Christa Büker, Julia Lademann et al.: Moderne Pflege heute
Rezensiert von Judith Bauer, 10.10.2018
Christa Büker, Julia Lademann, Klaus Müller: Moderne Pflege heute. Beruf und Profession zeitgemäß verstehen und leben. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2018. 189 Seiten. ISBN 978-3-17-032109-0. 29,00 EUR.
Thema
Im Jahr 2017 wurde mit dem Pflegeberuferformgesetz eine bundesgesetzliche Grundlage für eine primärqualifizierende hochschulische Pflegeausbildung geschaffen. Das Buch soll einen Teil einer Lehrbuchreihe für die hochschulische Erstausbildung im Pflegeberuf sein. Es widmet sich dem Berufsbild der Pflege als modernem Gesundheitsberuf. Den Autoren geht es vor allem um die Entwicklung einer wissenschaftsbasierten Pflegepraxis (S. 9). Zentrale Themen des Buches sind die Handlungsfelder und Aufgaben des heutigen Pflegeberufes, die historische Entwicklung und das Berufsverständnis der Pflege. Außerdem geht es um die Professionalisierung des Pflegeberufes und die damit verbundenen Kriterien, sowie die zukünftigen Entwicklungen der akademisierten Pflege. Zielgruppe des Buches sind in erster Linie Studierende primärqualifizierender Bachelorstudiengänge im Bereich Pflege (S. 9).
Jedes Kapitel ist didaktisch aufbereitet, es werden Praxisbeispiele, Wiederholungen, Abbildungen und Reflexionsaufgaben aufgeführt. Außerdem wird die Zielsetzung der einzelnen Kapitel am Anfang benannt.
Herausgeberinnen und Herausgeber
Das Buch wird von drei AutorInnen herausgegeben:
- Prof. Christa Büker ist Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin und hat verschiedene grundständige Bachelorstudiengänge in München und Bielefeld geleitet. Außerdem ist sie im Bereich Bildungsforschung in der Pflege und Versorgungsforschung tätig.
- Prof. Julia Lademann ist seit zehn Jahren Professorin für Pflegewissenschaft. Sie war in München und Frankfurt tätigt. Hier hatte sie jeweils die Leitung grundständiger Bachelorstudiengänge in der Pflege.
- Prof. Klaus Müller ist Krankenpfleger, Berufspädagoge und Gesundheitswissenschaftler und seit 2015 Professor in Frankfurt für das Lehrgebiet „Pädagogische Aufgaben in der Pflege“.
Aufbau und Inhalt
Nach Vorwort der Reihenherausgeberinnen, kann der der inhaltliche Aufbau des Buchs grob in sechs größere Kapitel gegliedert werden:
- Pflegeberuf heute
- Entwicklung des Pflegeberufes
- Berufsverständnis
- Professionalisierung
- Pflegeorganisationen
- Perspektiven der akademischen Pflege
Das Buch endet mit einem Register und einem Anhang. Für jedes Kapitel ist separat ein Fazit und ein Literaturverzeichnis angefügt. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.
In Kapitel eins, verfasst von Christa Büker, geht es um die Bedeutung und das Ansehen des Pflegeberufes in der Gesellschaft. Außerdem wird auf das breite Tätigkeitsfeld der Pflege in der heutigen Zeit eingegangen. Anschließend erfolgt eine Darstellung der gesellschaftlichen Einflüsse auf den Pflegeberuf. Hier wird beispielsweise die demografische Entwicklung thematisiert und aufgezeigt, welche Konsequenzen diese für die pflegerische Versorgung hat. Im Anschluss an die Erläuterung der gesellschaftlichen Einflüsse werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Pflegeberufe angesprochen. Im Fokus stehen die aktuellen gesetzlichen Änderungen im Pflegeberuferformgesetz.
Im zweiten Kapitel, verfasst von Julia Lademann, steht die Entwicklung des Pflegeberufes in Verbindung mit der historischen Pflegeforschung in Deutschland im Vordergrund. Hierbei werden die Hintergründe der pflegerischen Tätigkeiten in verschiedenen Zeitepochen skizziert, wobei der Fokus auf den Entwicklungen der letzten 100 Jahre liegt. Die Begründung hierfür ist, dass die Veränderungen vermutlich am stärksten in die heutige Zeit hineinwirken (S. 47). Außerdem wird die Entwicklung der Krankenpflege zur beruflichen Tätigkeit sowie der Fortgang der Akademisierung der Pflege in Deutschland und im Ausland angesprochen.
