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Annelie Starzinger, Gabi Wolfsgruber: Grundlagen der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Cover Annelie Starzinger, Gabi Wolfsgruber: Grundlagen der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin (Berlin) 2018. 140 Seiten. ISBN 978-3-96138-077-0. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
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Thema

Die vorliegende Veröffentlichung vertritt den Anspruch, in die Grundlagen der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einzuführen und orientiert sich dabei an den Blickrichtungen, die das SGB VIII vorgibt.

Autorinnen

Dr. Anneli Starzinger ist Kommunikationswissenschaftlerin und war in der Redaktion des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe tätig.

Dr. Gabi Wolfsgruber ist Erziehungswissenschaftlerin und Sozialpädagogin; an der Fresenius-Hochschule lehrt sie im Studiengang Soziale Arbeit als Dozentin.

Aufbau und Inhalt

Auf zweieinhalb Seiten versuchen die Autorinnen eine Darstellung unter der Überschrift „Geschichte und Gegenwart der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ zu bieten. Gänzlich auf die nationale Ebene beschränkt, wird als Hauptlinie der Abbau von Benachteiligungen gesehen. Unter dem Stichpunkt „Gegenwart“ wird hier eine Erweiterung hinsichtlich Kinderbetreuung und Kinderschutz benannt.

Das folgende Kapitel zur Lebenslage von Kindern und Jugendlichen legt einen Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarmut und thematisiert in einem Unterkapitel Entwicklungs- und Bildungsanforderungen für die beschriebene Lebensphase.

Davon abgeleitet soll Kapitel vier auf immerhin drei Seiten eine Einschätzung zu Herausforderungen und Perspektiven in der Sozialen Arbeit mit dieser Altersgruppe bieten, im Wesentlichen besteht diese im Referieren von Handlungsanforderungen an Soziale Arbeit mit jungen Menschen unter Berücksichtigung der Effekte von Migration.

Das fünfte Kapitel beschreibt die Organisationsformen und Rahmenbedingungen der entsprechenden Arbeitsfelder. Rechtliche Grundlagen werden benannt und die Zuständigkeit absteigend von der Bundesebene herab beschrieben. Die Einordnung der ausführenden Ebene Sozialer Arbeit mit jungen Menschen basiert auf einer Einteilung von Leistungserbringern, Leistungsgewährleistern und Leistungsempfängern.

Kapitel sechs skizziert die Handlungsfelder Kindertagesbetreuung, Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Förderung und Erziehung in der Familie, ambulante und teilstationäre Hilfen zur Erziehung sowie stationäre Hilfen zur Erziehung.

Etwas ausführlicher wird auf die besonderen Zielgruppen Kinder und Jugendliche mit Migrations- und Fluchtgeschichte, von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffene, Schulmüdigkeit und Schulverweigerung, Verhaltensauffälligkeiten und Straffälligkeit sowie psychisch kranke Kinder und Jugendliche eingegangen.

Als ausgewählte Konzepte werden Partizipation und Empowerment, Lebenswelt- und Sozialraumorientierung, inklusive und diversitätssensible sowie gendersensible und geschlechtsbezogene Ansätze beschrieben.

Als Methoden für die Praxis der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden vorgestellt: Ressourcen- und bedarfsorientierte Jugendhilfeplanung, Beratungsarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit, Projektbezogene Kinder- und Jugendarbeit, aufsuchende mobile Arbeit, Spiel- und Erlebnispädagogik, Medien,– Theater- und Kulturarbeit, Mediationsarbeit, Demokratiepädagogik und Biografiearbeit.

