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Beate Land: Das deutsche Gesundheitssystem - Struktur und Finanzierung

Cover Beate Land: Das deutsche Gesundheitssystem - Struktur und Finanzierung. Wissen für Pflege- und Therapieberufe. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 264 Seiten. ISBN 978-3-17-030899-2. D: 29,00 EUR, A: 24,70 EUR.

Reihe: Aus- und Weiterbildung.
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Autor

Prof. Dr. med. Beate Land ist als Ärztin und als Leiterin des Studienganges Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften für Pflegeberufe an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim tätig.

Thema und Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses Werkes umfasst in erster Linie Berufsgruppen im Gesundheitswesen, insbesondere Pflege- und Therapieberufe. Des Weiteren eignet es sich auch für Studierende und Dozenten der Studiengänge Pflege- und Gesundheitswissenschaften oder Management im Gesundheitsmarkt.

Aufbau

Das Lehrbuch ist in diese elf Kapitel unterteilt:

  1. Historie des deutschen Gesundheitswesens
  2. Soziale Sicherung im Krankheits- und Pflegefall
  3. Gesundheitspolitische Entscheidungsträger
  4. Ambulante Versorgung
  5. Stationäre Versorgung
  6. Rehabilitation
  7. Pflege- und Altenpflege
  8. Weitere Leistungserbringer im Gesundheitswesen
  9. Arzneimittel und Medizinprodukte
  10. Intersektorale Versorgung
  11. Zukünftige Entwicklungen

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Das Lehrbuch startet mit einer Übersicht über die Historie und Kernelemente des deutschen Gesundheitswesens. Im Anschluss wird ein Überblick über die soziale Sicherung im Krankheits- und Pflegefall bezüglich der rechtlichen Verankerung in den Sozialgesetzbüchern und den Kostenträgern gegeben. Ebenso wird in diesem Kontext zwischen einer privaten und gesetzlichen Krankenversicherung differenziert.

Danach werden die Entscheidungsträger der Bundesoberbehörden und der Bundesländer vorgestellt. In Bezug auf die ambulante und stationäre Versorgung, zugleich für die Rehabilitation und (Alten-)Pflege, werden unter anderem Informationen zu den jeweiligen Kernelementen, Qualitätsanforderungen und zur gesetzlichen Verankerung geliefert.

Als Nächstes folgt ein Exkurs zu weiteren Leistungserbringern, bevor auf die Entwicklung und Verordnung von Arzneimitteln und der Risikoklassifizierung von Medizinprodukten eingegangen wird. Das vorletzte Kapitel widmet sich der intersektoralen Versorgung mit Schwerpunkt auf Case- und Care-Management, Disease-Management-Programmen, integrierte Versorgung und Managed Care.

Das letzte Kapitel befasst sich mit zukünftigen Entwicklungen, unter anderen in Hinblick auf demographische Veränderungen und technische und pharmazeutische Entwicklungen.

Inhalt

Das erste Kapitel beginnt mit der historischen Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens, inklusive der Notwendigkeit, Arten und Kernelementen eines Gesundheitssystems, und berücksichtigt dabei weiterhin nationale und internationale Gesundheitsziele. Dabei wird ersichtlich, dass die Bismarkschen Sozialgesetze die noch heute gültigen Prinzipien, z.B. der Pflichtversicherung, des Kontrahierungszwanges oder des Solidaritätsprinzips, beinhalten.

Nachfolgendes zweites Kapitel befasst sich mit der sozialen Sicherung mit Fokus auf das Sozialgesetzbuch (SGB) 5 für die gesetzliche Krankenversicherung, SGB 7 für die Unfallversicherung, SGB 9 für die Rehabilitation und SGB 11 für die Pflegeversicherung. Im nächsten Schritt werden die einzelnen Prinzipien, die in Kapitel 1 bereits genannt wurden, ausführlich erklärt.

Anschließend werden im dritten Kapitel die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger dargestellt, die in Bundesoberbehörden und Institutionen der Bundesländer unterteilt werden. Das Bundesministerium für Gesundheit ist der höchste Entscheidungsträger mit den zentralen Aufgaben der Gesundheitsvorsorge und Prävention. Daneben werden die Schwerpunkte der einzelnen Behörden und dessen Aufgaben aufgelistet. So ist beispielsweise das Paul-Ehrlich-Institut für die Bewertung, Zulassung und staatliche Chargenfreigabe von biologischen Arzneimitteln zuständig.

Kapitel 4 konzentriert sich auf die ambulante Versorgung mit deren Organisation, Vergütung und Qualitätsanforderungen. Ein weiterer Bestandteil dieses Kapitels liegt in dem Rettungsdienst, der ambulanten psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung und der Unterscheidung zwischen Heil- und Hilfsmittel hinsichtlich der Abrechnung und Verordnung. Die Vergütung ist in diesem Sektor durch kassenärztliche Leistungen, Regelleistungsvolumina, privatärztliche Leistungen und individuelle Gesundheitsleistungen abgedeckt.