Das Kapitel drei, verfasst von Klaus Müller, fokussiert auf das Berufsverständnis der Pflege. Zunächst wird versucht Pflege zu definieren. Es werden diesbezüglich verschiedene Definitionen aufgeführt. Anschließend wird das Konzept des „Caring“ in Verbindung mit professionellem Handeln in der Pflege thematisiert. Zum Abschluss des Kapitels spricht Müller das Thema Berufsethik in der Pflege an. Hier wird definiert, was unter einer Berufsethik zu verstehen ist, warum dies in der Pflege wichtig ist und welche Bezüge zum Ethikkodex des International Council of Nurses (ICN) bestehen.
Im vierten Kapitel, verfasst von Julia Lademann, geht es um die Professionalisierung der Pflege. Zunächst wird beschrieben, warum eine Professionalisierung erforderlich ist und was darunter zu verstehen ist. Anschließend geht Lademann spezifisch auf die Professionalisierung der Pflege in Deutschland ein. Im letzten Teil des Kapitels wird die Pflege im Kontext anderer Gesundheitsberufe eingeordnet und aufgezeigt, wie eine interprofessionelle Zusammenarbeit gelingen kann.
Das anschließende fünfte Kapitel, verfasst von Christa Büker, befasst sich mit Pflegeorganisationen. Zunächst wird auf die internationalen Pflegeorganisationen eingegangen, bevor die deutschen Pflegeorganisationen erläutert werden. Umfangreich dargestellt und erklärt wird die Pflegekammer als berufliche Selbstverwaltung. Außerdem wird beschrieben, welche Pflegekammern in anderen Ländern bestehen und wie die Entwicklungen in Deutschland aussehen.
Im letzten Kapitel, dem Kapitel sechs, verfasst von Christa Büker, werden die Perspektiven der akademischen Pflege aufgezeigt. Zunächst wird die Entwicklung der Akademisierung der Pflege in Deutschland behandelt, danach wird die internationale Pflegeausbildung thematisiert. Abschließend werden die Einsatzfelder hochschulisch ausgebildeter Pflegender aufgeführt.
Diskussion
Das Buch „Moderne Pflege heute“ soll Teil einer Lehrbuchreihe zur hochschulischen Erstausbildung im Pflegeberuf sein. Es hat einen verständlichen Aufbau und ist in verständlicher Sprache geschrieben. Komplexe Inhalte werden in Kurzform dargestellt, sodass den Studierenden der Einstieg in das Thema Professionalisierung der Pflege erleichtert werden kann. Hilfreich sind die Praxisbeispiele, die immer wieder eine Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis ermöglichen. Durch die Beispiele werden die Studierenden darauf aufmerksam gemacht, warum es wichtig ist, sich mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Die Reflexionsaufgaben am Ende des Kapitels ermöglichen es den Studierenden das gelesene aufzuarbeiten und nachzuprüfen, ob der Text verstanden wurde. Für Lehrende ergibt sich die Möglichkeit die Reflexionsfragen im Rahmen des Unterrichtes zu nutzen.
Fazit
Das Buch „Moderne Pflege heute“ ist eine kurze Zusammenfassung verschiedener wichtiger Teilbereiche, die für das Berufsverständnis der Pflege unabdingbar sind. Das Buch spricht an durch seine Optik und die anschauliche Gliederung. Der verständliche und einfach gehaltene Sprachstil, sowie die didaktische Aufbereitung durch Praxisbeispiele, Beschreibungen der Zielsetzungen der Kapitel und Lernaufgaben, macht das Buch für Studierende, aber auch Praktiker interessant.
So können als Zielgruppe nicht nur Studierende der Pflege gesehen werden, sondern beispielsweise auch Teilnehmer an Weiterbildungskursen, wie beispielsweise Praxisanleitung oder Stationsleitung. Diese Zielgruppe ist häufiger mit Pflegestudierenden konfrontiert, welche angeleitet werden müssen. Außerdem muss diese Gruppe im Rahmen ihrer Weiterbildung sich mit Themen, wie Professionalisierung und Akademisierung des Pflegeberufes auseinandersetzen. Eine starke Identifikation dieser Zielgruppe mit der Praxis macht den Bezug zur Pflegewissenschaft hier eher schwierig. Pflegewissenschaftliche Unterrichtsinhalte werden hier meist als praxisfern erlebt. Dieses Buch bietet eine Möglichkeit dies zu überwinden.
Mit dem Buch werden außerdem Lehrende an Berufsfachschulen im Bereich Krankenpflege, Altenpflege oder auch an Hochschulen adressiert. Mit Hilfe der Reflexionsfragen können Unterrichtsinhalte aufgearbeitet werden und anhand der Praxisbeispiele ein Bezug zur Praxis hergestellt werden.
Rezension von
Judith Bauer
MsCN.
Pflegewissenschaftliche Fakultät
Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar
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