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Birgit Lahann: Schriftsteller in Zeiten des Faschismus

Cover Birgit Lahann: "Wir sind durchs Rote Meer gekommen, wir werden auch durch die braune Scheiße kommen". Schriftsteller in Zeiten des Faschismus. Verlag J.H.W.Dietz (Bonn) 2018. 312 Seiten. ISBN 978-3-8012-0539-3. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
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Wie Faschismus, Ethnozentrismus, Nationalismus, Rassismus und Populismus die Axt an die Demokratie legen – und was wir dagegen tun können!

Angesichts der lokalen und globalen Kakophonien, menschen- und demokratiefeindlichen Entwicklungen wird immer wieder die Frage gestellt, ob die besorgniserregenden Aktivitäten, die in der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte schon einmal die Welt an den Abgrund geführt haben, irgendwo Parallelen zum Heute aufweisen;  etwa, dass Schriftstellerinnen und Schriftsteller Warnungen aussprachen und Widerstand gegen den Faschismus zwischen 1918 und 1933 leisteten.  Es ist die uralte und immer wieder neue und aktuelle Frage, ob es gelingen könne, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie informiert und aufgeklärt sein wollen ( Jos Schnurer, Die Menschen motivieren, dass sie aufgeklärt und gebildet sein wollen!, in: Pädagogische Rundschau, 3/2018, S. 363 – 373 ). 

Autorin

Die Journalistin und Autorin Birgit Lahann macht sich auf diesen Weg. Mit ihrer „Anatomie der deutschen Literaturelite“ schaut sie nach, in welcher Weise sich ausgewählte und prominente Schriftstellerinnen, Schriftsteller und Kulturschaffende zu den völkischen, faschistischen und nationalsozialistischen Entwicklungen verhielten, ob und in welcher Weise sie sich anpassten oder Widerstand leisteten. Es sind Zeugnisse, die im Zusammenhang mit den politischen Machtverhältnissen diskutiert und bewertet werden müssen; und es sind notwendige Belege und Vergleichswerte zum Mutmachen und Eintreten für Menschenrechte und Menschenwürde.

Aufbau und Inhalt

Wenn von Literatureliten gesprochen wird, sind die Kultur- und Geistesschaffenden gemeint, die von der Mehrheit der Bevölkerung als Heroen anerkannt sind und auf der Ehrengalerie des „deutschen Hauses“ aufgereiht sind. Ihre Werke bilden den Kanon einer nationalen, politischen und moralischen Autorität und Identität. Dann passiert es: Am 10. Mai 1933 bauen „Studenten in vollem Wichs und Nazis in Braunhemden mit festgezurrtem Sturmriemen unterm Kinn…, stramm mit germanischem Blick neben Hakenkreuz und Fahne“  auf dem Berliner Opernplatz einen Scheiterhaufen, auf dem sie dem Regime verhasste Literatur den Flammen übergeben. Es sind Werke von Marx und Kautsky, von Erich Maria Remarque, von Alfred Kerr, von Sigmund Freud, von Theodor Wolff, von Tucholsky, Ossietzky, Erich Kästner, Heinrich und Thomas Mann, Stefan Zweig  und vielen anderen. Bemerkenswert, dass die Bücherverbrennung nicht von der Führung der Nationalsozialisten angeordnet und organisiert wurde. Es waren Mitglieder des nationalsozialistischen deutschen Studentenbundes, die – beeinflusst, verführt und indoktriniert vom faschistischen Denken – ihre Privat- und Universitätsbibliotheken „säuberten“. Die Untat freilich nützte den Ideologen, und sie benutzten sie, um gegen „Unrat und Schmutz jüdischer Asphaltliteraten“ vorzugehen.

Die Autorin beschreibt in ihrer „Anatomie der deutschen Literaturelite“ tatsächliche Situationen, und sie liefert damit ein Quellenmaterial, das nichts beschönigt und alles erklärt. Es sind die ungehörten Warnungen Heinrich Heines, wenn er in seinem Tragödienspiel „Almansor“ (1821) auf die in der Menschheitsgeschichte immer wieder erfolgten Denkverbote  reagiert: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“. 

