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Robert Wegener, Marianne Hänseler u.a. (Hrsg.): Coaching-Prozessforschung

Cover Robert Wegener, Marianne Hänseler, Michael Loebbert, Agnès Fritze (Hrsg.): Coaching-Prozessforschung. Forschung und Praxis im Dialog. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2018. 236 Seiten. ISBN 978-3-525-40292-4. D: 45,00 EUR, A: 46,30 EUR.
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Thema

Das von Robert Wegener, Agnès Fritze, Marianne Hänseler und Michael Loebbert herausgegebene Buch stellt den Stand der Coaching-Prozessforschung dar. Im ersten Teil des Buches werden verschiedene Ansätze zur Analyse von Coaching-Prozessverläufen vorgestellt. Im zweiten Teil werden Coaching-Prozesse theoretisch analysiert.

Herausgeber/innen

Die Herausgeber/innen sind sowohl wissenschaftlich an Fachhochschulen als auch als Coaches in der Praxis tätig.

  • Dr. Robert Wegener ist Businesscoach, Dozent, Wissenschaftler und Co-Leiter der Coaching Studies FHNW.
  • Prof. Agnès Fritze ist Diplom-Sozialarbeiterin und Coach. Sie ist Direktorin der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.
  • Dr. Marianne Hänseler ist Coach, Supervisorin und Philosophin. Sie ist stellvertretende Studienleiterin des MAS FHNW in Coaching und Co-Leiterin der Coaching Studies FHNW.
  • Dr. Michael Loebbert ist Executive Coach, Supervisor und Organisationsberater. Er ist Programmleiter des MAS FHNW in Coaching und Co-Leiter der Coaching Studies FHNW.

Entstehungshintergrund

Das Buch enthält Beiträge zum vierten Internationalen Coachingkongress „Wirkung, Qualität und Evaluation im Coaching“, der 2016 in Olten/Schweiz durchgeführt und von der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW organisiert wurde.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des Buches sind Coaches, die sich intensiver damit beschäftigen möchten, wie Coaching wirkt und welche Wirkfaktoren im Coaching existieren.

Aufbau und Einleitung

Das Buch besteht aus zwei Teilen, in denen insgesamt zwölf Beiträge versammelt sind.

Die Einleitung der Herausgeber/innen stellt den Entstehungshintergrund des Buches dar. Deutlich wird hier bereits, dass es dem Buch um das „Wie“ im Coaching geht, d.h. was während einer Coaching-Sitzung oder auch nur einer Coaching-Sequenz passiert, ist von Interesse.

Zu Teil 1

Der erste Teil „Ansätze der Coaching-Prozessforschung“ enthält acht Beiträge:

  • Konturen einer prozessorientierten Coaching-Forschung
  • Psychologische Coaching-Forschung zu Interaktionsprozessen, Coaching-Formaten und Diagnoseinstrumenten
  • Kritische Momente im Coaching
  • Ein sprechakttheoretischer Ansatz zur Evaluation von Coaching-Prozessen
  • Das Coaching-Prozess Q-Set (CPQS)
  • Wie im Coaching neue Einsichten entstehen
  • Äußerung für Äußerung zum Coaching-Prozess
  • Veränderungsprozesse im Coaching sichtbar machen

Der einleitende Beitrag von Robert Wegener Konturen einer prozessorientierten Coaching-Forschung zeigt die Entwicklung von Coaching als Gegenstand der Wissenschaft auf. Der Autor legt den Schwerpunkt auf den Coaching-Prozess und nicht auf das Coaching-Ergebnis. Er bietet eine prozessorientierte Landkarte als Systematik für die Weiterentwicklung der Coaching-Forschung und verortet die einzelnen Beiträge des Buches in dieser Landkarte. Ein umfangreicher Anhang mit Literaturquellen zu Metaanalysen und Reviews zum Stand der Coaching-Forschung sowie wissenschaftlichen Zeitschriften mit einem Coaching-Schwerpunkt und Lehr- und Handbücher zum Coaching runden den einführenden Beitrag ab.

Der Beitrag Psychologische Coaching-Forschung zu Interaktionsprozessen, Coaching-Formaten und Diagnoseinstrumenten von Sina Gessnitzer, Eva-Maria Schulte und Simone Kauffeld fasst die Ergebnisse aus 15 Studien zur Coach-Klient-Interaktion und den Wirkfaktoren im Coaching zusammen. Anregungen für die Coaching-Praxis werden abschließend abgeleitet und Forschungsdefizite benannt.

Mit dem Thema Kritische Momente im Coaching beschäftigen sich Erik de Haan und Christiane Nieß. Die Autoren gehen der Frage nach, was Klienten, Coaches und Interessengruppen als Ergebnis eines Coaching-Prozesses wahrnehmen. Hierfür haben sie einen Datensatz mit 177 Beschreibungen kritischer Momente im Coaching auf der Basis von 177 verschiedenen Stakeholdern zusammengestellt und analysiert. Während die Klienten, aber auch die Coaches, v.a. wichtige intrapersonelle Veränderungen bemerken (z.B. neue Einsichten, erhöhte Selbstwahrnehmung) bemerken die Auftraggeber v.a. sichtbare Verhaltensänderungen in den zwischenmenschlichen Fähigkeiten.

Harald Geißler stellt in seinem Beitrag Ein sprechakttheoretischer Ansatz zur Evaluation von Coaching-Prozessen ein mehrdimensionales Kategoriensystem für die Erfassung und Analyse der Sprechakte von Klienten und Coaches in Coaching-Sitzungen vor.

