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Beate Hofmann, Barbara Montag (Hrsg.): Theologie für Diakonie-Unternehmen

Cover Beate Hofmann, Barbara Montag (Hrsg.): Theologie für Diakonie-Unternehmen. Funktionen - Rollen - Positionen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. 204 Seiten. ISBN 978-3-17-034588-1. 28,00 EUR.
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Thema

Die Diskussion um die Gestaltung professionell diakonischer Arbeit wird in den letzten 10 Jahren meist durch politische Entscheidungen einerseits und Strömungen in der Managementlehre andererseits bestimmt. Kritische Stimmen zur Berechtigung kirchlichen Engagements in einem von marktwirtschaftlichen Kriterien bestimmten Sektor werden laut. Da erscheint die Frage angebracht, ob es eine theologische Perspektive für diakonische Einrichtungen gibt, durchaus angebracht. In diese Diskussion geht dieses Buch mit einem durchaus praxisorientierten Ansatz hinein.

Herausgeberinnen

  • Prof. Dr. Beate Hofmann ist Professorin für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel.
  • Barbara Montag ist Pastorin und leitet die Stabsstelle Theologie und Grundsatzfragen im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe.

Entstehungshintergrund und Autoren

Für dieses Buch haben die Herausgeberinnen eine ganze Reihe von Vorständen und GeschäftsführerInnen diakonischer Unternehmen gewinnen können. Sie schreiben aus ihrer praktischen Perspektive und ihrem Erfahrungshintergrund. Darüber hinaus sind neben Beate Hofmann mit Alexander Brink, Thorsten Moos und Christoph Sigrist drei Autoren aus dem akademischen Bereich vertreten, die in ihren Kommentaren eigene, kritische Akzente zum Thema setzen.

Aufbau und Inhalt

Nach den Geleitworten gliedert sich das Buch in drei Abschnitte:

  1. Einleitung,
  2. Beiträge und
  3. Kommentare.

Das einführende Kapitel nutzen die Herausgeberinnen, um die einzelnen Beiträge kurz zu skizzieren und sie in einem Gesamtzusammenhang zu verorten.

Im folgenden Abschnitt schildern 13 Vorstände und GeschäftsführerInnen aus größeren diakonischen Einrichtungen im Bereich des Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe ihre Erfahrungen und Vorstellungen in der Leitung eines diakonischen Unternehmens. Die Beiträge lassen sich in zwei Gruppen einteilen.

  1. Die erste Gruppe ist durch eine funktionale Rollenauffassung der Theologie in der Unternehmensführung gekennzeichnet. Die Bandbreite dabei ist breit. Während ein Autor die Integration unterschiedlicher Logiken und Steuerungsansätze aus dem kirchlichen, dem ethischen und systematischen Feldern für sich als wesentlich ansieht, sieht ein anderer eher das normative Management für sich im Vordergrund seiner Arbeit. So sieht er sich in einer Vorbildfunktion, in der er Deutungen des Unternehmensalltags für die Unternehmensangehörigen anbietet und Orientierung gibt. Ein weiterer Autor stellt die Unternehmensidentität in den Mittelpunkt, die er durch die Verdeutlichung der Transzendenz als Teil des religiös bestimmten Markenkerns und der Moderation von verschiedenen Rationalitäten in der Unternehmensleitung erfahrbar macht. Der letzte Autor in dieser Gruppe folgt einem multiperspektivischen Ansatz, den er am Beispiel der „Bethel-Theologie“ veranschaulicht. Dabei integriert er theologische Aspekte mit ökonomischen und spezifisch fachlichen.
  2. Die zweite Gruppe von Beiträgen befasst sich eher mit der pastoralen Rolle in der Unternehmensführung. Hierin kommen eher Eigenschaften zum Tragen, die die Kompetenzen der Mitarbeitenden fördern und die diakonische Identität im Vorstand wahrnehmbar zu machen versuchen. Gerade die Wahrung und Behauptung dieser diakonischen Identität wird von einem Autor als Kern seiner Arbeit angesehen. Eine andere Autorin stellt die Verkündigung des Evangeliums im Unternehmensalltag in den Fokus ihrer Arbeit. Das Bild des Gärtners wird dazu herangezogen, der die Pflanzen hegt und pflegt. Als Brückenbauer begreift sich ein weiterer Autor, der die Vernetzung von Kirche und Diakonie betont und die Gestaltung einer diakonischen Unternehmenskultur zu seinen Aufgaben zählt. Ebenso wird die besondere Rolle der Nächstenliebe betont, die wesentlich aus der Selbstreflexion der Unternehmenspraxis im Einsatz für die Gerechtigkeit entspringt. Schließlich hebt ein weiterer Autor die Bedeutung des Pfarrers hervor, der Träger der Sache sei und die diakonisch-kirchliche Sprachfähigkeit im Unternehmen fördere.

