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Anne Kühne: Theoretische Reflexionen zur professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten

Cover Anne Kühne: Theoretische Reflexionen zur professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten. Edition Pro Mente (Linz) 2018. 97 Seiten. ISBN 978-3-902724-60-1. D: 20,90 EUR, A: 20,90 EUR.

Reihe: Schriften zur sozialen Arbeit - Band 41.
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Thema

Flucht dominiert spätestens seit 2015 den öffentlichen Diskurs wie kein anderes Thema. Dies und wohl auch der tatsächliche verstärkte Zuzug von Geflüchteten hat dazu geführt, dass die Zahl der Publikationen seitens der Disziplin Sozialer Arbeit zu diesem Themenkomplex zugenommen hat. Das ist eine erfreuliche und notwendige Entwicklung, bedenkt man, dass Flucht ein globales Problem ist, das unmittelbar auf die Begrenzung nationaler Steuerungsmöglichkeiten hinweist und dennoch zunehmend mit nationalistischem Reaktionismus politisch gelöst werden soll. Ferner deutet sich an, dass der Diskurs auch in Zukunft, unabhängig davon, wie hoch die Zahl der Geflüchteten, die Deutschland und Europa erreichen, tatsächlich ist, nicht auskommen wird, ohne, dass Flucht eine prägende Stellung einnimmt. Letztlich wird es langfristig auch Aufgabe Sozialer Arbeit sein, die Prozesse mitzugestalten, die sich seit 2015 verstärkt ergaben und deren zukünftiger Verlauf noch abzuwarten bleibt; langfristig geht es um die nachhaltige Inklusion der Menschen, die de facto – wenn auch nicht immer de jure – ein Teil dieser Gesellschaft sind. Auch wenn die Zahl der Publikationen hierzu gestiegen ist, kann doch konstatiert werden, dass die Disziplin Sozialer Arbeit hier noch in ihren Anfängen steckt, da die dauerhafte politische Brisanz und vor allem die vieldeutige Figuration des Handlungsfeldes – bestehend aus der Einbindung in nationale, inter- und supranationale Zusammenhänge sowie die professionellen Selbstansprüche – ein besonderes Gefüge darstellt, das sich von anderen (eher) national verorteten Handlungsfeldern Sozialer Arbeit unterscheidet.

Diese Gemengelage mit dem Thema der professionellen Haltung zu verbinden erscheint dabei aus zwei Gründen als interessanter Ansatz: erstens stellt die professionelle Haltung ein Fundament für professionelles Handeln dar, von dem aus methodisches Handeln und eine kritische Selbstverortung bzw. die Schlussfolgerungen, die sich daraus ergeben, in den konkreten Machtkonstellationen, die das professionelle Handeln determinieren, ausgehen; zweitens erscheint der Begriff der professionellen Haltung immer wieder im Diskurs (sowohl in Praxis als auch in Wissenschaft), ohne, dass dieser dabei hinreichend geklärt wäre.

Autorin

Anne Kühne studierte Internationale Entwicklung und studiert oder studierte ein Masterstudium der Sozialen Arbeit. In Wien arbeitet sie als Sozialarbeiterin.

Entstehungshintergrund

Eine Nachfrage zum Entstehungshintergrund und zum aktuellen akademischen Status der Autorin ließ der Verlag unbeantwortet. Aufgrund des Umfangs, des Aufbaus und der Diktion kann aber vermutet werden, dass es sich hier um eine Master-Thesis handelt.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeit gliedert sich, laut Inhaltsverzeichnis, in fünf Kapitel (wobei die Einleitung in dieser Nummerik nicht erfasst ist). Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

In der Einleitung (5–16) widmet sich Kühne, wie dies üblich ist, der gesellschaftlichen Aktualität des Themas, der Formulierung und Begründung ihres Erkenntnisinteresses sowie dem darüber hinausgehenden Anliegen, das sie mit der Vorlage dieser Arbeit verfolgt. Sie geht davon aus, dass „Soziale Arbeit als ‚helfender‘ Beruf und ‚humane Seite des Staates‘ … sich im Widerspruch zu ihrer Beteiligung am europäischen Grenzregime und [dem] nationalstaatlichen Asylsystem“ (6) befindet, was durch den Selbstanspruch Menschenrechtsprofession zu sein, dramatisiert wird (vgl. 7). Problematisiert wird, dass das Handlungsfeld Gefahr läuft sich zu entprofessionalisieren, wenn es aufgrund steigender Bedarfe gezwungen ist zu expandieren, ohne, dass genügend Ressourcen zur Verfügung stehen (vgl. ebd.). Soziale Arbeit ist damit Akteur in einem vieldeutigen Konfliktfeld und transformiert Diskurse in Praxis, was sie zur Selbstkritik und Reflexion zwingt.

