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Maria Teresa Diez Grieser, Roland Müller: Mentalisieren mit Kindern und Jugendlichen

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 06.05.2019

Cover Maria Teresa Diez Grieser, Roland Müller: Mentalisieren mit Kindern und Jugendlichen ISBN 978-3-608-96151-5

Maria Teresa Diez Grieser, Roland Müller: Mentalisieren mit Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2018. 233 Seiten. ISBN 978-3-608-96151-5. D: 30,00 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Mentalisieren in Klinik und Praxis - Band 4. Fachbuch
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Thema

Die AutorIn sensibilisieren für die besondere Rolle des Mentalisierens von Kindern und Jugendlichen für deren psychische und soziale Entwicklung.

AutorIn oder HerausgeberIn

Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser verfügt über jahrelange klinische und Forschungserfahrungen. Neben ihrer Tätigkeit in eigener Praxis leitet sie u.a. die Angebotsentwicklung in den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten St. Gallen. Dr. phil. Roland Müller arbeitet ebenfalls in eigener Praxis. Sein Engagement gilt in besonderem Maße der Psychotherapie. So begründete er auch das Institut für Kinder-, Jugendlichen- und Familientherapie Luzern mit.

Aufbau

  1. Einleitung
  2. Mentalisieren als zentrale Entwicklungsaufgabe in der Kindheit
  3. Mentalisieren als zentrale elterliche Fähigkeit
  4. Mentalisieren fördern in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie
  5. Praxis der therapeutischen Mentalisierungsförderung
  6. Mentalisierungsstärkende Interventionen mit Müttern/Eltern und Kleinkindern in verschiedenen Settings
  7. Mentalisieren in pädagogischen Kontexten und in der Prävention
  8. Fazit und Ausblick

Das Buch endet mit der Literatur, dem Dank und den Angaben zu Autorin und Autor.

Inhalt

Das Buch beginnt vor dem Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und dem eigentlichen Inhalt mit der Definition der Mentalisierungsfähigkeit.

In der Einleitung wird diese Definition erweitert und so erfahren die LeserInnen, dass die Mentalisierungsfähigkeit ein „Superhighway“ (S. 11) zum sozialen Lernen und zur kulturellen Umwelt darstellt.

So werden im Kapitel 2 die verschiedenen Entwicklungsstränge von Kindern erläutert und die Rolle von Beziehungen für die Entwicklung der Mentalisierungsfähigkeit beschrieben. Dabei orientieren sich die Autorin und der Autor an den verschiedenen Modi des Mentalisierens innerhalb der Entwicklungsphasen (einschließlich der prämentalen Modi) bis zur Adoleszenz. Die kurzen Beispiele veranschaulichen jeweils die gemeisterten Entwicklungsphasen.

Wie im Kapitel 3 nachgewiesen wird, ist das Beziehungsangebot der Bezugspersonen die Basis für die „gesunde kindliche Entwicklung“ (S. 46). Thematisiert wird der Entwicklungsprozess vom Paar zu Eltern und ebenfalls exemplarisch erläutert. Der Aufbau des epistemischen Vertrauens wird nicht nur als wesentlicher präventiver Grundbaustein der kindlichen Entwicklung beschrieben, sondern auch in Beziehung u.a. zur unsicher-vermeidenden Bindung gesetzt. Ebenso betrachten Diez Grieser/Müller traumatisierte Eltern bezüglich Beziehungsmuster und Übertragungsmechanismen auf ihre Kinder. Mentalisierungsorientierte Intervention hilft auch, so die AutorIn, unter diesen Bedingungen destruktive Familienzyklen zu durchrechen und wirken sogar präventiv bei identifizierten Risiken.

Die konzeptionelle Konsequenz aus den erarbeiteten Erkenntnissen steht im Focus des Kapitel 4. Theoriebasierte, neuartige Prinzipien der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie werden erläutert. Begleitend können die LeserInnen anhand einzelner Sequenzen der psychotherapeutischen Behandlung eines 10jährigen Kindes insbesondere die Intensität der therapeutischen Haltung nachvollziehen. Die Förderung der Mentalisierungsfähigkeit bei Kindern/ Jugendlichen und Eltern im therapeutischen Setting ist sowohl eine Konsequenz aus den theoretischen Erkenntnissen und gleichzeitig eröffnet diese praktischen Möglichkeiten der Nachentwicklung in allen Altersstufen. 

