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Liselotte Staub: Trennung mit Kindern – was nun?

Cover Liselotte Staub: Trennung mit Kindern – was nun? Ratgeber für betroffene Eltern. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. 176 Seiten. ISBN 978-3-456-85877-7. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Die Autorin möchte in ihrem Ratgeber aufzeigen, was Eltern bei einer Trennung in Bezug auf ihre Kinder beachten sollen, damit diese gut bewältigt werden kann.

Autorin

Liselotte Staub ist Psychologin und Psychotherapeutin und auf Familienrechtspsychologie spezialisiert.

Aufbau

Dieser Ratgeber gliedert sich in drei große Teile:

  1. Der erste Teil widmet sich der Trennung und den Folgen für Eltern und Kinder.
  2. Teil 2 setzt sich praktisch damit auseinander, was Eltern für ihre Kinder tun können.
  3. Der dritte Teil stellt die Betreuungsmöglichkeiten nach einer Trennung in den Vordergrund und erklärt rechtliche Begriffe und Konzepte (Deutsches Recht).

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zu Teil 1

Im ersten Kapitel von Teil 1 geht es um die Auseinandersetzung mit der Situation der Eltern, die sich trennen. Die Veränderungen, die damit einhergehen, haben Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Die größte Anforderung, die an die Eltern gestellt wird, ist die Trennung der Paarebene von der Elternebene. Damit dies gelingen kann, ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und der neuen Lebenssituation unerlässlich.

Im zweiten Kapitel von Teil 1 stehen die Kinder im Mittelpunkt. Beschrieben werden altersspezifische Reaktionen der Kinder auf die Trennung, Loyalitäts- und Ambivalenzprobleme, in denen sich die Kinder befinden und die schädlichen Auswirkungen von anhaltenden Elternkonflikten. Anhand von Fallbeispielen erhalten die Eltern einerseits fachliche Erklärungen andererseits Tipps, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen können.

Zu Teil 2

Im praktischen Teil (Teil 2) bekommen Eltern ganz konkrete Anleitungen und Ratschläge, wie den Kindern die Anpassung an die neuen Lebensumstände gelingt. So werden die 4 wissenschaftlich belegten Strategien zum Schutz des Kindes vor negativen Auswirkungen der Trennung beschrieben:

  1. Beziehungspflege: Dazu zählen sich Zeit zu nehmen für das Kind, dem Kind positive Anerkennung geben, aktiv zuhören und die Nöte des Kindes anerkennen.
  2. Kinder aus der Kampfzone heraushalten, d.h. das Kind vor den Elternkonflikten zu schützen. Tipps, wie die Kommunikation zwischen den Eltern sich positiv gestaltet werden kann, wird anhand von Alltagsbeispielen beschrieben. Es wird erklärt, wie Kinder immer versuchen, es beiden Elternteilen recht zu machen, wie schwer es für ein Kind ist, über den anderen Elternteil ausgefragt oder als Botschafter missbraucht zu werden. Belastend ist es auch, wenn ein Elternteil immer schlecht gemacht wird.
  3. Den Kontakt zu beiden Elternteilen unterstützen: Ein Kind hat ein Recht auf Kontakt zu beiden Elternteilen, auch wenn die Kontakte zum nicht mehr im gemeinsamen Haushalt manchmal Anlass für Konflikte und Auseinandersetzungen sind (zB. wenn es neue Partner*innen gibt, die Elternteile unzuverlässig sind, Kinder die Kontakte verweigern, …). Diese speziellen Situationen werden beleuchtet und es werden Lösungsmöglichkeiten in Abhängigkeit vom Alter des Kindes angeboten.
  4. Wirkungsvoll disziplinieren: In diesem Kapitel geht es um Erziehungsstile sowie um Konsequenzen, wenn Kinder den Erwartungen ihrer Eltern nicht nachkommen.

Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit konkreten Fragestellungen, die im Zuge der Trennung auftauchen können. Die Autorin setzt sich u.a. mit folgenden Themen auseinander: Umgang mit dem Wunsch der Kinder, dass die Eltern wieder zusammenkommen; Ablehnung einer neuen Partnerschaft und damit verbunden auch Druck, der von einem Kind ausgehen kann oder auch Ablehnung eines Elternteils durch das Kind.

