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Pascal Bastian, Barbara Lochner (Hrsg.): Forschungsfelder der Sozialen Arbeit

Cover Pascal Bastian, Barbara Lochner (Hrsg.): Forschungsfelder der Sozialen Arbeit. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2018. 186 Seiten. ISBN 978-3-8340-1866-3. 19,80 EUR.

Reihe: Einführung in die Soziale Arbeit - Band 4.
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Thema

Es geht in diesem Buch um Forschung in der Sozialen Arbeit, von dem/der Herausgeber*in als sozialpädagogische Forschung bezeichnet. Dargestellt werden Überlegungen zu ihrer Bedeutung für Theorie und Praxis, ihren Spezifika, methodischen Zugängen, Forschungsfeldern und wie diese systematisiert werden könnten.

Herausgeber*in

Dr. phil. Barbara Lochner ist Professorin an der Fachhochschule Erfurt mit dem Schwerpunkt „Pädagogik der Kindheit“.

Dr. phil. habil. Pascal Bastian ist Professor für Sozialpädagogik an der Universität Koblenz-Landau.

Aufbau

Die insgesamt acht Beiträge des Buchs sind in vier Teile gegliedert:

Nach der Einleitung (Bastian/Lochner) „Zur Bedeutung von Forschungsfeldern in der Sozialen Arbeit“ (7-17) gehen Werner Thole und Barbara Lochner im zweiten Teil auf Geschichte und Konzeptualisierung einer sozialpädagogischen Forschung ein (19-44). Im dritten Teil werden fünf ausgewählte, zuvor von Bastian/Lochner eingeführte Forschungsfelder der Sozialen Arbeit fokussiert und an Beispielen aus der Forschungspraxis illustriert: Die gesellschaftlichen Bedingungen Sozialer Arbeit (Sandra Landhäuser/Melanie Kuhn: 45-69), ihre Organisationen (Thomas Ley/Simon Mohr: 71-97), ihre Adressatinnen (Katharina Mangold/Angela Rein: 99-125), ihre Professionellen (Lochner: 127-154) und schließlich ihre Wirkungen (Bastian: 155-177). Teil vier besteht aus einem Beitrag zum aktuellen Stand und den Perspektiven der sozialpädagogischen Forschung (Bastian/Lochner: 179-183). Die einzelnen Beiträge werden resümierend den eingeführten Bestimmungsmerkmalen sozialpädagogischer Forschung zugeordnet.

Die Beiträger*innen beziehen sich mit ihren Beispielen aus der Forschungspraxis überwiegend auf qualitativ-rekonstruktive Methoden. Vertreten sind ethnografische Untersuchungen mit teilnehmender Beobachtung, Gesprächsanalysen, Dokumentenanalysen, videografische Aufzeichnungen, quantitativ und qualitativ angelegte Organisationsanalysen, partizipative Forschung sowie quasiexperimentelle Wirkungsforschung.

Ausgewählte Inhalte

Teil 1

Einführend skizzieren Bastian/Lochner in ihrem mit dem Titel „Zur Bedeutung von Forschungsfeldern in der Sozialen Arbeit: Eine Begründung“ überschriebenen Beitrag den Rahmen für die folgenden Beiträge. Die Herausgeber*innen wenden sich mit dem Buch sowohl an Studierende als auch an Praktiker*innen; sie formulieren den Anspruch, diesen Zielgruppen einen Überblick über die „unübersichtliche“ Gesamtheit von Forschungsfeldern in der Sozialen Arbeit zu geben, gleichzeitig damit zu interessanter Forschung anzuregen.

