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Dorothea Beigel, Ute Schäfer: Bildung beginnt schon auf dem Wickeltisch

Cover Dorothea Beigel, Ute Schäfer: Bildung beginnt schon auf dem Wickeltisch. 177 sofort umsetzbare Möglichkeiten, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2018. 253 Seiten. ISBN 978-3-8080-0832-4. D: 23,95 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 38,80 sFr.
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Thema

Das Praxisbuch stellt verschiedene Bildungsbausteine vor und dazu passende, direkt umsetzbare Fördermöglichkeiten. Hierbei wird auf Wiederholungen von Altbekanntem verzichtet und auf neue Impulse Wert gelegt. Alle Betrachtungen und Ideen sind in einen fachlichen Hintergrund eingebunden.

AutorIn

Frau Dorothea Beigel verfügt über reichhaltige Erfahrungen im Bildungsbereich. Sie studierte Sozialpädagogik, Pädagogik und absolvierte Aufbaustudiengänge in Psychologie und Motologie. Sie arbeitete als Lehrerin an Grund-, Förder- und Berufsfachschulen und leitete über 10 Jahre die Neurophysiologische Entwicklungsdiagnostik und Entwicklungsförderung am staatlichen Schulamt. Im Hessischen Kultusministerium widmetet sie sich dem Arbeitsgebiet Schule & Gesundheit mit den Schwerpunkten Bewegung und Wahrnehmung. Frau Beigel bietet in Deutschland, der Schweiz und in Österreich Seminare für Lehrer, Erzieher und Therapeuten an. Sie ist Autorin zahlreicher Fachbücher. In ihrem Bestseller „Flügel und Wurzeln“ beschreibt sie die Bedeutsamkeit von fortbestehenden Restreaktionen der kindlichen Reflexe auf das Verhalten und Lernen von Kindern.

Ute Schäfer leitet als Erzieherin einen Kindergarten und beschäftigt sich unter anderem mit der Schulvorbereitung und mit den Bereichen kreatives und künstlerisches Gestalten. Sie verfügt über einen großen Erfahrungsschatz im Baby-, Kinder, Vorschul- und Jugendbereich.

Entstehungshintergrund

Frau Beigel und Frau Schäfer haben mit diesem Buch auf dem Hintergrund ihres theoretischen Wissens und ihren praktischen Erfahrungen eine Sammlung von direkt anwendbaren Ideen und Spielen erstellt.

Aufbau und Inhalt

Die beiden Autorinnen erläutern im Vorwort die Intension des Buches. Sie beschreiben, dass das vorliegende Werk einen Bogen vom Baby zum Schulkind spannt und praktische Impulse zur Entwicklungsbegleitung anbietet. Es werden spielerische Anregungen zu verschiedenen Bildungsbausteinen gegeben. So wird im Bezug auf die Ausführungen vom Remo Largo beschrieben, dass ein stimulierendes Milieu, sichere Bindung und einfühlsame Aufmerksamkeit von Geburt an für Kinder unverzichtbare Bausteine für eine günstige Entwicklung sind. Es wird deutlich, dass für die positive Entwicklungsbegleitung viele kleine Aspekte entscheidend sind. Dem Leser wird freigestellt, ob er sich ausschließlich den Praxisbeispielen widmet, sich mehr der Theorie zuwendet oder die Verbindung zwischen Beiden sucht. Das Buch ist so aufgebaut, dass unterschiedliche Zugangswege möglich sind.

Die praktischen Angebote sind mit Hilfe von Ziffern (0-9) den verschieden Bildungsbausteinen zugeordnet:

  • 0= Pflege und Förderung des Fühlens, Spürens, Tastens (Taktil-propriozepzive Förderung)
  • 1= Pflege und Förderung des körperlichen und seelischen Gleichgewichts (Vestibulare Förderung)
  • 2= Pflege und Förderung des Hörens und Zuhörens (Auditive Förderung)
  • 3= Pflege und Förderung des Sehens und Hinsehens (Visuelle Förderung)
  • 4= Grundlage zur angemessenen Verarbeitung von Hör-, Seh-, Gleichgewichts- und Hauterfahrungen. Grundlage zur Verarbeitung von neuen Situationen. (Unterstützung zur Ausreifung des Moro-Reflexes)
  • 5= Grundlage der Handgeschicklichkeit (Ausreifung des Palmar-Reflexes)
  • 6= Grundlage der Stand- und Gangsicherheit (Ausreifung des Plantar-Reflexes)
  • 7= Grundlage einer angemessen Mundmotorik (Ausreifung des Saug- und Suchreflexes)
  • 8= Grundlage der Zusammenarbeit /Koordination von rechter und linker Körperhälfte (Ausreifung des Asymmetrisch Tonischen Nackenreflexes)
  • 9= Grundlage der Zusammenarbeit der oberen und unteren Körperhälfte (Ausreifung des Tonischen Labyrinthreflexes/Ausreifung des Symmetrisch Tonischen Nackenreflexes)