Noch intensiver werden LeserInnen in die Praxis der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kapitel 5 einbezogen. Diez Grieser/Müller zeigen, wie die neuartigen Prinzipien (Kap.4) der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie umgesetzt werden können. So wird zusätzlich zur Fallvignette dank Fußnote auch die Methodenwahl näher begründet. So bietet die Übersicht über die prämentalisierenden Modi einen klaren Bezug des Fallbeispieles zur Theorie (Kap. 2). Übersichten, Methoden/ Techniken, Fußnoten sowie die Einbettung in theoretische Erkenntnisse machen dieses Kapitel zu einer wahren Fundgrube für PraktikerInnen und angehende Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

Im Kapitel 6 weisen Diez Grieser/ Müller nach, dass eine frühe und niederschwellige Unterstützung belasteter Familien positive Effekte auf die Eltern-Kleinkind-Beziehung haben können. Zielgruppenorientierte Angebote fungieren dabei als Zugang zu Risikogruppen.

Die Verbindung zwischen dem Mentalisieren und der Resilienz steht im Mittelpunkt von Kapitel 7. Exemplarisch soll die sozialpädagogische Begleitung von Pflegefamilien genannt sein.

Im Fazit wird der Mut gestärkt, dass mentalisierungsstärkende Psychotherapie nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt bleiben muss.

Diskussion

Das Motto dieses Fachbuches lautet: Es ist nie zu spät! Und es ist auch nichts veraltet, wenn es entwicklungsfördernd ist. Deshalb basieren die Beiträge in diesem Buch nicht nur auf die Forschungen von Fonagy, sondern greifen auch auf die Arbeit von Anna Freud zurück. Auch wenn der Focus dieses Buches auf der Arbeit mit Kindern/Jugendlichen (und Eltern) liegt, so bietet insbesondere das Kapitel 2 einen tiefen Einblick in die Bedeutung der Mentalisierungsfähigkeit für die psychische Entwicklung der Kinder. Eltern, die diese Fähigkeit nicht entwickeln konnten, werden ebenso in die (therapeutischen) Interventionen einbezogen. Dieser ganzheitliche Ansatz kann dank der ausführlichen Darstellung von Therapiekonzepten sowie Fallbeispiele sehr gut nachvollzogen werden. Dank der praxisorientierten Kapitel eignet sich dieses Fachbuch vor allem für die Psychotherapie. Darüber hinaus geht es den VerfasserIn nicht nur um die Mentalisierungsförderung bei Kindern und Erwachsenen im klinischen Kontext. Diez Grieser und Müller zielen ebenfalls auf das Mentalisieren im (sozial) pädagogischen Kontext sowie im Bereich der Prävention. Dank dieser inhaltlichen Bandbreite sollte dieses Fachbuch ebenfalls in die Weiterbildung, Ausbildung, das Studium von (Sozial) PädagogInnen, Pflegeeltern einbezogen werden. Doch bei allem Wissen um das Mentalisieren gerät nicht in Vergessenheit, dass Mentalisieren mit Kindern und Jugendlichen die Mentalisierungsfähigkeit der PsychotherapeutInnen und anderen professionellen HelferInnen voraussetzt.

Fazit

Ein Buch, das Mut macht! Die Mentalisierungsfähigkeit kann gefördert werden, bei Kindern, Jugendlichen und sogar (mit) bei Eltern. In sehr kompakter Form bieten die AutorIn wesentliche Erkenntnisse zur Mentalisierungsfähigkeit und dem Bedingungsgefüge zwischen Kinder/ Jugendlichen – deren Eltern – PschotherapeutInnen. Die VerfasserIn legen ein wirklich verständliches sowie handlungsleitendes Fachbuch vor. Professionelle HelferInnen und vor allem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen benötigen dieses Buch!

Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
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Es gibt 78 Rezensionen von Barbara Wedler.

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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 06.05.2019 zu: Maria Teresa Diez Grieser, Roland Müller: Mentalisieren mit Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-608-96151-5. Reihe: Mentalisieren in Klinik und Praxis - Band 4. Fachbuch. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24858.php, Datum des Zugriffs 08.08.2022.


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