Daher fragt Kühne sich: „Wo liegen Potenziale, aber auch Grenzen der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten in Hinblick auf das normative Selbstverständnis der Profession, […] wie definiert sich eine professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit? Und vor allem, was bedeutet das Leitprinzip für die Soziale Arbeit mit Geflüchteten vor dem Hintergrund einer kontroversen Situiertheit Sozialer Arbeit und im Besonderen dieses Handlungsfeldes zwischen Nationalstaat und Menschenrechtsprofession“ (8)?

Auch sind in der Einleitung die methodische Herangehensweise, der Forschungsstand und Anmerkungen zu Begriffsverwendung (Flüchtling oder Geflüchtete/r?) und Referenzrahmen, dem europäischen Grenzregime und dem nationalen (deutschen und österreichischen) Asylsystem, enthalten. Zunächst geht Kühne davon aus, professionelle Haltung lasse sich theoretisch nur sinnvoll nutzen, wenn sie individuell, organisatorisch und sozialstrukturell diskutiert wird. Von dieser Setzung ausgehend, bestimmt sie die „Diskursanalyse und die Postkolonialen Theorien zur Notwendigkeit [für eine theoretische Reflexion der professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten]. Folglich stellen sie für die vorliegende Arbeit die grundlegende theoretische ‚Brille‘ dar“ (11).

Die Arbeit ist damit explizit kritisch angelegt und folgt dem Anspruch „gesellschaftsstrukturierende Momente auf diskursiver und praktischer Ebene zu betrachten. Gleichzeitig soll die Arbeit anhand des Fokus der professionellen Haltung auf der Subjektebene ansetzten und die (Re-)Produktion von Rassismen und konstruierter ‚Andersheit‘ im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit thematisieren und problematisieren“, worin ein „Beitrag zur Wissensproduktion und folglich zu einer Professionalisierung der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten“ gesehen wird (14).

Das ersten Kapitel (17–22) ist den (normativen) Grundsätzen Sozialer Arbeit gewidmet. Kühne geht von der IFSW-Definition aus dem Jahr 2005 aus, aus der sie die normativen Kategorien der sozialen Gerechtigkeit und der prinzipiellen Orientierung an und die Realisierung der Menschenrechte extrahiert. Im Wesentlichen folgt sie dabei der Argumentation Staub-Bernasconis (u.a. 2007), wonach die Soziale Arbeit sich selbst als Menschenrechtsprofession mandatiert, das doppelte Mandat erweitert, sich also von der Politik emanzipiert, um autonom(er) auf diese im Interesse der Adressat*innen Einfluss zu nehmen. Sodann bestimmt sie, es brauche eine professionelle Haltung als Voraussetzung, um diesen Anspruch in die konkrete Praxis zu transportieren. Kühne definiert: „Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion sind grundlegende Kompetenzen einer professionellen Haltung. Dem vorausgesetzt steht eine theoretische Auseinandersetzung als Grundlage zur Reflexion und Begründung eigenen Handelns und eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Position und Positionierung zur Welt“ (22, Hervorh. i.O.).

Im zweiten Kapitel (23–26) diskutiert die Autorin kritisch die Grenzen der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession. Dabei bezieht sie sich einerseits auf die grundlegende Kritik Arendts, die früh problematisierte, dass die Durchsetzung der universellen Menschenrechte jenseits konkreter Nationalstaatlichkeit schwerlich zu realisieren sei. Anderseits bietet Kühne eine kritische Lesart der Ambivalenz der Geschichte der Menschenrechte an, die typisch kritisch-postkolonialistisch begründet wird und auf die Widersprüchlichkeit zwischen dem humanistisch-aufklärerischen Anspruch universelle Menschenrechte zu etablieren, die exklusiv für bestimmte Gruppen von Menschen gedacht waren. Aus diesen Kritiken wird die besondere Relevanz der selbstkritischen Reflexion hergeleitet, der sich heutige (europäische) Soziale Arbeit unterziehen muss, wenn sie sich als Menschenrechtsprofession begreift.