Was verstehen Bastian/Lochner unter sozialpädagogischer Forschung? In einer Fußnote (8) findet sich ein kurzer Hinweis, nämlich: „… jene Forschung in der Sozialen Arbeit, die nicht von anderen Disziplinen (etwa der Soziologie oder Psychologie) durchgeführt wird, sondern originär dem disziplinären Rahmen der Sozialen Arbeit entstammt“. Ausführlichere Angaben zu den Spezifika dieser Forschung finden sich im Abschlusskapitel. Fünf Felder Sozialer Arbeit sollen erforscht werden: die gesellschaftlichen Bedingungen, die Organisationen, die Adressat*innen, die professionelle Praxis und die Wirkungen der Sozialen Arbeit (9-11). Forschungsmethodisch steht dafür das sozialwissenschaftliche Forschungsrepertoire mit quantitativen und qualitativen Ansätzen zur Verfügung (11). Dieses wird im Folgenden kurz umrissen (12-15).

Teil 2

Der anschließende Beitrag von Werner Thole und Barbara Lochner, überschrieben mit „Soziale Arbeit im Fokus empirischer Beobachtungen. Zur Geschichte und Konzeptualisierung einer sozialpädagogischen Forschung“ (19-44) befasst sich mit der historischen Entwicklung der Jugend(hilfe)forschung. Deutlich wird, dass es bereits in der Frühphase sozialpädagogischer Forschung qualitative Ansätze gab.

Teil 3

Sandra Landhäuser und Melanie Kuhn (45-69) eröffnen mit ihrem Beitrag „Die gesellschaftlichen Bedingungen Sozialer Arbeit erforschen“ den dritten Teil des Buchs, in dem die einführend ausgewählten Forschungsfelder der Sozialen Arbeit in den Blick genommen werden. Dargestellt werden in einer metatheoretischen Perspektive zwei paradigmatische Gesellschaftskonzepte und ihre Konsequenzen für Forschung in der Sozialen Arbeit: konflikt- und konsensorientierte sowie befreiungs- und ordnungsorientierte Gesellschaftskonzepte. Das je zugrunde liegende Konzept beeinflusse Forschung in der Sozialen Arbeit auf eine grundlegende Weise. Höchst unterschiedliche Forschungsfragen und Ergebnisse verbänden sich damit, wenn es beispielsweise um Stabilisierung oder Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung geht. Zwei Forschungsskizzen verdeutlichen unterschiedliche Zugänge. In der ersten Skizze wird der quantitative Teil eines mehrmethodisch angelegten Projekts zur Erforschung von Strategien sozialraumorientierter Sozialer Arbeit skizziert. Mittels Hauptkomponenten- und Clusteranalysen wurden die Befragten nach ihrem sozialen Kapital in fünf Gruppen eingeteilt. Im Ergebnis stellen die Autorinnen fest: „Je nachdem, welcher Mangel an Sozialkapital in der Sozialen Arbeit in den Vordergrund gerückt wird, geraten auch unterschiedliche Zielgruppen sozialräumlich orientierter Strategien in den Mittelpunkt“ (51). Die Ergebnisse legen eine kritische Prüfung sozialräumlich ausgerichteter Sozialer Arbeit nahe. Die Sicht von Akteur*innen stärker zu beachten, ist eine der Schlussfolgerungen. Eine ungleichheitstheoretische Perspektive mit Fokus auf Konflikt und Befreiung habe Akteur*innen mit der Art ihrer sozialen Einbindung nicht im Blick.

Insgesamt kommen die Autorinnen zu nachvollziehbar dargestellten Ergebnissen, die für die Praxis Bedeutung haben.