Diskussion

Der inhaltlichen Aufbau und die Knappheit der Erläuterungen legen die Schlussfolgerung nahe, dass es sich bei der Veröffentlichung um ein Veranstaltungsskript handelt. Dabei wirken die einzelnen Kapitelchen unzusammenhängend aneinandergereiht, sodass es immer wieder zu Widersprüchen kommt. So wird einerseits behauptet, Sozialarbeit mit Jungen sei „gerade erst dabei sich zu entwickeln“ (S. 45), im Bezug auf Gender Mainstreaming wird allerdings gesagt, dass „zentraler Aspekt dieses Wandels war, dass es in der Geschlechterfrage nun nicht länger allein um Mädchen, sondern um Mädchen und Jungen […] ging“ (S. 98). Geschuldet sind solche Unstimmigkeiten nicht zuletzt der schlechten Quellenrecherche, die sich im Wesentlichen auf wenige Überblickswerke bezieht, die in der Regel aus den Anfängen der 2000er Jahre stammen.

Generell ist die Literaturbasis zu bemängeln. Neben dem erwähnten Schwerpunkt auf (veralteten) Überblickswerken fehlen (nicht nur) die Onlinequellen im Literaturverzeichnis und lassen sich nur durch mühsames hin und her blättern in den Fußnoten finden. Eine Fußnote, die auf den Ordner eines privaten PC verweist, ist schlichtweg nicht zu rekonstruieren.

Die vorgestellten Handlungsfelder bieten zwar einen für diesen Rahmen ausreichenden Überblick und das Methodenkapitel versucht eine darauf abgestimmte Bandbreite abzudecken, doch auch hier fällt eine Oberflächlichkeit auf, die das ganze Buch durchzieht. Manche Zuordnung, wie z.B. die Mobile Jugendarbeit/Streetwork zur offenen Kinder- und Jugendarbeit (S. 39) entspricht zwar der vielerorts geübten Praxis, ist aber, da sie im Widerspruch zum Gesetzestext steht, zumindest in einem Einführungswerk erklärungsbedürftig.

Die Konzepte- wie die Methodensammlung kommen gänzlich ohne eingangs definierte Begriffe aus, sodass unklar bleibt, welcher Logik die Zuordnung folgt. Was Konzept, Methode oder gar Technik ist, bleibt damit eher gefühltes Wissen. Diese theoretische Unverbindlichkeit zeigt sich besonders dann, wenn generelle Handlungsgrundsätze zu Methoden für bestimmt Zielgruppen erhoben werden, wie im Falle von „straffälligen Kindern und Jugendlichen“ wenn von „hohe[r] Verbindlichkeit bei den pädagogischen Bezugspersonen“ (S. 79) als Methode gesprochen wird. Damit bietet die methodische Zuordnung kaum noch Orientierung für professionelles Handeln.

Unfachliche Argumentationen und unsaubere Formulierungen führen letztendlich zu einseitigen Betrachtungen – ein von der Kaufkraft entkoppelter Armutsbegriff führt zur Stigmatisierung ganzer Regionen (S. 68 f.) – und Missverständnissen, wie bei der Definition von Komm- und Gehstrukturen: „Eltern können beispielsweise eine Beratungsstelle aufsuchen oder Familienhelfer/innen kommen in eine Familie“ (S. 48).

Das Buch bietet eine Vielzahl an Grafiken, die in der Regel ohne Anpassung von im Internet vorgefundenen Präsentationen stammen und verschwommen in den Text kopiert sind. Eindeutiger kann man nicht sagen, dass man am Thema nicht interessiert ist und es nur um eine zweifelhafte Verlängerung der eigenen Veröffentlichungsliste geht.

Fazit

Dem im Titel aufgemachten Anspruch eines Grundlagenwerks, wird die Veröffentlichung nicht gerecht. Oberflächliche Auseinandersetzung, schlechte Literaturrecherche und ein schludriges Layout lassen das Büchlein für die angesprochenen Zielgruppen Studierende zu einer Quelle von Missverständnissen und für die „Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit, die sich für dieses Thema interessieren“ (Klappentext) schlichtweg zum Hohn werden.


Rezensentin
Dipl. Soz.-Arb. / Dipl. Soz.-Päd. Maria Wolf
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Zitiervorschlag
Maria Wolf. Rezension vom 18.02.2019 zu: Annelie Starzinger, Gabi Wolfsgruber: Grundlagen der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin (Berlin) 2018. ISBN 978-3-96138-077-0.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24845.php, Datum des Zugriffs 18.06.2019.


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