Im darauffolgenden Kapitel 5 wechselt die Perspektive auf die stationäre Versorgung. Deren Struktur wird anhand von Krankenhausarten, Trägerschaften, der Krankenhausplanung und Qualitätsanforderungen mit internem und externem Qualitätsmanagement näher erläutert. Außerdem wird bei der Finanzierung das DRG-System definiert, inklusive der historischen Entwicklung, den Kernelementen und Kodierrichtlinien. Weitere Bestandteile der Finanzierung sind das PEPP-System im psychiatrischen Bereich, der Pflegekomplexmaßnahmen-Score im pflegerischen Bereich, Sonder- und Zusatzentgelte und neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Die Rehabilitation bildet den Schwerpunkt des sechsten Kapitels. In Anlehnung an die vorherigen Kapitel werden auch hier die gesetzlichen Grundlagen, Kostenträger und Qualitätsanforderungen erläutert. Zudem findet nicht nur eine Differenzierung zwischen ambulanten und stationären Rehabilitationsmaßnahmen, sondern auch eine Erklärung der Klassifikation therapeutischer Leistungen statt.

Das siebte Kapitel widmet sich der (Alten-)Pflege, wobei zunächst der Begriff der Pflegebedürftigkeit geklärt wird. Danach werden die Behandlungs- und Grundpflege und die Möglichkeiten einer ambulanten, stationären und teilstationären Pflege behandelt. In Abhängigkeit zur Pflegebedürftigkeit werden weiterhin verschiedene Wohnformen vorgestellt, wie beispielsweise das Betreute Wohnen, das Mehrgenerationenhaus oder das Demenzdorf. Qualitätsanforderungen lassen sich durch Qualitätsindikatoren, Expertenstandards und Qualitätsprüfungen durchsetzen.

Weitere Leistungserbringer im Gesundheitswesen stellen den Schwerpunkt des achten Kapitels dar. So werden zunächst Gesundheitsfachberufe, wie die akademischen Heilberufe, vorgestellt, bevor unter anderem Gesundheitsberufe, wie Heilpraktiker, Gesundheitshandwerke, wie Augenoptiker, sowie Selbsthilfegruppe beschrieben werden.

Im neunten Kapitel wird der Fokus auf Arzneimittel und Medizinprodukte gelegt. So können Arzneimittel in frei erhältliche OTC-Präparate, Originalpräparate und Rx-Präparate unterteilt werden. Generell durchlaufen Arzneimittel zunächst vorklinische Testverfahren und klinische Testverfahren, bevor die Marktzulassung stattfinden kann. Die Sicherheit wird durch die Ethikkommission, das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte und Anwendungsbeobachtungen gewährleistet. Auch bei den Medizinprodukten gelten verschiedene Zulassungsvoraussetzungen, diese werden jedoch nach Risikoklassifizierung unterschieden.

Das vorletzte zehnte Kapitel beschäftigt sich mit der Notwendigkeit bzw. Dringlichkeit einer intersektoralen Versorgung, deren Qualität bspw. durch Leitlinien gesichert wird und die verschiedene Ausprägungen annehmen kann. Das CaseManagement bezieht sich jeweils nur auf einen Fall, wohingegen das CareManagement alle Fälle auf Systemebenede betrachtet. Managed Care beschreibt eine gelenkte Gesundheitsversorgung, in der Leistungserbringung und Finanzierung sektorenübergreifend nur durch eine Stelle stattfinden. DiseaseManagement-Programme konzentrieren sich auf einzelne Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 1 und 2, und auch die integrierte Versorgung lässt sich der intersektoralen Versorgung zuordnen.

Kapitel 11 schließt mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen ab, die das deutsche Gesundheitssystem verändern werden. So lassen sich demographische Veränderungen in einer zunehmenden Lebenserwartung und sinkenden Geburtenzahl feststellen. Technische und pharmazeutische Entwicklungen finden sich in schonenderen Therapiemöglichkeiten oder einem bewussten Umgang mit Big Data wieder. Das veränderte Gesundheits- und Anspruchsverhalten erfordert neue Entwicklungen, wie Assistenzsysteme, die die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit im höheren Alter selbst Zuhause ermöglichen. Gerade in Bezug auf den Pflegebereich wird auch die Akademisierung von einigen Gesundheitsberufen noch eine wichtige Rolle spielen.

Diskussion

Die Struktur und Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems ist relativ komplex und wird durch verschiedenste Akteure gelenkt und beeinflusst, sodass es selbst für Beschäftigte in diesem Bereich sehr schwer ist, sich darin zurechtzufinden. Durch einen übersichtlichen Aufbau sowie konkreter Fallbeispiele, gelingt es Beate Land, Wissen über die einzelnen Sektoren, Rahmenbedingungen und Akteure des deutschen Gesundheitssystems und -wesens verständlich zu vermitteln.

Fazit

Das Lehrbuch bietet somit eine vertiefte Auseinandersetzung zu allen Bereichen des deutschen Gesundheitssystems. Fallbeispiele erleichtern das Verständnis und bieten eine gute Einleitung in das jeweilige Thema. Zusätzlich eignen sich die Fragen zur Prüfungsvorbereitung um die Kernelemente jedes Kapitels aufzugreifen und Links zur Recherche um sich darüber hinaus Wissen anzueignen. Auch durch zahlreiche Abbildungen und genutzten Piktogramme wird eine Übersichtlichkeit erzielt, da diese auf einem Blick u.a. Hinweise auf Gesetzestexte, Definitionen oder Fallbeispiele bieten. Infolgedessen ist der Preis dieses Buches mit EUR 29 mehr als angemessen.


Rezensentin
Alisa Hemberger
Studentin
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger. Rezension vom 18.08.2018 zu: Beate Land: Das deutsche Gesundheitssystem - Struktur und Finanzierung. Wissen für Pflege- und Therapieberufe. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-030899-2. Reihe: Aus- und Weiterbildung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24633.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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