Thomas Ley und Simon Mohr erforschen die Organisationen der Sozialen Arbeit (71-97). Sie führen in organisationstheoretische Grundlagen Sozialer Arbeit ein (72-76) und benennen Spezifika personenbezogener Dienstleistungsorganisationen. Mit zwei Forschungsskizzen verdeutlichen sie, wie Organisationsforschung betrieben werden kann. Im Rahmen einer quantitativen Studie wird die Frage bearbeitet, „welche Rolle … betriebswirtschaftlichen Managementstrategien für die Leistungserbringung innerhalb der Sozialen Arbeit zukommt“ (83). Erläutert wird, dass sich mit Managementlehre einerseits und professionstheoretischer Perspektive andererseits gänzlich konträre Sichtweisen auf Managementinstrumente verbinden: Mit Blick auf Managementlehre wird managerielle Kontrolle und Wettbewerb positiv gesehen, weil die Qualität der Leistungserbringung davon profitiere. Dagegen wird professionstheoretisch eingewandt, dass Management die professionelle Autonomie einschränke. Der Studie zugrunde liegt eine managementkritische Sichtweise, die quantitativ überprüft wird. Fachkräfte wurden zu ihren informell gegebenen Gestaltungsspielräumen befragt. Nachvollziehbar wird dargestellt, wie die Forschungsfrage operationalisiert, die Prüfung der Hypothese vorgenommen und die Ergebnisse interpretiert wurden. Diskutiert werden auch Fragen der Repräsentativität und Kausalität (84-87). Im Ergebnis wird festgehalten: „Für die Soziale Arbeit interessant ist vor allem der Befund, dass Einrichtungen, die eher dem professionellen Organisationstyp entsprechen, bessere Bedingungen für eine fachlich gute Leistungserbringung aufweisen. So ist hier die emotionale Belastung der Mitarbeitenden deutlich geringer, die fachliche Unterstützung durch Kolleg*innen als auch die Arbeitszufriedenheit der Fachkräfte … stärker ausgeprägt“ (87).

Die Ergebnisinterpretation wird von den Autoren zu Recht als schwierig bezeichnet. Der ermittelte korrelative Zusammenhang zwischen Management und Autonomie müsse, um Aussagen über Kausalität zu machen, mit überzeugenden theoretischen Argumenten unterlegt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass ein Experimentaldesign mit Messwiederholung zu sicheren Ergebnissen führen könnte. Ein sehr reflektierter Beitrag, der vielleicht den Eindruck entstehen lässt, dass die Ergebnisse ein implizites Narrativ enthalten, nämlich: „Was wir (die Fachkräfte) machen, ist gut“!

Forschungsskizze 2: Handeln im Jugendamt unter dem Einfluss von digitalen Dokumentationssystemen ist qualitativ angelegt. Zunächst wird die Bedeutung von Dokumentationssystemen in Sozialer Arbeit – Falldokumentationssoftware, Formalisierung des fachlichen Hilfeplanverfahrens – ausgeführt. Divergierende organisatorische und professionelle Interessen ließen dabei organisationale Steuerungsprobleme und professionelle Paradoxien sichtbar werden, die ausgehandelt werden müssten, so die Vorannahmen. Folgerichtig wird mit dem gewählten rekonstruktiven Zugang Organisation methodologisch als „interaktiver bzw. performativer Aushandlungsort begriffen …, in dem über informelle Prozesse und Mikropolitiken Probleme und ihre Lösungen konstituiert und interaktiv hergestellt werden“ (89). Geklärt werden soll die Wahrnehmung der Implementation des Dokumentationssystems und wie es in das berufliche Handeln integriert wird. Die in Orientierung an der Grounded Theory geführten Leitfaden gestützten Expert*innengespräche mit ASD-Mitarbeiter*innen sollen die Darstellung intersubjektiver Deutungsmuster von Organisationen ermöglichen. Eine ausgewählte Einstiegssequenz (91) wird exemplarisch ausgewertet und im Ergebnis eine „typische“ Lesart darüber herauskristallisiert, wie der Nutzen von Software von den Befragten eingeschätzt wird: Nutzerinnen werden unterschieden in diejenigen, die „eingeben“ müssen, die Fachkräfte, und die anderen, die auswerten müssen, das mittlere Management. Die „Einbettungsmuster“ (dito) in berufliche Arbeitsvollzüge lassen Dilemmata des Dokumentierens vor allem auf der Ebene der Mitarbeiter*innen erkennen, die sie „aushalten“ müssen (93). Ein akteur*innenbezogener Zugang wurde dabei gewählt. Die beiden Studien gelten den Autoren als ein Beitrag zur „organisationssensiblen Professionsforschung“ (93).

