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Matthias Nauerth, Kathrin Hahn u.a. (Hrsg.): Religions­sensibilität in der Sozialen Arbeit

Cover Matthias Nauerth, Kathrin Hahn, Sylke Kösterke, Michael Tüllmann (Hrsg.): Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit. Positionen, Theorien, Praxisfelder. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. 512 Seiten. ISBN 978-3-17-032206-6. D: 45,00 EUR, A: 46,30 EUR.

Hinweis: Die Rezension wurde von Studierenden der Evangelischen Hochschule Dresden verfasst. Da aus technischen Gründen nicht alle Namen in der üblichen Weise angegeben werden können, ist der Name des begleitenden Dozenten als Rezensent angegeben. Die Namen der VerfasserInnen sind:

Jens Beyer, Daniela Böhme, Franziska Bötsch, Nadine Brinker, Julia Hieke, Johannes Hogrebe, Anne Kollwitz, Raphael Komanns, Yvonne Krüger, Stefanie Kutzner, Thomas Lange, Jennifer Messerer, Ralph Moses, Tom Ott, Maria Peschel, Tatjana Reif, Jana Solveig Schweeren, Mechthild Siegmund, Jenny Sömisch, Nora Wagner und Pauline Wild.

Alle Autor*innen dieser Rezension studieren im Masterstudiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Dresden.
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Thema

Die Thematisierung von Säkularisierung, Enttraditionalisierung, Pluralisierung und Privatisierung bestimmten bisher weitestgehend den Diskurs um Religion. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderung werden im öffentlichen Leben zunehmend Entwicklungen wahrnehmbar, die sich eher als eine „Renaissance von Religion“ (S. 12) und als Rückkehr aus der Privatheit in die gesellschaftliche Öffentlichkeit beschreiben lassen. Doch sind die Professionellen der Sozialen Arbeit auf diese Entwicklung vorbereitet? Die Herausgeber*innen sprechen im Zusammenhang mit Religion von einer „Leerstelle im Theorie- und Methodendiskurs der Sozialen Arbeit“ (S. 14), die mit Hilfe des vorliegenden Sammelbandes bearbeitet werden soll.

Ausgehend von einem weiten Religionsbegriff in Anlehnung an Niklas Luhmann, der Religion als Unterscheidung zwischen Immanenz und Transzendenz versteht, sind subjektive Erfahrungswirklichkeiten differenzierbar. Die Herausgeber*innen verwenden ein dreidimensionales Modell in Anlehnung an Martin Lechner, Karl Gabriel und Hans Joas. In der ersten Dimension machen Menschen existentielle Erfahrungen und geben diesen einen subjektiven Sinn. Erfahrungen, die einen dezidiert religiösen Inhalt haben, werden auf der zweiten Ebene als Transzendenzglaube verhandelt. Als dritte Dimension nennt das Modell den Konfessionsglauben mit einem konkreten theologischen Verständnis. Alle drei angesprochenen Dimensionen finden sich in der Lebenswelt von Menschen wieder. Doch was könnte nun religionssensibles Handeln in Bezug auf die Soziale Arbeit bedeuten?

Die Herausgeber*innen formulieren Religionssensibilität als „eine Fähigkeit […], die sich den im weiteren Sinn religiösen Erfahrungen anderer Menschen empfindsam, feinfühlig und respektvoll öffnen kann, die die Realität von Religion in der Lebenswelt der Menschen überhaupt differenziert wahrzunehmen in der Lage ist und in die professionellen Handlungskonzepte zu integrieren weiß.“ (S. 16). Daran anknüpfend stellen die Herausgeber*innen fest, dass Sozialarbeiter*innen in der Praxis häufig mit diversen religiösen Kontexten und Fragestellungen überfordert sind oder diese gar meiden. Da Religionsvorstellungen jedoch auch eine Basis für geltende Normen und Werte, Kommunikationsräume, subjektive Wirklichkeitsvorstellungen und Konfliktbewältigung darstellen, kann es bedeutsam sein, Religion als individuelle Ressource zu verstehen und zu nutzen. Die Orientierung sozialarbeiterischen Handelns an der Lebenswelt der Adressat*innen als grundsätzliches Handlungsprinzip, schließt die Auseinandersetzung der Fachkräfte jedoch bereits mit ein.