Zu Teil 3

Im Teil 3 werden zunächst Rechtsbegriffe erklärt und im Anschluss unterschiedliche Betreuungsmodelle – je nach Alter beschrieben. Die Autorin empfiehlt Umgangskontakte bzw. rät bei bestimmten Konstellationen auch davon ab. Ausschlaggebend ist das Erinnerungsvermögen des Kindes bzw. das Konfliktniveau zwischen den Eltern, welches die emotionale Sicherheit des Kindes gefährden kann.

Entscheidungskriterien auf Eltern- und auf Kinderseite, die für bzw. gegen das Wechselmodell sprechen, werden im nächsten Kapitel ausführlich dargestellt. Auf Elternseite sind dies Erziehungsfähigkeit der Eltern, Bindungstoleranz, Aufrechterhaltung der stabilen Verhältnisse für das Kind, persönliche Betreuung des Kindes durch die Eltern, geografische Nähe sowie Elternkooperation und Elternkonflikt. Auf der Kinderseite sind es das Alter der Kinder, das Geschlecht und Geschwisterbeziehungen, die als Kriterien für die Entscheidung herangezogen werden sollen.

Der Anhang des Buches wendet sich an die Kinder – es werden ihnen Antworten auf Fragen, die sie sich stellen, wenn Eltern sich trennen und Ratschläge für schwierige Situationen gegeben.

Diskussion

Dieses Buch wendet sich in erster Linie an getrennte Eltern, kann aber auch für andere Bezugspersonen der betroffenen Kinder hilfreich sein. Es ist ein Ratgeber, der in den Mittelpunkt stellt, was Kinder brauchen, damit sie die Trennung der Eltern gut bewältigen können.

Von anderen „Trennungsratgebern“ unterscheidet sich dieses Buch, weil es zunächst auf die Situation der Eltern eingeht, für die die Trennung ebenso eine herausfordernde Situation darstellt und mit unterschiedlichen Gefühlen einhergeht. Die ganz große Aufgabe der Eltern in dieser Lebenssituation stellt die Auflösung der Paarebene dar. Im Gegensatz dazu bleibt die Elternebene ein Leben lang aufrecht und auf dieser Ebene soll die Zusammenarbeit im Sinne des Kindes gelingen – eine der wesentlichsten und wichtigsten Voraussetzung, damit die Anpassung an der veränderte Familiensituation gut gelingt.

Im Kapitel Betreuungsanteile wird sehr stark die Mutter-Kind-Bindung als Basis für Kontaktregelungen in den Mittelpunkt gerückt. Hier wird zu wenig berücksichtigt, dass ein gleichwertiger Kontakt zu beiden Eltern für ein Kind von großer Bedeutung ist. Zudem müssen Kontaktregelungen regelmäßig überprüft werden, da sich die Bedürfnisse der Kinder im Laufe der Zeit verändern und die Kontakte dementsprechend angepasst werden sollen.

Versinnbildlicht, verdeutlicht und auf die praktische Ebene heruntergebrochen werden die einzelnen Themen mittels Fallbeispielen, Comicfiguren in Formen von Puzzleteilen und Anregungen für den konkreten Umgang mit den Kindern. Manchmal könnten sich die Eltern in der Rolle als Schüler*in fühlen, wenn die Autorin Merksätze postuliert.

Fazit

Der Ratgeber kann Eltern ein guter Begleiter im Zuge ihrer Trennung sein, da er auch die Bedürfnisse und Nöte, mit denen Eltern in dieser Zeit konfrontiert sind, wahrnimmt und auf diese eingeht. Die Beschreibung der Situation der Kinder und die Anpassungsleistungen, die von ihnen gefordert werden, zeigen gut auf, welch große Veränderung eine Trennung im Leben der Kinder darstellt.

Sehr hilfreich sind die Anregungen für eine wertschätzende Kommunikation und für den Umgang mit eigenen Emotionen. Hier werden Eltern einerseits Informationen gegeben andererseits wird auch eine Haltung vermittelt, die im Kontakt mit jedem Kind Basis sein sollte – nämlich ihm auf Augenhöhe gegenüber zu treten.


Rezensentin
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Geschäftsführerin RAINBOWS-Österreich
Homepage www.rainbows.at
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Zitiervorschlag
Dagmar Bojdunyk-Rack. Rezension vom 07.01.2019 zu: Liselotte Staub: Trennung mit Kindern – was nun? Ratgeber für betroffene Eltern. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-456-85877-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24729.php, Datum des Zugriffs 26.06.2019.


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ISSN 2190-9245

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