Im dritten Kapitel (27–41) wird auf die Soziale Arbeit mit Geflüchteten gezielt eingegangen, wobei die spezifischen Problemkonstellationen des Handlungsfeldes im Zentrum stehen. „Beim Skizzieren des Handlungsfeldes … wird deutlich, in welchen komplexen Widersprüchen und Herausforderungen sich hier Soziale Arbeit wieder findet“ (21). In dieser „Skizze“ spannt Kühne einen stringenten Bogen von der Eingebundenheit in einem restriktiven, exkludierenden Migrationsregime, welches auf der Grundlage einer sozial konstruierten Andersartigkeit der Geflüchteten im Vergleich zur übrigen Bevölkerung, die sich in konkreten rechtlichen Kategorisierungen manifestiert, hin zu den, neoliberal bedingten, (fehlenden) Ressourcen und der damit einhergehenden Nicht-Freiheit freier Träger im Handlungsfeld; wobei die Autorin betont, dass hier auch die Ursache für missachtete Selbstsorge der Professionellen liegt, da diese sich gezwungen sehen, über organisatorische und persönliche Grenzen hinaus Belastungen auf sich zu nehmen, um die strukturell bedingten Engstellen zu kompensieren. Dies geschieht vor der konstatierten „Diskrepanz zwischen professionellem Anspruch und realen Handlungsmöglichkeiten“ (27), ist mit praktischen Konkretionen gespickt und schließt mit dem Aufzeigen einer drohenden Entprofessionalisierung. Die Ursache: „Ein rassistischer, neokolonialer Diskurs umrahmt das gesamte Feld und manifestiert sich in repressiven Gesetzen und prekären strukturellen Rahmenbedingungen“ (41).

Kapitel vier (42–74) präsentiert, nachdem die konzeptionellen Setzungen der Arbeit in den vorherigen Kapiteln präsentiert und kritisch diskutiert wurden, die, wie es im Titel der Arbeit heißt, „theoretischen Reflexionen zur professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten“ und kann damit als ‚Filetstück‘ dieser Arbeit angesehen werden.

Kühne erhebt Haltung zum Leitprinzip: „Haltung ist schlussendlich kein strenges Raster oder Schema, das gelernt werden kann, sondern die Voraussetzung einer theoretischen Auseinandersetzung mit Reflexionswissen und Selbstwahrnehmung in der eigenen Profession, woraus schlussendlich Handlungen abgeleitet werden“ (42 f.). Diesen Bestimmungen wird im Hauptkapitel dieser Arbeit nachgegangen, indem sie, vor dem Hintergrund der gewählten Kombination aus theoretischen Zugängen (s.o.), kritisch auf die konkreten Bedingungen im Handlungsfeld bezogen werden. Problematisiert wird: das Asylsystem als „Totale Institution“ und „organisierte Desintegration“, die Machtbeziehung zwischen Helfenden und Bedürftigen, der widersprüchliche und diskriminierende Asyldiskurs (welcher seine Manifestation in geltendem Recht findet) und der damit verbundene Asylzwang sowie der Umgang mit Abschiebungen.

Zusammengefasst kommt Kühne zu dem Schluss, dass Soziale Arbeit mit Geflüchteten Wege finden muss, die Diskrepanz zwischen dem Anspruch Europas und der Sozialen Arbeit die Menschenrechte zu achten und zu fördern und der Realität diese dabei gleichzeitig regelmäßig zu missachten aufzuzeigen. Dies kann, so Kühne, gelingen durch Parteilichkeit, die darauf zielt Partizipation und Selbstbestimmung zu realisieren, wozu eine kultursensible Selbstkritik und -reflexion einzelner Sozialarbeitender und Organisationen sowie verschiedene Formen des Protests essentiell sind. Macht wird hier vor allem als diskursive Macht verstanden, weswegen die Beteiligung bzw. Initiierung Sozialer Arbeit an Gegendiskursen (v.a. Netzwerkarbeit und Öffentlichkeitsarbeit) zentrales Instrument zur Veränderung menschenrechtsmissachtender Praxen sind.

