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Johannes Eurich, Markus Glatz-Schmallegger u.a. (Hrsg.): Gestaltung von Innovationen

Cover Johannes Eurich, Markus Glatz-Schmallegger, Anne Parpan-Blaser (Hrsg.): Gestaltung von Innovationen in Organisationen des Sozialwesens. Rahmenbedingungen, Konzepte und Praxisbezüge. Springer VS (Wiesbaden) 2018. 348 Seiten. ISBN 978-3-658-19288-4. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 41,50 sFr.
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Herausgeber

Herausgeber/in sind:

  • Johannes Eurich, Professor für Praktische Theologie/Diakoniewissenschaft an der Universität Heidelberg und Direktor des Diakoniewissenschaftlichen Instituts der Universität Heidelberg,
  • Markus Glatz-Schmallegger, Inhaber von „valUse: Personal – Management – Bildung“ und lehrt an den FH Oberösterreich und Burgenland,
  • und
  • Anne Parpan-Blaser, Professorin an der HS für soziale Arbeit der FH Nordwestschweiz in Olten,

sowie eine Vielzahl weiterer Autoren, die in der Folge zusammen mit den von ihnen vertretenen Inhalten genannt werden.

Thema und Zielsetzung

Das Buch bietet einen Einblick in die länderspezifischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede des D-A-CH-Bereiches. Im Vordergrund stehen innovative Entwicklungen und insbesondere deren sozialstaatliche Rahmenbedingungen. Regionale und lokale Social Start-up Szenen werden nicht berücksichtigt. Ein zweiter Aspekt ist das Erhellen der Gestaltung von Innovationen in Organisationen des Sozialwesens und insbesondere der komplexe Prozess des Einführens von Innovationen in diesem Bereich. Das Buch will einen vertieften Einblick und ein Orientierungswissen sowie eine kritisch reflektierte Praxis bei der Initiierung, Steuerung und Gestaltung von Innovationsprozessen unterstützen.

Aufbau und Inhalt

Man könnte das Buch in folgende Abschnitte teilen: Im ersten Teil geht es schlicht um Innovationen, Organisationen, Akteure und Rahmenbedingungen des Sozialwesens. Im zweiten Teil stehen die Rahmenbedingungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (kurz: D-A-CH) im Mittelpunkt, gefolgt von einem Kapitel zur Finanzierung. In einem dritten Teil wird auf Steuerung, Gestaltung und Wirkung fokussiert, während es im vierten Teil um die Verbreitung von sozialen Innovationen und um die Kommunikation im Innovationsprozess geht. Nachfolgend die Beiträge im Einzelnen:

Johannes Eurich nimmt ausgehend von der Erkenntnis des Handlungsbedarfes in allen drei Ländern zur Gestaltung von sozialen Innovationen und den Innovationen in sozialen Dienstleistungen die Diskussion auf und geht auf die Herausforderungen von Innovationen an die Steuerung sozialer Dienste ein: Produkt- und prozessbezogene Trends sowie die rahmenbedingungsbezogenen Trends in den nationalen Settings. Parpan-Blaser beschäftigt sich anschließend mit den Organisationen als Ort von Innovationen. Schröer geht anschließend auf die Akteuren des Wandels in Organiationen des Sozialwesens ein: SozialunternehmerInnen, Social Intrapreneurs, Führungskräfte, NutzerInnen, Soziale Bewegungen. Zudem widmet er sich den strategischen und normativen Herausforderungen für soziale Innovationen.

Im länderspezifischen Teil werden von Heinze die Rahmenbedingungen für Innovationen im deutschen Sozialsektor dargestellt. Dimmel geht auf die Arrangements von Innovationen im österreichischen Sozial- und Wohlfahrtsstaat ein, wobei auch die Frage nach dem Neuen oder Wiederholung von Altem bei Innovationen aufgeworfen wird. Die Schweizer Rahmenbedingungen des Wohlfahrtsstaates für Innovationen stellt anschließend Knöpfel vor. Ausgehend vom nachholenden Staat über den direktdemokratischen Staat verläuft die Diskussion bis hin zum Sozialstaat als Nährboden für soziale Innovationen.