Adrian Myers gibt einen Überblick über Das Coaching-Prozess Q-Set (CPQS). Dabei handelt es sich um ein Instrument zur Untersuchung von Interaktionen zwischen Klient und Coach in den unterschiedlichen Arten von Einzelcoaching.

Siegfried Greif und Frank Riemenschneider-Greif widmen sich der Frage Wie im Coaching neue Einsichten entstehen. Sie sprechen sich dafür aus, stärker theoriegeleitet innerpsychische Prozesse zu untersuchen. Die Autoren stellen eine Reihe von systemischen Methoden vor (z.B. Wunderfrage, zirkuläre Fragen).

Eva-Maria Graf beschreibt in ihrem Beitrag Äußerung für Äußerung zum Coaching-Prozess, was die qualitative Gesprächsanalyse zur Prozessforschung im Coaching beitragen kann. Dabei stellt die Autorin die gesprächslinguistische Perspektive vor, die für den Bereich Coaching bisher noch wenig entwickelt ist. Auf Basis von neun Coaching-Prozessen im Bereich Führungskräfte-Coaching wurde das gesprochene Wort transkribiert und sprachanalytisch ausgewertet.

Der letzte Beitrag des ersten Teils des Buches Veränderungsprozesse im Coaching sichtbar machen von Christiane Schiersmann und Ariane Wahl stellt ein onlinegestütztes Verfahren vor, das Veränderungsprozesse im Alltag für den Ratsuchenden und den Coach sichtbar machen kann: das Synergetische Navigationssystem (SNS). Dabei wird über einen Fragebogen mit Kommentarfunktion täglich die Befindlichkeit des Ratsuchenden erfasst. Über die Dauer des Coaching-Prozesses kann dies dem Ratsuchenden die stattgefundene Veränderung bewusster machen.

Zu Teil 2

Der zweite Teil des Buches „Auf dem Weg zu einer Coaching-Wissenschaft. Bilanz und Ausblick“ enthält drei theoretisch ausgerichtete Beiträge zu Coaching-Prozessen:

  • Was wirkt eigentlich in der Beratung?
  • Erfolgsfaktoren – wie Coaching wirksam wird
  • Abenteuer, Traum und Normalität einer Coaching-Wissenschaft

Christiane Schiersmann und Heinz-Ulrich Thiel fragen Was wirkt eigentlich in der Beratung? Die Autoren stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Beratung und Psychotherapie dar. Coaching verstehen sie als spezifisches Beratungsformat. Sie geben einen Überblick über verschiedene Beratungsformate und stellen mit dem integrativen Prozessmodell eine allgemeine Beratungstheorie vor.

Michael Loebbert stellt in seinem Beitrag Erfolgsfaktoren – wie Coaching wirksam wird kritische Erfolgsfaktoren im Coaching vor und setzt sie in den Kontext eines Prozessmodells für Coaching-Handeln.

Der letzte Beitrag Abenteuer, Traum und Normalität einer Coaching-Wissenschaft von Marianne Hänseler reflektiert aus einer wissenschaftstheoretisch-konstruktivistischen Perspektive die Beiträge des Buches.

Eine Übersicht über die Autorinnen und Autoren beendet das Buch. Die Verfasser und Verfasserinnen haben zwar unterschiedliche Ausbildungshintergründe, alle arbeiten aber auch als Coach oder sind in der Coaching-Ausbildung tätig.

Diskussion und Fazit

Das Buch gibt einen aktuellen und facettenreichen Überblick über Prozessforschung im Coaching. Dabei konzentrieren sich die meisten Beiträge auf die Vorstellung von verschiedenen Forschungsansätzen im Bereich Coaching, aber machen ihre Forschung selten anschaulich anhand konkreter praktischer Fallbeispiele. Eine Ausnahme stellt der Beitrag von Greif und Riemenschneider-Greif dar.

Der Beitrag von Schiersmann und Thiel im zweiten Teil des Buches stellt ein grundlegendes Verständnis von Beratung und thematisiert die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede von Beratung, Psychotherapie und Coaching. Dieser Beitrag wäre weiter vorn im Buch als Einführung in die Thematik wünschenswert gewesen.

Schön wäre es auch gewesen, wenn die verschiedenen Coaching-Arten (z.B. Executive Coaching – Beitrag von de Haan und Nieß) in einem einleitenden Beitrag kurz in ihrer Abgrenzung voneinander vorgestellt worden wären. Die meisten Beiträge machen nicht deutlich, über welche Coaching-Art konkret geforscht wurde.

Auch wenn das Buch explizit den Fokus auf die Coaching-Prozessforschung gelegt hat und nicht das Ergebnis eines Coachingprozesses in den Blick nahm, wäre es doch sehr spannend, zu erfahren, wie nachhaltig Coaching bei den Coachees wirkt. Aber dies wäre ein Thema für weitere Forschung und verweist auf den bestehenden Forschungsbedarf in diesem speziellen Beratungsformat.


Rezensentin
Dr. Anke Höhne
Freiberuflich tätig in eigener Praxis als Systemische Beraterin und Coach
Homepage www.anke-hoehne.de
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Zitiervorschlag
Anke Höhne. Rezension vom 22.05.2019 zu: Robert Wegener, Marianne Hänseler, Michael Loebbert, Agnès Fritze (Hrsg.): Coaching-Prozessforschung. Forschung und Praxis im Dialog. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-525-40292-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24801.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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