Herausgeber*innen

Alle Herausgeber*innen verbindet das gemeinsame Interesse an der Problematik der Bedeutung der Realität des Religiösen für die Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit. Sie sind auf unterschiedliche Weise in der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg tätig:

  • Kathrin Hahn und Matthias Nauerth lehren an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie,
  • Michael Tüllmann war Leiter des Stiftungsbereiches Kinder- und Jugendhilfe und
  • Sylke Kösterke arbeitet als Sozialpädagogin in eben diesem Bereich.

Mit ihrem Sammelband ziehen die Herausgeber*innen eine Art Zwischenbilanz und zeigen auf, wie bereits vorhandene Theorien und Handlungskonzepte der Sozialen Arbeit an religionsbezogene Praxiszusammenhänge geknüpft und genutzt werden.

Aufbau

Im vorliegenden Buch sind 32 Beiträge von 37 Autor*innen vereint. Die Herausgeber*innen entschieden sich hinsichtlich der Gliederung ihres Bandes für eine gemeinsame Einleitung, an die sich ein Gespräch mit Hans Thiersch über das Verständnis von Sozialer Arbeit, Religion und Lebensweltorientierung anschließt: „Alltag braucht Transzendenz“. Die Lebensweltorientierung ist denn auch regelmäßiger Bezugspunkt für das leitende Verständnis von Sozialer Arbeit.

Der Sammelband gliedert sich dann folgend in fünf Kapitel.

  1. In dem ersten Kapitel liegt der Fokus auf der aktuellen Bedeutung von Religion und den daraus resultierenden Herausforderungen für spezifische Arbeitsfelder.
  2. Der zweite Kapitel richtet sich an die theoretische Betrachtung religionssensibler Sozialer Arbeit. Hier finden sich Beiträge, die eine Annäherung aus unterschiedlichen handlungstheoretischen und empirischen Perspektiven anstreben.
  3. Das dritte Kapitel des Sammelbandes beinhaltet anwendungsbezogene Beiträge. Es wird Bezug zwischen der Forderung nach Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit und den daraus resultierenden Fragen im Hinblick auf konzeptionelle und methodische Konsequenzen genommen.
  4. Der vierte Kapitel des Sammelbandes widmet sich der Beantwortung der Frage, welche Chance und Herausforderung Religionssensibilität für Organisationen und ausgewählte Handlungsfelder darstellt.
  5. Das abschließende fünfte Kapitel beinhaltet zwei Beiträge, welche jeweils eine spezifische konfessionelle Perspektive im Hinblick auf religionssensible Soziale Arbeit einnehmen und persönliche Erfahrungswerte aus Gemeindekontexten einfließen lassen.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Zum ersten Kapitel

Das erste Kapitel des vorliegenden Sammelbandes dient zur Beschreibung der gesellschaftlichen Ausgangsbedingungen, die mit der Wiederkehr von Religion, religiöser Pluralität sowie den Folgen des Terroranschlages vom 11. September umrissen werden. Die Autoren widmen sich in ihren Beiträgen unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Begonnen bei Micha Brumlik, welcher unter dem Titel „religiöse Sensibilität“ sein Verständnis „guter Religion“ formuliert, folgt Axel Schulte, der angesichts der Einwanderungsgesellschaft den Blick der Leser*innen hin zu den universellen Menschenrechten, der sozialen Wirklichkeit und einem kontroversen Verhältnis zu Religionen lenkt. Diese Vielfältigkeit wird auch von Wolfram Weiße und Martin Lechner, der einer religiöse Grundbildung für alle fordert, aufgenommen. Das Kapitel schließt Josef Freise mit einem Vortrag zum religiösen Fundamentalismus und den Möglichkeiten von Prävention ab. Während die beiden letzten Beiträge praktische Handlungsansätze mit Relevanz für die Soziale Arbeit liefern, verbleiben Brumlik und Schulte in der Sphäre der theoretischen Analyse. Dabei ist die beiläufige Defizitorientierung der Autoren auffällig. Leitend ist regelmäßig die Kontextualisierung des Themas durch den Islam (Brumlik und Freise).