Ein interessantes Kapitel zum Thema Finanzierung starten Glatz-Schmallegger/Gollner mit den Impulsen an der Schnittstelle von Gesundheits- und Sozial-Wirtschaft mit der Forderung nach institutionellen Innovationen. Dabei gehen sie an den Chancen des „Supply chain“-Modells für soziale Innovationen vorbei, wohl aber thematisieren sie die Chancen der Integration der Kundensicht in die Gestaltung neuer sozialer Dienstleistungen. Schober thematisiert anschließend alternative Formen der Finanzierung von sozialen Dienstleistungen. Ausgehend von den klassischen Finanzierungsformen geht er auf das Fundraising und auch auf das Thema „Mezzaninkapital“ ein. Abschließend thematisiert er auch Merger und Konzernbildung als Sonderform der externen Finanzierung von NPO's als Exkurs. Eisenreich/Scholz legen zusammenfassend einen Artikel zur Finanzierung sozialer Innovationen auf europäischer und nationaler Ebene vor.

In einem weiteren Abschnitt des Buches beginnen Hüttemann/Solér mit der Relevanz und „Relevierung“ von Wissen im Innovationsprozess. Lernprozesse und Wissensvermittlung werden auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Die Steuerung und Gestaltung von Innovationsprozessen bearbeitet Parpan-Blaser und stellt auch die Frage, was die Innovationsfähigkeit von Innovationen stärkt und erhöht. Es gilt dabei relevante Einflussfaktoren zu denken und in die Gestaltung des Innovationsprozesses lösungsorientiert einzubauen. Kehl/Then/Rauscher/Schober widmen sich der Wirkungsorientierung von Innovationen in Organisationen des Sozialwesens. Enthalten ist neben einem Wirkungsmodell inklusiver Stakeholder-Differenzierung auch ein Modell zur wirkungsorientierten Strategieentwicklung. Der Artikel schließt mit der Quantifizierung und Monetarisierung als Grundlegung von Steuerungsentscheidungen. Mildenberger/Schmitz bringen einen interessanten Artikel zur unabdingbaren Frage der Skalierung und Verbreitung sozialer Innovationen, wobei sie bei der Befriedigung unentdeckter oder bislang unbefriedigter Bedürfnisse beginnen und Ideen zur weiteren Verbreitung sozialer Innovationen diskutieren. Den etwas unspektakulären Schluss setzt Posch mit der Kommunikation in Innovationsprozessen. Open Innovation ist hier ebenso vertreten wie Augmented Reality.

Fazit

Das Buch ermöglicht dem Leser nach einer Einführung in das Thema Innovation eine Vertiefung in die Rahmenbedingungen der länderspezifischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die Finanzierung und schließlich auch der Verbreitung. Der Leser erhält somit einen Überblick zu den genannten Themenbereichen und somit auch Anregungen für die Gestaltung sozialer Innovationen. Wenn man kritische Bemerkungen eines Außenstehenden Lesers anbringen will, dann könnte dies die Frage nach der intensiveren Diskussion der strategischen Ausrichtung von Innovationen sein. Aus der Sicht eines Betriebswirtes wäre auch noch der Supply-Chain-Gedanke bei sektorübergreifenden Dienstleistungen sowie die ökonomische Gestaltung von Dienstleistungsprozessen vertiefenswert. Es ist Aufgabe des Lesers über den Überblick hinausgehend sich in die eigenen regionalen Bedarfe und damit in die je spezifische Gestaltung des Innovationsprozesses bei sozialen Dienstleistern einzuarbeiten. Der Leser ist jedenfalls gut beraten, sich von der äußerst differenziert dargestellten und komplexen Materie sozialer Innovationen nicht einfangen zu lassen.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 17.01.2019 zu: Johannes Eurich, Markus Glatz-Schmallegger, Anne Parpan-Blaser (Hrsg.): Gestaltung von Innovationen in Organisationen des Sozialwesens. Rahmenbedingungen, Konzepte und Praxisbezüge. Springer VS (Wiesbaden) 2018. ISBN 978-3-658-19288-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24844.php, Datum des Zugriffs 06.12.2019.


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