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Andreas Slogar: Die agile Organisation

Cover Andreas Slogar: Die agile Organisation. Hanser Verlag (München) 2018. 449 Seiten. ISBN 978-3-446-45522-1. D: 42,00 EUR, A: 43,20 EUR.
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Autor

Andreas Slogar,umfassende Erfahrung in strategischer und operativer Managementarbeit, Gründer des Blue-Tusker-Expertennetzwerkes (www.bluetusker.com) für Strategie- und Unternehmensentwicklung rund um das agile Management

Thema und Zielsetzung

Die Publikation hat den Anspruch den Leser schrittweise zu vermitteln, wie ein Unternehmen agile Formen der Unternehmensorganisation aufbauen kann und welche Konsequenzen damit verbunden sind. Viele Beispiele und Tipps sollen den Praxistransfer auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und validierter Praxisanwendungsergebnisse erleichtern.

Aufbau

Das Buch unterteilt sich in vier Teile:

  1. Im ersten Teil vermittelt der Autor seine Vorüberlegungen beginnend bei der Digitalisierung der (bestehenden) Geschäftsprozesse und -modelle und praktischen Grundlagen (viables System-Modell, Fraktale Strukturen, OODA-Loop), bevor er
  2. im zweiten (Haupt-)Teil das IaCoCa-Modell vorstellt.
  3. Im Kapitel 3 schildert der Autor die iterative Vorgehensweise mit und das Grundgerüst der IaCoCa-Methode.
  4. Der vierte Teil ist einem Anwendungsbeispiel aus der IT gewidmet. Zudem spricht der Autor die Themen Hierarchie, agile Organisation und Entscheidungsfindung, das Arbeitsrecht und die Selbstorganisation sowie das Verhältnis der agilen Organisation zu den Betriebsräten in aller Kürze an.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Nun das Wesentliche etwas detaillierter: Die Natur als komplexes System dient als Vorbild für agile Organisationen. Dazu stellt der Autor das Viable System Model (nach Stafford Beer) vor, wobei auch hier die Anatomie des Menschen als hochkomplexes System als Vorbild dient. Anschließend stellt der Autor fraktale Strukturen und die Rekursion sehr einfach und anschaulich dar. Er überträgt dabei die Organisation eines Unternehmens (Rolle – Team – Organisation) auf den Organismus (Zelle – Organ – Organismus). Die Methode des iterativen Vorgehens (OODA-Loop) schließt sich daran an.

Damit ist die Basis für das IaCoCa-Modell im Teil 2 gelegt. Bei der Entwicklung dieses Modells werden immer drei Themengebiete in ihrer Interaktion betrachtet:

  1. Geschäftsfähigkeit,
  2. deren Konfiguration und
  3. die Kooperation in einer selbstorganisierten und -verantwortlichen Organisationsform.

Diese Themengebiete konzentrieren sich in den Schwerpunkten auf drei Kernfragen:

  1. Welche Fähigkeiten benötigt das Unternehmen, um den Anforderungen der Umwelt, Kunden und Branche gerecht zu werden?
  2. In welcher Qualität und in welchem Zusammenhang müssen diese Fähigkeiten ausgeprägt und kombiniert sein, um möglichst wirksam zu sein?
  3. Wie muss die Zusammenarbeit aller Mitarbeiter organisiert, koordiniert und unterstützt werden, damit die notwendigen Rahmenbedingungen eine möglichst eigenständige Arbeitsweise erlauben bzw. sicherstellen?

Im Teil zwei des Buches beschreibt Slogar manchmal etwas langatmig das neue Verständnis von Führung ausgehend von der Sinnfrage. Dies als konstitutives Element agiler Organisationen. Er zeigt auch auf wie Kreativität als Unternehmenswert zum Überleben beiträgt und zu einem Faktor für die Steigerung von Produktivität wird. Das Design und die Koordination agiler Teams ist ein weiterer konstitutiver Faktor. Die Rolle(n) bzw. der Aufgabenbereich, die eine Person einnehmen kann, ist/sind von der Person getrennt zu sehen, sodass damit größtmögliche Flexibilität im Team und die Berücksichtigung persönlicher Ressourcen möglich wird. Voraussetzung für die Übernahme von Verantwortung sind die Verinnerlichung der Empowerment-Dynamik, die Verabredung der Vorgangsweise, das Einfordern der Einhaltung und Beachtung der Vereinbarungen und die Koordination der nötigen Reflexionsphasen. Auch die Konfiguration der Organisationseinheiten gehört dazu.

Weitere Themen im IaCoCa-Modell sind das Monitoring der Kennzahlen, wobei diese auch von den Mitarbeitern genutzt werden sollen/müssen. Zu den Themen gehören auch Corporate Governance, das agile Anforderungsmanagement incl. Design Thinking, User Stories und Personas. Mit einer umfangreichen Auseinandersetzung mit einer dynamischen Unternehmensstrategie und dem Anpassen der Geschäftsmodelle geht dieser Teil des Buches weiter und kommt dann auf die benötigten Geschäftsfähigkeiten, die Modellierung agiler Prozesse sowie die Konfiguration der Organisation. Am Schluss steht dann das operative Vorgehen samt der Transformation.

Im dritten wesentlich kürzeren Teil geht der Autor auf die IaCoCa-Methoden ein und beschreibt u.a. die vier Zyklen:

  1. Design,
  2. Simulation,
  3. Management sowie
  4. Umsetzung & Betrieb.

Die drei Dreh- und Angelpunkte sind für den Autor

  1. Monitoring,
  2. Governance und
  3. Koordination.

Sie werden kurz angesprochen, ebenso wie die Möglichkeit der Integration der verschiedensten Methoden vom Businessplan bis zum Service Design.

Fazit

Es scheint dieses Thema bereits unter dem Titel „teilautonomes Arbeiten“ gegeben zu haben, das zu einem Zeitpunkt, wo die Hierarchie noch viel stärker gelebt wurde als heute. Nun kommt das Thema zu einem Zeitpunkt, wo sich Führungskräfte mehr mitdenkende Mitarbeiter wünschen und zudem Führungskräfte, die wieder mehr Verantwortung übernehmen. Zudem finden diese Modelle auch Unterstützung durch die weiterentwickelten Modelle der Kybernetik in Richtung der Funktionsweise überlebensfähiger Systeme. Manchmal muten sich die Begriffe recht fremd an, doch lassen sich Eselsbrücken mit bestehendem Fachvokabular relativ einfach finden.

Agile Organisation erfordert jedenfalls einen Paradigmenwechsel im Denken und Handeln der Mitarbeiter in Richtung besserer und schnellerer Zusammenarbeit, letztlich bleibt aber die Entscheidung des/der Geschäftsführung. Gut vorstellbar ist die Realisierung dieser Modelle in Entwicklungsumgebungen und in der Kooperation von (vielen) kleinen Gruppen, die letztlich auch einen Handlungsrahmen, eine gut funktionierende Software und (selbst vereinbarte) Regeln der Zusammenarbeit benötigen. Es braucht auch neue Regeln beim Lösen von Konflikten. Schwerer vorstellbar sind diese Modelle beim Abarbeiten von vorgegebenen Standards (etwa Baugenehmigungen, Operationen). Reizvoll bleibt für den interessierten Leser das Ausprobieren dieser Modelle hinsichtlich der erwarteten Möglichkeiten, aber auch der Grenzen. Und es braucht den Willen und den Mut …


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 26.10.2018 zu: Andreas Slogar: Die agile Organisation. Hanser Verlag (München) 2018. ISBN 978-3-446-45522-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24903.php, Datum des Zugriffs 12.12.2018.


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