Hier stellt er insbesondere die Notwendigkeit wertschätzender Konfrontation heraus, um Klienten auf humorvolle Weise aus ihrer Problemtrance zu befreien.

Anschließend widmet er sich der Frage, welche Rolle Humor bei und mit Kindern hat bzw. haben kann. Das siebte Kapitel hat er den Skeptikern des Einsatzes von Humor gewidmet und thematisiert Grenzen von verschiedenster Humorinterventionen und fragt, wo bzw. in welchen Kontexten solche Interventionen nicht angebracht sind und den Beratungserfolg beeinträchtigen können. Zum Abschluss setzt er sich mit Bezug auf Omer, Alon und von Schlippe (2010) mit dem Konzept der „dämonischen Weltsicht“ auseinander, einer Haltung, die von Dualismen wie „Entweder-Oder“, „Gut oder Böse“, „Freund oder Feind“ geprägt ist. Damit ist eine auf Eindeutigkeit und klare Schuldzuschreibung ausgerichtete Haltung gemeint, die keine Zwischentöne kennt. Dieser Haltung stellt er eine mehrdeutigkeitsaffine „tragi(komi)sche Weltsicht“ gegenüber, die eher geeignet ist, sich auch mit unbeabsichtigten und negativen Nebenfolgen eigenen Handelns und guten Absichten auseinanderzusetzen. Im Kontext sozialer und psychologischer Konflikte geht es ihm immer auch um die Reflexion über den eigenen Anteil an diesem Geschehen.

Für den Autor ist Humor zwar keine Allzweckwaffe, aber er schütz doch vor „dämonischem Schwarz-Weiß-Denken“ und kann erheblich zur Psychohygiene und Abstandsgewinnung beitragen. „Wenn in der Beratung nicht alle Beteiligten lachen oder zumindest lächeln können“, sei man als Professioneller im „Land der Destruktion“ unterwegs (166 ff.).

Diskussion

Das Buch liefert einen guten Überblick einschlägiger Literatur zum Thema. Die theoretischen Teile beziehen sich eher auf die Anwendung von Witz, Komik und Humor in therapeutisch-beraterischen Kontexten. Hinweise auf unterschiedliche Humorkonzepte und Begriffe sowie die Grundlagenforschung zu den Wirkungen und Nebenwirkungen sind eher knapp gehalten. Für die geneigten Leser gibt es jedoch hinreichend Literurhinweise.

Der Autor bemüht sich immer wieder darum, zentrale Aussagen und Anwendungsbeispiele mit Witzen zu illustrieren und zu untermalen. Diese tragen hier und da durchaus zur Erheiterung des Lesers bzw. der Leserin und auch zum besseren Verständnis bei. Nach meinem Geschmack ist das an einigen Stellen etwas überdosiert und es wird nicht immer deutlich, warum gerade dieser Witz zum besseren Verständnis seiner vorhergehenden Aussage bedeutsam ist. Weniger wäre mehr gewesen.

Interessant und originell sind die Aussagen zu den fördernden bzw. hinderlichen Kontextbedingungen humorvoller Beratung. Ob man sich allerdings tatsächlich den zitierten und sehr verallgemeinernden Aussagen zur Farbenlehre anschließen sollte, oder ob eine gute Rauatmosphäre nicht doch noch von anderen und vor allem auch situativen Dingen, der konkreten Problematik oder individuellen oder soziokulturellen Präferenzen abhängen, mag dahingestellt sein.

Insgesamt tragen die offensichtlich positiven Erfahrungen des Autors dazu bei, dass das Buch verständlich geschrieben ist und den Leser bzw. die Leserin zum Ausprobieren und Weiterlesen an anderen Stellen einlädt. Insofern löst der Autor seine Ziele ein.

Leider ist das Buch hinsichtlich der Quellenangaben schlecht lektoriert. Hier und da fehlen Angaben ganz oder die Jahresdaten im Text stimmen nicht mit den Angaben im Literaturverzeichnis überein (z.B. Farelly/Brandsma 1974/2009, Dumbs 2008/2009, Rißland 2008 und auch zitierte Texte des Autors sind im Verzeichnis nicht aufgeführt). Da hätte wohl der Verlag sorgfältiger lektorieren sollen.

Fazit

Dieses Buch ist vor allem Studierenden und Praktikern zu empfehlen, die sich über die Rolle und Bedeutung von Humor in Beratungskontexten informieren und sich hierfür erste Anregungen holen möchten.

Literatur

  • Farelly, F., und Brandsma, J. M. (2009): Provokative Therapie. Heidelberg: Springer
  • Omer, H., Alon, N., und von Schlippe, A. (2010): Feindbilder – Psychologie der Dämonisierung. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht

Rezensent
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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Zitiervorschlag
Herbert Effinger. Rezension vom 11.02.2019 zu: Alexander Lohmeier: Humor in der Beratung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2018. ISBN 978-3-7799-3873-6. Reihe: Basiswissen Beratung.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24626.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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ISSN 2190-9245

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