Die Kapitel der Anatomie oder Autopsie werden mit Zitaten überschrieben, die gleichzeitig Inhaltsangabe sind:

„Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach!“, womit Oskar Maria Graf am 12. Mai 1933 in der „Wiener Arbeiterzeitung“ protestierte, dass die Nazis seine Werke beim Autodafé vergessen hatten (und dies ein Jahr später nachholten). Viele der Autoren verließen Deutschland und suchten Asyl in anderen Ländern, nicht selten unter Existenznot ( vgl. dazu auch: Detlef Brandes, u.a., Hg., Flüchtlinge und Asyl im Nachbarland. Die Tschechoslowakei und Deutschland 1933 bis 1989, 2018, http://www.socialnet.de/rezensionen/23836.php ).

„Auch wem es nicht vergönnt ist, für die Ehre der Nation sein Blut zu verspritzen“. Woher kam dieser Fanatismus, dieser Rassismus und dieser Hass auf alles, was für Freiheit und Humanität eintrat? Es waren die Aufforderungen zum kritischen Denken, zu Veränderungsprozessen durch die aufstrebenden Literaten und Theaterschaffenden, die auch Verunsicherungen und Unsicherheiten bewirkten. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegsschuf Heldentum und Heldentod, Elend und Not. Die zaghaften demokratischen Gehversuche stolperten immer wieder in die Fallen derer, die viel versprachen und ihre Unfähigkeit durch Autoritätsgehabe, Strammheit und Fanfarenklang vertuschten. Diejenigen, die dies durchschauten und publik machten, wurden zusammengeschlagen und aus dem Land gejagt.

„Aber der Jude hatte das Unglück ins Haus gebracht“. Der Schuldige und der Feind waren gefunden. Die Rassenlehre wird zum Stützgerüst. Diejenigen, die aus dem Schema fallen, resignieren, wie der jüdische Schriftsteller Hermann Kesten, der 1933 nach Frankreich und 1940 in die USA emigrierte und dort für viele vom Naziregime verfolgte Künstler zum Ansprechpartner und Retter wurde: „Der Patriotismus des Deutschen besteht darin, dass sein Herz enger wird, dass es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, dass er das Fremdländische hasst, dass er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Deutscher sein will“.

„Man las seine Reden und spürte einen unüberhörbaren Ton: einen Prophetenton“. Die Rede ist vom Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau. Mit dem Vertrag von Rapallo, der  völkerrechtlichen Anerkennung des Deutschen Reiches durch die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik und den Verzicht auf Reparationszahlungen, war der Jude Rathenau zum verhassten Objekt der Völkischen und Nationalsozialisten geworden. Am 24. 6. 1922 wurde Rathenau in Berlin ermordet.

„Auf einem schmutzigen Stück Papier standen kreuz und quer Namen“. Es waren Angehörige der rechtsterroristischen und antisemitischen Organisation Consul, die den Mord an Walther Rathenau vorbereiteten und schließlich ausführten: „Knallt ab den Walther Rathenau. / Die gottverdammte Judensau!“.

„Diese Schmach, dieses Land, diese Mörder, diese Justiz“. Nur ein paar Tage nach der Ermordung von   Rathenaus wird auf den deutsch-jüdischen Schauspieler, Publizisten, Journalisten und Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zukunft“, Maximilian Harden ein Attentat verübt, das ihm fast das Leben kostet. Die Gerichtsverhandlung gegen die Täter verfolgt Kurt Tucholsky, und er entlarvt die giftige, nationalsozialistische Saat, die zu der Tat führt.

