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Georg Adlmaier-Herbst, Maja Storch u.a.: Change–Management – so klappt´s!

Cover Georg Adlmaier-Herbst, Maja Storch, Johannes Storch, Anke Breiter: Change–Management – so klappt´s! Die vier ZRM®–Innovationen für den erfolgreichen Wandel. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. 184 Seiten. ISBN 978-3-456-85871-5. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das „Institut für Selbstmanagement und Motivation“ entwickelte für die Universität Zürich rund um Maja Storch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts das psychoedukative „Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)“. Mithilfe eines manualisierten Vorgehens soll das Selbstmanagement gefördert und die individuelle Entwicklung unterstützt werden. Das Buch geht von der Überlegung aus: Was dem Einzelnen nützt (die Wirksamkeit des ZRM wird wissenschaftlich laufend untersucht) kann auch der Organisation im Wandel nützlich sein. Die Autorinnen und Autoren heben die Tatsache hervor, dass ca. 70 % aller Change-Projekte scheitern. Die Tendenz des Scheiterns ist heute sogar trotz unzähliger Forschung, Hilfsmittel und Spezialisten eher steigend. Die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden wird mit dem ZRM Ansatz in den Mittelpunkt gestellt und soll Change erfolgreich machen.

Aufbau

Zunächst führt das Buch in die theoretischen Grundlagen des Change-Managements ein und erklärt die Gründe des Scheiterns und die Notwendigkeit einen neuen Ansatz zu finden. Im zweiten Kapitel wird das ZRM mit vier Innovationen vorgestellt und schliesslich folgt ein Praxisbeispiel einer Firma mit fünf Protagonisten. Nachwort und Literaturverzeichnis schliessen den Band ab. Eingestreute Tabellen und künstlerisch gestaltete Visualisierungen machen den Band, neben des gewählten Sprachduktus, zu einer süffig zu lesenden Lektüre.

Inhalt

Die vierzig Seiten, die den „Grundlagen des Change-Managements“ gewidmet sind, liefern einen guten Überblick über die Entstehungsgeschichte dieser Disziplin bis hin zu den völlig neuen Herausforderungen von heute mit hoher Unsicherheit, Komplexität und Ungewissheit in sämtlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen. Dabei betonen die Autorinnen und Autoren auf Seite 17: „Die Besonderheit des Change-Managements ist, dass die Umsetzung der Strategie noch nicht erfolgen kann, weil zunächst erst Wollen (Bereitschaft) und Können (Fähigkeit) der Mitarbeitenden aufgebaut werden müssen.“ Studien für das Scheitern des Wandels werden zitiert, so z.B. eine gemeinsame Studie der Unternehmensberatung C4 Consulting und der TU München, die als Top-Grund das „unzureichende Engagement der oberen Führungsebene“ (Seite 20) herausgefunden hat. Folgende „Konsequenz“ wird gezogen: „Die Chancen des Wandels sind individuell. Unser Vorgehen sollte dies berücksichtigen.“ (Seite 43). Die notwendigen Veränderungen im Change werden mit einer übersichtlichen Tabelle dargestellt und liefern eine gute Grundlage zum Verständnis des im folgenden Kapital dargestellten Ansatzes zur individuellen Befähigung zum Change.

Es werden folgende vier „ZRM-Innovationen“ vorgestellt:

  1. Die ZRM Zielpyramide
  2. Widerstandsarbeit mit der Affektbilanz
  3. Motivation freisetzen mit Motto-Zielen
  4. Innovation kontrollieren mit dem Situationstypen-ABC

Das empfohlene Vorgehen folgt dem bekannten und weit verbreiteten Manual des ZRM. Im Praxisteil begegnet uns dann auch das von Maja Storch viel zitierte „Würmli“, der in der vorliegenden Fassung „Strudelwurm“ genannt wird. Bei diesem Wesen handelt es sich um die Metapher für das evolutionär „alte System“ des Unbewussten, das es uns ermöglicht, rasch auf Situationen zu reagieren und äussere Reize innert 200 bis 300 Millisekunden zu bewerten. Die automatischen Körperreaktionen oder „somatische Marker“, lassen Emotionen entstehen, die wir dann als Gefühle wahrnehmen. Der Trick des ZRM ist es, sich nicht gegen den Wurm zu wenden oder zu versuchen, ihn zu unterdrücken. Das würde krank machen und wäre längerfristig nicht von Erfolg gekrönt. Stattdessen geht es beim Training darum, sich mit dem Wurm zu verbünden und ihn mit der Zeit für die eigenen Ziele als Ressource zu nutzen und so sein eigenes Selbstmanagement zu fördern. Nicht der Wurm soll „seinen Mensch“ steuern(Seite 109), sondern umgekehrt: „Selbstregulation ist immer dann am Werk, wenn der Strudelwurm etwas freiwillig tut.“ (ebda.).