Während diese Beiträge sich der Theologie für Diakonie-Unternehmen aus der Perspektive der Praktiker genähert haben, kommen im letzten Abschnitt des Buches drei akademisch arbeitende Autoren zu Wort. Sie nehmen zu den vorigen Beiträgen kritisch Stellung und versuchen sie in die Gesamtdiskussion einzuordnen. Dazu wählen sie unterschiedliche Vorgehensweisen. Während Christoph Sigrist in drei Thesen seine Kritik vorbringt, beleuchtet Alexander Brink die Beiträge im Licht der ökonomischen Diskussion und schlägt die Kooperationsökonomie als Weg für eine weitergehende Auseinandersetzung von Theologie und Management vor. Schließlich versucht Thorsten Moos die inhaltlichen Linien zu entschlüsseln, die sich durch die Beiträge mehr oder weniger klar erkennen lassen.

Diskussion

Die Herausgeber des Buches lassen Praktiker über ihr Selbstverständnis als theologische Vorstände und Verantwortliche zu Wort kommen. Dies vermittelt dem Leser einen guten Eindruck von der Bandbreite der Deutungen der eigenen Führungsrolle in Diakonie-Unternehmen. Dabei wird deutlich, dass es den Vorständen zum Teil um eine Begründung ihrer eigenen Existenz geht. Dies mag zum einen an den Fragen liegen, die die Herausgeberinnen den Autoren zur Gestaltung ihrer Texte an die Hand gegeben haben. Es scheint mir aber auch eine Reaktion auf die immer wieder bei der Neubesetzung von theologischen Verständen aufkommende Frage zu sein, ob es eines theologischen Vorstands überhaupt bedarf.

Christoph Sigrist weist wie ich finde zurecht darauf hin, dass von den Autoren dabei allzuoft mit Behauptungen gearbeitet wird, die nur unzureichend belegt werden können. Dagegen gibt es aber auch Beiträge im Buch, die über eine reine Begründung hinaus gehen und systematische Ansätze der Leitung anbieten. Dabei ist der Beitrag von Jörg Hohlweger besonders interessant, in der er die Neuen-Felder-Matrix als zentrales Steuerungsinstrument in der Bergischen Diakonie vorstellt.

Die Besonderheit des Buches besteht jedoch darin, dass die Herausgeberinnen selbst die Beiträge ihrer Autoren kommentieren, kritisieren und wissenschaftlich einordnen lassen. So wird dem Leser gleich eine Erweiterung des eigenen Erkenntnishorizonts angeboten, der über die eigentlichen Beiträge hinausgeht. Erfrischend dabei ist die Sicht von Christoph Sigrist, der aus einer schweizerischen Perspektive über Diakonie, wie sie in Deutschland verstanden wird, insgesamt und im Hinblick auf die Leitungsrolle im speziellen nachdenkt. Aber auch die Kommentare von Alexander Brink und Thomas Moos helfen dem Leser und der Leserin bei der Einordnung und dem kritischen Verstehen des zuvor gelesenen Textes.

So eignen sich der einführende Text wie auch die drei Kommentare gut für den Einstieg ins Buch. Beiträge und ihre Ergebnisse lassen sich so gut hinsichtlich ihres Erkenntniswertes einschätzen. Dies ist für alle Leser mit wenig Zeit sicherlich hilfreich.

Fazit

Die Herausgeberinnen Hofmann und Montag haben ein Autorenteam von theologischen Vorständen und Wissenschaftlern zusammengestellt, die es geschafft haben, den Ort der Theologie innerhalb der Leitung eines Diakone-Unternehmens in unterschiedlichen Facetten herauszuarbeiten. Dabei ist es ihnen gelungen den Leserinnen und Lesern mit dem Buch auch gleich seine Kritik zu liefern. Dies bereichert die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr und hilft bei seiner Rezeption. Gleichwohl ist anzumerken, dass einige Autorinnen und Autoren in traditionellen und paternalistischen Rollenfiguren verharren. Damit ist es allzu oft ein Buch, das den Status Quo zum Thema darstellt. Eine inhaltliche Weite klingt an, wird aber nicht zum Tenor des Buches.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Werner Thomas
Krankenpfleger, Diakon
Homepage www.adservio.de
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Zitiervorschlag
Werner Thomas. Rezension vom 12.02.2019 zu: Beate Hofmann, Barbara Montag (Hrsg.): Theologie für Diakonie-Unternehmen. Funktionen - Rollen - Positionen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2018. ISBN 978-3-17-034588-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24905.php, Datum des Zugriffs 23.03.2019.


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