Pascal Bastian beschließt mit seinem Beitrag zur Wirkungsforschung (155-177) den dritten Teil. Es handelt sich um ein Beispiel für von ihm als gescheitert bezeichnete Wirkungsforschung. Wie lassen sich Wirkungen in Sozialer Arbeit messen, lautet die Forschungsfrage, genauer geht es um intendierte Wirkungen Früher Hilfen bei jungen Familien unter Berücksichtigung relevanter Kontexte, einem Feld also, in dem verschiedene Einflüsse zusammenkommen und keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge erkennbar sind. Was sind Wirkungen in Sozialer Arbeit? Ausgeführt wird, warum kontrollierte Experimentalstudien nach dem Vorbild der Naturwissenschaften, als Gold Standard bezeichnet, in pädagogischen Zusammenhängen kaum zu rechtfertigen sind. Quasiexperimentelle Forschungsdesigns seien realistischer durchführbar und könnten angemessener soziale Realität abbilden. Es könnten auch nicht einfach Wirkungen gemessen werden, vielmehr seien Wirkmechanismen zu ermitteln, da mit einer Maßnahme oder einem Treatment nicht unmittelbar eine Wirkung ausgelöst werden könne, sondern erst durch die Aktivierung bestimmter Mechanismen. Durch das Handeln der Akteur*innen entstehe eine Wirkung. Ein solchermaßen „realistisches“ Design (163) erfordert eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, Generalisierungen werden über einen Abgleich von Theorie und empirischen Befunden möglich, weniger durch die Repräsentativität der Stichproben. Ergebnisevaluation sei insbesondere dann erfolgversprechend, wenn Informationen nicht nur über Effekte ermittelt würden, sondern auch solche, die helfen, Programme und ihre Wirkungen zu verbessern. In einem solchen Design wird der Schlüssel für eine professionalisierte evidenzbasierte Praxis gesehen. Erkenntnisleitend im Evaluationsprozess ist die Entwicklung von COMOC-Theories – „Context-Mechanismen-Outcome-Configuration“ (164). Hierzu dienen bestimmte Fragen über die Zusammenhänge zwischen Kontexten, Mechanismen und Wirkungen (164).

Vor diesem Hintergrund werden in der Projektskizze beispielhaft Möglichkeiten, aber auch Probleme von Wirkungsevaluation dargestellt. Mit der „realistischen“ Evaluation wurde die Frage verfolgt: „Unter welchen Umständen stärken frühe Hilfen bei welcher Zielgruppe die elterlichen Erziehungskompetenzen?“ (165). Besonders erfasst wurden relevante Kontextfaktoren. Bastian erläutert dies am Beispiel einer Familie, deren Treatment in regelmäßigen Hausbesuchen, z.B. durch eine Hebamme, bestand. Durch diese Maßnahme sollte ein wesentlicher Mechanismus, die Selbstwirksamkeitsüberzeugung, verändert werden, so die theoretische Überlegung. Dieser Mechanismus sollte theoretisch den Programmeffekt (Steigerung der Erziehungskompetenz) bewirken. Das kurz umrissene Forschungsdesign enthält die empirische Überprüfung der CMOCs, dabei wird die Frage „why does it work?“ statt wie in der Erforschung eines linearen Ursache-Wirkungszusammenhangs „what works“ verfolgt. In quantitativen Vorher-Nachher-Messungen mittels Vollerhebung durch Telefonbefragung wurden Effektstärken gemessen und im Beitrag vereinfacht dargestellt (168-171). Auf ein „hochinteressantes“ (170) Ergebnis wird dabei hingewiesen: Im Vergleich zwischen den beiden Gruppen kompetenzüberzeugte versus nicht überzeugte Gruppen zeigt sich ein Zuwachs an elterlicher Überforderung, aber bei der kompetenzüberzeugten Gruppe fällt dieser Zuwachs signifikant höher aus (170).

