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Harald Pühl: Organisations­Mediation

Cover Harald Pühl: OrganisationsMediation. Grundlagen und Anwendungen gelungenen Konfliktmanagements. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2018. 164 Seiten. ISBN 978-3-8379-2743-6. D: 20,50 EUR, A: 20,50 EUR.
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Thema

Harald Pühl hat das Konzept der OrganisationsMediation kreiert. Strategien des Konfliktmanagements und der Krisenintervention stehen im Zentrum der Ausführungen zur OrganisationsMediation – ein Konzept, das der Autor in langjähriger Berufspraxis entwickelte. Ziel der OrganisationsMediation ist es, die Kommunikation und Arbeitsfähigkeit (wieder) herzustellen und Konfliktkosten zu senken.

Autor

Harald Pühl ist Coach, Supervisor und Mediator. Er lebt in Berlin und leitet das Triangel-Institut für Supervision, Organisationsberatung und Mediation.

Entstehungshintergrund

Harald Pühl ist seit 1970 in der Organisationsberatung tätig (vgl. S. 9) und erfährt Möglichkeiten und Grenzen etablierter Interventionen in der Konfliktklärung. Aufgrund dieser Erfahrungen hat er Beratungsverfahren kombiniert und ein neues Konzept entwickelt: OrganisationsMediation.

Aufbau und Inhalt

Zunächst erläutert Harald Pühl den Entstehungshintergrund der OrganisationsMediation. Harald Pühl definiert das von ihm entwickelte Konzept der OrganisationsMediation und grenzt es gegenüber der Wirtschaftsmediation ab (S. 10 ff). Für das weitere Verständnis folgt ein Exkurs in die Geschichte der Mediation (S. 16 ff).

Im ersten Kapitel trägt der Autor zum Verständnis von Konflikten bei, ergründet den Sinn von Konflikten und verortet sie anhand ihrer Temperatur in „heiße und kalte Konflikte“ (S. 37).

Im zweiten Kapitel führt Harald Pühl die Leserschaft in die Phase 1: Auftragsklärung und Konfliktdiagnose.

Die Wechselwirkung von Konflikten und Kommunikation erläutert Harald Pühl im zweiten Kapitel. In diesem Zusammenhang beschreibt Pühl Eskalations-, Spaltungs- und Kränkungsdynamiken. Die wissenschafts-theoretische Basis bilden das Verhandlungskonzept nach Harvard, die Eskalationsstufen von Friedrich Glasl und der „Kampf um Anerkennung“ von Axel Honneth, um nur wenige Quellen zu nennen.

Der Ursprung von Konflikten liegt nach Peter Heintel in „vier Widerspruchsfeldern“ (vgl. S. 31 ff):

  • Mensch als „Widerspruchswesen“
  • Soziale Konstellationen
  • Systembedingte Widersprüche
  • Historische Ungleichzeitigkeit

Erscheinungsformen von Konflikten und Konfliktarten, insbesondere Verschiebungskonflikte und „Heiße und kalte Konflikte“ (S. 37) werden vorgestellt. Schließlich lassen sich Konflikte nach Ursachen und Situationen klassifizieren (vgl. S. 43 ff), Pühl unterscheidet fünf Grundtypen von Konflikten:

  1. Zielkonflikt
  2. Wahrnehmungskonflikt
  3. Verteilungskonflikt
  4. Rollenkonflikt
  5. Beziehungskonflikt.

Am Sinn von Konflikten lässt Pühl keinen Zweifel. Konflikte leiten Veränderungsprozesse ein und haben „Wachstumspotenzial persönlicher und struktureller Art“ (S. 46).

Der Auftragsklärung gehen meist gescheiterte, interne Konfliktlösungsversuche voraus. Pühl beschreibt sehr detailliert die Chronologie, Stakeholder und Hierarchieebenen und Konflikt-Themen der Klärungsphase. Seine Vorgehensweise in dieser Phase gleicht dem Zwiebelschalenkonzept (vgl. S. 67 ff).