Diese verschiedenen Bausteine werden kapitelweise vorgestellt, beziehen sich aber nicht ausschließlich auf die darauffolgenden Praxisbeispiele. Jede Spielidee berührt mehrere Bereiche. Zur Orientierung werden die jeweiligen Ziffern aufgeführt. Nach der Erklärung der Nummern findet der Leser eine Grafik, die den Aufbau des Buches schematisch darstellt und optisch deutlich macht, dass alle Beiträge in einem Bildungsnetz miteinander verknüpft sind. Das Inhaltsverzeichnis enthält 5 Kapitel mit entsprechenden Unterpunkten und Verweisen zu den jeweiligen Seitenzahlen.

Kapitel 1 startet mit dem Thema: „Bildung beginnt auf dem Wickeltisch“. Es werden zum Beispiel Körperspiele präsentiert. So das Spiel: „Ein schöner warmer Wind“, versehen mit den Ziffern:0,1,2,3,4. Das Baby liegt in Rückenlage und wird behutsam gestreichelt. Hierbei wird ein Text, passend zu den Bewegungen gesprochen. „Ein schöner warmer Wind. Der streichelt unser Kind, Die Ärmchen. Die Beinchen … Ein schöner warmer Wind küsst jetzt unser Kind.“ Es folgen Hintergründe zu den Wickeltisch –Spielen und Infos zum Bildungsbaustein „Taktiles Sinnessystem“. Berührungen und Erfahrungen werden im Gehirn gespeichert und helfen bei der Vernetzung der neuronalen Verbindungen. Wickeltischspiele haben Einfluss auf die gesamte Entwicklung. In dem oben erwähnten Kapitel wird der taktile Sinn vorgestellt. In allen Kapiteln gibt es Spielvorschläge, die im Besonderen diesen Sinn fördern.

Körperspiele auf und vor dem Wickeltisch – Kniereiter und kleine Tänzchen unterstützen unter anderem das Gleichgewicht. Das „Vestibulare Sinnessystem“ bewirkt, dass der Mensch aufrecht gehen kann. Verschiedene Informationen des Körpers werden hier koordiniert. Das Spiel „Drehe, drehe, Schätzchen“ (0,1,2,3,4,7,8,9) beschreibt einen Vers, der rhythmisch die Drehbewegungen begleitet, bei denen jeweils beim „miau“ das Drehen angehalten und Blickkontakt hergestellt wird. „Drehe, drehe Schätzchen, wir sind zwei kleine Kätzchen. Miau, miau …“

Im Kapitel 2 wird Entwicklungsförderung im U3 Bereich – zu Haus und in der Kita thematisiert. Finger- und Fußspiele, Klatsch- und Patschspiele, Tänzchen und Bewegungsspiele werden vorgestellt. Im theoretischen Teil werden das „Propriozeptives Sinnessystem“ und das „Auditives Sinnessystem“ erläutert.

Das 3 Kapitel heißt: „Vorfahrt für die Bildung! Kita, Schule, Elternhaus, Verein“. Die Wichtigkeit des kindlichen Spiels wird in diesem Kapitel hervorgehoben. Der Zwerg Willibald und seine tierischen Freunde sind inhaltlich Reflexen zugeordnet und begleiten mit Spaß die einzelnen Spiele. So ist zum Beispiel Babsi, die Ballbiene dem Moro-Reflex und Mia, die Musik-Mücke dem asymmetrisch, tonischen Nackenreflex zu gruppiert. Mit einem Fingerspiel werden der Zwerg Willibald und seine Freunde vorgestellt. Hierbei strecken sich aus einer Faust nacheinander die einzelnen Finger und erhalten entsprechende Namen. Das Kapitel enthält einen großen Schatz an praktischen Beispielen für die Unterstützung der Bildung im Kindergarten und in der Schule.

Nach den vielen Reimen und kleinen Geschichten stellt das 4 Kapitel unter dem Titel: „Pädagogisch wertvoll! – malen, Kneten, Basteln, Backen“ Fördermöglichkeiten durch basteln, gestalten und backen vor. Im Anhang befinden sich passende Kopiervorlagen.