Mit der quasi-experimentell durchgeführten Wirkungsanalyse konnten praxisnahe Ergebnisse generiert werden. Die wissenschaftlichen Gütekriterien werden jedoch aufgrund der in der Projektlaufzeit kleiner gewordenen Fallzahl kritisch eingeschätzt. Statistisch signifikante Ergebnisse konnten nicht ermittelt werden. Dennoch neigt der Autor dazu, die gezeigte Evaluation nicht nur als gescheitert zu bezeichnen, da mit der Verschiebung des Fokus von reinen Wirkungen hin zu Wirkungsmechanismen nützlichere Ergebnisse für die Praxis erzielt worden seien, als dies durch eine randomisierte kontrollierte Experimentalstudie möglich gewesen wäre. Gleichwohl ist hier kritisch darauf hinzuweisen, dass ein Kontrollgruppendesign nicht vorliegt. Gemessen werden auch nicht Wirkungsmechanismen, vielmehr wird die Selbsteinschätzung der Proband*innen erfragt. Und schließlich ist unklar, um welche Art Evaluation es sich handelt (formative, summative, evtl. beides zusammen).

Teil 4

Den Abschluss des Buchs bildet der Beitrag von Pascal Bastian und Barbara Lochner zum aktuellen Stand der Diskussion und den Perspektiven für die zukünftige Erforschung der Sozialen Arbeit (179-183).

Zu Recht wird auf die Dominanz qualitativer Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit hingewiesen. Darin drücke sich eine kritische Haltung der Forschenden und die Selbstwahrnehmung der beruflichen Sozialen Arbeit als eine „alternative Profession“ (179) aus. Das qualitative Paradigma erscheine auch auf Grund des Adressat*innen- und Lebensweltbezugs als angemessener. Deutlich geworden sei jedoch mit den vorgelegten Beispielen quantitativer Forschung aber auch deren Bedeutung für die Erschließung zentraler Forschungsfelder der Sozialen Arbeit ebenso wie für die Konturierung und Legitimation der Praxis. Dabei wird dem gängigen Verständnis, dass sich die beiden Ansätze nicht ausschließen, vielmehr ergänzen, entsprochen.

Die Autor*innen sehen das Spezifikum „sozialpädagogischer“ Forschung in der Verknüpfung unterschiedlicher Perspektiven „im Interesse des Forschungsgegenstands und -interesses“ (180), zu verstehen als Auseinandersetzung mit der Widersprüchlichkeit und den Paradoxien in der Bestimmung Sozialer Arbeit: Dieses Spezifikum, so wird abschießend resümiert, finde sich in allen Beiträgen, ebenso wie die folgenden weiteren Spezifika:

  • Soziale Arbeit biete Lösungen, sei aber zugleich Reproduzentin sozialer Probleme.
  • Der (scheinbare) Dualismus von Akteur*in und Struktur; das Subjekt wird als handlungsfähig und zugleich sozial determiniert gedacht.
  • Die Auseinandersetzung mit Ungewissheit und Widersprüchlichkeit Sozialer Arbeit: Wirkungsversprechen sind nicht möglich, die Messung von Effekten sei schwierig, unbestimmt bliebe, was die Wirkungen ausmachen solle.
  • Der Rückbezug auf das eigene Selbstverständnis und die „fest verankerte Beschäftigung“ mit Professionalität.
  • Forschung wird nicht als wertfrei gesehen.
  • Kritisch-reflexive Auseinandersetzung.

Konstatiert wird abschließend, dass Soziale Arbeit „weiterhin auf der Suche nach ihrer Forschungskultur“ sei (183).

Diskussion

Das vorliegende Buch will eine Einführung in die Soziale Arbeit sein. Es wird eine „Karthografie“ von fünf Feldern vorgeschlagen, die den Rahmen für Forschung in der Sozialen Arbeit bilden soll. Auf diese fünf Felder beziehen sich fünf Beiträge. Dabei wird zunächst ein theoretischer Hintergrund des jeweiligen Felds beschrieben und der eigene Standpunkt verdeutlicht. Exemplarisch werden methodische Zugänge aus der Forschungspraxis dargestellt. Die Beiträger*innen beziehen teilweise eigene Forschungsprojekte und -erfahrungen ein. 