Anhand eines Praxisbeispiels und der persönlichen Geschichte von fünf Vertretern einer Firma verknüpft das Buch das Manual mit den persönlichen Entwicklungsgeschichten. Der Rezensent findet keinen Hinweis, ob es sich dabei um eine virtuell verfremdete Firma handelt. Jedoch sind die Fallbeispiele sehr realistisch und in ähnlicher Form wohl jedem bekannt, der in einem grösseren Unternehmen mit der Umsetzung neuer Formen der Digitalisierung zu schaffen hat. Schön gestaltete Visualisierungen können als Vorlagen für Flip-Chart Moderationen eingesetzt werden und zeigen die Bedeutung von Bildern, die stärker als die Sprache, unterbewusste Inhalte, die wir als Ressourcen begreifen lernen, zu mobilisieren. Dadurch wird beispielsweise die Arbeit mit der Affektbilanz verdeutlicht oder auch die als Gruppenarbeit angelegte Übung zum „Ideenkorb“.

Alles in allem soll via Alltagshandlungen eine Grundhaltung trainiert werden, die eine neue Haltung unterstützt. Dieses mentale Training baut, ähnlich wie das muskuläre Training die Muskeln, die neuronalen Bahnen auf und stärkt das neuronale Netz durch unbewusstes Lernen. In diesem Zusammenhang wird das „Priming“ erklärt und dazugehörende, heute bereits zu Klassiker gewordene, Studien werden zitiert. Die vierte Innovation, „Kontrollieren mit dem Situationstypen-ABC“ stellt ein Selbstcoachingtool dar, das für vorhersagbare bis unvorhersagbare Situationen helfen soll, sich zu stärken und eingefahrene Muster zu erkennen und zu verwandeln. Im Nachwort wird betont, dass der Change mit ZRM Unterstützung nur dann funktionieren kann, „wenn das Management top-down vorlebt, dass in dieser Firma die Menschen ernst genommen werden, in guten und in schlechten Zeiten.“ (Seite 168). Ein vierseitiges Literaturverzeichnis schliesst den Band ab. Auf die Internetseite, die eine Auswahl des im ZRM benutzten Bildmaterials kostenlos zur Verfügung stellt, sei an dieser Stelle hingewiesen: www.zrm.ch

Diskussion und Fazit

„The only person who like change is a wet baby“ steht als einleitendes Zitat von Mark Twain über der Einleitung zu diesem lesenswerten Buch des Autorinnen- und Autorenteams rund um die ZRM-Entwicklerin Maja Storch. Wer sich bereits mit ZRM befasst hat, vielleicht sogar einen der zahlreich angebotenen Workshops dazu besucht hat, wird nicht viel Neues finden. Das Buch ist jedoch allen empfohlen, die den Wandel mit den Menschen und nicht gegen sie durchführen wollen. Die humanistische Grundhaltung und die Stärkung der Selbststeuerungskompetenz, die tatsächlich etwas mit dem „Würmli“ zu tun hat, ist in der Tat der einzige Weg, das menschliche Potenzial in einer sich durch den digitalen Wandel radikal verändernden Welt so zu nutzen, dass mehr Menschlichkeit entsteht. Nur so gelingt Wandel!


Rezensent
Thomas Reinhardt
Dipl. Berater für Organisationsentwicklung. Arbeitet als interner Berater im Universitätsspital Basel und freiberuflich in den Bereichen Organisationsentwicklung, Gesundheitsmanagement, Konfliktmoderation, Coaching für Führungsverantwortliche, Teamentwicklung und Supervision Schwerpunkte: Gesundheit und Führung, Change Management, Leadership, Kommunikation, Psychohygiene und Glück.
Homepage www.corvus-opera.ch
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Zitiervorschlag
Thomas Reinhardt. Rezension vom 06.08.2019 zu: Georg Adlmaier-Herbst, Maja Storch, Johannes Storch, Anke Breiter: Change–Management – so klappt´s! Die vier ZRM®–Innovationen für den erfolgreichen Wandel. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-456-85871-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24915.php, Datum des Zugriffs 12.12.2019.


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