In Kapitel fünf (76–80) werden die Schlussfolgerunen der theoretischen Reflexionen, mit denen die einzelnen Kapitel schließen, komprimiert dargestellt.

Diskussion

Wenngleich der Aussage, wonach es „fahrlässig [wäre], als ‚Professionelle der Menschrechte‘ diese nicht unter einem kritischen Blickwinkel zu betrachten“ nicht widersprochen wird, hätte diese Kritik differenzierter ausfallen können: Der internationale Menschenrechtsschutz (etwa durch die Vereinten Nationen, ihren Vertragsorganen, internationalen Gerichten und regionalen Zusammenschlüssen von Staaten z.B. in Europa, Afrika, Asien usw.) hat sich seit Arendts Kritik erheblich weiterentwickelt und ist nicht ausschließlich national verortet. Diese Entwicklung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nationalstaaten nach wie vor eine herausragende Rolle im Menschenrechtsschutz spielen (vgl. Fremuth 2015: 111–198), was insbesondere für Geflüchtete ein Problem darstellt, da sie sich auf dem Territorium eines Staates bzw. der supranationalen Organisation der EU befinden, deren Bürgerrechte sie nicht genießen. Und auch die kritische Lesart der eurozentrisch-rassistisch-patriachalen Exklusion zu Beginn der Menschenrechte kann heute relativiert werden, wenn man bedenkt, dass sie kein ausschließlich europäisches Projekt mehr darstellen und rund um den Globus Akteure verschiedener Nationen und Kulturen beteiligt sind. Der kritische Blick auf die eigene Geschichte ist nichtsdestotrotz angebracht, vor allem, wenn es darum geht aktuelle kulturelle Herausforderungen nicht wieder im Modus europäisch-weißer Dominanz zu bewältigen. Und deshalb ist dem Schluss Kühnes zu folgen, wenn sie feststellt, dass die Geschichte europäischer Überheblichkeit dringend dazu mahnt die eigene Praxis selbstkritisch zu prüfen.

Formal lässt sich bemängeln, dass das Zitationsverhalten der Autorin nicht einheitlich ist, sodass in einigen Fällen unklar bleibt, ob es sich um ein Zitat, eine Paraphrase oder um die Rekurrierung eines Begriffs bzw. eine These handelt. Auf Seite 39 etwa wird die Klammer, die auf die Quelle verweist mit einem ‚vgl.‘ versehen, der vorstehende Absatz ist nicht mit Anführungszeichen versehen; weiter untern wir eine Passage, die nicht den Gedanken der Autorin enthält (vermutlich aufgrund der Länge), aus dem Fließtext hervorgehoben, nicht mit Anführungszeichen versehen, auf das Kürzel ‚vgl.‘ wird allerdings verzichtet. Auch wörtliche Zitate werden gelegentlich ohne Seitenangabe wiedergegeben, sodass eine Überprüfung der Quellen nicht immer möglich ist. Einheitliches Vorgehen wäre hier wünschenswert gewesen.