Das 5-Phasen-Modell von Glasl wird wiederholt herangezogen, um den klassischen Mediationsprozess zu verdeutlichen (vgl. S. 47, 81, 128). Das „Herzstück der Mediation“ bilden nach Pühl die beiden Phasen Konfliktdarstellung und Konfliktherstellung.

Das dritte Kapitel enthält Phase 2: Konfliktdarstellung und Phase 3: Konfliktherstellung als Herzstück jeder Mediation.

Konfliktdarstellung beinhaltet die Konfliktdeeskalation und Konfliktfokussierung. Entschleunigung, Offenheit, aktives Zuhören, Allparteilichkeit, Vertraulichkeit sind zentrale Begriffe in der Phase der Konfliktdarstellung.

„Interessen, Wünsche und Bedürfnisse“ stehen in der Konfliktherstellung im Mittelpunkt (vgl. S. 90 ff). Ziel dieser Phase ist eine Lösung des Konfliktes durch Kompromiss oder Einigung. In diesem Zusammenhang nennt Harald Pühl Kommunikationslöcher und schildert seine Haltung des „Kontakt-Stopfens“ (vgl. S. 94) inspiriert von seiner Großmutter.

Im vierten Kapitel nähern wir uns der Pühl'schen Kreation der OrganisationsMediation. Das vierte Kapitel trägt folglich den Titel Crossover – Das Patchworkmodell. Harald Pühl zählt „Gründe für die Kompatibilität von OrganisationsMediation“ (S. 118) auf. Beispiele für das Patchworkmodell der OrganisationsMediation sind (S. 122 ff):

  • Kombination von Teamberatung und Mediation: Mediation findet innerhalb des Teamberatungsprozesses statt.
  • Teamsupervision und Konfliktcoaching: Beide Beratungsprozesse finden parallel statt.
  • Mediation und Organisationsentwicklung: Mediation zu Beginn der Organisationsentwicklung.
  • OrganisationsMediation und Paarberatung: Bei Verwicklungsdynamiken in Privat- und Geschäftsbeziehungen.

Konfliktmanagement – intern und systematisch – steht im Fokus des fünften Kapitels. Pühl schildert Maßnahmen des internen und systematischen Konfliktmanagements: Zentrale Konfliktanlaufstelle und interner Mediatorenpool (Konfliktlotse) werden erörtert. Das Kapitel endet mit „Ideen zur Konfliktprävention“ (S. 148 f).

Schließlich steht die Frage nach der Haltung im sechsten und zugleich letzten Kapitel im Raum.

In allen Ausführungen bezieht Harald Pühl sich konsequent auf persönliche Erfahrungen aus Aufträgen und lässt eigene Beispiele einfließen.

Diskussion

Harald Pühl liefert eine umfangreiche Betrachtung unterschiedlicher Beratungsprozesse, die durch Anekdoten kurzweilig und zugänglich ist. Aus diesem Fundus an Beratungserfahrungen heraus entwickelt Harald Pühl eine neue Haltung, die in das Konzept der OrganisationsMediation mündet und ohne sie als agil zu bezeichnen agil ist.

Fazit

In seinem neuesten Werk teilt Harald Pühl seine Strategien und Beratungserfahrungen Kommunikation wiederherzustellen. Dabei greift er auf bewährte Interventionstechniken zurück und entwickelt aus ihnen heraus das Konzept der OrganisationsMediation. Modelle von Havard, Glasl und Freud werden herangezogen. OrganisationsMediation beinhaltet die Abweichung von weit verbreiteten Modellen und kombiniert Beratungsverfahren zugunsten der Wiederherstellung der Kommunikation und Arbeitsfähigkeit.


Rezensentin
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Julia Hartwig-Selmeier
Social Entrepreneurin. Projektleitung in gesellschaftspolitisch relevanten Kontexten
Homepage www.julia-hartwig.de
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Zitiervorschlag
Julia Hartwig-Selmeier. Rezension vom 10.05.2019 zu: Harald Pühl: OrganisationsMediation. Grundlagen und Anwendungen gelungenen Konfliktmanagements. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2018. ISBN 978-3-8379-2743-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24779.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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