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Vanessa Conin-Ohnsorge, Martina Lackner u.a.: Männer an der Seite erfolgreicher Frauen

Cover Vanessa Conin-Ohnsorge, Martina Lackner, Angelika Weinländer-Mölders: Männer an der Seite erfolgreicher Frauen. Side by Side an die Spitze. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2018. 198 Seiten. ISBN 978-3-648-12096-5. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Dieses Buch widmet sich ganz spezifisch der Rolle, welche Männer an der Seite erfolgreicher Frauen einnehmen.

Autorinnen

Autorinnen sind drei erfolgreiche Führungspersonen, welchen es ein Anliegen ist, dass zukünftig noch mehr Frauen zuoberst in der Führungshierarchie tätig sein können.

Entstehungshintergrund

Das Buch wurde geschrieben aus dem Wunsch heraus, die immer noch bestehende Untervertretung von Frauen in Führungspositionen einmal nicht aus der Sicht der – mittlerweile recht gut erforschten und bekannten – strukturellen Benachteiligung von Frauen heraus zu betrachten, sondern spezifisch die Rolle des Partners – theoretisch könnte dies natürlich auch die Partnerin sein – erfolgreicher Führungsfrauen zu beleuchten. „Oft fragte man uns: Wieso, weshalb, warum dieses Buch? Die Antwort darauf ist einfach: Wir wollen Frauen in Führung bringen! (…) Side by Side verstehen wir als private Initiative für eine meritokratische Wirtschaft mit mehr Frauen in Führungspositionen“ schreiben die Autorinnen (S. 7, S. 15).

Aufbau

Nach dem Prolog der Autorinnen und zwei Vorworten folgt ein Kapitel mit einer Einleitung in das Thema, geschrieben von drei Expertinnen und Experten. In den Kapiteln zwei bis neun geben Paare und Einzelpersonen Einblick in ihre Erfolgsrezepte und berichten auch über Stolpersteine. Kapitel zehn fasst zehn Erfolgsaspekte zusammen, welche sich aus den Beispielen herauskristallisieren. Es folgt ein Fazit, ein kurzes Portrait der Herausgeberinnen und die Danksagung.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Inhalt

Kapitel eins versammelt drei Berichte von „informierten ExpertInnen“, welche einerseits von ihrem beruflichen Hintergrund her die Thematik kennen, andererseits aber auch selbst als Beispiele für das Thema herhalten können.

Guido Friebel, verheiratet mit einer früheren Unternehmerin und jetzigen DAX-Mitarbeiterin, ist Professor für Personalwirtshaft. Er identifiziert bei den im Buch vorgestellten Paaren bei allen individuellen Unterschieden zwei Gemeinsamkeiten: den Willen zum Erfolg, aber auch den Willen zum Kompromiss. Er sieht auf dem Karriereweg in erster Linie die Zeit als Stolperstein, aus dem sich mehrere Hindernisse ableiten: erstens Geld, denn Zeit ist auch Geld. Wer aber weniger verdient, kann weniger Zeit einsetzen, um in eine Spitzenposition zu gelangen. Als zweites Hindernis nennt Guido Friebel gesellschaftliche Normen: nach wie vor scheint es eine Tatsache zu sein, dass nicht wenige Männer grosse Mühe haben, wenn ihre Partnerin gleich viel oder gar mehr verdient als sie selber. Hindernis Nummer drei: viele (männliche) Entscheidungsträger gehen davon aus, dass Frauen weniger verlässlich und flexibel sind; einige von ihnen haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass eine qualifizierte Frau – auf Druck ihres Partners – ein Angebot abgelehnt hat.

Katrin Hansen wählt einen etwas anderen Ansatz. Die Professorin für Betriebswirtschaftslehre nimmt die soziale Konstruktion sowohl von „Frauen“ als auch einer Gesellschaft nach dem „Adult Worker Model“ in den Blick und stellt fest, dass in (West-)Deutschland die Bilder der „Hausfrauen-Ehe“ und des „Male Bread Winners“ immer noch sehr wirkmächtig sind. Dies, obwohl kaum mehr ein Mann in einer westeuropäischen Gesellschaft tatsächlich der alleinige Ernährer einer Familie ist. Außerdem sind Frauen(Körper), insbesondere wenn sie Mütter sind, in vieler Hinsicht tabu, besonders auf der Management-Etage. Ähnlich wie Guido Friebel kommt auch Katrin Hansen zum Schluss, dass die besten Chancen auf Chancengleichheit Partnerschaften haben, in welchen ökonomisches Kapital, aber auch kulturelles Kapital (in Form von Bildung und Bildungstiteln) ausreichend vorhanden sind, um den Beteiligten einen gewissen Spielraum zu gewähren.

Der dritte und letzte Teil der Einleitung ist von Regina Hodits verfasst, welche sich als Gründungsinvestorin im Gesundheitssektor einen Namen gemacht hat. Sie stellt fest, dass sie 2007 relativ und absolut gesehen weniger einsam war als Frau und Investorin als 2010. Über die Gründe kann sie teilweise nur mutmaßen: Finanzkrise, Umorientierung, aber auch, bei Kolleginnen, die immer noch im Geschäft sind, Wegzug, vorzugsweise nach England oder Frankreich. In Deutschland plädiert Regina Hodits für mehr Diversität im Team, bezüglich Gender (in ihrem Team sind ein Drittel der Mitarbeiterinnen Frauen), aber auch bezüglich beruflichem Hintergrund und Nationalität.