Ein weiter reichender Überblick zum derzeitigen Forschungsstand zu Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit oder eine systematische Aufschließung des Diskursstandes kann offenbar an dieser Stelle nicht geleistet werden. Auch wäre ein Bezug zur Methodik und Praxis Sozialer Arbeit bereits in diesem Kapitel wünschenswert und sollte weiter ausgeführt werden.

Zum zweiten Kapitel

Anknüpfend an den gesellschaftlichen Überblick zum Thema Religion geht das zweite Kapitel den Fragen nach, welche Auswirkungen sich daraus für die Soziale Arbeit ergeben und wie diese darauf reagieren sollte. Vor allem Matthias Nauerth, Axel Bohmeyer und Kerstin Löchelt/Germo Zimmermann verweisen auf Anknüpfungspunkte zwischen der Notwendigkeit von Religionssensibilität und bestehenden Theorien und Konzepten Sozialer Arbeit. Unter Einbeziehung sozialer Anerkennungsprozesse scheint es für die Autor*innen offensichtlich, dass Religion als Ressource auf ihre Wiederentdeckung durch die Soziale Arbeitet wartet, jedoch noch zu wenig anerkannt und genutzt wird.

Eckhard Frick/Klaus Baumann und Dörthe Vieregge betrachten die empirischen Befunde zum Thema Religion und Spiritualität.

Während Frick/Baumann einen Überblick über die qualitative und quantitative Empirie von Spiritualität gewähren, stellt Vieregge eine qualitative Studie vor, in der Einblicke in die subjektive Bedeutung und Struktur von Religiosität von Jugendlichen in einem christlichen Träger untersucht wurden, insbesondere in Hinblick auf die Bedeutung von Religiosität als Ressource. Die empirischen Beiträge verbleiben beispielhaft, ein repräsentativer Überblick fehlt.

Neben der Bedeutung von Religionssensibilität sehen die Autor*innen auch die Herausforderungen in der Umsetzung. Sie fordern eine Auseinandersetzung der Profession damit in Wissenschaft und Praxis. Dazu leisten sie erste Denkanstöße aus verschiedenen Perspektiven. So setzt Andreas Lob-Hüdepohl in seinem Artikel bspw. den Fokus auf die benötigten Kompetenzen von Sozialarbeiter*innen, während Ortrud Leßmann/Gunter Graf die gesellschaftlichen Bedingungen ansprechen, die eine freie Religionsausübung überhaupt erst ermöglichen.

Ay?e Güzin Altunbay und Ephraim Meir regen des Weiteren ein Nachdenken über religiöse Aspekte in der interkulturellen Begegnung an und diskutieren die sich daraus ergebenen Herausforderungen und Chancen für das Zusammenleben in einer religiös zunehmend pluralisierten Gesellschaft.

Zum dritten Kapitel

Im dritten Kapitel des Buches sind laut Einleitung des Bandes anwendungsbezogene Beiträge versammelt. Sie beziehen sich auf Fragen der konzeptionellen und methodischen Konsequenzen, die sich aus der Forderung nach Religionssensibilität ergeben. In diesem Zusammenhang beschäftigen sich die Autor*innen dieses Kapitels einerseits mit konkreten Handlungsfeldern wie Gemeinwesenarbeit, Beratung, handlungs- und erlebnisorientierter Gruppenarbeit und Jugendhilfe. Andererseits wird ein Blick auf weitere Zugänge zur Religionssensibilität in der Praxis über Spiritualität, Meditation und auf die Ausbildung von Fachkräften der Sozialen Arbeit geworfen. Es bleibt der Eindruck, dass konkrete handlungsfeldbezogene Methoden und Konzepte hinsichtlich der Religionssensibilität weniger vorhanden sind. Lediglich in den Beiträgen von Frank Düchting und Claudia Schulz werden diese hinreichend aufgegriffen.

Der Artikel von Schulz sticht heraus, da er ein umfassend gut recherchierter Beitrag einer praxiserfahrenen Autorin ist. Er bietet eine sehr detaillierte Darstellung von Projekten, bei denen Studierende der Sozialen Arbeit durch eine sensible Grundhaltung einen Zugang zu religiösen Themen bekommen sollen. Hierbei geht es darum, die heterogenen Einstellungen der Studierenden hinsichtlich Religion zu nutzen; sie dazu zu ermutigen, ihr eigenes Wertesystem in eine Beziehung zu anderen, fremden Wertvorstellungen zu setzen. Fraglich ist, ob der Beitrag in diesem Kapitel richtig platziert wurde.