„Ich saß mit Goebbels in seinen Logen und trank an seinen Tischen“. Der Dramatiker Arnold Bronnen und Freund von Bertolt Brecht „mutiert vom linken Wutbürger zum wüsten Nazi“. Mit dem Theaterstück „Vatermord“ will der zu kurz gekommene, frustrierte Bronnen zu neuen politischen Ufern aufbrechen. Er beteiligt sich an den Attacken der Nazis gegen die Filme und Theaterstücke von Maria Erich Remarque und Thomas Mann. Die Weimarer Republik „ist von den Nazis mit Mord, Gebrüll und Fackelzügen, mit Prügeleien, Überfällen und Hetzkampagnen gewaltsam zertrampelt worden“.

„Ich kenne diesen Feigling nicht. Dornen sollen wachsen, wo er noch hinwankt“. Mit diesem biblischen Spruch verflucht der Kritiker Alfred Kerr den Dramatiker Gerhart Hauptmann, weil dieser sich zum Nationalsozialismus bekannte: „Dich trug die Woge, die du nun trägst“, diese Lobpreisung an Hitler verrät die Angepasstheit und das Spekulative von Gerhart Hauptmann. Mit seiner Solidaritätserklärung „Ich sage ja!“ wird das Sympathieband zwischen ihm und Kerr zerschnitten.   

„Wir waren die letzten Liebenden vor der Sintflut“. Auch die Werke des deutsch-jüdischen expressionistischen Schriftstellers Walter Georg Alexander Hasenclever haben die Nazis verbrannt. Er entzog sich der Verhaftung, indem er in Frankreich ins Exil ging und dort, um sich der Festnahme durch die Gestapo zu entziehen, am 20. Juni 1940 selbst tötete. Sein Buch „Irrtum und Leidenschaft“ gilt als autobiographisches und gleichzeitig epochales Zeugnis. Seine, des Kommunisten Hoffnungen, dass künftig in Deutschland, in Europa und in der Welt nicht mehr mit Waffen, sondern mit den Worten der Freiheit gesiegt werde, erfüllen sich nicht.

„Sehen Sie nicht, dass ich vor Ihnen auf den Knien liege?“ – diese „Anbetung“ war eines der Unterwerfungen, die das politische Denken von jungen Deutschen bestimmte. Stefan George und seine Adapten lebten den nationalistischen, höherwertigkeitsbestimmten Wahn. Zu diesem Kreis gehörten auch Ernst Jünger und der Journalist Friedrich Sieburg. Mit dem 1933 erschienenem Buch „Es werde Deutschland“ unterwirft er sich mit Haut und Haaren der nazistischen Ideen und Politik. Lion Feuchtwanger charakterisiert ihn in seinem Roman „Exil“ als den geborenen Opportunisten. Deutschland müsse sich seiner „schöpferischen Dämonie“ wieder auf die ewigen Werte besinnen, wie dem soldatischen Geist, auf Radikalität und Unberechenbarkeit: „Der Wehrgedanke entspricht der deutschen Natur“. Wie Opportunisten eben sind, übersteht Sieburg unbeschadet die Niederlage des Nationalsozialismus ; er sei nie Parteimitglied gewesen, schreibt er in den Entnazifizierungsfragebogen. Bis zu seinem Tod 1964 war er der mächtige und gefürchtete Literaturkritiker der FAZ.

„Wer sich in dieser Stunde zweideutig verhält, wird für immer nicht mehr zu uns gehören“. Auch Gottfried Benn, der aufstrebende und anerkannte Lyriker und Arzt , legte, zusammen mit 88 deutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ ab. Die Dichterin Agnes Miegel, Mitglied der NS-Frauenschaft und der (gesäuberten) Preußischen Akademie der Künste, dichtete: „Laß in deine Hand, / Führer, uns vor aller Welt bekennen; / Du und wir, / nie mehr zu trennen / stehen ein für unser deutsches Land“. Die Bedenken von Klaus Mann gegen diese unkritische Gefolgschaft wurde von Benn weggewischt: Eine herrschaftliche Rasse könne nur aus furchtbaren und gewaltsamen Anfängen emporsteigen. Die Rassenpolitik der Nazis unterstützte er. Die Einsicht über seine Irrungen und Wirrungen kam zu spät. Der Versuch einer individuellen und gesellschaftlichen Aufarbeitung, den er mit dem Roman „Doppelleben“ 1950 unternahm und in mehreren Rundfunkdiskussion im SFB zu erklären versuchte, waren unglaubwürdig.