Auch die Semantik betreffend, lassen sich Lücken in der ansonsten (lobenswerten) sprachlichen Konsequenz der Autorin finden: So wird etwa darauf verwiesen, dass soziale Konstruktionen (u.a. ‚Rasse‘) mit einem Stern markiert werden, um dies zu kennzeichnen (Beispiel: „weiße* Sozialarbeiterin“) (vgl. 11). Dem ist nicht zu widersprechen; wenn aber postuliert wird, „dass Sprache Wirklichkeit schafft und diskursive Kategorisierungen reale Existenzen hervorbringen“ (14), dann sollte mit der Titulierung von Diskriminierungen als „rassistisch“ (u.a. 26, 37, 41) präziser umgegangen werden. Gewiss: Die Argumentation im Geiste der Postkolonialen Theorien legt (nicht unbegründet) nahe, eine historische Kontinuität in der heuten Konstruktion der ‚Anderen‘ und den daraus resultierenden Negativitäten für diese ‚Anderen‘ zu sehen, was, da kann Kühne gefolgt werden, zu Sensibilität anhält. Historisch wurde die Andersartigkeit von Menschengruppen aber mit der biologischen Verschiedenheit legitimiert. Diesen Topos findet man im öffentlichen Diskurs im deutschsprachigen Raum jedoch weniger häufig. Die – deswegen nicht weniger zu bekämpfenden Diskriminierungen – werden zumeist kulturell, wirtschaftlich, ‚völkisch‘ usw. begründet. Diesen Pseudolegitimationen, sollte, vor allem, wenn man davon ausgeht, dass Sprache Wirklichkeit schafft, sprachlich entsprochen werden, auch, weil gegen z.B. kulturell begründete Fremdenfeindlichkeit andere Argumente geltend zu machen sind, als gegen Rassismus. Dass eine historische Kontinuität bzgl. der Konstruktion von ‚Anderen‘ besteht, soll dabei nicht geleugnet werden. In diesem Kontext ist auch zu monieren, dass der Begriff der Klienten Verwendung findet, der aus historischen aber vor allem aus gegenwärtigen Gründen zu negieren ist – außer man redet der Ökonomisierung des Sozialen das Wort (vgl. Wendt 2015: 31). Neben diesen Beispielen tritt dann eher in den Hintergrund, dass von „methodologisch“ (52) gesprochen wird, wo methodisch gemeint ist.

Letztlich wäre ein noch umfangreicherer Rekurs auf die Debatte um die professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit spannend gewesen. Trotzdem ist hervorzuheben, dass Kühne nicht der verbreiteten ‚Versuchung‘ erliegt, den Begriff der professionellen Haltung zu gebrauchen, ohne diesen zu definieren. Sie leitet ihn aus den Prinzipien des DBSH ab und fügt ihn, so wie letztlich definiert (s.o.) sauber als Grundlage ihrer Argumentation in die Klaviatur der verschiednen theoretischen Zugänge ein, was formal nicht zu bemängeln ist, da es der Autorin nicht primär um den Begriff der professionellen Haltung selbst geht, sondern, um dessen inhaltliche Füllung in Bezug auf ein konkretes Handlungsfeld, um sich diesem analytisch und dann praktisch zu nähern.

Fazit

Die angeführten Monita wiegen leicht, im Vergleich zum starken Gesamtkonzept der vorliegenden Arbeit. Die gewählten theoretischen Zugänge sind treffsicher gewählt, wenn es darum geht, dem Anspruch zu genügen eine differenzierte und kritische Arbeit vorzulegen, die explizit darauf gerichtet ist, über eine theoretische Auseinandersetzung praktische Impulse für die Soziale Arbeit in einem ambivalenten Handlungszusammenhang zu geben. Die Arbeit kann dabei als konstruktiver Beitrag zur Diskussion gewertet werden, der zugleich ein prägnantes Beispiel dafür darstellt, wie Disziplin und Profession theoretische Synergien hervorbringen können, ohne dabei die konkrete Praxis aus dem Blick zu verlieren. Insofern kann nur gehofft werden, dass die Arbeit weite Verbreitung findet, sie befruchtend auf den Fachdiskurs und die Praxis wirkt und dass sie Sozialarbeitende und Studierende motiviert sich auch theoretisch (oder empirisch) mit ihren Arbeitszusammenhängen zu befassen.

Literatur

  • Fremuth, M.-L.: Menschenrechte. Grundlagen und Dokumente, Berlin 2015
  • Staub-Bernasconi, S.: Vom beruflichen doppel- zum professionellen Tripelmandat.Wissenschaft und Menschenrechte als Begründungsbasis der Profession Soziale Arbeit, 2007. Online verfügbar: www.avenirsocial.ch (letzter Zugriff: 09.10.2018)
  • Wendt, P.-U.: Lehrbuch Methoden der Sozialen Arbeit, Weinheim und Basel 2015

Rezensent
Michael Bertram
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Zitiervorschlag
Michael Bertram. Rezension vom 22.10.2018 zu: Anne Kühne: Theoretische Reflexionen zur professionellen Haltung in der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten. Edition Pro Mente (Linz) 2018. ISBN 978-3-902724-60-1. Reihe: Schriften zur sozialen Arbeit - Band 41. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24739.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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