Die weiteren Texte beziehen sich hingegen inhaltlich sehr verallgemeinernd auf Soziale Arbeit. Dennoch sprechen die Autor*innen wichtige Punkte an, welche auf dem Weg zu einer religionssensiblen Grundeinstellung im Sinne einer professionellen Haltung der Fachkräfte gewinnbringend sein können. Nach der Lektüre des Kapitels scheint es (noch) keine eigenständigen Methoden für Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit zu geben. Vielmehr wird sie in bewährte Konzepte eingewoben und ein Bewusstsein für die Thematik geschaffen. In diesem Zusammenhang wäre auch die Überschrift dieses Kapitels zu überdenken – „Einbettung der Religionssensibilität in bestehende Handlungskonzepte und Methoden“ würde dem Inhalt des Kapitels möglicherweise mehr entsprechen.

Zum vierten Kapitel

Das vierte Kapitel, welches mit „Religionssensibilität in Organisationen und ausgewählten Handlungsfeldern“ betitelt ist, zeichnet sich durch einen Schwerpunkt auf die Thematik von Religionssensibilität in Organisationen aus, indem die Rolle von Trägern und Führungskräften Sozialer Arbeit in insgesamt vier Beiträgen von Friedemann Green, Dierk Starnitzke, Hanns-Stephan Haas und Andreas Theurich aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird.

In Bezug auf die Darstellung von Praxisbeispielen aus Handlungsfeldern ist darauf hinzuweisen, dass eine Beschränkung auf die Arbeitskontexte Psychiatrie und Schule vorgenommen wurde. Da sich diese zwei Handlungsfelder insbesondere durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Professionen kennzeichnen, findet im vierten Kapitel keine aussagekräftige Darstellung ausgewählter Handlungsfelder Sozialer Arbeit statt.

Die Autor*innen aller Fachbeiträge plädieren für eine Soziale Arbeit, die sich offen gegenüber Religion und Spiritualität zeigt. Dabei wird Selbstreflexion als ein wichtiger Bestandteil beschrieben, da die eigenen Glaubensvorstellungen als Ausgangspunkt für einen reflektierten und professionellen Umgang mit individualisierten Glaubensformen dienen. Die Begriffe Religion, Spiritualität und Sinnsuche werden jedoch im vierten Kapitel synonym verwendet und inhaltlich nicht voneinander abgegrenzt. Es scheint somit als weiche das Verständnis der einzelnen Autor*innen vom Allgemeinen, welches zu Beginn des Buches erläutert wurde, ab.

Offen bleibt zudem, warum der Beitrag von Handan Aksünger mit dem Titel „Der Dienst am Menschen ist zugleich ein Dienst an Gott -Gedanken aus alevitischer Perspektive“ nicht dem folgenden Teil „Spezifische Perspektiven aus konfessionellen Kontexten“ zugeordnet ist.

Zum fünften Kapitel

In beiden Texten des letzten, fünften Kapitels erscheint das vorgestellte Material bzw. die vorgestellte Methodik in erster Linie nicht für den sozialarbeiterischen Handlungsbereich erstellt worden zu sein. Dennoch können mit beiden Arbeiten entscheidende Impulse und Ideen für religionssensibles Handeln und vor allem für interreligiösen Dialog geliefert werden.

Diskussion

Wir leben in einer Zeit, die offenbar immer noch oder wieder neu „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“ aufbringt und in der Religion ein relevantes Thema zu sein scheint, an dem auch Soziale Arbeit nicht vorbei kann. Anlässe, um über Religion zu sprechen, bieten sich etliche und die viel beschworene Säkularisierung nahm einen anderen Verlauf als gedacht. Statt des „Verschwindens der Götter“ begegnen uns Religionen überall. Pluralismus und Synkretismus prägen die religiösen Zugänge; die Gleichzeitigkeit von Widersprüchlichem und Gegensätzlichen genauso wie die Individualisierung der großen religiösen Traditionen hin zu privaten Bruchstücken subjektiver Religiosität in unserer westlichen Gesellschaft.