Erschwerend für die Lektüre ist eine uneinheitliche Begriffsverwendung. Vermisst wird einführend eine Selbstvergewisserung, was unter der Forschung, die als sozialpädagogisch bezeichnet wird, zu verstehen ist. Überwiegend wird denn auch der Begriff „Forschung in der Sozialen Arbeit“ verwendet. Sind beide Etikette „sozialpädagogische Forschung“ und „Forschung in der Sozialen Arbeit“ austauschbar? International wenig anschlussfähig ist allerdings die Rede von „sozialpädagogischer Forschung“, üblich ist vielmehr die Bezeichnung Sozialarbeitsforschung – Social Work research.

Im deutschsprachigen Raum hat Sozialarbeitsforschung und Reflexionen darauf, wie sie ausbuchstabiert werden könne, eine Jahrzehnte lange Tradition (vgl. beispielsweise Klüsche 1999, Engelke/Maier et al. 2007, Bock/Miethe 2009, Gredig/Schnurr 2012, Schneider/Köttig et al., 2015). Diese wird von den Herausgeber*innen nahezu komplett ignoriert. Offenbar wird Sozialpädagogik als die wissenschaftliche Disziplin der Sozialen Arbeit verstanden. Anders formuliert: Sozialpädagogik beansprucht, die Sozialarbeit zu integrieren. Umgekehrt wird darin allerdings eine Engführung gesehen.

Nur so ist es, vor diesem Hintergrund, zu verstehen, warum die Erforschung gesellschaftlicher Bedingungen Sozialer Arbeit, der Organisationen Sozialer Arbeit, der Adressatinnen Sozialer Arbeit, der professionellen Praxis Sozialer Arbeit und der Wirkungen Sozialer Arbeit im einführenden und abschließenden Kapitel sozialpädagogischer Forschung zugeordnet werden. So wird auch verständlich, dass Soziale Arbeit „weiterhin auf der Suche nach ihrer Forschungskultur“ ist.

Kritisch zu den im Abschlusskapitel benannten „Spezifika“ sozialpädagogischer Forschung, die unter anderem in der kritisch-reflexiven Auseinandersetzung und in der Zurückweisung des Wertfreiheitspostulats gesehen werden, ist anzumerken, dass sie wenig spezifisch erscheinen, vielmehr konstitutiv für qualitative Sozialforschung generell sind. Dies gilt auch für das Merkmal ‚Rückbezug auf das eigene Selbstverständnis‘. Selbstreflexivität wurde in der frühen Frauenforschung schon als Selbstverständlichkeit formuliert (vgl. beispielsweise Schäfer et al. 2002).

Die „fest verankerte Beschäftigung“ mit Professionalität ist vielleicht tatsächlich spezifisch für die Sozialpädagogik, während es im internationalen Diskurs vorausgesetzt wird, dass Sozialarbeit professionell ausgeübt wird.

Fazit

Die Beiträge zu den Forschungsfeldern und Forschungsbeispiele sind für Studierende der Sozialpädagogik/Sozialarbeit und Praktiker*innen in der Sozialen Arbeit anregend und lesenswert. Ergänzend dazu wird die Lektüre zu Sozialarbeitsforschung empfohlen.


Rezensentin
Prof. Dr. Erika Steinert
Prof. i. R., Hochschule Zittau/Görlitz
Homepage www.erika-steinert.de
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Zitiervorschlag
Erika Steinert. Rezension vom 05.02.2019 zu: Pascal Bastian, Barbara Lochner (Hrsg.): Forschungsfelder der Sozialen Arbeit. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2018. ISBN 978-3-8340-1866-3. Reihe: Einführung in die Soziale Arbeit - Band 4.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24859.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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