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Michael Fricke, Lothar Kuld u.a. (Hrsg.): Konzepte sozialer Bildung an der Schule

Cover Michael Fricke, Lothar Kuld, Anne Sliwka (Hrsg.): Konzepte sozialer Bildung an der Schule. Compassion – Diakonisches Lernen – Service Learning. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. 252 Seiten. ISBN 978-3-8309-3884-2. 29,90 EUR.
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Thema

Nicht nur das Bewusstsein, dass soziales Lernen nötig und notwendiger Gegenstand des schulischen Lernens ist, wächst. Es finden sich auch zunehmend mehr konzeptionelle Erwägungen zu dem sich zunehmend entwickelnden Handlungsfeld. Der vorliegende Sammelband vereinigt Beiträge zu aktuellen Konzeptionen. Und er verbindet die drei derzeit maßgeblichen Ansätze der sozialen Bildung in der Schule – Compassion, Diakonisches Lernen und Service Learning – die als katholisch, evangelisch und säkular profiliert vorgestellt werden.

Herausgebende

Herausgegeben wird der Sammelband ganz entsprechend von der Erziehungswissenschaftlerin Anne Sliwka und den beiden Religionspädagogen Lothar Kuld und Michael Fricke. Anne Sliwka ist Professorin für „Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik“ an der Universität Heidelberg. Michael Fricke unterrichtet an der Universität Regensburg evangelische Theologie und Lothar Kuld war Professor für Katholische Theologie/​Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten. So wie Kuld seit mehr als 20 Jahren für das Thema „Compassion“ steht, so ist Fricke dem Stichwort „Diakonisches Lernen“ verbunden.

Die Beiträge in dem Sammelband sind durch ein Symposium, das 2016 an der Universität Regensburg zum Thema „Compassion – Diakonisches Lernen – Service Learning. Konzepte sozialer Bildung an der Schule“ stattfand. Es werden sieben Tagungsvorträge, die die Konzepte vorstellen und diskutieren, um sechs weitere Beiträge ergänzt, die die Tagungsthematik vertiefen. Die Autorinnen und Autoren stehen für die Praxis und die Praxisentwicklung des sozialen Lernens und sind fast alle mehr der Schule als dem Wissenschaftsbetrieb verbunden.

Inhalt

Entsprechend stellt der Band in einem Teil 1 sechs Beiträge zur Praxis zusammen, die von den Beiträgen im Teil zwei reflektiert und diskutiert werden soll. Diese Diskussionsbeiträge tragen spezifische Perspektiven wie Inklusion, Jugendforschung, politisches Lernen oder religiöse Praxis zur Auseinandersetzung bei. Die einzelnen Beizträge sind dabei ebenso wenig miteinander verknüpft wie die Praxisbeiträge im ersten Teil. Die Praxis der drei Konzepte wird facettenreich vorgestellt und ausgeleuchtet, aber nach systematischen erziehungswissenschaftlichen oder auch theologisch-sozialwissenschaftlichen Verknüpfungen und Diskussionen sucht man vergebens.

Die Programmatik der Ansätze wird also in dem Sammelband nicht verhandelt. Weder die Differenzen noch die Gemeinsamkeiten werden entwickelt. Stattdessen bietet sich aber ein durchaus anregendes Bild auf die Vielfalt praktischer und theoretischer Zugriffe auf das soziale Lernen.

Eröffnet wird dieses Bild durch ganz unterschiedliche Beiträge, die in Compassion am Beispiel von Schulen in der Erzdiözese Freiburg (Daniel Mark, Dietrich Scherer), in die Diakonische Bildung zwischen Schule und Lebenswirklichkeit (Martin Dorner, Roland Deinzer) und in das Soziale Lernen (Gabriele Bartsch, Katharina Vogelbacher, Tanja Zöllner bzw. Franziska Nagy) einführen. Interessant ist auch die Vorstellung der Qualifikation von Lehrkräften für das Diakonische Lernen von David Toaspern.

Im Theorieteil wirft Lothar Kuld einen konzisen Blick auf die Wirkungen des Compassionprojekts. Dieser Beitrag ist empirisch begründet, wohingegen die Mitherausgeberin Anne Sliwka und Britta Klopsch den einzigen Beitrag bieten, in dem das service learning bildungstheoretisch gefasst wird.

Zusammen mit Martin Frickes Erwägungen zur Anderheit diakonischen Lernens und seinen Wirkungen bilden diese Texte der Herausgeber den Kern des Sammelbandes. Lothar Kuld setzt sich mit Evaluationen auseinander, die die Veränderungen in der Bereitschaft zu soziale Verhalten aufweisen. Das Compassion-Lernen fördere keineswegs nur eine individualistische Helfermoral, sondern auch die kritische Sensibilität der SchülerInnen im Blick auf die Kontexte sozialen Handelns. Und es ermögliche eine Relativierung geschlechtsspezifisch unterschiedlicher Sozialisationsvoraussetzungen. Auch Martin Fricke fragt nach den Wirkungen, jetzt des Diakonischen Lernens und schlüsselt aktuelle Untersuchungen auf. Sein Fazit fällt ernüchternd aus; mehrdimensionale Zugriffe und die Betrachtung längerer Aktionsräume würden der Lehr-Lern-Forschung aufhelfe. Vom Gelingen des Engagementlernens sind schließlich Anne Sliwka und Britta Klopsch überzeugt. Ihr Beitrag ist der einzige, der bildungswissenschaftliche und didaktische Grundlagen nutzt, um das „Lernen durch Engagement“ in den Fokus schulischer Bildung zu rücken. Gleichwohl handelt es sich eher um einen empathischen Appell im Blick auf die Nützlichkeit des Projekts; eine kritische Auseinandersetzung und Überprüfung ihrer Thesen steht jedenfalls noch aus.

Von besonderem Interesse sind die theologisch ambitionierten Beiträge von Michael Fricke, mit Bezug auf Emmanuel Levinas, und Tobias Braune-Krickau, der nach der theologischen Begründung sozialen Engagements fragt. Politisches und Soziales Lernen verbinden die Beiträge von Bernhard Grümme und Alexander Wohning.

Fazit

Der Sammelband entfaltet das Anregungspotenzial des sozialen Lernens. Aber es liest sich nicht als Beitrag zur pädagogischen und theologischen Verdichtung des Handlungsfelds. Und es ordnet die Herausforderung des sozialen Lernens auch nicht in die aktuellen politischen und bildungstheoretischen Debatten ein. Angesichts der bereits vorhandenen Praxisliteratur zum Handlungsfeld, erinnert sei zum Beispiel an das ebenfalls von Michael Fricke mit verantwortete „Werkbuch diakonisches Lernen“ (2015), bringt der Sammelband keine neuen Erträge.


Rezensent
Prof. Dr. Ralf Evers
Evangelische Hochschule Dresden
Homepage www.ehs-dresden.de
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Zitiervorschlag
Ralf Evers. Rezension vom 22.11.2019 zu: Michael Fricke, Lothar Kuld, Anne Sliwka (Hrsg.): Konzepte sozialer Bildung an der Schule. Compassion – Diakonisches Lernen – Service Learning. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2018. ISBN 978-3-8309-3884-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24912.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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