Angesichts dieser unübersichtlichen Situation versucht sich der Sammelband an einem recht schwierigen und sehr ambitionierten Vorhaben: Religionssensibilität als Thema und professionseigene Perspektiven Sozialer Arbeit auf Religion zu eröffnen. Doch schon bei den Begrifflichkeiten herrscht Unklarheit – wenn Religion, Transzendenz, Religiosität, religiöse Bildung und letztlich auch Kultur so sehr weit gefasst werden und quasi als Synonyme verwendet werden, was heißt dann Religionssensibilität konkret? Und: Welcher Mehrwert steckt in dem Begriff für eine Soziale Arbeit, die sich ohnehin schon lebensweltorientiert versteht und individuelle Deutungsmuster und subjektive Plausibilitäten zu übersetzen und zu verstehen versucht? Zuletzt: Wie könnte Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit praktisch gestaltet werden?

Diesen Fragen nähert sich der Sammelband aus sehr verschiedenen Blickwinkeln und muss notgedrungen dann und wann hinter seinem Anspruch zurückbleiben. So fehlen manchmal die Bezugnahmen der Artikel aufeinander. Die Beiträger*innen eröffnen mit ihren Perspektiven einen Diskurs, der mit diesem Band beginnen kann. Dieser Diskurs regt Sozialarbeitende dazu an, die Auseinandersetzung mit dem Thema Religion zu suchen. Dabei wird Religionssensibilität als Haltung und als Wahrnehmungskategorie, nicht aber als Methode verstanden. Methodisch eröffnet der dritte Teil den Diskurs. Der vierte Teil vermag dagegen eher in Hinblick auf die Organisationsebene zu überzeugen.

Fazit

Insgesamt wird die Bedeutung des Themas Religion durch die unterschiedlichen Perspektiven deutlich gemacht. Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit bilden den Bezugsrahmen, sind aber nicht systematisch durchdacht. Dieses zeigt sich beispielsweise an der Auswahl der Handlungsfelder. Die spezifische Logik der Arbeitsfelder kommt dennoch zur Geltung, gerade dadurch aber verunklart sich die eindeutige Bestimmung dessen, was religionssensible Soziale Arbeit sein könnte.

Kritisch zu betrachten ist, dass die Herausgeber*innen zwar den Anspruch eines offenen Religionsbegriffes stellen, die Beiträge jedoch vorrangig monotheistisch, wenn nicht sogar vorrangig christlich gefärbt sind. Religionssensibilität sollte hingegen bedeuten, sensibel für alle Religionen zu sein, die Sozialarbeitenden in der Praxis faktisch begegnen.

Auch wenn nicht alle Fragen hinreichend beantwortet werden konnten, ist dieses Sammelwerk ein wertvoller Beitrag zum fachlichen Diskurs um religionssensible Soziale Arbeit.


Rezensent
Prof. Dr. Ralf Evers
Evangelische Hochschule Dresden
Homepage www.ehs-dresden.de
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Zitiervorschlag
Ralf Evers. Rezension vom 22.08.2018 zu: Matthias Nauerth, Kathrin Hahn, Sylke Kösterke, Michael Tüllmann (Hrsg.): Religionssensibilität in der Sozialen Arbeit. Positionen, Theorien, Praxisfelder. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2017. ISBN 978-3-17-032206-6. Hinweis: Die Rezension wurde von Studierenden der Evangelischen Hochschule Dresden verfasst. Da aus technischen Gründen nicht alle Namen in der üblichen Weise angegeben werden können, ist der Name des begleitenden Dozenten als Rezensent angegeben. Die Namen der VerfasserInnen sind:

Jens Beyer, Daniela Böhme, Franziska Bötsch, Nadine Brinker, Julia Hieke, Johannes Hogrebe, Anne Kollwitz, Raphael Komanns, Yvonne Krüger, Stefanie Kutzner, Thomas Lange, Jennifer Messerer, Ralph Moses, Tom Ott, Maria Peschel, Tatjana Reif, Jana Solveig Schweeren, Mechthild Siegmund, Jenny Sömisch, Nora Wagner und Pauline Wild.

Alle Autor*innen dieser Rezension studieren im Masterstudiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Dresden. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24783.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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