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Thomas Böhme: Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder

Cover Thomas Böhme: Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder. Empirische Befunde und Perspektiven. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. 134 Seiten. ISBN 978-3-8309-3873-6. 26,90 EUR.

Reihe: Evangelische Bildungsberichterstattung - Band 2.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Untersuchung des wissenschaftlichen Mitarbeiters des Comenius-Instituts Thomas Böhme, unter Mitwirkung von Nicola Bücker und Peter Schreiner, wertet die Daten zu den evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder aus, die in den Jahren 2011 bis 2015, teilweise 2016 erhoben wurden, und vergleicht sie mit Ergebnissen anderer Kindertagesstätten in Deutschland.

Die Untersuchung ist Teil zwei der evangelischen Bildungsberichterstattung, den das Comenius-Institut im Auftrag der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) durchführte. Die Daten sollen deutlich machen, in welchem Umfang Diakonie und Evangelische Kirche Tageseinrichtungen für Kinder betreiben und welche regionalen Unterschiede es gibt.

Aufbau und Inhalt

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Im ersten Kapitel geben die Autoren Rechenschaft über die konzeptionellen Grundlagen des Bildungsberichts, der sich „an einigen der Leitlinien des nationalen Bildungsberichts“ orientiert. (S. 11). Dem Bericht liegt ein subjektorientierter Bildungsbegriff zugrunde. „Religiöse Bildung wird als eine konstitutive Dimension allgemeiner Bildung angesehen, die dazu befähigt, die Wirklichkeit und das eigene Leben im sinnstiftenden Horizont des christlichen Glaubens zu deuten und zu gestalten, im Dialog mit Menschen unterschiedlicher ethischer und kultureller Prägungen sowie anderer religiöser Einstellungen zu leben(Pluralismusfähigkeit) und ein Miteinander verantwortlich zu gestalten.“ (S. 13)

In der „Einführung“ unterscheiden die Autoren sechs Träger der Kindertagesstätten: „Öffentliche Träger“, „EKD/Diakonie“, „Katholische Kirche/Caritas“, „AWO“, „Der Paritätische“, „DRK“ und „Sonstige Träger“ (S. 15). Mit dieser Unterscheidung können sie unter verschiedenen Fragestellungen das Profil evangelischer Kindertagesstätten quantitativ erheben.

„Die evangelische Bildungsberichterstattung zu Tageseinrichtungen für Kinder stützt sich im Wesentlichen auf die im SGB VIII verankerte amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik“, welche die „Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik der Technischen Universität Dortmund“ nach Trägern 2016 ausgewertet hatte. (S. 17) Dieser Forschungsbericht wurde im Comenius-Institut ein weiteres Mal ausgewertet und zur Grundlage des „vorliegenden Bildungsberichts gemacht.“ (S. 17) Ein Teil der Abbildungen und Tabellen finden sich im Bericht, weitere stehen auf der Internetseite der Arbeitsstelle zur Verfügung. (www.akjstat.tu-dortmund.de.)

Besondere Perspektiven des Berichts sind der „Ausbau der Angebote für Kinder unter drei Jahren“, „Kinder mit Migrationshintergrund“, „Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf“ sowie Auswertungen nach einzelnen Bundesländern. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Grenzen der Landeskirchen nicht mit den Grenzen der Bundesländer deckungsgleich sind. (19f)

Im Hauptteil des Berichts werden die „zentrale(n) Befunde“ der Statistik unter den Kategorien

  1. „Strukturen“,
  2. „Bildungsbeteiligung in Tageseinrichtungen im Bereich von EKD/Diakonie“,
  3. „Personal in evangelischen Tageseinrichtungen“ sowie
  4. „Qualitätsaspekte“

ausgewertet und kommentiert.

Die „Strukturen“ (S. 21-44) werden nach Anzahl der Einrichtungen und Plätze, Größe der Einrichtungen, Gruppenstruktur- und formen, Gruppengröße, Einrichtungsleitung, Öffnungszeiten sowie Rechtsform ausgewertet. Dabei zeigt sich wie Tab 2 (S. 25) verdeutlicht, dass die Plätze in evangelischen Kindertageseinrichtungen von 2011 mit 544.380 auf 2015 567.518 gestiegen sind. „Die größten Zuwächse finden sich, wie bereits bei den Einrichtungen, zum einen in Bayern, zum anderen in den ostdeutschen Ländern,(Ausnahme: Thüringen).“(S. 24) In Abbildung 2 wird die Anzahl der Plätze länderspezifisch und für Ost- und Westdeutschland prozentual nach Trägern aufgeteilt. Sind in Westdeutschland 17,7 % aller Kindergartenplätze in evangelischen Einrichtungen, so sind es in Ostdeutschland 9,4 %. In Schleswig-Holstein sind 32 % alle Plätze in Einrichtungen von EKD/Diakonie, in Sachsen 7,9 %. An dieser Stelle wäre es m.E. sinnvoll gewesen diese Prozentzahlen in Beziehung zu setzen mit dem Anteil der evangelischen Bevölkerung in diesen Bundesländern.