Das 5 Kapitel umfasst Literaturempfehlungen, Tipps für Weiterbildungen und Kopiervorlagen.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Diskussion

Das vorliegende Praxisbuch spricht Fachleute, Eltern und Großeltern an. Durch die klare Strukturierung kann das Buch als Nachschlagwerk benutzt werden. Hilfreich sind die fachlichen Einordnungen und Erklärungen. Diese sind knapp gehalten, da es sich vorwiegend um ein Praxisbuch handelt. Die Bildungsbausteine sind mit der entsprechenden Fachbezeichnung benannt und als Ergänzung allgemeinverständlich beschrieben. Zum Beispiel: 4= Unterstützung zur Ausreifung des Moro-Reflexes (Grundlage zur angemessenen Verarbeitung von Hör-, Seh-, Gleichgewichts- und Hauterfahrungen, Grundlage zur Verarbeitung von neuen Situationen.)

Die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis ist gelungen und zeigt zum Beispiel wunderbar die wichtige Bedeutung von Finger- und Fußspielen. Die meisten Verse, Reime und Spiele sind neu, lehnen sich aber teilweise an alten Reimen und Rhythmen an. Die Autorinnen stellen Neues vor und erkennen gleichzeitig frühere Denkweisen und Traditionen an. Die zeitgemäßen, fröhlichen und attraktiven Sprüche motivieren zum Ausprobieren. Teilweise werden weit verbreitete Melodien mit neuen Texten versehen. Das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehen“ ist allgemein bekannt. In der Fassung der Autorinnen wurde der Text so formuliert, dass das Sprechen oder Singen das Eincremen eines Kindes begleiten kann. Hier ein kleiner Textausschnitt dazu: „Wer will liebe Kinder seh´n, Creme ein, creme ein. Das Beinchen wird gleich fertig sein …“ Die Entscheidung für die Begrifflichkeit „liebe Kinder“ ist meiner Ansicht nach nicht gut getroffen, da es sich hier um eine Wertung handelt. Kinder die körperlich berührt, bzw. eingecremt werden, sollten nicht „lieb“ sein müssen, sondern klar signalisieren können was sie möchten. Die Spielidee an sich ist geeignet und der Text kann problemlos auf die jeweilige Situation angepasst werden. Bekannte Melodien haben, für ungeübte Sänger, einen hohen Aufforderungscharakter, da sie allgemein bekannt sind und keiner Notenkenntnisse bedürfen. Einige Spielvorschläge orientieren sich an der von der Dorothea Beigel entwickelten Handpuppe Zwerg Willibald und seinen Tierfreunden. Es ist sehr positiv, das darauf hingewiesen wird, dass der Zwerg und die Tiere durch andere Figuren ersetzt werden können.

Die Intension des Buches ist es, Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder von Anfang an anzubieten. Hierbei wird eine Brücke gespannt vom Baby zum Schulkind. Die Bedeutsamkeit von Klatsch-, Patsch-, Reim-, Sing- und Bewegungsspielen ist enorm und für ein gesundes Entwicklungsfundament unerlässlich. Das Buch bietet einen reichen Schatz an Ideen und Erfahrungen und macht Lust auf das Ausprobieren vom oft in Vergessenheit geratenen Spiele. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es wesentlich, Eltern und Erzieher immer wieder daran zu erinnern, dass zwischenmenschliche Kommunikation und die gemeinsame Tätigkeit, Fundament für eine stabile Entwicklung sind.

Fazit

Das vorliegende Praxisbuch „ Bildung beginnt schon auf dem Wickeltisch“ von Dorothea Beigel und Ute Schäfer enthält 177 Optionen, um Babys, Kleinkinder und Schulkinder in ihrem Entwicklungsprozess zu unterstützen. Alle Vorschläge sind in ein theoretisches Konzept eingeordnet. Damit ein Kind die besten Voraussetzungen für seine Entwicklung erhält, ist die liebevolle Zuwendung und Aufmerksamkeit der Bezugspersonen bedeutsam. Mit Spaß und Abwechslung unterstützt die Sammlung den Entwicklungsverlauf von Kindern. Wichtige Bildungsbausteine wie Finger- und Fußspiele, Kindermassagen, Entspannungs- und Bewegungsspiele sowie Klatsch- und Patschspiele werden hier in den Mittelpunkt gestellt. Die Autorinnen beschreiben die Bedeutsamkeit der Spiele für die körperliche und seelische Resilienz und für die emotionale und kognitive Intelligenz.

Das Buch eignet sich für Eltern und Großeltern, sowie für Erzieher, Lehrer und Therapeuten. Es regt an, eigene Spielvariationen zu finden und Erfahrungen auszutauschen.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 27.11.2018 zu: Dorothea Beigel, Ute Schäfer: Bildung beginnt schon auf dem Wickeltisch. 177 sofort umsetzbare Möglichkeiten, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2018. ISBN 978-3-8080-0832-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24916.php, Datum des Zugriffs 15.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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