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Eric van Santen, Liane Pluto u.a.: Pflegekinderhilfe - Situation und Perspektiven

Cover Eric van Santen, Liane Pluto, Christian Peucker: Pflegekinderhilfe - Situation und Perspektiven. Empirische Befunde zu Strukturen, Aufgabenwahrnehmung sowie Inanspruchnahme. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 272 Seiten. ISBN 978-3-7799-3977-1. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.

Reihe: Pflegekinderforschung.
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Thematischer Hintergrund

Das Buch ist ein Ergebnis einer bundesweiten Vollerhebung bei Jugendämtern zur Pflegekinderhilfe. Die Befragung ist ein Teil des Projektes „Jugendhilfe und sozialer Wandel – Leistungen und Strukturen“, das am Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt wird und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert wird.

Autoren und Autorin

Dr. Erik van Santen ist wissenschaftlicher Referent in der Abteilung Jugend und Jugendhilfe am DJI in München und dort Grundsatzreferent für den Bereich Jugendhilfe.

Dr. Liane Pluto ist wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Jugend und Jugendhilfe am DJI in München und dort Mitarbeiterin im Projekt „Jugendhilfe und sozialer Wandel – Leistungen und Strukturen“.

Christian Peucker ist wissenschaftlicher Referent in der Abteilung Jugend und Jugendhilfe am DJI in München und dort Mitarbeiter im Projekt „Jugendhilfe und sozialer Wandel – Leistungen und Strukturen“.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 12 Kapitel unterteilt und enthält eine Fülle an Datenmaterial.

  • Kapitel 1 beschreibt kurz noch einmal das System Pflegekinderhilfe und zeigt auch einige historische Bezüge auf. Am Ende von Kapitel 1 gibt es einen Überblick über den Aufbau des Buches.
  • Kapitel 2 stellt einige Grunddaten zu Platzierungen in den verschiedenen Formen von Vollzeitpflege vor. Dabei geht es insbesondere um die Merkmale von Pflegekindern als auch um die Merkmale von Herkunftsfamilien. Schließlich wird auch aufgezeigt, wie und warum es zu einer Platzierung kommt beziehungsweise diese auch beendet wird.
  • Kapitel 3 wechselt die Perspektive. Hier geht es um die Organisationen und Aufgaben in der Pflegekinderhilfe. Zum einen wird danach gefragt, in wieweit Pflegekinderhilfe eine eigenständige Organisationseinheit ist und zum anderen wird das Aufgabenverständnis von Pflegekinderhilfe abgefragt.
  • Die auch in der Öffentlichkeit häufig diskutierte Ausstattung von Jugendämtern und damit auch vom Pflegekinderwesen wird in Kapitel 4 abgebildet. Dort geht es um Personal, Fallzahlen, Fallzahlschlüssel und Ausgabenentwicklung.
  • Kapitel 5 wendet wieder den Blick auf die Betreuungsebene. Hier geht es um die Gewinnung von Pflegeeltern, also die Frage danach wie wird geworben und wie lassen sich passende Pflegeeltern finden.
  • Die Zuständigkeit von Jugendämtern kann wechseln, zum Beispiel bei Umzügen oder bei Fallübergabe. So wird in Kapitel 6 nachgefragt, wie sieht es mit der Hilfekontinuität. aus Diese kann schon durch Jugendamtsinterne Personalwechsel eine andere Akzentuierung erfahren.
  • Kapitel 7 hat die Fortbildung und Beratung von Pflegefamilien zum Inhalt.
  • Wie lange eine Vollzeitpflege dauert, kann wohl niemand so richtig beantworten. Dieses wird in Kapitel 8 abgebildet, wo erhoben wird, wie lange ist die Verweildauer in Vollzeit-Pflegeverhältnissen.
  • Kapitel 9 fragt danach, wie sieht es mit der Rückkehr des Pflegekindes in die Herkunftsfamilie aus. Dabei wird auch abgefragt, wie die Praxis der Rückführung in den Jugendämtern aussieht.
  • Kapitel 10 geht dem Aspekt des Kinderschutzes in der Pflegekinderhilfe nach und spricht insbesondere an, wie mit dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung von Pflegekindern umgegangen wird.
  • Kapitel 11 beschreibt noch mal besonders die Datenbasis und das methodische Vorgehen.
  • Das Buch endet mit Kapitel 12, in dem es eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse gibt.

Diskussion

Keine Frage, das Buch liefert wichtige Erkenntnisse zum Pflegekinderwesen in Deutschland und dieses insbesondere auf dem Hintergrund von umfassendem Datenmaterial. Dieses Datenmaterial stammt zu einem Teil aus bundesweiten Befragungen, zum anderen werden vorhandene Statistiken und andere Erhebungen mit herangezogen. Dabei gibt es auch noch große Unterschiede zwischen Ost und West, was jeweils abgebildet wird. Die abgebildeten Ergebnisse sind jedes Mal bundesweit dargestellt, das heißt es lässt sich nicht eine Differenzierung nach Bundesländern oder gar nach Kommunen vornehmen. Es wird lediglich unterscheiden, ob es Jugendämter kreisfreier Städte sind oder Kreisjugendämter oder Jugendämter kreisangehöriger Gemeinden. Wenig überraschend an den Ergebnissen ist, dass sich die Landschaft im Pflegekinderwesen sehr heterogen zeigt. Jedes Kapitel wird mit einem Resümee beendet, sodass man sich auch relativ schnell einen Überblick verschaffen kann.

Die Frage, die noch bleibt, ist, für wen ist das Buch gedacht, wer sind also die Adressaten. Neben den üblichen Hochschulbibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen sowie manchen Landesministerien wird es wohl nicht viele Abnehmer für das Buch geben. Von daher ist zu fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, das Buch nur als eBook zu veröffentlichen (eine Online-Ausgabe ist verfügbar), denn voraussichtlich in 5 Jahren sind die Daten in einigen Teilen bereits überholt. Außerdem ist die Datenrecherche online einfacher zu gestalten.

Fazit

Es bleibt offen, inwieweit das Buch die Diskussion um Qualität und Ausstattung der Pflegekinderhilfe weiterbringen kann. Das umfangreiche Datenmaterial muss von der Empirie der Fakten zur Hermeneutik der Praxis in Bezug gesetzt werden. Wer das leisten kann/soll, bleibt offen. Immerhin ist mit der Datenbasis ein Desiderat vorläufig überwunden, gleichwohl auch in der Gefahr, dass es relativ schnell überholt ist.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 19.08.2019 zu: Eric van Santen, Liane Pluto, Christian Peucker: Pflegekinderhilfe - Situation und Perspektiven. Empirische Befunde zu Strukturen, Aufgabenwahrnehmung sowie Inanspruchnahme. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3977-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24872.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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