„Wenn ich Kultur höre, entsichere ich meinen Browning“. Der Bühnenautor und Dramatiker Hanns Johst ist seit dem 1. März 1933 erster Dramaturg am Staatlichen Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt. Seine nationalsozialistische Gefolgschaft beschert ihn 1935 das Amt des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer. Zum 44. Geburtstag des Führers wird sein Drama „Schlageter“ aufgeführt, eine Huldigung und Emporhebung des nationalistischen Terroristen Albert Leo Schlageter, der während der Weimarer Zeit mehrere Sprengstoffanschläge verübt und gegen die Demokratie kämpft. Er wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Die Nazis hatten in dem Theaterstück ihren Heldenmythos gefunden, und Johst seine Bestimmung: „Devotion, zur Schau getragenem Selbstbewusstsein und Kriecherei“.

„Der Hahn verlangte Brot für seine Frauen, aber mir war es, als fragte mich sein Blick: Soll ich krähen, Petrus?“. Viktor Mann, der Bruder von Heinrich und Thomas Mann, ist kein Schriftsteller, sondern ein Sachverständiger für Agrarkredite. Er schreibt trotzdem die Familientragödie „Wir waren fünf“, kurz bevor er 1949 stirbt. Die Nachfragen der Gestapo nach seinem Ariertum kann er durch den Nachweis seines „Ahnenpasses“ abwehren: Nein, mit ihren schmählichen Rassenfallen konnten mir diese Rassenlosen nicht kommen“. Die Attacken, die seine Brüder Thomas und Heinrich vom Exil aus gegen das Nazi-Regime ritten, gehen ihn nichts an. Er entzieht sich der öffentlichen Aufmerksamkeit, indem er sich als landwirtschaftlicher Berater bei der Wehrmacht meldet und in der Provinz landet. Bei einer eher geselligen Nachfrage im Wirtshaus, ob er mit den Agitatoren Thomas und Heinrich Mann verwandt sei, verleugnet er sie.

„Mir war, als sei  ich in Jerusalem an jenem Tag, als man Christus nach Golgatha brachte“. Der 1880 geborene Otto Flake war ein bekannter und erfolgreicher Schriftsteller und Journalist. Er gab 1920 Honoré de Balzacs Roman „Verlorene Illusionen“ in deutscher Sprache heraus. Kurt Tucholsky und Stefan Zweig schätzten ihn als bedeutsamen Essayisten.  Auch er unterschrieb 1933 die Ergebenheitserklärung an Adolf Hitler. Flakes Lavieren zwischen Anpassung und Skepsis mündet im „Aussitzen“ und in der Hoffnung, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nur eine vorübergehende  Episode  sein würden.

„Wir sind durchs Rote Meer gekommen, wir werden auch durch die braune Scheiße kommen!“. Diese Titelhoffnung korrespondiert mit den ambivalenten Haltungen von Gerhard Hauptmann vor und während der Nazizeit. Der Romanist Victor Kemperer hat in seinen Tagebüchern akribisch aufgeschrieben, was er im „Dritten Reich“ erlebte. Diese umfangreichen Schriften sind heute Dokument und Warnruf zugleich.     