Die vorgestellten Paare in den folgenden Kapiteln geben mit großer Offenheit über ihre interne Arbeitsteilung, die – oftmals zumindest anfänglich eher feindlichen – Reaktionen des Umfelds sowie auch über die Schwierigkeiten ihrer Lebensform Auskunft. Tatsächlich scheinen sie alle, trotz unterschiedlichen Familiensituationen und -modellen (manchmal scheinen die „traditionellen Rollen“ einfach umgedreht, manchmal sind wahre Powerpaare am Werk, oft etwas zeitverschoben) einerseits einen Willen zum Erfolg, andererseits aber auch gegenseitiges Verständnis, sprich den Willen zum Kompromiss zu haben.

Die Expertinnenbeiträge und Porträts fassen die Autorinnen im zehnten Kapitel in folgende Erfolgsaspekte für Partnerschaften zusammen:

  • Selbstentfaltung und Eigenständigkeit
  • Emotionale und wirtschaftliche Unabhängigkeit beider Partner
  • Finanzielle Unabhängigkeit
  • Karriereerfolg im Doppelpack
  • Rollentausch
  • Örtliche Autarkie
  • Soziales Umfeld
  • Familienzeit versus Arbeitszeit

Diese Aspekte sind natürlich nicht unbedingt alle oder gleichzeitig vorhanden, spielen aber in allen präsentierten Beispielen eine Rolle.

Diskussion

Auf eine Art könnte man es als Trauerspiel bezeichnen, dass ein solches Buch im 21. Jahrhundert nötig und möglich ist. Wie auch Katrin Hansen erwähnt: in einer Gesellschaft, in der es als normal gilt, dass erwachsene Menschen auch ökonomisch selbst- und eigenständig sind, müsste ein solches Buch ein Ladenhüter sein. Dass überkommene und die Realität keineswegs noch widerspiegelnde Rollenbilder immer noch solche Wirkkraft aufweisen, bereitet Sorge. Allerdings zeigt sich da ein Silberstreif am Horizont: laut einem aktuellen Zeitungsbericht sind heutzutage immer weniger junge Männer bereit, ohne ihre Freundin im Ausland zu arbeiten – die Geschlechter scheinen sich anzugleichen.[1]

Obwohl die Autorinnen sich wohl bewusst sind, dass das von ihnen ausgewählte Segment ein gesamtgesellschaftlich kleines ist, finde ich die fehlende Abstrahierung der Erkenntnisse auch auf weibliche Berufsbiographien außerhalb des Managements bedauerlich. Denn eben gerade hier würde sich zeigen, dass vieles nicht mit „Führung“, sondern mit „Genderverständnis“ zu tun hat, was im Buch thematisiert wird.

Die seltsame Furcht vor gesellschaftlicher Kritik – bei den Herausgeberinnen, nicht bei den ExpertInnen – kann ich mir nicht erklären. Dazu passt aber die Betonung eines meritokratischen Führungsverständnisses – obwohl dann das ganze Buch davon handelt, dass es Meritokratie eben nicht gibt. Irritierend finde ich auch das immer wieder betonte „side by side“, welches eben nicht „gemeinsam“ oder „Seite an Seite“ bedeutet, sondern „nebeneinander“. Das entspricht nun ja aber gerade nicht dem Ideal der Autorinnen. Die Übersetzungsseite Leo.org gibt als figürliche englische Übersetzung für „Seite an Seite“ „cheek by jowl“ oder „shoulder to shoulder“ an, welche meiner Meinung beide das gemeinsame Fortschreiten mit gemeinsam nach vorne gerichtetem Blick sehr schön umschreiben. [2]

Fazit

Das vorliegende Buch, insbesondere die verschiedenen, ehrlichen und authentischen Portraits ist eine unterhaltsame, aufschlussreiche Lektüre für alle, welche sich für die Rollenteilung in (heterosexuellen) Partnerschaften interessieren. Die Beiträge vor allem der ersten beiden ExpertInnen finde ich sehr aufschlussreich.

Die Stoßrichtung der Autorinnen, den Blick auf die „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“ zu richten, ist auf den ersten Blick innovativ und interessant. Meines Erachtens hätte es jedoch einer kritischeren Auseinandersetzung mit bestehenden und fortwährenden strukturellen Ungleichheiten bedurft – dies aber lehnen die Autorinnen explizit ab und fokussieren auf die – vermeintlich strukturell „unverdorbene“ – individuelle Ebene.


[1] https://www.20min.ch/schweiz/news/story/Krankenkasse-13648201, publiziert am 3.2.2019, aufgerufen am 14.2.2019.

[2] Leo.org, aufgerufen am 14.2.2019


Rezensentin
Simone Gretler Heusser
Dozentin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Homepage www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/perso ...
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Zitiervorschlag
Simone Gretler Heusser. Rezension vom 05.03.2019 zu: Vanessa Conin-Ohnsorge, Martina Lackner, Angelika Weinländer-Mölders: Männer an der Seite erfolgreicher Frauen. Side by Side an die Spitze. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2018. ISBN 978-3-648-12096-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24920.php, Datum des Zugriffs 19.04.2019.


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ISSN 2190-9245

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