Auch die Bildungsbeteiligung in den Tageseinrichtungen im Bereich der EKD/Diakonie wird unter fünf Fragestellungen ausgewertet: „Bildungsbeteiligung von Kindern“ unter drei Jahren und ab drei Jahren, „Kindern mit Eingliederungshilfe/Behinderung“, „Betreuungsumfänge“ sowie „Kinder mit Migrationshintergrund“. Entwicklungen in diesem Bereich sollen exemplarisch an der Aufnahme von Kindern unter drei Jahren sowie Kinder mit Migrationshintergrund gezeigt werden. Der Bericht stellt fest: „Im Bereich von EKD/Diakonie kam es in den Jahren zwischen 2011 und 2015 zu einem verstärkten Ausbau der Angebote für unter Dreijährige. So stieg die Zahl der Kinder unter drei Jahren insgesamt von rund 58.700 im Jahr 2011 auf jene rund 85.200. Das ist ein Zuwachs von rund 26.600 Kindern. Damit ist die Zahl der Kinder unter drei Jahren im Berichtszeitraum um 45 % angestiegen.“(S. 45) „Über alle Altersgruppen hinweg beträgt der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die Einrichtungen im Bereich von EKD/Diakonie besuchen, 16,6 %. Damit liegt deren Anteil leicht über dem Anteil an allen Kindern, die eine Einrichtung im Bereich von EKD/Diakonie besuchen (15,7 %).(…) Mit Blick auf Kinder mit Migrationshintergrund zeigt sich ein deutlicher Ost-West-Unterschied. Während in Westdeutschland annähernd 30 % der Kinder in Tageseinrichtungen für Kinder einen Migrationshintergrund haben, liegt dieser Anteil in Ostdeutschland bei etwa 10 %“ (S. 60f)

Der dritte Abschnitt des Hauptteils widmet sich dem „Personal in evangelischen Tageseinrichtungen“ unter den Rubriken

  • „Anzahl der Beschäftigten“,
  • „U3-Ausbau und Personalbedarf“,
  • „Altersstruktur der Beschäftigen“,
  • „Beschäftigungssituation“
  • „Beschäftigungsstruktur in Ost- und Westdeutschland“,
  • „Geschlechterverhältnis“ (S. 67-80).

Im Jahr 2015 waren in evangelischen Tageseinrichtungen 102.900 Personen beschäftigt, eine Erhöhung von „rund 17.300 Personen“ gegenüber 2011.(S. 67).

Schließlich werden „Qualitätsaspekte“ ausgewertet, der „Personalschlüssel“ sowie „Qualifikation des Personals“.(S. 80ff). Der Bericht vergleicht beim Personalschlüssel verschiedene Bundesländer und sieht erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. „Der Personalschlüssel für Gruppen mit Kindern unter drei Jahren reicht von 1:3,0 in Baden-Württemberg bis zu 1:6,4 in Sachsen.“ (S. 83) Erzieherinnen und Erzieher sind mit 69,7 % die Hauptberufsgruppe in den evangelischen Tageseinrichtungen, gefolgt von Kinderpflegerinnen (12,7 %) und Pädagoginnen mit Hochschulabschluss (4,8 %). Abbildung 34 (S. 85) zeigt, dass es zwischen den Bundesländern erheblich Unterschiede gibt. Arbeiten beispielsweise in Rheinland-Pfalz nur 6,6 % Kinderpflegerinnen so sind es in Bayern 36,8 %. Hier hätte man gerne gewusst, warum dies so ist.

Im Schlusskapitel ziehen die Autoren „Fazit und Konsequenzen“.(89-96). Die Zahlen belegen einen kontinuierlichen Ausbau der evangelischen Tageseinrichtungen von Kinder, besonders in Bayern und Niedersachsen. „Ein Schwerpunkt des Ausbaus“ waren die U3-Angebote. Auch evangelische Einrichtungen sind an der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund „intensiv beteiligt.“(S. 90) Überwiegend (76,3 %) befinden sich die Einrichtungen in der Trägerschaft einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Am Ende erwähnt der Bericht „Forschungsdesiderata“ (S. 92f) wie „Prozessqualität“ in den Einrichtungen, „Erhebung zur Konfessionalität von Kindern und Personal“, „Evangelisches Profil“ sowie „Trägerstrukturen“ und gibt weitere Anregung (S. 94ff)zur Leitungsverantwortung, Umgang mit Migration, Trägerstrukturen und Personalentwicklung.

Im letzten Teil des Bildungsberichtes sind Literaturangaben, Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen sowie als Anhang „Erläuterung zentraler Begriffe“(S. 103ff).

Diskussion

Durch den Vergleich mit anderen Trägern, durch die Unterscheidung bestimmter Fragestellungen nach Bundesländern wird der Umfang dieses Arbeitsfeldes der Evangelischen Kirche deutlich. Da die Daten – wie in der Einführung beschrieben – von den Jugendämtern erhoben wurden, hat der Bericht aus Sicht des evangelischen Profils seine Grenze. Die Autoren selbst geben Anregungen wie durch weitere quantitative und qualitative Erhebungen das Gesamtbild evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder an größerer Tiefenschärfe gewinnen könnte.

Aus Sicht des Rezensenten sollte künftig der Anteil der Plätze in evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Korrelation gesetzt werden zum evangelischen Bevölkerungsanteil in den Bundesländern.

Bei Abb. 33, S. 84, liegt ein Fehler oder ein Verwechslung mit Abb. 34 vor: Überschrift und Darstellung passen nicht zusammen. Bei manchen Abbildungen ist die Legende nur schwer lesbar.

Fazit

Der Bildungsbericht zu evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder gibt einen empirischen Überblick über diesen Arbeitsbereich. Wer wissen will, in welchem quantitativen Umfang im Elementarbereich evangelische Gemeinden und Diakonie Bildungsverantwortung übernehmen, findet in dem Bericht einen guten Überblick.


Rezensent
Dr. Friedrich Schmidt-Roscher
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Zitiervorschlag
Friedrich Schmidt-Roscher. Rezension vom 06.02.2019 zu: Thomas Böhme: Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder. Empirische Befunde und Perspektiven. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. ISBN 978-3-8309-3873-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24768.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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