„Das Dritte Reich bringt sich um. Doch die Leiche heisst Deutschland“. In den Kriegstagebüchern von Ernst Jünger, Heinrich Böll und Erich Kästner finden sich Passagen, in denen begeistert und beeindruckt von Begegnungen mit französischen Intellektuellen und Künstlern berichtet wird Gleichzeitig werden Irritationen durch die barbarischen, bösen Aktivitäten, die Carlo Schmid bezeichnet als „Philosophie von Viehzüchtern, angewandt am verkehrten Objekt“. Der uniformierte „Kultur-Flaneur“ Ernst Jünger genießt die Pariser Zeit, bevor er in den unwirtlichen Kaukasus geschickt wird, wo er sich um die Moral der Truppe kümmern sollte. Heinrich Böll wird im Juni 1940 nach Polen abkommandiert und danach nach Russland. Er wird mehrmals verwundet, sieht Kameraden um sich sterben und durch die „Hitler-Droge“, Pervitin, am Leben gehalten. Erich Kästner schreibt seine Kriegserlebnisse in den Jahren von 1941 - 45 in sein geheimes Kriegstagebuch „Das blaue Buch“. Es sind ironische Anmerkungen, wie etwa, „dass man den Stern ‚Pour le Sémit“ nennt, also nach dem hohen preußischen Verdienstorden ‚Pour le Mérite‘“; oder wenn er am 1. 9. 43 notiert: „Ein neues Tischgebet von uns: Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und iss mit uns, wenn du Marken hast“.  Seine Begründung, als verfemter Schriftsteller nicht ins Exil zu gehen: „Ich blieb, um Augenzeuge zu sein“.

„Hitler kam für die Deutschen immer von weither; erst eine Weile vom Himmel hoch; nachher dann aus den tiefsten Schlünden der Hölle“. Die individuelle und öffentliche Aufarbeitung der Gräueltaten und Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes vollzog sich nach Kriegsende eher zögerlich und relativierend denn als konsequent und objektiv. Der junge Militärhistoriker, Sohn eines polnischen Juden und in Diensten der US-Army, Melvin J. Lasky, reist durch das zerstörte Deutschland, spricht mit verstörten Deutschen und gründet in Berlin die prodemokratische und antikommunistische Zeitschrift „Der Monat“, in der er Texte von Literaten von T.S.Eliot, Max Frisch, Peter de Mendelssohn, George Orwell, Hannah Ahrendt und anderen veröffentlicht, um so die Deutschen mit den ihnen weitgehend unbekannten Ideen von Demokratie, Freiheit und Menschenwürde vertraut zu machen. In seinem Tagebuch, das erst 2014 ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht wurde, notiert er die Unsicherheiten und Verunsicherungen der Menschen. Er begegnet solchen, die immer noch an Hitler und den Sieg glaubten; aber auch solchen, wie dem Historiker und Publizisten Sebastian Haffner, der die Zeit des Nationalsozialismus und die gestörte Persönlichkeit Hitlers schon früh aufzuarbeiten begann.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das vollständige Inhaltsverzeichnis.

Fazit

Für jeden, der lesen und denken kann, der offen ist für Informationen und historische Analysen, der sich nicht ideologisch einschließt, einmauert und Fake News erkennt, werden die Quellenmaterialien, die Birgit Lahann in ihrem Buch zusammenträgt, Türöffner sein durch bisher unbekannte, verdrängte und geheim gehaltene Türen. Sie erlauben Blicke durch blindgewordene Fenster und Abgründe. Sie bieten die Chance, abgebrochene Brücken wieder aufzubauen; und sie lassen die Hoffnung reifen, dass Geschichte kennen und denken die Grundlage für eine humane, demokratische, freiheitliche, friedliche und gerechte Gegenwartsbewältigung und Zukunftsgestaltung ist. Die anfangs gestellte Frage, ob das Denken, das Handeln und die Schicksale von Schriftstellerinnen, Schriftstellern und Intellektuellen vor, während und nach dem Nationalsozialismus Parallelen zu heutigen, ego-, ethnozentrierten, nationalistischen, rassistischen und populistischen Kakophonien aufweist, muss von jedem Einzelnen individuell und im kollektiven Dialog beantwortet werden!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 29.10.2018 zu: Birgit Lahann: "Wir sind durchs Rote Meer gekommen, wir werden auch durch die braune Scheiße kommen". Schriftsteller in Zeiten des Faschismus. Verlag J.H.W.Dietz (Bonn) 2018. ISBN 978-3-8012-0539-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/24937.php, Datum des Zugriffs 27.06.2019.


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